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Inhalt der Sendung

Love and peace, Party und Protest - was ist geblieben von den Träumen der 1960er-Generation? Wie denken die Kinder der Blumenkinder über die Ideale und die wilde Vergangenheit ihrer Eltern?

Zwei Mütter und ihre Söhne erinnern sich an die wilden 60er, an das Leben zwischen Party und Protest.

Scott McKenzie, Mamas and Papas, Santana und die Beach Boys - das sind Namen, an die sich die heute 43- bis 50-jährigen gerne zurückerinnern. Einige von ihnen standen eher auf den psychedelischen Varianten wie Vanilla Fudge, Pink Floyd und Jefferson Airplane, andere auf harten Vertretern wie Jimi Hendrix, Janis Joplin, Grateful Dead oder den Stones. Der Gipfel waren die legendären Festivals in Monterey, Woodstock und Altamont. Neben der Musik war es der Vietnam-Krieg, der die Menschen polarisierte und die Jugendlichen politisierte. Während die einen "Love and Peace" predigten, mussten Gleichaltrige in Vietnam den Kopf hinhalten. Drogen standen auf beiden Seiten auf der Tagesordnung. Was machen die Menschen von damals heute, wie sehen sie die Vergangenheit, welche Musik hören sie heute? Was wissen die Kinder der Blumenkinder von der Vergangenheit der Eltern, was halten sie davon, wie leben sie selbst und welche Musik bevorzugen sie? Zwei Mütter und ihre Söhne erinnern sich an die wilden 1960er, an das Leben zwischen Party und Protest.

  • ein junger MannPiero
  • eine Frau mit HutMarilyn
  • ein junger Mann mit KindTal
  • eine frau mit geschlossenen AugenSheila

Details

Der "Summer of Love" 1967 war der Höhepunkt der Hippiebewegung, die in San Francisco begann und überall auf der Welt Anhänger fand. Im Mittelpunkt dieser 30-minütigen Sendung stehen die Jahre 1964 folgende. Historische Rückblenden werfen Schlaglichter auf die Hippiekultur, auf die Studentenrevolte an der Universität Berkeley. Persönliche Erlebnisse und Erinnerungen von damals Beteiligten werden mit ihrer heutigen Sicht der Ereignisse in den Sixties kontrastiert. Den Ausgangspunkt bildet die Radiostation K-San mit dem Diskjockey Richard, der damals Musiksendungen moderierte. In den sechziger Jahren waren u.a. die "Byrds" besonders populär. Ihr Song "Eight miles high" bildet den musikalischen Auftakt zu dieser kaleidoskopartigen Sendung.

Eight miles high
And when you touch down
You find you're
stranger than known
Signs in the street
that say where you're going
Are somewhere
Just being their own
Nowhere is there
Warmth to be found ...

Piero, der Chef der Band "Los Angelitos", die heute versucht, ihren Weg ins Musikbusiness zu schaffen, ist der Sohn einer ehemaligen Hippieaktivistin, Marilyn. Ihr Leben spielte sich in der Zeit von 1965 bis etwa 1980 im Wesentlichen in und um die Universität Berkeley ab. Eine andere Protagonistin, Sheila, war nach ihrem Highschool-Abschluss nach Berkeley gekommen und hatte sich der Szene angeschlossen. Dass das Leben dieser jungen Menschen auf dem Campus der Universität eine Mischung aus Politik, Musik, Liebe und Leidenschaft war, wird auch dem unbeteiligten Zuschauer sehr schnell bewusst.

Wie kam es zur Studentenrevolte? Die Situation an der Universität Berkeley hatte sich zugespitzt, nachdem die Hochschulverwaltung die Forderung der Studenten, an der Leitung der Hochschule beteiligt zu werden, Prüfungen und Benotungen abzuschaffen, strikt abgelehnt hatte. Darüber hinaus war es von der Universität verboten worden, einen Bürgersteig, den "26-Fuß-Streifen", für das Aufstellen von Informationstischen und politischer Agitation während des Präsidentschaftswahlkampfes zu benutzen. Am 30. September 1964 kam es zum Konflikt zwischen den Studenten und der Universitätsverwaltung, nachdem fünf Studenten dennoch ihre Tische aufgestellt hatten. Sie gingen jedoch nicht allein zum Dekan, um sich zu rechtfertigen, sondern wurden von über 500 Studenten begleitet. Einer von ihnen war der Philosophiestudent Mario Savio. Es folgte ein spontanes, aber gewaltfreies Sit-in, in dem Savio dem Dekan entgegenhielt: "Wir haben versprochen, dass diese Universität nicht funktionieren wird, und wir werden dieses Versprechen halten." Diese Aktion gipfelte schließlich in der Verhaftung von 814 Studenten, die jedoch nach der Feststellung ihrer Personalien wieder auf freien Fuß gesetzt wurden. Als nach ein paar Tagen die Universität den beteiligten Studenten mitteilte, dass ihnen keine disziplinarischen Strafen drohen würden, hatte die Freie-Rede-Bewegung einen Sieg davongetragen. Dass dies alles ohne die Anwendung von Gewalt vonstatten ging, war sicherlich auch ein Verdienst der jungen Folkmusikerin und Anhängerin des Gedankengutes u.a. von Henry David Thoreau, Joan Baez und ihres Einflusses auf Mario Savio.

Neben diesen politischen Aspekten kommen in der Sendung auch all die anderen musikalischen und sonstigen kulturellen Eigenarten der Hippiekultur zum Ausdruck. Es sind zahlreiche Musikbeispiele im Zusammenhang mit der berühmten Veranstaltungshalle, dem Fillmore West des ehemaligen Berliners Bill Graham zu hören. Die äußere Erscheinung der Hippies, ihre Kleidung, die Farben und Formen, ihre Tänze sind bunt und eindrucksvoll zu erleben. Es wird demonstriert, wie psychedelische Lightshows entwickelt wurden. Haight Ashbury, das Viertel am Golden Gate Park, das Zentrum für viele Jugendliche aus aller Welt während der Hippiezeit, wird vorgestellt. Marilyn erinnert sich an ihre Zeit dort, wo sie auf ihrem ersten Be-in war. Während es bei solchen zumeist spontanen Treffen fröhlich und locker zuging, wurden woanders junge Amerikaner zum Kriegsdienst eingezogen, um in Vietnam gegen den Kommunismus zu kämpfen. Der politischen Haltung vieler Hippies, sich gegen das Establishment aufzulehnen, entsprangen zahllose Protestkundgebungen und -versammlungen. Die Studentenproteste werden unterdessen immer radikaler und gewalttätiger, sodass Straßenschlachten zwischen der Polizei und den Studenten fast an der Tagesordnung sind. Marilyn bekennt sich ebenfalls dazu, sowohl gegen den Vietnamkrieg demonstriert zu haben, für die Abschaffung der Todesstrafe oder wogegen oder wofür man gerade war oder zu sein hatte. Ihr Leben war ein ständiges Pendeln zwischen Party und Protest.

Im Gegensatz dazu stehen die Aussagen von Marilyns Sohn Piero. Er hat auch im Nachhinein noch kein richtiges Verständnis dafür, was um ihn herum als kleines Kind passierte. Während seine Mutter die Kinder, die in der damaligen Zeit aufwuchsen, als Gemeinschaftskinder bezeichnet, scheint er immer noch unter den Folgen zu leiden. Tal, der Kopf der Band "If walls could talk", liebte die Toleranz seiner Mutter Sheila. Die Unstetigkeit seiner Kindheit und Jugend bestärkt ihn jedoch heute in seinem starken Wunsch nach Ritualen, die in seinem Leben gefehlt hätten, die er aber seinem kleinen Sohn vermitteln will. Andererseits orientieren sich die Musiker von "Los Angelitos" durchaus an den Vorbildern aus den Sechzigern, holen sich Anleihen bei "Santana" oder von anderen Bands und paaren sie mit Rockelementen. Einige Kostproben ihres musikalischen Könnens werden in der Sendung dargeboten.

Die Sendung endet mit eher philosophischen Betrachtungen der Protagonisten über die Erfolge und Misserfolge der Hippiebewegung. Die ursprüngliche Absicht, eine weltweite und dauerhafte Friedensinitiative zu starten, ließ sich offensichtlich nicht verwirklichen; dennoch scheint Sheila die Hoffnung auf Veränderung immer noch nicht aufgegeben zu haben. Ihr Sohn Tal sieht seine Situation nüchterner, indem er sagt: "Meine Mutter hat eine gewisse Nostalgie. Wenn du jünger bist und gegen die materielle Welt protestierst, kannst du dir das leisten und dem System sagen: 'Du kannst mich 'mal!' Aber das System bleibt. Und wenn die Zeit kommt, dass du auch ein bisschen Komfort und Sicherheit haben möchtest, erzählt dir das System: 'Hallo, hier bin ich, jetzt musst du aber mein Spiel spielen.'"

  • ein Mann spielt SchlagzeugPiero am Schlagzeug
  • ein Mann an einer kameraRichard
  • Piero sitzt am KeyboardPiero
  • vier Junge Menschen vor einer Wand"If walls could talk"
  • drei junge Menschen auf einer Couch mit Gitarren
  • ein kamerateamKameramann Gerd Bleichert und Tonmann Thomas Aigner