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Inhalt der Sendung

Während der Herrschaft der Nationalsozialisten fielen in der Zeit zwischen 1939 und 1945 etwa 200.000 körperlich und geistig Behinderte dem sogenannten „Unternehmen T4“ zum Opfer. So bezeichneten die Nazis das Programm zur Vernichtung angeblich „unlebenswerten“ Lebens. Kranke wurden in Heimen wie Hartheim, Brandenburg und Grafeneck systematisch ermordet. Durch diese Politik der Nazis wurden nicht nur Tausende Unschuldiger getötet, auch die Begriffe „Euthanasie“ und „Eugenik“ wurden so pervertiert und diskreditiert. Die Kranken wurden aus ihren Heimen stets mit Bussen abtransportiert. Man täuschte ihnen zunächst vor, dass es sich um einen Ausflug handeln würde. Als jedoch die vermeintlichen Ausflügler nicht mehr zurückkehrten, sprach es sich in den Heimen recht schnell herum. Die Ankunft der Busse war fortan gefürchtet.

Im Samariterstift in Grafeneck war auch die Patientin Theresa Kärn untergebracht. Als sie merkte, dass sie auf der Liste für den nächsten Transport stand, wandte sie sich voller Angst an eine Schwester und bat diese, sie zu verstecken. Die Schwester ermöglichte es Theresa sich im Wald zu verstecken. Als die Schergen der SS bei der Verladung in die Busse feststellten, dass eine Person fehlte, griffen sie sich eine zufällig vorbeikommende Küchenkraft, Maria Gössler. Der Leiter des Heimes, Kaplan Dr. Steeb wollte, nachdem er von der Verwechslung erfuhr, zunächst sofort zum Telefon greifen, um es der SS zu melden. Er begriff jedoch recht schnell, dass er hiermit nichts mehr bewirkt hätte. Den Schergen der SS schien es nur wichtig, die richtige Anzahl der Personen abzuholen. Das menschenverachtende Vernichtungssystem der Nationalsozialisten kümmerte sich nicht um die einzelne Person. Theresa Kärn überlebte. Jedoch wurde sie Zeit ihres Lebens nicht mit den Schuldgefühlen fertig, dass eine andere an ihrer Stelle in den Tod ging. Auch von Seiten der Anstaltsleitung wurden ihr Vorwürfe gemacht. Fortan mied man sie unter den anderen Heiminsassen.

Fünfzig Jahre nach den Ereignissen nimmt sich die Theatergruppe „Chamäleon“ aus Liebenau der Geschichte Theresa Kärns an. Die Gruppe von Laiendarstellern besteht aus körperlich und geistig Behinderten. Sie thematisieren in ihrem Stück die Schuldfrage. Die Namen der Personen sind verändert. Um das Thema der Schuld zu betonen, haben sie auch die Geschehnisse verändert. Theresa heißt in dem Stück Julia. Anders als in Wirklichkeit überredet Julia auf der Bühne eine andere Heiminsassin, die den gleichen Namen trägt, an ihrer Stelle in den Bus zu steigen. Dass es sich bei der anderen Julia noch um ein Kind handelt, soll nach Aussage des Leiters der Theatergruppe, Jürgen Gallus, die Unschuld der Opfer unterstreichen. Der Gedanke, die Handlung in dieser Hinsicht zu verändern, wurde von den Darstellern selbst entwickelt.

  • BehinderteDas Leben von Behinderten galt im Nationalsozialismus als "unwert"
  • Theatergruppe ChamälleonTheatergruppe Chamäleon aus Libenau
  • Theatergruppe Chamälleon
  • Theatergruppe Chamälleon
  • TheaterspielerTheaterspieler der Gruppe Chamäleon

Interviews mit Zeitzeugen, ehemaligen Heiminsassen und Betreuern, erlauben in der Sendung einen Einblick in die damalige Situation. Sie berichten von der Angst, die bei der Ankunft der Busse herrschte, davon, dass die Menschen wie Tiere in die Fahrzeuge getrieben wurden. Die Scheiben der Busse waren verdunkelt, sodass man nicht hineinsehen konnte.

Erzählt wird auch die Geschichte eines anderen Heiminsassen von Grafeneck, Herbert S. Herbert war Epileptiker, litt also an einer Krankheit, die außerhalb der Anfälle beim Patienten eine normale Wahrnehmung zulässt. Herbert S. hatte große Angst davor, dass sein Name auf den Listen der Transporte auftauchen könnte. Als man ihm eines Tages schließlich mitteilte, er sei für den Transport am nächsten Tag vorgesehen, floh er noch in der selben Nacht. Durch den Fall Theresa Kärns wissend, was geschehen konnte, wurden die Schwestern und die Heimleitung am nächsten Tag von großer Panik ergriffen, nachdem sie das Verschwinden ihres Patienten feststellten. Man beratschlagte hektisch, was zu tun sei. Als jedoch die Busse eintrafen, tauchte Herbert S. plötzlich freiwillig wieder auf. Ruhig und gefasst soll er in den Bus gestiegen sein.

Die Zeugen sprechen auch davon, wie Pfarrer Steeb und die Schwestern, die die Kranken betreuten, versuchten ihre Patienten zu trösten. Einerseits die Hoffnung auf das Jenseitige, andererseits die Ansicht, dass sie mit ihrem Tod die Schuld der damaligen Zeit sühnen würden, sollte den Opfern Trost spenden. Die Kranken wurden mit Bussen zu den Vernichtungsstätten gefahren. Hier mussten sie sich entkleiden und wurden anschließend meist mit Kohlenmonoxid vergast. Als besonders zynisch ist es anzusehen, dass die Kleidung der Opfer meist wieder in die Heime zurückgebracht wurde, um sie dort weiterzuverwenden. Auch daran konnten die Heimbewohner schnell sehen, dass es sich bei den vermeintlichen Ausflügen mit dem Bus um Fahrten ohne Wiederkehr handelte.

Die Bewohnerin eines in der Nähe von Grafeneck gelegenen Dorfes berichtet, dass auch die Bevölkerung der umliegenden Gemeinde durchaus über das Schicksal der Heimbewohner Bescheid wusste. Den süßlichen Geruch der Krematorien konnte man im Umkreis immer wieder riechen. Die Sendung endet mit der Verlesung eines Briefes einer Heiminsassin an ihre Schwester. Sie beschreibt, wie auch sie aus dem Heim geholt und in die Busse getrieben wurde. Versehen mit einer Nummer wurde sie in die Vernichtungsanstalt gebracht. Die unruhigen Patienten erhielten bei der Ankunft sofort Injektionen von den wartenden Wärtern. Während sie in einem Raum warteten, bemerkte die Patientin, dass nach und nach immer mehr Menschen hinaus geführt wurden, bis schließlich auch ihr Name aufgerufen wird. Ob die Schreiberin des Briefes überlebte ist nicht bekannt.