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Unterricht: Bericht aus der Praxis

Erfahrungsbericht: "Das Rätsel im Wüstensand" im Unterricht

  • Herzförmiges Schmuckstück mit einem schwarzen Skarabäus-Käfer in der Mitte. Ein schwarzer Skarabäus-Käfer als Schmuckstück; Rechte: dpa

In der Pilotphase des Multimedia-Projekts "SOS - Wer hilft den Speedonauten?" hat Jutta Kämper mit ihrer 3. Klasse einer Dortmunder Grundschule die Folge "Das Rätsel im Wüstensand" und das interaktive Angebot und Materialien der DVD-ROM ausprobiert. Ihre Erfahrungen und Tipps für den Einsatz hat sie aufgeschrieben.

Vorarbeit

Ich bin derzeit Klassenlehrerin eines dritten Schuljahres. Mit meiner Klasse bearbeitete ich im Sachunterricht das Thema "Ägypten". Die Kinder verfügten bereits über viel Vorwissen zu den Pyramiden, zu Hieroglyphen, zu den Pharaonen und waren vom Thema schnell begeistert. Sie brachten Urlaubsfotos, Sachbücher aus der Bücherei und Informationstexte aus dem Internet mit in die Schule. Mit anhaltender Begeisterung bearbeiteten die Kinder zunächst eine Werkstatt zum Thema "Ägypten", in der hauptsächlich solche Aufgaben zu bearbeiten waren, die im Begleitmaterial zum Film nicht vorkamen. Dies waren unter anderem Aufgaben zur Mumifizierung, zu Göttern im alten Ägypten und zu verschiedenen Pharaonen.

  • Onkel Theobald und Anna untersuchen ein Objekt. Onkel Theobald hat eine Lupe in der Hand. Was mag das sein? Onkel Theobald und Anna beim Tüfteln; Rechte: WDR

Der Film

Den Film "Das Rätsel im Wüstensand" der Reihe "SOS - Wer hilft den Speedonauten?" zeigte ich im Anschluss an die oben beschriebene Werkstatt. So vorgebildet gingen die Kinder den Film und das Projekt, Anna zu helfen, höchst motiviert an. Viele Elemente aus dem Film, zum Beispiel der Skarabäus, wurden wieder erkannt. Dies steigerte die Motivation noch zusätzlich und erhöhte deutlich den Aufmerksamkeitsgrad während des Films. Die Kinder merkten sich viele Details, wie sich im anschließenden Gespräch über den Film herausstellte.

Die Kinder ließen sich problemlos auf die für mich ungewohnte Darstellung der Figuren im Film ein und empfanden diese durchweg als positiv. Lediglich die Tatsache, dass sie nicht erfuhren, warum der Speedomat im Film kaputt war, sorgte für kurzen Unmut.

Unterrichtsorganisation

Im Anschluss an den Film waren die Kinder äußerst gespannt, wie die Geschichte mit Anna und Onkel Theobald weiter ging. Ich nutzte die drei wöchentlich zur Verfügung stehenden Stunden Sachunterricht und bearbeitete mit den Kindern die Begleitmaterialien zum Film, wobei ich die Arbeitsblätter und die DVD-ROM - nach einer allgemeinen Einführung aller Materialien - parallel einsetzte.

Acht Kinder konnten gleichzeitig an den vier zur Verfügung stehenden Computern in der Klasse arbeiten, die anderen Kinder arbeiteten zunächst an den Arbeitsblättern, bis ein Computer frei wurde. Damit die Kinder ihre Arbeit unterbrechen und nach der Eingabe eines Kennwortes zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufnehmen konnten, legte ich den Vornamen des einen Kindes als Benutzernamen, den des anderen Kindes als Kennwort fest. Die Frage nach dem Benutzernamen bzw. Kennwort entfiel auf diese Weise: Es gab nur zwei Möglichkeiten pro Team.

  • Ein Bildschirmfoto zeigt eine interaktive Aufgabe aus dem DVD-Angebot. Auf der DVD gibt es viele Aufgaben zu lösen; Rechte: WDR

Durchführung

Die Kinder kamen sowohl mit der DVD als auch mit den Arbeitsblättern überwiegend gut zurecht, wobei die DVD die Kinder deutlich stärker ansprach als die Arbeitsblätter. Die Bedienung der DVD war für die Kinder leicht zu verstehen, da meine Klasse es seit dem ersten Schuljahr gewohnt ist, am PC zu arbeiten. Sie verstanden es als eine Art "Spiel", in dem sie verschiedene "Level" durchlaufen mussten, um Anna bei der Suche nach Onkel Theobald zu helfen. Obwohl es den Kindern klar war, dass sie nicht real mit Anna in Kontakt traten, ließen sich die Kinder, die sofort am Computer arbeiten konnten, gerne darauf ein. Den Kindern, die zunächst die Arbeitsblätter bearbeiteten, war das nicht immer so klar.

Einige Aufgaben - sowohl auf der DVD als auch auf den Arbeitsblättern - waren für die Kinder meines dritten Schuljahres ohne weitere Hilfe zu lösen. Bei den anderen Aufgaben nutzten die Kinder alle auf der DVD vorgesehenen Hilfen, um zur richtigen Lösung einer Aufgabe zu gelangen. Manche Kinder probierten systematisch alle Lösungsmöglichkeiten durch, nachdem sie zunächst einmal gescheitert waren, viele lasen im "Buch der Weisheit" nach, schauten in ihre eigenen Unterlagen zum Thema oder schlugen bestimmte Begriffe noch einmal in Sachbüchern nach. Sachbücher und eigene Unterlagen wurden auch von den Kindern herangezogen, die eine Aufgabe auf dem Arbeitsblatt nicht lösen konnten, wobei ich hier deutlich häufiger gefragt wurde als von den Kindern, die mit der DVD arbeiteten. Lediglich das Internet nutzten die Kinder nicht als zusätzliche Informationsquelle, da der Internetanschluss während der Durchführung der Unterrichtsreihe nicht zur Verfügung stand. Ich könnte mir aber gut vorstellen, dass die Aufgaben dazu herausfordern, weitere Informationen im Internet zu suchen, wie sich auch in meiner Klasse zeigte: Ein Mädchen brachte einige ägyptische Rechenzeichen mit, worauf ich in Mathematik "ägyptisches Rechnen" einschob.

Nachdem die ersten Kinder das Rätsel um die Sphinx gemeinsam mit Anna gelöst hatten, begannen sie mit dem Schreiben des Logbuches. Angeregt durch die vorangegangene Unterrichtsreihe, die Bilder aus dem Film und den "Chat mit Anna" waren sie sehr motiviert und hatten viele Ideen für ihre Geschichte bereits im Kopf. Ich stellte den Kindern so viel Zeit zur Verfügung, wie sie zum Schreiben des Logbuches brauchten, was einige Kinder dazu veranlasste, konzentriert über mehrere Stunden hinweg eine spannende Geschichte zu entwickeln. Kein Kind klagte darüber, dass ihr oder ihm nichts einfiel; alle Kinder schrieben für ihre Verhältnisse besonders lange und gute Geschichten. In dem Geschichtenbuch, das ich anschließend daraus zusammenstellte, lesen die Kinder immer noch gerne.

Fazit

Die Kinder wurden durch das Thema "Ägypten" und den Film "Das Rätsel im Wüstensand" sehr motiviert und nachhaltig zum Lesen angeregt. Während der gesamten Arbeit mit dem Begleitmaterial zum Film lasen die Kinder Arbeitsaufträge, informierten sich im "Buch der Weisheit" und in Sachbüchern zu verschiedenen Bereichen des Themas "Ägypten", liehen sich gezielt Bücher zum Thema aus der Bücherei aus und recherchierten im Internet. Sie schrieben für ihre Verhältnisse besonders lange und gute Geschichten, die sie heute noch gerne in freien Lesezeiten lesen.

Das Material leistet einen guten Beitrag zur Förderung der Lese- und Schreibmotivation, so dass ich mir fest vorgenommen habe, die anderen drei Filme mit Anna und Onkel Theobald demnächst auch im Unterricht einzusetzen. Allein die konkrete Arbeit mit dem Material werde ich beim nächsten Mal anders gestalten: Da viele Arbeitsaufträge auf der DVD denen auf den Arbeitsblättern sehr ähnlich sind, werde ich die Kinder nicht mehr beide Aufgaben bearbeiten lassen. Ich könnte mir vorstellen, den Film als Aufhänger für das jeweilige Thema zu nehmen und die Arbeit mit der DVD als eine Station in die Werkstattarbeit einzubinden, statt eine allgemeine Werkstatt zum Thema voranzustellen. Denkbar wäre es auch, den Film zu zeigen und anschließend die auf der DVD vorhandene Schreibwerkstatt bearbeiten zu lassen, um dann nur noch das Logbuch schreiben zu lassen. Hierbei wären den Kindern dann aber leider viele Leseanlässe genommen, was ich schade fände.