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Hintergrund: Philippinen: Reis für die Zukunft

Philippinen - Kurzportrait

(Quelle: SWR)


Lage: Südostasien, an der Westküste des Südchinesischen Meeres, Inselgruppe zwischen Taiwan und Borneo (Malaysia/Indonesien)

Größe: 298.170 km² (ohne die territorial umstrittenen Spratly Islands); mehr als 7000 Inseln (circa 900 davon bewohnt) mit einer Küstenlänge von insgesamt 36.289 km. Größte Inseln: Luzon 104.688 km², Mindanao 94.630 km².

Klima: Tropisches Küstenklima, kaum jahreszeitliche Temperaturschwankungen, meist 25-30° C (Jahresdurchschnitt 26°). Winter relativ trocken, Sommer feucht-heiß. Das Land liegt in der Zugbahn der pazifischen Wirbelstürme (Taifune).

Landschaft: Auf den Hauptinseln: Tiefland mit circa 30.000 km² bewässerten Reisfeldern. Bergketten über 2500m Höhe im Norden von Luzon und in Zentral-Mindanao. Höchster Berg des Landes ist der erloschene Vulkan Mount Apo (2954m). Viele unbewohnte Inseln sind bewaldet, Tiefland zumeist ohne Wald.

Landschaft im Tiefland von Luzon (Quelle: SWR)

Die Landschaft im Tiefland von Luzon ist geprägt von Reisfeldern, Bewässerungsanlagen und den Bergen der nahen Vulkane


Naturkatastrophen: Ständige, landesweite Gefahr von Erdbeben und 25 aktive Vulkane: der bekannteste ist Mayon (2462m) auf Süd-Luzon. Das größte Beben war das Luzon–Beben am 16. Juli 1990 mit über 2000 Toten. Der Ausbruch des Pinatubo (nördlich von Manila) 1991 zerstörte die Heimat von 70.000 Menschen und machte Reisfelder auf 800 km² unbrauchbar. Mit einem Volumen von 10 km³ an Aschen und Lava hatte der Ausbruch über Monate Auswirkungen auf das Weltwetter.

Hauptstadt: Manila, 12 Millionen Einwohner (Volkszählung 2007). Im Großraum Manila leben 21 Millionen Menschen. Die genaue Zahl ist unbekannt, der Zuzug ist ungeregelt, viele Elendsquartiere im Stadtgebiet sind ohne Stadtverwaltung. Weitere Städte: Quezon City (im Großraum Manila) 2,4 Millionen Einwohner, Davao (Mindanao) 1,4 Millionen Einwohner.

Staatsform: Präsidiale parlamentarische Republik, seit 1967 Mitglied der ASEAN (Association of Southeast Asian Nations / Verband Südostasiatischer Nationen).

Bevölkerung und Sprachen: 101 Millionen Einwohner (2012), 1,7 Millionen Geburten jährlich. Seit 1990 nahm die Bevölkerung um 45% zu (1903: 7,6 Mio. 1960: 27 Mio. 1990: 60,7 Mio.). Die Hälfte der Einwohner lebt auf der Insel Luzon. 49 % der Menschen leben in Städten, 13% im Großraum Manila.
Circa 12 Millionen Filipinos leben im Ausland (USA 3,4 Mio., Saudi-Arabien 1,1 Mio.) und schicken jährlich mehrere Milliarden Dollar an die Familien zu Hause (2009: 17,3 Mrd. Dollar). Ein Viertel aller Seeleute auf Handelsschiffen sind Filipinos.
Nach der Volkszählung von 2000 werden folgende Volksgruppen unterschieden: Tagalog 28,1%, Cebuano 13,1%, Ilocano 9%, Bisaya/Binisaya 7,6%, Hiligaynon Ilonggo 7,5%, Bikol 6%, Waray 3,4%, Ifugao circa 150.000, andere 25%.

Auf den Philippinen werden circa 170 Sprachen gesprochen. Neben der offiziellen Landessprache Tagalog (Filipino) wird Englisch als Verkehrssprache benutzt. Tagalog ist ursprünglich die Sprache der Tagalen, der Völkerschaft, die im Gebiet um die Hauptstadt Manila wohnt. Einflüsse aus dem Spanischen, Englischen, Chinesischen und Malaysischen sind im heute gesprochenen Tagalog zu finden. Mabuhay [ sprich: Maa-boo-hay] ist der Willkommensgruß, der ein langes Leben wünscht. In manchen Landesteilen stößt Tagalog auf Ablehnung. Die Sprache verkörpere die kulturelle Vorherrschaft der Hauptstadtregion.

Wirtschaft: Hauptsächlich Inlands-orientierte Produktion, 33% der Beschäftigten in der Industrie, 32% in der Landwirtschaft, viele Kleinunternehmen im Dienstleistungsbereich und im Transportwesen. Ausfuhr: Elektronik, landwirtschaftliche Produkte, Holz, Schiffe. Exporte vor allem nach China, Japan, USA, Singapur, Hongkong und Südkorea. Bruttoinlandsprodukt, also der Wert aller innerhalb eines Jahres produzierten Waren und Dienstleistungen, pro Einwohner (2011) circa 2223 US Dollar (2011: Deutschland 43.700 US Dollar)

Religion: Die Filipinos gelten als das am stärksten religiöse Volk der Welt. 93% beantworteten die Aussage „I believe in God now and always have“ mit „Ja“ (Umfrage 2008). Katholisch 82,9%, evangelikale Christen 2,8%, christliche Sekte Iglesia ni Kristo 2,3%, andere christliche Strömungen 4,5%, ca. 5-7% Muslime, wenige Buddhisten. Nur 0,1% gaben an, keine Religion zu haben (Umfrage 2000). Der Einfluss der katholischen Bischöfe auf die Politik und das Bildungssystem wird im Ausland kritisiert, ebenso deren radikale Positionen gegen Familienplanung und der allgemeine diskriminierende Umgang mit nicht-Gläubigen.

Geschichte: Schwert und Kreuz – die spanische Kolonialzeit: 1521 – 1898

Der Eroberer Ferdinand Magellan erreichte die Philippinen nahe der heutigen Stadt Cebu im Jahr 1521 und erklärte die Inseln als zum spanischen Empire gehörig: später nannte man sie „Philippinen“ (Las Islas Filipinas) - nach König Philipp II (1527 - 1598). Anders als in Südamerika fanden die spanischen Eroberer auf den philippinischen Inseln nur wenige Bodenschätze und Edelmetalle. 1571 wurde Manila die Hauptstadt des spanischen Ostindien. Nur Teile Mindanaos, die Sulu–Pirateninseln und einige Bergregionen Nordluzons konnten von den Spaniern nicht erobert werden. Viele Völker in diesen Gegenden behielten so ihre kulturelle Autonomie und Sprache. Auch die Bergbauern von Banaue, die den speziellen Terrassenanbau von Reis kultivieren, gehören dazu. Die Missionierung der Filipinos wurde mit großem Einsatz von Soldaten und Priestern vorangetrieben. Die Inseln erwehrten sich zahlreicher Eroberungsversuche chinesischer Flotten und überstanden eine kurze englische Machteroberung (1764), blieben aber wirtschaftlich unbedeutend und weitgehend von den Kriegen der Welt unberührt. Zeugnisse dieser spanischen Kolonialzeit sind bis heute das Christentum und die überwiegend spanischen Namen der Filipinos.

Geschichte: Angeles City – die amerikanische Kolonialzeit: 1902 bis 1946

1898 überrannte die technisch überlegene amerikanische Marine die letzten spanischen Bastionen bei Manila. Ende des 19. Jahrhunderts hatte sich die USA zur pazifischen Nation erklärt, die Freiheit und Wohlstand bis nach Ostasien tragen könnte. Strategisch waren die Besitzungen in Alaska (1867), die Inseln Hawaii (1898) und Guam (1898) geographische Eckpunkte einer beabsichtigten Dominanz im pazifischen Raum. Die Philippinen waren als Zuckerlieferant und als möglicher Standort von Marinestützpunkten von großem Interesse. Versuche der Filipinos zur Unabhängigkeit zu gelangen, wurden bis 1901 blutig niedergeschlagen. Ab1901 herrschte in Manila ein US Zivilgouverneur. Eine weitgehende Mitregierung der Filipinos wurde angestrebt, das Schulwesen ausgebaut und die Philippinen als „kulturelles Bollwerk gegen Ostasien“ ausgebaut. Trotz einer folgenden Aufrüstung der Inseln durch die USA (Clark Air Base 1919 – 1992), wurden die Philippinen Anfang 1942 im Pazifikkrieg von Japan erobert und zu einem Teil des japanischen Kaiserreiches. Erst der gemeinsame Vormarsch der philippinischen Guerilla und regulärer amerikanischer Einheiten in den Jahren 1944/45 vertrieb die Japaner von den Inseln.

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs, am 4. Juli 1946, wurden die Philippinen eine unabhängige Republik. Die USA blieben wirtschaftlich dominant. Zu Beginn des Kalten Krieg wurden in einer Art Marshallplan bis 1950 v.a. für die Veteranen des Krieges und ihre Familien Zuwendungen von circa einer Milliarde Dollar ins Land gebracht, um damit auch den Kommunismus und den chinesischen Einfluss einzudämmen. Insgesamt erhielten die Philippinen seit 1946 circa 5 Mrd. US Dollar Wirtschaftshilfe, inklusive Nahrungsmittellieferungen und Militärhilfe. Während des Vietnamkriegs bildeten die US Militärbasen nördlich von Manila im Umfeld von Angeles City ein wichtiges Rückgrat der Luftangriffe auf Nordvietnam und der Landoperationen. Politisch blieb das Land instabil. Die wirtschaftliche Wachstumsrate konnte mit den anderen Tigerstaaten der Region (Taiwan, Singapur, Korea) nicht mithalten. Wechselnde Diktatoren (u.a. Ferdinand Marcos 1972 – 1986) prägten das Land. Die allgegenwärtige Korruption, ein nicht zuverlässig funktionierender Rechtsstaat, die Konzentration des produktiven Kapitals in den Händen weniger Superreicher und die mangelnde Infrastruktur bei anhaltend hoher Armut in großen Teilen des Landes schrecken weiter Auslandsinvestoren ab. Die wirtschaftliche Entwicklung kommt nur sehr langsam voran.

Armut und Reis

  • Säcke mit Reis (Quelle: SWR) Preise im Reisladen an der Hauptstrasse in Banaue. Während der Tieflandreis für 25 – 40 Pesos pro Kilo zu haben ist, wird der Reis von der Terrassen für Touristen für 70 – 120 Pesos pro Kilo verkauft.

68 Millionen Filipinos (2006) müssen von weniger als 2 Dollar (80 philippinische Pesos) am Tag leben. Das sind fast 30% der Einwohner. Sie sind nach UN–Kriterien also arm. Besonders Familien mit vielen Kindern haben ein hohes Armutsrisiko.
Das Kilo Reis kostet etwa 20 - 30. Für die meisten Filipinos ist eine Mahlzeit ohne Reis keine „richtige Mahlzeit“. Reis ist geradezu ein Symbol für Ernährungssicherheit und Schutz vor Hunger. Wer Reis hat, überlebt. Darum wird der Reispreis staatlich festgelegt und dient in der politischen Auseinandersetzung der Parteien als ein Hauptthema. Die Regierung muss seit Jahrzehnten Reis importieren. Während der weltweiten Nahrungsmittelkrise 2008 kauften die Philippinen 1, 8 Millionen Tonnen Reis. Das trieb die Spekulation an, und der Reispreis in anderen Teilen der Welt stieg auf Rekordniveau. Die jährliche Importrate ist so von weltweiter Bedeutung. Trotz der Regierungsprogramme , wonach die ärmsten Familien (2,3 Millionen Familien 2011) monatliche Geldzuwendungen (circa 30 Dollar/2400 Pesos) erhalten, um ihre 6-14jährigen Kinder zur Schule schicken zu können (Schulbücher, Transportkosten), wird die philippinische Regierung das UN–Armutsziel, bis 2015 die Armut zu halbieren, nicht erreichen. Der Bevölkerungszuwachs müsste gestoppt werden. Dieses Ziel ist aber gegen den Klerus („Natural family planning only“) nicht durchzusetzen.

Ernährung und Landwirtschaft

Obwohl 32% der Beschäftigten in der Landwirtschaft (inklusive Forstwirtschaft und Fischerei) arbeiten, erwirtschaftet dieser Bereich nur 14% des Inlandsproduktes. Heute wird insgesamt auf 2,8 Millionen Hektar Reis angebaut. Das sind etwa 10% der Landfläche. Der Reis wird vorwiegend von Familienbetrieben auf sehr kleinen Flächen von 0,5 bis 4 ha kultiviert. Millionen arme Reisbauern und ebenso viele landlose Landarbeiter sind von der Reisproduktion direkt abhängig. 2010 erzeugten die Philippinen 15,7 Mio. Tonnen Reis (1970: 5 Mio. t, 2000: 12,4 Mio. t). Damit sind die Philippinen derzeit der achtgrößte Reisproduzent in der Welt. Bei einem Verbrauch von circa 115 kg pro Kopf und Jahr reicht diese Produktion nur für 90% der Bevölkerung. Das liegt unter anderem daran, dass die wachsenden Städte immer mehr Flächen verbrauchen, und dass der Ertrag pro Hektar nicht genügend gesteigert werden kann (1961: 1,2 t/ha, 2009: 3,5 t/ha) . Bis auf wenige Jahre (Anfang der 1980er Jahre) mussten die Philippinen immer Reis importieren: 500.000 t (2012), 860.000 t (2011), 2, 4 Mio. t (2010), zumeist aus Vietnam. Für 2014 ist die Selbstversorgung der Inseln mit Reis angestrebt. Dieses Ziel wird allerdings regelmäßig von den jeweiligen Regierungen ausgegeben. Noch nie ist es in den letzten 30 Jahren erreicht worden.

  • Reisterrassen von Banaue (Quelle: SWR)

    10 Autostunden nördlich von Manila - die Reisterrassen von Banaue. Vor Jahrhunderten ins bergische Land getrieben, werden sie seither nachhaltig bewirtschaftet und bewässert. Nur eine Ernte ist hier auf etwa 1000m Meereshöhe möglich

  • Reiskörner werden von den Rispen gestreift und aus den Hülsen gestampft (Quelle: SWR)

    Erst kurz vor der Mahlzeit werden die Reiskörner von den Rispen gestreift und aus den Hülsen gestampft

Reis weltweit

Reis ist Hauptnahrungsmittel für die Hälfte der Weltbevölkerung. 90% des Reises wachsen da, wo er vor allem gegessen wird, in Asien. Reis ist damit eine ideale Grundlage einer nachhaltigen, Verkehre vermeidenden Nahrungswirtschaft. 456 Millionen Tonnen wurden 2011 auf der ganzen Welt geerntet – auf einer Fläche von 127 Mio. Hektar. Das ist entspricht vergleichsweise dem Gebiet von Frankreich, Deutschland, Schweiz und Österreich zusammengenommen. Die Hauptanbaugebiete liegen in Südostasien (v.a. Thailand, Indonesien, Myanmar, Philippinen), in Ostasien (China 25% der Weltproduktion, Korea, Japan) und in Indien (20% der Weltreisproduktion). Hauptexportländer sind Thailand, Indien, Pakistan, Vietnam und die USA. Jedoch nur 5 - 10% der Reisernte werden weltweit gehandelt. (2012: 34 Mio. t.) Etwa 3 Millionen Tonnen (weniger als 1% der Welternte) werden in Europa (Italien, Spanien, Frankreich) produziert. Der größte Reisimporteur ist noch immer Afrika.

Reis für die Zukunft

Seit 1960 arbeitet das IRRI, das „International Rice Research Institute“ an der Zukunft des Reisanbaus. Heute hat das Institut - mit Sitz in Los Baños südlich von Manila - 1300 Mitarbeiter. Jahrhunderte lang wurden von den Bauern immer wieder neue Reissorten gezüchtet, um Geschmack, Ertrag und Qualität zu steigern. Auch am IRRI wurden mehrere Hundert Züchtungslinien hervorgebracht. Auf riesigen Versuchsfeldern und in speziellen Klimakammern wachsen verschiedene Reissorten, die extremen Umweltbedingungen ausgesetzt werden, um zu testen, ob sie selbst bei Hitze oder Trockenheit immer noch Erträge abwerfen. Außerdem gibt es auf dem Gelände eine einmalige Gendatenbank, in der fast alle Reissorten der Welt aufbewahrt und bei Bedarf wieder weitergegeben werden.
Gerade wegen der anhaltenden, europäischen Diskussion um gentechnische Methoden der Züchtung ist man am IRRI sehr vorsichtig bei der Erzeugung neuer, gentechnisch veränderter Reissorten. Große Hoffnungen setzt man dort ab 2012 auf die Feldversuche zum sogenannten „Goldenen Reis“ mit einem höheren Vitamin A-Gehalt, bisher der einzige gentechnisch veränderte Reis im Großvertrieb.

Lange war die Arbeit des IRRI nicht unumstritten. War das Institut doch in den 60er und 70er Jahren Vorreiter der „Green Revolution“ für ganz Ostasien. Dabei wurden wenige auf herkömmliche Art gezüchtete „Superreissorten“ (z. B. IR-8) an vielen Orten eingeführt, die aber die großen Erwartungen nur zum Teil erfüllten. Durch den verstärkten Einsatz von Chemie auf dem Feld wurden zwar die Erträge pro Hektar gesteigert, doch hatte der hohe Einsatz von Dünger und Pestiziden negative Folgen für die Umwelt.

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Filmclip

Achim Dobermann, Forschungsdirektor IRRI, zur Welternährungssituation (01:55)

Jugend und Bildungssystem

  • Schüler/Innen (Quelle: SWR) Eine Dorfschule in der Nähe von Bayawan (Insel Negros). Ein Raum für 40 Schüler unterschiedlichen Alters. Seit 2012 wird das Bildungssystem auf den Philippinen reformiert, um die Schüler für den asiatischen Hochtechnologiemarkt fit zu machen.

Während der spanischen Kolonialzeit waren ausschließlich Priester als Lehrer zugelassen. Erst unter amerikanischer Hoheit wurde ein staatliches System von Schulen, Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen etabliert, das 1935 verfassungsrechtlich gesichert wurde. In Quezon City bei Manila wurde 1908 die University of the Philippines gegründet (2012: 51.000 Studenten). Im Unterschied zu anderen Völkern in Südostasien, die mit dem Ende der Kolonialherrschaft auch die Sprache der früheren Herren aus dem Bildungssystemen beseitigten, blieb das Englische auf den Philippinen auch nach 1946 eine tragende Säule der Schulbildung. Es wird als einer der zwei offiziellen Sprachen (nicht als Fremdsprache) gelehrt. Philippine English ist als anerkannte Variation im Alltag der Filipinos so verankert, dass man vom Englischen als einheitlicher Verkehrssprache im ganzen Land sprechen kann. Für viele Schüler ist es das Tor in die Arbeitsfähigkeit im Ausland. Bis 2012 gab es ein einheitliches Bildungssystem für circa 16 Millionen Schüler: 6 Jahre Grundschule (kostenlos), 4 Jahre High School (kostenpflichtig). Colleges, Privatschulen und Universitäten sind jeweils kostenpflichtig. 96% der Filipinos können lesen/schreiben.

Seit Juni 2012 wird das Bildungssystem als „K+12 program“ umgestaltet. Der Preschool–Kindergarden ist jetzt für alle 5-Jährigen Pflicht, gefolgt von Elementary School (Klasse 1-6), Junior High School (Klasse 7-10) und zusätzlichen (freiwilligen) zwei Schuljahren in einer Senior High School (Klasse 11-12). Für ein Entwicklungsland mit geringer Wirtschaftskraft ist das ein ehrgeiziges Vorhaben. Im Land gibt es Zweifel am Gelingen, weil Tausende Lehrer hauptsächlich für den Kindergarten fehlen (2012: 1,9 Mio. Kinder), und weil die Schulen auf dem Land nur sehr einfach gebaut sind und zumeist weder über Schulkantinen noch über eine ausreichende sanitäre Versorgung verfügen. Außerdem steigen bei längerem Schulbesuch die Kosten für Schulkleidung, Schulbücher und Transport, wodurch dieser wiederum für die armen Familien nur schwer zu realisieren ist. Langfristig jedoch macht dieses Schulsystem die philippinischen Schüler vergleichbarer für Universitäten und Firmen in den Wirtschaftsmächten der Region: Japan, China und Korea. Unklar ist, ob damit der „Export von Menschen“ - die Migration junger Menschen ins Ausland - nach dieser neuen Schulausbildung weiter so hoch bleibt wie bisher. 2008 wurde pro 1000 Einwohner eine Migration von 1,8 gemessen. Das heißt: es wanderten von 1000 Einwohnern 1,8 Einwohner aus. (Zum Vergleich Deutschland 2008: 0,5 von 1000 Einwohnern). Was die Geburtenrate betrifft, so kam die gleiche Gruppe (1000 Einwohner) auf den Philippinen 2008 auf durchschnittlich 26 Geburten (Deutschland 2009: 8 Geburten/1000 Einwohner). Der Druck auf das inländische Schulsystem durch die wachsende Bevölkerung nimmt also weiter zu. 35% der Einwohner sind unter 14 Jahre.