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Der letzte Film dieser Sendereihe behandelt die dritte Generation der Roten Armee Fraktion (RAF) und ihre Selbstauflösung. Das Thema RAF bleibt bis heute aktuell und umstritten, denn sowohl Täter als auch Angehörige der Opfer leben noch. Wie eine demokratische Gesellschaft mit den Tätern umgeht und wie weit die Meinungsfreiheit reicht, erhitzt in diesem Zusammenhang noch immer die Gemüter. Dieser Komplex eignet sich für die Fächer Politik und Gemeinschaftskunde, aber auch für Ethik und Religion, da es auch um Schuld, Reue und Gnade geht.
Arbeitsblatt 1 "Fragen zum Film" arbeitet zunächst die Ereignisse in den 80er und 90er Jahren auf. Die Schüler sollen dieses Arbeitsblatt nach Ansicht des Films bearbeiten, um die Hintergründe wichtiger zeitgeschichtlicher Etappen der RAF-Geschichte kennenzulernen.
Drei Seiten sind für die Diskussion des Themenkomplexes "Umgang mit den Tätern" interessant und wichtig: Wie äußern sich die (Ex-)-Terroristen zu ihrer Vergangenheit? Und wie geht der demokratische Staat mit den Häftlingen um, von denen keine Gefahr mehr ausgeht? Erst in den vergangenen Jahren rückte auch die Sicht der Opfer bzw. ihrer Angehörigen in den Blickpunkt der öffentlichen Diskussion.
Einige ehemalige Terroristen haben sich in den vergangenen Jahren vom Terrorismus losgesagt und sich auch zu ihrer Vergangenheit geäußert. In einer Ausgabe des "Fluter", dem Jugendmagazin der Bundeszentrale für politische Bildung, hat sich Silke Maier-Witt zu ihrer Vergangenheit bei der RAF geäußert. Sie beschreibt, an welchem Punkt sie in Widerspruch zur Ideologie und Praxis der RAF geraten ist. Das Interview kann auch den Abschluss der Auseinandersetzung mit der menschenfeindlichen, rücksichtslosen Ideologie der RAF bilden. (siehe Linkliste)
Mehrere RAF-Häftlinge haben in den vergangenen Jahren Gnadengesuche gestellt, u.a. Birgit Hogefeld und Christian Klar. In Arbeitsblatt 2 "Gnade" haben wir verschiedene Positionen zum Gnadengesuch von Christian Klar und Informationen zum Gnadenrecht des Bundespräsidenten dargestellt. In der Diskussion der Schüler kommt es weniger darauf an, welche Position am Schluss eine Mehrheit findet. Eine Abstimmung ist deshalb auch gar nicht empfehlenswert. Wichtig ist vielmehr, verschiedene Aspekte und Sichtweisen abzuwägen. Ein demokratischer Rechtsstaat kann sich nicht auf einfache Kategorien wie Rache oder Reue zurückziehen.
Sie können auch die Bedingungen für eine frühzeitige Haftentlassung diskutieren an Stelle des Gnadengesuchs. Mehrere RAF-Häftlinge wurden vorzeitig aus der Haft entlassen, weil sie die juristischen Bedingungen erfüllten, so dass der Rest der Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden konnte. Das setzt allerdings voraus, sich auch mit den grundlegenden Prinzipien des Strafrechts zu beschäftigen.
Für den Geschichtsunterricht ist eine Reflektion über den Prozess der historischen Bewertung von Ereignissen interessant. Die Beurteilung von Ereignissen verändert sich im Laufe der Jahre. Das zeigt sich bereits in der kurzen Zeitspanne von 30 Jahren.
Für eine allgemein anerkannte historische Bewertung ist es jedoch noch zu früh, da viele Fragen noch gar nicht abschließend beantwortet werden können. Viele Dokumente der Zeitgeschichte sind heute noch nicht öffentlich. Die Verbindungen der RAF mit dem Ministerium der Staatssicherheit (Stasi) der DDR kamen zum Beispiel erst nach der Wende und der Öffnung der Stasi-Archive ans Licht.
Die Historisierung der Ereignisse steht erst noch am Anfang. Da viele Akteure und die Angehörigen der Opfer noch leben, ist die Diskussion zudem emotional stark belastet. Ein gutes Beispiel dafür ist das Zeit-Interview mit Helmut Schmidt über die Ereignisse 1977 ("Ich bin in Schuld verstrickt", siehe Linkliste).
Das Thema Terrorismus ist heute vor allem wegen der Bedrohung durch den internationalen Terror aktuell. Den Abschluss kann ein Vergleich der RAF mit Al Qaida bilden. Wodurch unterscheidet sich die heutige Terrorbedrohung von damals? Sie können dabei die Merkmalen des Terrorismus abarbeiten, die wir im Arbeitsblatt "Terrorismus" zum ersten Film der Reihe dargestellt haben. Bei Al Qaida vermischen sich ideologische mit religiösen Zielen. Die Terroristen operieren international und weitgehend ohne straffe Organisation und Hierarchie, weshalb sie so schwer zu bekämpfen sind. Al Qaida betrachtet nicht die politische Führung der westlichen Länder als ihre Feinde. Die Anschläge sind ungleich brutaler und zielen auf den Tod Tausender.
© Text: Jessica Becker, Anne Haage und Sarah Kumpf
