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Todesstrafe in den USA

1972 entschied der Oberste Gerichtshof der USA, dass die Todesstrafe "willkürlich und unberechenbar" angewandt wird. Damit war sie in der damaligen Form verfassungswidrig. 35 Bundesstaaten änderten daraufhin ihre Gesetze bezüglich der Todesstrafe. 1976 wurde das Hinrichtungs-Moratorium durch den Obersten Gerichtshof aufgehoben und die Praxis der Todesurteile und Hinrichtungen wieder aufgenommen. Von 1976 bis Ende 2001 wurden in den Vereinigten Staaten 749 Todesurteile vollstreckt, mehr als ein Drittel davon in Texas.

Unter den Hingerichteten befanden sich auch Menschen, die psychisch krank waren oder zum Tatzeitpunkt minderjährig. Damit verstoßen die USA gegen internationales Recht und gegen die amerikanische Menschenrechtskonvention: Artikel 5 besagt: "Die Todesstrafe darf nicht gegen Personen verhängt werden, die zur Zeit der Begehung des Verbrechens unter 18 oder über 70 Jahre alt waren; auch darf sie nicht bei Schwangeren angewandt werden." In den USA ist das Mindestalter von Staat zu Staat verschieden. In Mississippi beispielsweise darf die Todesstrafe bereits bei Tätern ab 13 Jahren verhängt werden, in Arkansas und Virginia beträgt das Mindestalter nur 14 Jahre.

Seit Wiedereinführung der Todesstrafe in den USA stellte sich bei 100 Verurteilten heraus, dass sie unschuldig waren. Einer von ihnen ist Kerry Max Cook, der 13 Jahre in der Todeszelle saß (Film "Leben nach der Todeszelle"). Derzeit warten in den USA etwa 3700 Verurteilte in Todeszellen auf ihre Hinrichtung. Unter ihnen sind 80, die zum Zeitpunkt der Tat minderjährig waren.

  • Mensch hinter Gittern
  • Wärter mit Gefangenen

Im Jahr 2000 wurden im Bundesstaat Illinois alle Exekutionen ausgesetzt, weil sich seit Wiedereinführung der Todesstrafe bei 13 zum Tode verurteilten Häftlingen deren Unschuld herausgestellt hatte. Im gleichen Zeitraum waren in Illinois zwölf Menschen hingerichtet worden.

Im Juni 2002 erklärte der Oberste Gerichtshof der USA mehrere hundert Todesurteile für hinfällig. Die Urteile waren von Einzelrichtern und nicht von einer Geschworenen-Jury ausgesprochen worden und somit nach Auffassung des obersten Gerichts verfassungswidrig. Kurz zuvor hatte der Supreme Court die Hinrichtung von geistig Behinderten für nicht verfassungsgemäß erklärt. Ein Urteil des New Yorker Bezirksgerichts Manhattan stellt die Todesstrafe grundsätzlich in Frage. Sie verstoße gegen die Verfassung der USA, da sie unschuldigen Menschen eine bedeutende Möglichkeit nehme, ihre Unschuld zu beweisen, so die Urteilsbegründung.

Die Todesstrafe kann derzeit in 37 der 50 amerikanischen Staaten verhängt werden. Nach mehreren Umfragen im Sommer 2001 - also noch vor den Terroranschlägen vom 11. September - befürworteten 65 Prozent der US-Bürger noch immer die Todesstrafe.

Hinrichtungen in den USA seit Wiedereinführung der Todesstrafe, nach Angaben von amnesty international

Jahreszahl Anzahl Hinrichtungen Jahreszahl Anzahl Hinrichtungen
1977 1 1990 23
1978 0 1991 14
1979 2 1992 31
1980 0 1993 38
1981 1 1994 31
1982 2 1995 56
1983 5 1996 45
1984 21 1997 74
1985 18 1998 68
1986 18 1999 68
1987 25 2000 85
1988 11 2001 66
1989 16