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Hintergrund: Irland – ein Land mit einer bewegten Geschichte

  • Irland - das geteilte Land. Die Karte zeigt die Trennung von Norden und Süden. Irland - das geteilte Land. Die Karte zeigt die Trennung von Norden und Süden. Rechte: WDR

Ein Land, zwei Gesichter

Die sogenannte „grüne Insel“ ist zweigeteilt: Im Norden befindet sich das zu Großbritannien gehörende Nordirland. Die übrige Fläche gehört zur Republik Irland. Diese hat eine Fläche von 70.282 Quadratkilometern und ist damit etwas kleiner als Bayern. Umgeben ist die Insel im Norden und Westen vom Atlantischen Ozean, im Süden von der Keltischen See und im Osten von der Irischen See.

Land und Leute

In der Republik Irland leben rund 4,2 Millionen Menschen – davon ist mehr als ein Viertel jünger als 20 Jahre. Die Mehrheit der Bevölkerung ist katholisch. Erste Amtssprache ist Irisch – allerdings wird sie nur von drei Prozent der Einwohner gesprochen. Umgangssprache und zweite Amtssprache ist Englisch.

Eine Insel und ihre Geschichte

Schon mehrere tausend Jahre vor Christus kamen die ersten Engländer nach Irland. Später auch die Kelten, Wikinger und Normannen – immer wieder waren es jedoch vor allem die Engländer, die die Insel unterwarfen und dadurch prägten. Heute ist die Republik Irland eigenständig, während der nordöstliche Teil der Insel (Nordirland) zu Großbritannien gehört. Doch bis es zur politischen Teilung Irlands kam, war es ein langer und blutiger Weg.

Wachsender Einfluss durch die Engländer

Lange Zeit war die Insel in verschiedene Königreiche und Provinzen zersplittert, zwischen denen es immer wieder zu Machtkämpfen kam. Im Jahr 1166 wurde der König der Provinz Leinster (im Südosten der Insel), Diarmait Mac Murchada, von einem Widersacher von seinem Thron vertrieben.

  • Ein Porträt von Heinrich VIII. Heinrich VIII wurde 1541 zum irischen König. Rechte: dpa

Auf der Suche nach Verbündeten zog Mac Murchada daraufhin nach England. Schließlich konnte er den anglo-normannischen Adligen Richard Fitz Gilbert alias Richard de Clare für seine Ziele gewinnen. Im Jahr 1170 kam Richard de Clare, der wegen seines Geschicks im Bogenschießen auch Strongbow genannt wurde, mit einer Armee nach Irland. Er kämpfte an der Seite Mac Murchadas und eroberte Leinster. Nach dem Tod Mac Murchadas wurde Richard de Clare zum König von Leinster.

Der englische König Heinrich II. wurde auf die Geschehnisse in Irland aufmerksam. Um einen wachsenden Einfluss de Clares in Irland zu verhindern, und seine Macht zu sichern, kam Heinrich II. 1171 ebenfalls nach Irland und dehnte seinen Einfluss auf die Insel aus. Doch erst ab 1534 gelang es den Engländern, unter Führung Heinrich VIII., die Iren immer mehr zu unterdrücken. Zunächst erklärte sich Heinrich VIII. per Gesetz zum weltlichen und geistlichen Oberhaupt der englischen Kirche. 1541 wurde er zum König von Irland.

Engländer unterdrücken das Land

Während sich die englische Kirche von Rom löste und veränderte, blieben die Iren katholisch. Nachdem Elisabeth I., Tochter von Heinrich VIII., 1558 den Thron bestiegen hatte, wurde deutlich, dass England die Iren nur scheinbar unterworfen hatte.

Unter Elisabeth I. und ihren Nachfolgern kam es immer wieder zu Aufständen, die blutig niedergeschlagen wurden. Ursache für die immer wiederkehrenden Unruhen: Die Katholiken in Irland wurden unterdrückt und hatten im Laufe der Zeit immer weniger Rechte. Nach und nach eigneten sich die Engländer drei Viertel des Grundbesitzes an und legten die irische Wirtschaft lahm.

1801 wurde das irische Parlament im Zuge des „Act of Union“ aufgelöst – England und Irland wurden zum „Vereinigten Königreich von Großbritannien und Irland“. Irische Abgeordnete wurden direkt ins Parlament im Londoner Stadtteil Westminster entsandt.

  • Ein Porträt von Daniel O’Connell. Daniel O’Connell kämpfte für die Rechte der Katholiken. Rechte: dpa

Wachsender Widerstand

1823 gründete Daniel O’Connell die „Catholic Association“ und erschuf dadurch die erste Massenbewegung für die Emanzipation der Katholiken. Sechs Jahre später wurden die antikatholischen Strafgesetze aufgehoben.

Während sich auf irischer Seite Daniel O’Connell für die Rechte der Katholiken und für eine stärkere Unabhängigkeit Irlands einsetzte, tat dies auf britischer Seite gegen Mitte des 19. Jahrhunderts der Politiker William Ewart Gladstone: Er engagierte sich für wirtschaftliche Reformen und die Unabhängigkeit Irlands. Die Unabhängigkeit der Insel konnte er jedoch nicht erreichen.

Nach dem Tode O’Connells bekamen die irischen Katholiken mit Charles Stewart Parnell in den 1870er Jahren einen neuen politischen Aktivisten. Parnell setzte sich für die Katholiken und die Unabhängigkeit Irlands ein – und wurde ins Parlament gewählt.

Anfang des 20. Jahrhunderts gründete sich die nationalistische Partei Sinn Féin („Wir selbst“), deren Ziel ebenfalls die Unabhängigkeit Irlands war.

Erste Schritte in die Unabhängigkeit

1912 erkannte England die wiederholt ins Parlament eingebrachte „home rule“, die geforderte Eigenständigkeit Irlands innerhalb des britischen Reiches, an. Da die Protestanten im Norden des Landes dagegen waren, kam es in Folge dessen zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen ihnen und den Befürwortern der Unabhängigkeit Irlands.

Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, wurde die Umsetzung der „home rule“ aufgeschoben. Um England zu unterstützen, zogen die Iren ebenfalls in den Krieg – dabei verloren mehrere zehntausend Menschen ihr Leben.

Vom Osteraufstand zur neuen Verfassung

Am Ostermontag 1916 riefen radikale Nationalisten die Republik Irland aus – allerdings wurde der Aufstand von den Engländern blutig niedergeschlagen. Bei den Wahlen im Jahr 1918 gewann die einige Jahre zuvor gegründete nationalistische Partei Sinn Féin. Jedoch nahmen die Mitglieder daraufhin nicht ihre Sitze im britischen Parlament ein, sondern gründeten in Dublin Anfang 1919 ihr eigenes irisches. Zwischen 1919 und 1921 kämpfen die Iren um die Unabhängigkeit von Großbritannien. Dabei kam es zu brutalen Anschlägen und Übergriffen mit Opfern auf beiden Seiten. Für die kämpfenden Iren setzte sich mehr und mehr die Bezeichnung „Irish Republican Army“ (IRA) durch, da vor allem dieser Zusammenschluss gegen die Abhängigkeit von England war.

  • Demonstranten mit einem Banner der irischen Partei Sinn Fein Die Partei Sinn Féin kämpft für ein vereinigtes Irland. Rechte: mauritius images

Am 6. Dezember 1921 gewährte der britische Premierminister David Lloyd George den Iren die Unabhängigkeit. Der südliche (katholische) Teil der Insel wurde damit zum Freistaat, während der nordöstliche (überwiegend protestantische) Teil weiterhin zu England gehörte. Allerdings war die Unabhängigkeit des irischen Freistaates eingeschränkt: Parlamentsmitglieder mussten einen Treueeid gegenüber der britischen Krone ablegen.

Zudem war der irische Freistaat ab 1921 Mitglied des British Commonwealth of Nations. Aber selbst die Teilung der Insel blieb nicht ohne Folgen. Bis 1923 kam es erneut zu einem Bürgerkrieg. Dieses Mal bekämpften sich die Iren untereinander: auf der einen Seite die Befürworter des Vertrags mit England, auf der anderen Seite die, die für das gesamte Irland die Unabhängigkeit wollten. Bei diesen Kämpfen starben etwa 4.000 Menschen.

Nachdem die Gegner des anglo-irischen Vertrags (die Partei Fianna Fáil) 1932 die Wahlen gewannen, erhielt Irland 1937 eine neue Verfassung. Durch sie wurde unter anderem das Amt des Staatspräsidenten geschaffen. Während die Iren im Ersten Weltkrieg an der Seite der Engländer gekämpft hatten, blieben sie im Zweiten Weltkrieg neutral.

Irland von der Unabhängigkeit bis heute

Schritt für Schritt arbeiteten die machthabenden irischen Politiker weiter auf die tatsächliche Unabhängigkeit des Landes hin. Im April 1949 war es dann soweit: Der südliche Teil der Insel wurde zur Republik Irland und war ab diesem Zeitpunkt auch nicht mehr Mitglied im Commonwealth. Seit 1955 gehört Irland zu den Vereinten Nationen, seit 1973 zur Europäischen Gemeinschaft (ab 1993 EU).

Der Nordirland-Konflikt

  • Soldaten stehen am Bloody Sunday hinter einer Barrikade, um Demonstrierende fernzuhalten. Am 20. Januar 1972 wurden während einer Demonstration mehrere Demonstranten erschossen. Rechte: dpa

Neben religiösen Aspekten ging es bei dem Konflikt außerdem um die Frage, ob Nordirland weiterhin zu Großbritannien gehören oder das gesamte Irland wieder vereinigt werden sollte. Mitte der 1960er Jahre entstanden in Nordirland Bürgerrechtsbewegungen, die sich gegen die dortige Diskriminierung der katholischen Bevölkerung wandten. Die zunächst friedlich verlaufenden Demonstrationen wurden von einigen Politikern dazu benutzt, die Stimmung im Land anzuheizen.

Das führte schließlich zu Übergriffen auf die Demonstranten und zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Die IRA, die nach der Gründung des irischen Freistaates 1921 teilweise im Untergrund verschwunden war, trat wieder in Erscheinung und verübte Anschläge. 1969 griff die englische Armee ein. Am 30. Januar 1972 (dem sogenannten „bloody sunday“) erschossen britische Fallschirmjäger mehrere Demonstranten.

Versuche, den Frieden wieder herzustellen

  • Das Belfaster Friedensabkommen wird unterzeichnet Das Belfaster Friedensabkommen wird unterzeichnet. Rechte: dpa

Um die Situation in Nordirland unter Kontrolle zu bringen, wurde im selben Jahr das nordirische Parlament aufgelöst und die britische Regierung übernahm die Verwaltung. 1985 kam es zu einem anglo-irischen Abkommen, das der Republik Irland ein – wenn auch eingeschränkt – ein Mitspracherecht bei der Verwaltung Nordirlands einräumte.

Trotz der Bemühungen um eine politische Lösung gab es sowohl in Nordirland als auch in England immer wieder terroristische Anschläge. Ende 1994 erklärte unter anderem die IRA einen Waffenstillstand, den sie allerdings nur bis zum Februar 1996 aufrecht erhielt.

Am 10. April 1998 wurde schließlich ein Friedensabkommen – das sogenannte Karfreitags- oder Belfaster Abkommen – unterzeichnet. Diese Übereinkunft war ein wichtiger Schritt in Richtung politischer Lösungen der Unstimmigkeiten und Auseinandersetzungen zwischen sämtlichen Beteiligten.

Aktuelle Situation

In Nordirland hat es in jüngster Vergangenheit wieder Terroranschläge gegeben, und das Auswärtige Amt weist darauf hin, dass erneute gewalttätige Auseinandersetzungen nicht vollkommen ausgeschlossen werden können. Für die Republik Irland gelten zurzeit keine besonderen Sicherheitshinweise. Dublin, die Hauptstadt, ist eine moderne Großstadt und gleichzeitig die größte Stadt der Republik.

In Dublin und Umgebung lebt etwas mehr als ein Viertel der Republikbevölkerung. Die Stadt ist Verwaltungssitz und sowohl ein wirtschaftliches und kulturelles als auch ein Bildungszentrum. 1991 wurde Dublin sogar zur europäischen Kulturhauptstadt gekürt.

Noch heute ist das gesellschaftliche Leben in Irland stark von der Kirche geprägt. Bis 1993 war Homosexualität dort illegal, bis Mitte der 1990er Jahre war es verboten, sich scheiden zu lassen. Kondome waren lange nicht erhältlich oder nur schwer zu bekommen, und Abtreibungen sind bis heute nur dann erlaubt, wenn das Leben der Mutter akut gefährdet ist.

Quiz: Great Britain & Ireland

Landeskundliche Informationen zu Irland, Nordirland, Wales, England und Schottland spannend verpackt in einem Quiz: So lernen die Schüler spielerisch regionale Facetten kennen und trainieren nebenbei ihren englischen Wortschatz.

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Eine Karte von Großbritannien und Irland; als farbige Flächen voneinander unterschieden sind: Irland, Nordirland, Schottland, Wales und England; Rechte: WDR Multimedial