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Inhalt der Sendung

In den abgeschiedenen Sumpfgebieten Süd-Louisianas konnte die eigentümliche Sprache, die großartige Küche und die vom Akkordeon dominierte Musik der Cajuns bis heute überdauern

"Let the good times roll", "laisser les bon temps rouler", "der Spaß an der Freud" - das ist seit 50 Jahren das Motto in Fred's Lounge in Mamou, Louisiana. In dieser legendären Kneipe geht jeden Samstagmorgen um neun Uhr die Post ab, wird zum Rhythmus der Cajunmusik getanzt.

Die eigentümliche Musik und die französische Sprache machen deutlich, dass der Süden des Südens ein ganz besonderes Stück Amerika ist.

In den 1940er-Jahren hatten Ölfunde auf die "Hinterwäldler" mit der merkwürdigen Sprache aufmerksam gemacht. Ansonsten war Cajun Country lange Zeit völlig isoliert vom übrigen Amerika. Erst seit 1973 verbindet eine Schnellstraße auf Betonstelzen über das Atchafalaya-Sumpfbecken hinweg diese Region mit Baton Rouge und New Orleans. Dass sie ihre eigenständige Kultur so lange bewahren konnten, verdanken die Cajuns der Abgeschiedenheit. Ihr verdanken sie allerdings auch, dass der Name "Cajun" als Schimpfwort in den amerikanischen Sprachgebrauch einging; er stand für einen "zurückgebliebenen Bauernlümmel". Die angeblich so eigenbrötlerischen Menschen haben in den letzten 15 Jahren ein neues Selbstbewusstsein entwickelt. Viele Junge wollen ihre lange Zeit unterdrückte Sprache erlernen; sie begeistern sich für die Cajun- und die Zydeco-Musik, und nicht zuletzt die Küche beweist, dass sich diese Kultur nicht vom "American Way of Life" hat aufsaugen lassen. Ein Trumpf, der Jahr für Jahr mehr Touristen in die Sümpfe des Mississippi-Deltas zieht.

  • zwei Fischer in einem kleinen BootCrawfish-Fang im Atchafalaya Basin, im Süden Louisianas
  • ein junger Man spielt AkkordeonNachwuchsstar Horace Trahan spielt das Cajun-Akkordeon im traditionellen Stil.

Details

Die Sendung beginnt mit Bildern aus der Kleinstadt Mamou an einem Samstagmorgen. Seit 1945 treffen sich in Freds legendärer Lounge zahlreiche Gäste - jung und alt - zur Musik und zum Tanz. Wir erleben die Stimmung der Einheimischen während einer Liveshow des Lokalradios, bei der eine typisch ländliche Cajunband ihre Musik erklingen lässt, mit dem typischen Akkordeon, mit Gitarre, Geige, Schlagzeug und Triangel.

Acadiana heißt das Land, das sich über etwa 300 Meilen entlang der Golfküste Louisianas erstreckt, das Land der Bayous (Marschland) und Sümpfe, Prärien und Reisfelder. Im 18. Jahrhundert wurden Siedler, die aus Kanada vertrieben wurden, hier im Cajun County sesshaft. Im Osten wird diese Region vom Mississippi zwischen Baton Rouge und der Mündung in den Golf von Mexiko begrenzt, im Westen von der Staatsgrenze zwischen Texas und Louisiana bis etwa zur Höhe von De Quincy und Ville Platte. Es umfasst etwas weniger als die Hälfte der Staatsgebietes von Louisiana. Lafayette ist mit 85.000 Einwohnern die größte Stadt. In dieser Gegend kommen die kulturellen Eigenheiten der weißen (Cajuns) und schwarzen (Kreolen oder Creoles) Bewohner besonders zum Tragen.

Bis zum Bau der Interstate 10 im Jahre 1973 waren die Bayous nur schwer zugänglich. Hier, in dieser flachen sumpfigen Landschaft, siedelten die Cajuns zunächst. Die Gegend ist so nass - Mamou erreicht mit 25 Metern über dem Meeresspiegel die größte Höhe - dass die Straße auf Stelzen verläuft und selbst die Gräber höhergelegt sind.

Die Geschichte der Cajuns, die als Einwanderer aus der Bretagne ins heutige nordöstliche Kanada, dem ursprünglichen Acadia, kamen, begann auf dem amerikanischen Kontinent im Jahre 1604. Während des hundertjährigen Krieges zwischen England und Frankreich wurden sie zum Spielball wechselnder Interessen. Als sich die ursprünglich französischen Pioniere 1713 nach dem Frieden von Utrecht weigerten, zum anglikanischen Glauben der neuen Herren überzutreten, blieb ihnen 1753 nur der Ausweg, das angestammte Land zu verlassen. Von etwa 16.000 Acadians erreichten die meisten nach etwa zehnjähriger Flucht Louisiana. Obwohl dieses französische Gebiet genau zu dem Zeitpunkt in spanische Hände fiel, durften sie bleiben, um die Sümpfe und das Frontland im Westen zu erschließen. Die Sendung zeigt das Denkmal von Evangeline in St. Martinsville, das das Nationalepos der Cajuns verkörpert. Evangeline wartete unter einer alten Eiche auf ihren Ehemann, von dem sie während der Odyssee der Acadianer durch Nordamerika getrennt war. Nach dessen Ankunft, so die Legende, starb er in ihren Armen. Sie starb kurz danach

Im 19. Jahrhundert entstanden die Städte Lafayette und Opelousas, um 1860 wurden 18.000 Namen von Acadians gezählt. Aus dem Wort "Acadian" wurde im Laufe der Zeit "Cajun". Die Familien lebten praktisch bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges isoliert vom restlichen Amerika und wurden folgerichtig als hinterwäldlerisch, als hillbillies, bezeichnet. "Cajun" war ein Schimpfwort. Erst in jüngster Vergangenheit hat sich das Bild der Cajuns positiv verändert, gewinnt die Kultur dieser Menschen zunehmend an Bedeutung und Anerkennung. Die Sprache, das Essen, die Musik und die Lebensart des easy living sind kennzeichnend für die Cajuns. Obwohl versucht worden ist, das Cajun-French u. a. durch Verbot in der Schule zurückzudrängen, gibt es heute etwa 1 Million Menschen in Louisiana, die als erste oder zweite Sprache das Patois sprechen. Daneben existiert Cajun English, das sich vor allem durch Wortwiederholungen - nicht nur hot für scharf, sondern hot, hot - und eigenständiges Sprachregister - to pass a look anstatt to take a look - auszeichnet.

Die Wurzeln der typischen Cajun-Musik reichen bis in die Bretagne zurück. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts veränderte das Akkordeon, die Quetsche, von jüdischen Einwanderern aus Deutschland nach Louisiana eingeführt, die traditionelle Musik. Aufgrund von Nachschubproblemen der deutschen Firma Hohner aus Trossingen während des Zweiten Weltkrieges entwickelte sich eine eigenständige Herstellung dieser beliebten Instrumente. Ein Besuch in der Werkstatt von Junior Martin zeigt, wie solch ein diatonisches Knopfgriffakkordeon in Handarbeit hergestellt wird.

In der Sendung treffen wir auf den sehr konservativ denkenden Horace Trahan, der mit seiner Familie etwa zehn Kilometer nördlich von Lafayette lebt. Wir sind Zeugen eines Familienfestes anlässlich der Veröffentlichung von Horaces erster CD mit traditioneller Cajun-Musik. Aufgrund günstiger natürlicher Voraussetzungen spielt im feuchten Süden Louisianas der Reisanbau eine besondere Rolle. In der Liberty Rice Mill in Kaplan beobachten wir die Abläufe in der Reismühle eines Familienunternehmens. Der Reis, den Glen Ray Trahan anbaut, ersetzt die übliche Braugerste bei der Herstellung von Budweiser Bier. Darüber hinaus spielt der Reis bei der Zubereitung typischer Cajun-Gerichte eine sehr wichtige Rolle.

Süßwasser-Flusskrebse, crawfish, sind ebenso typisch für Cajun Cuisine. In den Bayous des Atchafalaya-Beckens, die vom Wasser des Mississippi überflutet werden, begegnen wir Fischern beim Craw fishing. Crawfish Étouffée ist eine beliebte Spezialität. Die Flusskrebse werden von Louisiana aus in großen Mengen zusammen mit einschlägigen Rezepten und sonstigen folkloristischen Beilagen innerhalb der Vereinigten Staaten vertrieben. Rund 90 % der weltweit vermarkteten Flusskrebse stammen aus Louisiana.

Ein weiterer Wirtschaftsfaktor für Louisiana ist die Förderung von Erdöl und Erdgas seit dem Jahre 1901 sowohl im nördlichen Landesinneren als auch an der Küste und offshore. Im Golf von Mexiko befinden sich zahllose Ölplattformen in seichtem Gewässer und fördern die natürlichen Schätze. In der Sendung werden einige historische Aufnahmen vom Beginn der Ölförderung bis hin zur Gewinnung auf einer Plattform gezeigt. Ein Ingenieur hebt hervor, dass durch die Ölindustrie nicht nur neue Arbeitsplätze geschaffen worden sind, sondern die Infrastruktur des Cajun Country erheblich verbessert worden ist, da neue Straßen, Schulen und Krankenhäuser gebaut werden konnten.

Eine der wichtigsten Zutaten zu einem typischen Cajun-Essen ist eine scharfe Pfeffersauce, Tabasco, die ihren Ursprung hier hat. Nach dem Ende des amerikanischen Bürgerkrieges, im Jahre 1868, begann Edmund McIlhenny Kapsikum, spanischen Pfeffer anzubauen und zu einer Pfeffersauce zu verarbeiten, die ihm ein Patent einbrachte, nach dem noch heute produziert wird. Im Januar wird der Pfeffer in Gewächshäusern ausgesät, im April ausgesetzt und im August geerntet. Wir sehen Pfefferfelder und einen kleinen roten Stab, mit Hilfe dessen Farbe der Reifegrad des Pfeffers und damit der richtige Erntezeitpunkt bestimmt wird. Der Pfeffer wird mit verschiedenen Fermenten und besonderem Essig vermischt, einen Monat lang verrührt und dann in die bekannten Flaschen abgefüllt.

Im letzten Teil der Sendung wird schließlich die Musik der schwarzen Bevölkerung im Südwesten Louisianas vorgestellt, Zydeco. Diese Musik orientiert sich einerseits an afrokaribischen Rhythmen, andererseits am Blues des Mississippi-Deltas. Die Zydeco-Musiker spielen im Gegensatz zu den Cajuns Pianoakkordeone mit Tasten, die Halbtonschritte zulassen, um die für den Blues typischen blue notes zu ermöglichen. Statt der Triangel benutzen die Schwarzen ein Waschbrett, rub board, manchmal ein Saxophon statt der Geige. Der unbestrittene König des modernen Zydeco war Clifton Chenier. Amédée Ardoin war in den 30er Jahren der erste schwarze Akkordeonist, der Schallplatten aufgenommen hat. Seine Musik spielte er vornehmlich bei Hausparties der weißen Cajuns. Sein Enkel, Chris Ardoin, ist heute einer der erfolgversprechendsten Zydeco-Musiker. Die Schlussszenen der Sendung verdeutlichen, dass es im Süden Louisianas immer noch eine relativ starke Trennung der Rassen gibt. Pfarrer Ron Broussard bestätigt gar immer noch eine unterschwellige Sklaven- und Sklavenhaltermentalität. Als am Ende der Sendung die Familie Trahan das Essen fertig hat, wird noch einmal deutlich, dass Essen und Musik den Alltag der Cajuns auf besondere Weise bestimmen.

  • ältere Männer und Frauen musizieren gemeinsam"Let the good times roll", "laisser les bon temps rouler", in Fred's Lounge geht jeden Samstagmorgen die Post ab ...
  • zwei Männer musizieren auf einer BühneAltstar D.L. Menard mit Nachwuchsstar Horace Trahan
  • eine Strassenbrücke führt über WasserDie Interstate 10 führt mitten durch die unzugänglichen Sümpfe und Bayous
  • ein Sumpf mit MangrovenbäumenIn den "swamps" im Süden Louisianas
  • ein HolzschildEvangeline Oak
  • ein FriedhofDas "nasse Land" verfolgt die Cajuns bis in den Tod. Die Gräber auf dem Friedhof von Opelousas sind höhergelegt. In einem Meter Tiefe steht schon Grundwasser.
  • Flaggen vor einem HausDie Fahnen am Haus des Gouverneurs von St. Martinsville zeigen, wie oft das Land der Cajuns schon den Besitzer wechselte.
  • ein Fischer leert sein Netz
  • eine HolzplattformHalbverfallene Holzplattformen von ehemaligen Ölbohrtürmen findet man überall in den Sümpfen