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Hintergrund: Medienwelt im Wandel

Kleine Geschichte der Massenmedien

Mediennutzung ist aus unserem Alltag gar nicht mehr wegzudenken, es ist die Freizeitbeschäftigung Nummer eins. Und weil die heutigen Medien so unglaublich viele Menschen erreichen, spricht man von Massenmedien. Seit den 1960er Jahren setzte das Fernsehen zu seinem Siegeszug an, es wurde schon bald das dominierende Leitmedium.

Lange Zeit kannte man in Deutschland nur Erstes, Zweites und Drittes (regionales) Programm, bevor Mitte der 1980er Jahre der private Rundfunk hinzukam, und mit ihm im Lauf der Jahre unzählige Privatsender entstanden. Im Gegensatz zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der hauptsächlich gebührenfinanziert ist, müssen die privaten Sender als gewinnorientierte Unternehmen wirtschaften. Sie finanzieren sich ausschließlich über Werbeeinnahmen, die ja auch bei Zeitungen und Zeitschriften einen Großteil der Einnahmen ausmachen. Um möglichst viele Werbekunden zu bekommen, müssen sie große Nutzerzahlen (Einschaltquoten, Auflagen) nachweisen können. Damit sind sie gezwungen, ein möglichst massentaugliches Programm zu produzieren. Das Kerngeschäft der Privaten: Viel Unterhaltung, wenig Information, kaum Bildung.

  • Grafiken zur Mediennutzung; Quelle: ARD/ZDF Langzeitstudie Massenkommunikation

    Nutzungsdauer der tagesaktuellen Medien 1970-2005 // Anteil der Medien am Medienkonsum 1980 bis 2005 // Zeitaufwand der Mediennutzung in und außerhalb der Freizeit

Das Zeitalter des World Wide Web

Seit den 1990er Jahren entwickelt sich das Internet rasant zum Massenmedium. Mittlerweile hat die Internetnutzung bei der jüngeren Generation dem Fernsehkonsum den Rang abgelaufen. Egal, ob es darum geht, sich zu informieren, zu bilden, zu spielen, Musik und Filme zu konsumieren, Kontakte zu pflegen, Geschäfte zu machen, Geld anzulegen: Online ist alles möglich. Informationen sind nicht nur schneller zu finden, sondern noch dazu meist gratis. Die alten „Offline“-Medien konnten vor diesem Trend nicht die Augen verschließen. Heute leisten sich eigentlich alle namhaften traditionellen Medien ein Online-Portal, zum Teil mit eigenen Online-Redaktionen.

(Quelle: SWR Medienforschung / JIM-Studie)

Grafik: Mediennutzung bei Jugendlichen, Quelle: SWR Medienforschung/ JIM-Studie 2009

  • Emblem Facebook / Twitter

Web 2.0 und Soziale Netzwerke

Neuerdings wird in Abgrenzung zum „herkömmlichen“ Internet der Begriff „Web 2.0“ oder „Social Media“ gebraucht. Darunter fallen alle Nutzungsformen, die dem gegenseitigen Austausch von Meinungen oder Erfahrungen dienen. Die Nutzer sorgen selbst für die Inhalte, seien es Urlaubsbilder, Musikvideos oder Ratschläge und Informationen aller Art, und stellen diese ins Internet: Auf spezielle Video-, Foto-, oder Nachrichtenportale, in Online-Foren, in ihr Weblog (oder Blog – eine Art Online-Tagebuch), oder sie nutzen dazu ihr persönliches Profil in einem der zahlreichen „Sozialen Netzwerke“, wie Facebook, MySpace oder SchülerVZ.

Journalismus im Umbruch

Der Wandel der Medienwelt vom Aufkommen der kommerziellen Fernsehsender bis zum heutigen „Web 2.0“ verändert nicht nur die Mediennutzung, er verändert auch die Medienproduktion und damit die Medieninhalte. Noch nie hatten so viele Menschen, und damit auch Laien, die Möglichkeit, „Nachrichten“ zu produzieren. Das Web 2.0 macht es möglich. Es entsteht eine immer schnelllebigere und unübersichtlichere Welt aus Informationen, Meinungen und Unterhaltung.

Journalisten haben nun die Aufgabe, aus diesem Meer an Information und Desinformation das herauszufiltern, was richtig und wichtig ist. Und das oft unter enormem Zeitdruck. Denn hinter jedem Zappen mit der Fernbedienung, hinter jedem Mausklick steht die Erwartungshaltung einer neuen Story, einer neuen Nachricht. Nachhaken, Recherchieren, Überprüfen, Informationen in ihrer Wichtigkeit richtig einordnen – grundlegendes, journalistisches Handwerkszeug – kostet jedoch viel Zeit und Geld. Und dies können (und leider auch wollen) sich immer weniger Medienverantwortliche und Publizisten leisten.

  • (Quelle: Screenshot von Spiegel Online) Der Spiegel sprang als erstes traditionelles Medium auf den Zug der Zeit auf und richtete 1994 mit Spiegel Online das heute in Deutschland marktführende Nachrichtenportal ein.

Online- versus Offline-Medien

Umstritten ist, ob die Online-Medien das Ende der alten Printmedien einläuten. Unumstritten ist, dass die Medien auch in Zukunft im Sinne der Pressefreiheit wichtige Funktionen in einer demokratischen Gesellschaft erfüllen müssen: informieren, kontrollieren, aufklären und Öffentlichkeit herstellen. Und hierfür braucht es glaubwürdigen Qualitätsjournalismus, egal ob on- oder offline.

Die Medienkrise und ihre Herausforderungen

  • Wer auf der einen Seite viel Geld für eine Anzeige ausgibt, will auf der anderen Zeitungseite keine Negativschlagzeile über sein Unternehmen lesen müssen!

Um die Gunst der Leser, Zuschauer und Zuhörer wird in der Medienlandschaft hart gekämpft – Auflage (Presse), Quoten (Rundfunk) und Klickzahlen (Online-Medien) sind die maßgeblichen Werte, nach der der Erfolg bemessen wird. Der Zwang zur Schnelligkeit, Attraktivität und Exklusivität verlangt einen Mehreinsatz von Personal und Ressourcen. Der ist jedoch für viele nicht finanzierbar, denn ein Anstieg der Einnahmen bleibt aus. Die Finanzierungslücke wird immer größer, der Sparzwang immer abenteuerlicher. Zeitungen und Verlage fusionieren, Redaktionen werden verkleinert, eigene investigative Recherchen unterbleiben zugunsten von Agentur- oder Pressemeldungen. Dadurch wächst die Gefahr, dass von PR-Profis verfasste, interessegeleitete Meldungen in die Medien gelangen, getarnt als objektive, journalistische Berichterstattung. Viele Themen sind aufgrund der Annahme, dafür gäbe es kein Publikum, gar nicht mehr platzierbar. Der auch Minderheiten und schwierige, unangenehme Themen umfassende Informationsauftrag der Medien wird so unterlaufen. Die Vielfalt und Unabhängigkeit der Medien, die die deutsche Medienlandschaft in den letzten Jahrzehnten ausgezeichnet hat, scheint bedroht.

Anzeigenkrise als Bedrohung der Pressefreiheit

Fast alle Medien – abgesehen vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk – finanzieren sich vor allem über Anzeigen und Werbespots. Und diese Finanzierung ist infolge der seit 2007 schwelenden Wirtschaftskrise mächtig ins Wanken geraten. Für die Medienbranche wurde die Bankenkrise zur Anzeigenkrise, mit möglichen Folgen für die journalistische Glaubwürdigkeit. Zum einen werden die Medien erpressbar: Potente Geldgeber aus der Wirtschaft können mehr als zuvor auf eine freundliche Berichterstattung hoffen. Zum anderen kommt es zu Konzentrationsprozessen: Immer mehr Zeitungen, Verlage und Sender geraten in die Hände weniger, oft international tätiger Medienkonzerne, wie etwa der Axel Springer AG. Deren Meinungsmacht ist kaum zu überschätzen.

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O-Ton Stefan Niggemeier

„Beim Fernsehen hat man hat man das schon gesehen, was so eine Einschaltquote verändert, // In den Nachrichten ist ein Klassiker, Themen aus Nahost, wo die Leute immer sehen können, dass massenhaft das Publikum abschaltet. Weil man irgendwie, weil sie mit diesem Thema nichts mehr zu tun haben wollen. Und das fordert natürlich eine gewisse, gewisse Form von Rückrad auch bei Journalisten auch zu sagen, wir finden aber, dass das wichtig ist und machen das trotzdem. Obwohl wir sehen, dass die Quote runtergeht. “ (00:27)

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O-Ton Götz Hamann

„Als Bürger, egal ob Leser oder Zuschauer werden sie in Deutschland noch gut informiert. Allerdings nimmt die Zahl der Medien ab, die das leisten können. Denn die Zahl der Medien, denen es wirtschaftlich gut geht nimmt ab. // Was passiert in den Medien, denen es ökonomisch nicht so gut geht? Weniger Journalisten müssen mehr leisten, müssen mehr Organisatorisches leisten, also haben sie weniger Zeit für Recherche, sie haben weniger Zeit zum Nachdenken und insofern weniger Zeit, wirklich das an Journalismus zu produzieren, was eigentlich alle erwarten. “ (00:34)

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O-Ton Hans Leyendecker

„Die Anzeigenkrise zwingt Zeitungen dazu, weniger Journalisten auf Dinge anzusetzen, noch mehr zu sparen, weniger Reisen zu machen und wer sich weniger um’s Recherchieren kümmert, bringt auch weniger raus. Das heißt, die Anzeigenkrise ist auch ein Stückchen eine Bedrohung dafür, dass Medien versuchen, eine Kontrollinstanz zu sein. “ (00:20)

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O-Ton Stefan Niggemeier

„Ich glaube aber auch, dass das nicht alles erklärt. Ich glaube auch, dass das eine Frage von, von Haltung ist, grundsätzlich auch zu versuchen auch mit wenig Budget oder wenig Zeit trotzdem einfach erstmal kritisch zu sein. Zu sagen, ich verlasse mich nicht darauf, ich bin auch so wach und glaube jetzt nicht jeder Geschichte, die aufregend klingt.“ (00:20)