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Für viele Wale wurde in den letzten Jahren die flache Nordsee zur tödlichen Falle. Die Wale orientieren sich mithilfe von Lauten und finden auf diese Weise ihren Weg in den Weiten der Weltmeere. Viele Forscher glauben, dass die Wale sich an die Küsten verirren, weil der durch Menschen verursachte Unterwasserlärm – die fremden Schallwellen von Schiffen oder der Unterwasserlärm von Windkraftanlagen – ihren Hörsinn und dadurch ihre Orientierung stören. Umweltschützer fordern deshalb die Einrichtung besonders lärmgeschützter Gebiete für Wale.
Eine weitere Erklärung für die Massenstrandungen hängt mit dem Magnetsinn der Wale zusammen. Unsere Erde ist wie ein riesiger Magnet. Obwohl er ziemlich schwach ist, können einige Tiere die Magnetfelder wahrnehmen und sich an ihnen orientieren. Wale benutzen die Magnetfeldlinien wie unsichtbare Wegweiser im Wasser. Wenn Wale lange Strecken zurücklegen und dabei den Magnetfeldlinien der Erde folgen, kann es passieren, dass sie zu nah an die Küste heranschwimmen. Deshalb vermuten Walforscher, dass die Wale zu sehr auf ihren Magnetsinn vertrauen. Den Meerestieren ist einfach nicht klar, dass sie sich in Lebensgefahr begeben, wenn sie zu nah an die Küste schwimmen. Dies erklärt auch, warum gerettete Wale anschließend wieder auf die gleiche Küste zuschwimmen. Häufig stranden solche Wale, die normalerweise im tiefen Wasser leben und nicht in Küstennähe. Bewohner der Küstengewässer, wie Delfine und Schweinswale, haben diese Probleme nicht. Ihnen ist ihre Umgebung vertraut.
Es gibt rund 80 verschiedene Walarten. Sie werden in zwei große Kategorien unterteilt: die Barten- und die Zahnwale. Die Zahnwale haben in ihren langen Kiefern eine unterschiedliche Anzahl Zähne. Die meisten Zahnwale schnappen damit nach Fischen. Die Zahnwale zählen deshalb zu den Raubtieren. Zu den Zahnwalen gehören: Narwal, Pottwal, Schnabelwal, Entenwal, Schweinswal, Schwertwal. Anstelle von Zähnen haben Bartenwale im Maul eine Reihe von rechenartigen Fransen, die man Barten nennt. Diese Barten sind ein hervorragender Nahrungsfilter, der wie ein Sieb benutzt wird. Das Sieb kann mit jedem Schluck einen Zustrom von bis zu fünf Tonnen Wasser, Plankton, Schwarmkrebsen, kleine Fischen und Tintenfischen fassen. Zu den Bartenwalen gehören: Buckelwal, Zwergglattwal, Finnwal, Blauwal, Grauwal.
Der Buckelwal gehört zu den Bartenwalen. Er verdankt seinen Namen dem "Buckel" vor der kleinen Rückenflosse. Die Buckelwale sind meistens schwarz oder grau gefärbt mit weißer Schwanzflosse, Brustflosse und Brustunterseite. Der Buckelwal wird bis zu 16 Meter lang und 25 bis 30 Tonnen schwer. Er ernährt sich von kleinen Krebsen und Fischen. Der Buckelwal ist berühmt für seine "Gesänge". Buckelwale leben sowohl in der Hochsee als auch in Küstennähe.
Die Sprache der Wale besteht aus unterschiedlichen Lauten und Tönen. Bis heute weiß man nicht genau, wie der Wal diese unterschiedlichen Laute erzeugt. Die Walgesänge setzen sich aus Stöhn-, Schnalz- und Grunztönen zusammen. Jede Walart hat ihre eigene Sprache. Dabei dienen die unterschiedlichen Walsprachen unterschiedlichen Zwecken: Die Tiere singen vornehmlich in den Gebieten, in denen sie sich paaren. Vielleicht ist das Singen eine Art der Partnersuche. Weiterhin können sich die Wale durch ihren Gesang gegenseitig bei der Nahrungssuche helfen. Die Buckelwale werden auch "die Sänger des Meeres" genannt. Die Gesänge der Buckelwale klingen jedoch nicht gleich, sondern sind von Familie zu Familie unterschiedlich. Auch ändert sich ihr Gesang, wenn die Wale ihren Aufenthaltsort wechseln.
Der Gesang und die Sprache der Wale werden noch immer untersucht. Die Forscher wollen herausfinden, welchem genauen Zweck der Walgesang dient. Viele Walbeobachtungsboote haben spezielle Lautsprecher an Bord, damit die Menschen die Walsprache und Walgesänge besser hören können. Spezielle Aufnahmegeräte können die Gesänge der Wale übertragen. Diese Geräte nennt man Hydrophone.
Der Schriftsteller Herman Melville schildert in seinem Roman: „Moby Dick“ die Geschichte des weißen Wals Moby Dick und seines von Hass getriebenen Jägers Käpt’n Ahab. Der weiße Pottwal hat das Bein des Kapitäns zertrümmert. Deswegen will Kapitän Ahab Rache an Moby Dick üben und verfolgt ihn über sämtliche Meere. Zum Schluss überleben nur der Schiffsjunge Ismael und Moby Dick die Hetzjagd. Melville schrieb dieses Buch im Jahr 1851 und es gehört heute zu den Klassikern der Weltliteratur. Der Autor Hermann Melville wurde 1819 in New York geboren. Er schildert in seinen Büchern viele Begebenheiten, die er auf seinen Reisen durch die Welt erlebte. Melville starb 1891 in New York.
© Text: Tanja Nowak & Christiane von Stechow
