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Die Vogelherdhöhle ist ein berühmtes Ausflugsziel in Baden-Württemberg. Die Höhle war vor über 30.000 Jahren Rastplatz und Unterschlupf für die Menschen. In der Höhle wurden Elfenbeinschnitzereien aus der Steinzeit gefunden. Die Funde werden auf ca. 33.000 Jahre geschätzt und zählen damit zu den ältesten Kunstwerken der Welt. Zu den Fundstücken gehören eine fünf Zentimeter große Mammutfigur, ein Bison sowie verschiedene Darstellungen von Raubkatzen und ein sehr gut erhaltenes Wildpferd. Neben den Elfenbeinfiguren wurden in der Vogelherdhöhle auch Knochenreste von Neandertalern gefunden.
Tierfigur geschnitzt aus einem Mammutzahn; Rechte: akg/Herbert Kraft
Feuer wärmt und bietet Schutz in der Dunkelheit; Rechte: WDR
Der Homo erectus konnte bereits Feuer machen. So fand man zu dieser Zeit Feuerstellen in den Höhlen. Das Feuer diente als Koch- und Arbeitsstelle und bot Schutz vor nächtlicher Dunkelheit. Die Pfeilspitzen wurden aus Stein gehauen. Sie dienten den Menschen bei der Jagd auf das Großwild. In den Höhlen findet man heute noch Höhlenbilder, die aus der Steinzeit stammen. Sie wurden von den Menschen mit Erdfarben an die Wände der Höhlen gemalt. Das Fleisch der erlegten Tiere war Bestandteil der Nahrung der Menschen in der Steinzeit. Das Fell der erlegten Tiere wurde zur Herstellung von Kleidung genutzt. Auf den Fellen schliefen die Menschen. Waffen und Werkzeuge wurden in der Steinzeit aus Holz und Stein geschnitzt. (Näheres auch in den Hinweisen zum Arbeitsblatt 5.5)
Zeichnung der Entwicklung des Menschen; Rechte: akg/J. Brandstetter
Nachbildung eines Neandertalers; Rechte: dpa/Scheidemann
Der erste Vormensch, der Australopithecus, entwickelte sich vor circa vier Millionen Jahren. Sein Körperbau ähnelte bereits dem unsrigen. Der nur etwa 1,20 Meter große Höhlenbewohner hatte eine niedrige Stirn und dicke Wülste über den Augen. Sein Gehirn war nur wenig größer als das eines Schimpansen. Es wird vermutet, dass der Australopithecus einfache Steinwerkzeuge benutzte. Er war vor allem Sammler und ernährte sich von dem, was die Natur ihm bot. Seine Schädelform ähnelte der eines Schimpansen.
Der Homo habilis lebte vor circa zwei Millionen Jahren und wird als "befähigter Mensch“ bezeichnet. Er konnte bereits eigenständig Werkzeuge herstellen. Sein Gehirn war deutlich größer als das Gehirn des Australopithecus.Der Homo erectus lebte vor circa 1,5 Millionen Jahren und wird auch "aufrechter Mensch“ genannt. Er konnte gerade und aufrecht gehen. Neben dem Sammeln von pflanzlicher Nahrung bildete die Jagd auf Großwild die Grundlage der Ernährung des Homo erectus. Der Faustkeil war das wichtigste Werkzeug in dieser Zeit. Besonders auffällig an seiner Schädelform waren die ausgeprägten Knochen über den Augenhöhlen.
Der Neandertaler wurde auch "vernunftbegabter Mensch" genannt, weil er seine Vernunft nutzte, um seine Lebensbedingungen und Werkzeuge stetig zu verbessern. Er fertigte bereits einfache Kleidungsstücke und begrub seine Toten in der Nähe der Wohnstätten. Die Gräber wurden mit Blumen geschmückt. Der Neandertaler lebte 130.000 bis ungefähr 30.000 Jahre vor unserer Zeit. Er hatte große Augenhöhlen, eine flache Stirn und eine breite Nase. Sein Gehirn war größer als das Gehirn heutiger Menschen.
Der Homo sapiens oder "moderne Mensch" tauchte vor 40.000 Jahren in Europa auf. Er kam aus Afrika. Eine Zeit lang lebten Neandertaler und Homo sapiens zusammen in Europa. Dann verdrängte der Homo sapiens allmählich den Neandertaler und entwickelte sich weiter zum Homo sapiens sapiens, dem "Jetztmensch“. Der Homo sapiens hat einen kleineren Kiefer als frühere Menschen. Außerdem ist sein Gesicht im Vergleich zum Gehirn relativ klein.
Das Mammut lebte vor etwa 135.000 bis 11.000 Jahren in Asien, Afrika, Europa, Nordamerika. Es wurde bis zu drei Meter groß (Schulterhöhe), hatte gebogene Stoßzähne und lange Haare. Das Mammut ernährte sich hauptsächlich von Gräsern und Sträuchern. Es konnte zwischen 150 und 300 Kilogramm Pflanzen täglich fressen. Das ausgewachsene Mammut hatte außer dem Menschen keine natürlichen Feinde zu fürchten. Das Wollnashorn lebte vor circa 500.000 bis 10.000 Jahren in Asien und Europa. Es wurde bis zu zwei Meter groß (Schulterhöhe), hatte zwei Hörner auf der Schnauze und dichtes Fell. Das Wollnashorn ernährte sich von Gras.
Der Höhlenbär lebte vor circa 400.000 bis 9500 Jahren in Europa. Er hatte dichtes, braunes Fell und wurde bis zu 1,60 Meter groß (Schulterhöhe). Seine Nahrung bestand aus Gräsern, Beeren und Früchten. Der Wolf, der vor 400.000 bis 15.000 Jahren lebte, wurde bis 0,90 Meter groß (Schulterhöhe). Er lebte in Asien, Europa, Nordafrika und Nordamerika. Sein Fell war grau oder schwarz. Er ernährte sich von anderen Wildtieren und Aas. Das Wildpferd der Steinzeit lebte in Asien und Europa. Es wurde bis 1,35 Meter Schulterhöhe groß und hatte eine kurze Stehmähne, ähnlich wie die Zebras. Das Wildpferd ernährte sich von Gräsern und Kräutern. (Näheres in den Hinweisen zum Arbeitsblatt 5.6)
Das Wisent wird bis zu zwei Meter hoch und bis zu 1000 Kilogramm schwer. Das Tier hat eine massige Gestalt mit einem großen, tief gesenkten Schädel. Höchster Punkt des Wisents sind die Schultern, die einen hohen Buckel bilden, den so genannten Widerrist. Das Fell ist kastanien- bis dunkelbraun. Das Wisent lebt in Europa und Asien. Das Wildschwein lebt heute in ganz Europa. Es hat ein dunkles Borstenfell und wiegt bis zu 200 Kilogramm. Die Männchen, auch Keiler genannt, sind leicht an ihren langen Hauern zu erkennen. Die Eckzähne ragen oben und unten aus dem Maul. Vor mehr als 5000 Jahren haben die Menschen das Wildschwein zum Haustier gemacht. Vom Wildschwein stammen auch die verschiedenen Rassen des Hausschweins ab.
Die Menschen in der Steinzeit lebten von der Jagd. Die wilden Tiere waren sowohl der gefährlichste Feind des Menschen als auch seine Hauptnahrung. Die Steinzeitmenschen benutzten bei der Jagd Wurfspeere aus Holz mit einer scharfen Spitze aus Stein oder Knochen und Holzkeulen. Zu den Beutetieren der Steinzeitmenschen gehörten große Tiere wie Mammut, Elch, Riesenhirsch und Wildpferd, aber auch Wildschweine, Hasen und Füchse.
Die erlegten Tiere wurden auf verschiedene Weise genutzt. Die einzelnen Teile der Tiere wurden für unterschiedliche Zwecke weiterverarbeitet. Das Fleisch der Tiere wurde gegessen. Aus dem Fell fertigten die Steinzeitmenschen Kleidung, Schuhe, Lederbeutel und Riemen sowie Schlafmatten und Decken. Die Sehnen wurden zum Nähen benutzt. Aus den Knochen der Tiere stellten die Steinzeitmenschen Werkzeuge, Waffen und Schmuck her. Das Fett wurde zu Öl für Lampen verarbeitet.
In einigen Höhlen, in denen in der Steinzeit Menschen gelebt haben, sieht man heute noch Malereien an den Wänden. Die Höhlenmenschen malten mit Erdfarben. Sie mischten ihre Farben aus gelber und roter Erde oder aus Beeren- und Pflanzensaft. Die meisten Bilder zeigen Tiere, die es heute nicht mehr gibt. Auf manchen Höhlenwänden wurden auch Hände gemalt. Man nimmt an, dass dies die Unterschriften der Künstler waren, die die Wandmalereien angefertigt hatten. Mit der Höhlenmalerei ist es dem Menschen erstmals gelungen, vielschichtige Zusammenhänge unabhängig von der sprachlichen Ebene auf einem anderen Abstraktionsniveau zu erzeugen und zu begreifen.
In dem Buch wird von der 13-jährigen Isabelle berichtet, die ihre Ferien bei Verwandten in Südfrankreich verbringt. Bei einem Ausflug findet sie zusammen mit ihren Vettern und ihrer Cousine den Eingang zu einer eiszeitlichen Höhle. Darin entdecken die Jugendlichen 20.000 Jahre alte Zeugnisse der so genannten Cromagnon-Menschen der Eiszeit: Skelette, Werkzeuge und wunderschöne Höhlenbilder.
Wolfgang Kuhn, der Autor des Buches, wurde 1928 in Friedberg (Hessen) geboren und starb am 31. Januar 2001. Von 1948 bis 1954 studierte er an der Universität Frankfurt am Main Botanik, Zoologie, Geografie, Chemie und Philosophie. Wolfgang Kuhn war Herausgeber viel beachteter wissenschaftlicher Publikationen sowie Verfasser und Moderator von Schulfunk- und Fernsehsendungen. Wolfgang Kuhns erstes Jugendbuch "Mit Jeans in die Steinzeit“ entstand nach zahlreichen Forschungsreisen des Autors mit seinen Studierenden zu den weltbekannten südfranzösischen Steinzeithöhlen von Lascaux.
© Text: Tanja Nowak & Christiane von Stechow
