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Hintergrund: Irland – eine Insel mit einer bewegten Geschichte

  • Irland - das geteilte Land. Die Karte zeigt die Trennung von Norden und Süden. Irland - die geteilte Insel. Rechte: WDR

Land und Leute

Die sogenannte "grüne Insel" ist zweigeteilt: Im Nordosten befindet sich das zum Vereinigten Königreich von Großbritannien gehörende Nordirland. Die übrige Fläche gehört zur Republik Irland. Diese hat eine Fläche von 70.282 Quadratkilometern und ist damit etwas kleiner als Bayern. Nordirland kommt auf eine Fläche von 13.843 Quadratkilometer. Umgeben ist die Insel im Norden und Westen vom Atlantischen Ozean, im Süden von der Keltischen See und im Osten von der Irischen See.

In der Republik Irland leben rund 4,6 Millionen Menschen – davon ist mehr als ein Viertel jünger als 20 Jahre. Irland hat in der gesamten Europäischen Union die jüngste Bevölkerung. Die überwiegende Mehrheit der Iren ist katholisch. Erste Amtssprache ist Irisch – allerdings wird sie nur von etwa drei Prozent der Einwohner gesprochen. Umgangssprache und zweite Amtssprache ist Englisch.

Erste Besiedlung der Insel

Die ersten Menschen betreten vor etwa 10.000 Jahren Irland. Obwohl es zu dieser eine Landbrücke zwischen dem heutigen Nordirland und Schottland gibt, vermuten Historiker, dass die Insel vom Meer aus besiedelt wurde. Fast alle archäologischen Funde aus dieser Zeit finden sich in unmittelbarer Küstennähe. Den ersten Siedlern folgen im Laufe der Jahrtausende jungsteinzeitliche Ackerbauern, Kelten, Wikinger und Normannen.

Im Mittelalter gerät Irland zunehmend unter englischen Einfluss. Im 12. Jahrhundert überfallen sie die Insel, unterwerfen die Bevölkerung und prägen die Geschichte bis in die Gegenwart. Heute ist die Republik Irland eigenständig, während der nordöstliche Teil der Insel (Nordirland) zum Vereinigten Königreich von Großbritannien gehört. Diese politische Spaltung der Insel ist das Ergebnis jahrhundertelanger, blutiger Auseinandersetzungen.

Die Engländer kommen

Lange Zeit ist die Insel in zahlreiche Königreiche und Provinzen zersplittert, zwischen denen es immer wieder zu Machtkämpfen kommt. Im Jahr 1166 vertreibt ein Widersacher den König der Provinz Leinster (im Südosten der Insel), Diarmait Mac Murchada, von seinem Thron.

  • Ein Porträt von Heinrich VIII. Heinrich VIII. wird 1541 irischer König. Rechte: dpa

Mac Murchada flieht nach England, um Verbündete zur Rückeroberung seines Königreiches zu finden. Schließlich kann er den anglo-normannischen Adligen Richard Fitz Gilbert alias Richard de Clare für seine Ziele gewinnen. Im Jahr 1170 kommt Richard de Clare, der wegen seines Geschicks im Bogenschießen auch Strongbow genannt wurde, mit einer Armee nach Irland. Er kämpft an der Seite Mac Murchadas und erobert das Königreich Leinster zurück. Nach dem Tod Mac Murchadas erbt Richard de Clare, der mittlerweile mit Mac Murchadas Tochter verheiratet ist, den Thron.

Der englische König Heinrich II. wird auf die Geschehnisse in Irland aufmerksam. Um einen wachsenden Einfluss de Clares in Irland zu verhindern und seine eigene Macht zu sichern, kommt Heinrich II. 1171 ebenfalls nach Irland. Er ernennt sich kurzerhand selbst zum König.

Der Westen der Insel ist noch lange Zeit unter der Kontrolle lokaler irischer Herrscher, während der Osten unter englischem Einfluss steht. Erst ab 1534 gelingt es den Engländern unter Führung von Heinrich VIII., die Iren immer mehr zu unterdrücken. Zunächst erklärt sich Heinrich VIII. per Gesetz zum weltlichen und geistlichen Oberhaupt der englischen Kirche. Ab 1541 unterstellt er Irland direkt der englischen Krone und regiert somit als Alleinherrscher über das neu geschaffene Königreich Irland.

Schrittweise Enteignung und Entrechtung

Während sich die englische Kirche von Rom löst und verändert, bleiben die Iren katholisch. 1558 besteigt Elisabeth I., Tochter von Heinrich VIII., den englischen Thron. Die Iren wollen sich mit der Fremdherrschaft nicht abfinden und proben immer wieder den Aufstand.

Elisabeth I. und ihre Nachfolger lassen alle Aufstände blutig niedergeschlagen. Der für die immer wiederkehrenden Unruhen ist religiöser Natur: Die Engländer schränken die irischen Katholiken immer mehr in ihren Rechten ein. Zudem eignen sich englische Landadlige drei Viertel des Grundbesitzes an und legen die irische Wirtschaft lahm.

Bis 1801 hat Irland ein eigens Parlament. Dann löst England das irische Parlament im Zuge des "Act of Union" auf – England und Irland verschmelzen zum "Vereinigten Königreich von Großbritannien und Irland". Irische Abgeordnete müssen direkt ins Parlament im Londoner Stadtteil Westminster übersiedeln.

  • Ein Porträt von Daniel O’Connell. Daniel O’Connell kämpft für die Rechte der Katholiken. Rechte: dpa

Wachsender Widerstand

1823 gründet Daniel O’Connell die "Catholic Association", die erste Massenbewegung für die Emanzipation der irischen Katholiken. Seine Organisation bekommt schnell Zulauf und Einfluss. Bereits sechs Jahre später heben die Engländer die antikatholischen Strafgesetze, die das öffentliche Leben der Katholiken massiv einschränkten, auf.

Auch auf britischer Seite gibt es Fürsprecher für die Belange der Iren. Der Politiker William Ewart Gladstone setzt sich beispielsweise für die Rechte der Katholiken, wirtschaftliche Reformen und eine stärkere Autonomie Irlands ein. Die Unabhängigkeit der Insel kann er jedoch nicht erreichen.

Nach dem Tode O’Connells bekommen die irischen Katholiken mit Charles Stewart Parnell in den 1870er Jahren einen neuen politischen Aktivisten. Parnell setzt sich für die Katholiken und die Unabhängigkeit Irlands ein – und wird ins englische Parlament gewählt.

Anfang des 20. Jahrhunderts gründet sich die nationalistische Partei Sinn Féin ("Wir selbst"), deren Ziel ebenfalls die vollkommene Unabhängigkeit Irlands von England ist.

Erste Schritte in die Unabhängigkeit

1912 erkennt England die wiederholt ins Parlament eingebrachte "home rule", die geforderte Eigenständigkeit Irlands innerhalb des britischen Reiches, an. Da die Protestanten im Norden des Landes dagegen sind, kommt es in der Folge zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen ihnen und den Befürwortern der Unabhängigkeit Irlands.

Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbricht, stellt das englische Parlament die Umsetzung der "home rule" erstmal hinten an. Um England zu unterstützen, ziehen die Iren ebenfalls in den Krieg – dabei verlieren mehrere zehntausend Menschen ihr Leben.

Vom Osteraufstand zur neuen Verfassung

Am Ostermontag 1916 rufen radikale Nationalisten die Republik Irland aus. Die Engländer schlagen den Aufstand blutig nieder. Die Wahlen im Jahr 1918 gewinnt daraufhin die einige Jahre zuvor gegründete nationalistische Partei Sinn Féin. Die Mitglieder der Partei nehmen jedoch ihre Sitze nicht im britischen Parlament ein, sondern gründen Anfang 1919 in Dublin ihr eigenes Parlament.

Zwischen 1919 und 1921 kämpfen die Iren um die Unabhängigkeit von Großbritannien. Dabei kommt es zu brutalen Anschlägen und Übergriffen mit Opfern auf beiden Seiten. Für die kämpfenden Iren setzt sich mehr und mehr die Bezeichnung "Irish Republican Army" (IRA) durch.

  • Demonstranten mit einem Banner der irischen Partei Sinn Fein Die Partei Sinn Féin kämpft für ein vereinigtes Irland. Rechte: Mauritius

Am 6. Dezember 1921 gewährt der britische Premierminister David Lloyd George den Iren die Unabhängigkeit. Der südliche (katholische) Teil der Insel wird damit zum Freistaat, während der nordöstliche (überwiegend protestantische) Teil weiterhin zu England gehört. Die Unabhängigkeit des irischen Freistaates ist jedoch eingeschränkt: Parlamentsmitglieder müssen einen Treueeid gegenüber der britischen Krone ablegen.

Doch auch die Teilung der Insel bleibt nicht ohne Folgen. Vom Juni 1922 bis zum April 1923 kommt es erneut zu einem Bürgerkrieg. Dieses Mal bekämpfen sich die Iren untereinander: auf der einen Seite die Befürworter des Vertrags mit England, auf der anderen Seite die, die für das gesamte Irland die Unabhängigkeit wollen. Bei diesen Kämpfen sterben etwa 4.000 Menschen.

1932 gewinnen die Gegner des anglo-irischen Vertrags (die Partei Fianna Fáil) die Wahlen. Fünf Jahre später erhält Irland eine neue Verfassung. Neu darin ist unter anderem das Amt des irischen Staatspräsidenten. Während die Iren im Ersten Weltkrieg noch an der Seite der Engländer gekämpft hatten, bleiben sie im Zweiten Weltkrieg neutral.

Irland von der Unabhängigkeit bis heute

Schritt für Schritt arbeiten die machthabenden irischen Politiker weiter auf die tatsächliche Unabhängigkeit des Landes hin. Im April 1949 ist es dann soweit: Der südliche Teil der Insel wird zur Republik Irland und ist ab diesem Zeitpunkt auch nicht mehr Mitglied im Commonwealth. Seit 1955 gehört Irland zu den Vereinten Nationen, seit 1973 zur Europäischen Gemeinschaft (ab 1993 Europäische Union).

Der Nordirland-Konflikt

  • Soldaten stehen am Bloody Sunday hinter einer Barrikade, um Demonstrierende fernzuhalten. Am 20. Januar 1972 sterben während einer Demonstration mehrere Demonstranten. Rechte: dpa

Neben religiösen Aspekten geht es bei dem Nordirland-Konflikt vor allem um die Frage, ob Nordirland weiterhin zu Großbritannien gehören oder das gesamte Irland wiedervereinigt werden soll. Mitte der 1960er Jahre entstehen in Nordirland Bürgerrechtsbewegungen, die sich gegen die dortige Diskriminierung der katholischen Bevölkerung wenden. Die zunächst friedlich verlaufenden Demonstrationen nutzen einige Politiker dazu, die Stimmung im Land anzuheizen.

Das führt schließlich zu Übergriffen auf die Demonstranten und zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Die IRA, die nach der Gründung des irischen Freistaates 1921 teilweise im Untergrund verschwunden war, tritt wieder in Erscheinung und verübt Anschläge. 1969 greift die englische Armee ein. Am 30. Januar 1972 (dem sogenannten Blutsonntag oder "Bloody Sunday") erschießen britische Fallschirmjäger mehrere Demonstranten.

Versuche, den Frieden wieder herzustellen

  • Das Belfaster Friedensabkommen wird unterzeichnet Das Belfaster Friedensabkommen wird unterzeichnet. Rechte: dpa

Um die Situation in Nordirland unter Kontrolle zu bringen, löst sich im selben Jahr das nordirische Parlament auf und die britische Regierung übernimmt die Verwaltung. 1985 kommt es zu einem anglo-irischen Abkommen, das der Republik Irland ein – wenn auch eingeschränktes – Mitspracherecht bei der Verwaltung Nordirlands einräumt.

Trotz der Bemühungen um eine politische Lösung gibt es sowohl in Nordirland als auch in England immer wieder terroristische Anschläge. Ende 1994 erklärt unter anderem die IRA einen Waffenstillstand, den sie allerdings nur bis zum Februar 1996 aufrechterhält.

Am 10. April 1998 unterzeichnen beide Konfliktparteien schließlich ein Friedensabkommen, das sogenannte Karfreitags- oder Belfaster Abkommen. Diese Übereinkunft ist ein wichtiger Schritt in Richtung politischer Lösung der Unstimmigkeiten und Auseinandersetzungen zwischen sämtlichen Beteiligten.

Aktuelle Situation

In Nordirland gibt es immer wieder vereinzelte Terroranschläge. Obwohl sich die IRA 2007 offiziell entwaffnet und auch die nordirische Ulster Volunteer Force (UVF) im selben Jahr endgültig der Gewalt abschwört, erkennen einige radikale Splittergruppen diese Erklärungen für nicht verbindlich.

Das Auswärtige Amt schließt erneute gewalttätige Auseinandersetzungen nicht aus und verweist auf die britischen Sicherheitsbehörden. Diese setzen für Nordirland die zweithöchste Terrorwarnstufe des Landes fest. Für die Republik Irland gelten dagegen keine besonderen Sicherheitshinweise.

Quiz: Great Britain & Ireland

Landeskundliche Informationen zu Irland, Nordirland, Wales, England und Schottland spannend verpackt in einem Quiz: So lernen die Schüler spielerisch regionale Facetten kennen und trainieren nebenbei ihren englischen Wortschatz.

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Eine Karte von Großbritannien und Irland; als farbige Flächen voneinander unterschieden sind: Irland, Nordirland, Schottland, Wales und England; Rechte: WDR Multimedial