zum Inhalt.
zur Hauptnavigation.
Schon in der Antike kämpften die Athleten für die Ehre ihres Stadtstaates, ihres.... Und auch im internationalen modernen Sport wetteifern Zuschauer mit „ihren Helden“, wird der Sieg im sportlichen Wettkampf immer auch als nationaler Triumph gesehen. Erst Recht bei Olympia. Die Überhöhung, die die Olympische Tradition mit ihren Idealen diesen Wettkämpfen beschert hat, färbt auch auf die Sieger ab. Ein Olympischer Sieg glänzt eben mehr, als z.B. ein Weltmeistertitel.
Schon sehr früh schickten daher die Nationen nur die Besten ins Olympische Rennen. Doch die Besten, das waren Ende des 19. Anfang des 20 Jahrhunderts die Profisportler und die durften bei Olympia nicht antreten (bis zur Änderung des Amateurstatus 1981). Ein gesichertes Auskommen und regelmäßiges Training, wie im Profisport, war aber eine wichtige Voraussetzung, um am Medaillensegen künftig teilzuhaben. Hier sprangen zunehmend die Staatsführungen ein und erfanden unterschiedliche Methoden, den Amateurparagraphen zu umgehen und ihren Sportler eine Basis für ein geregeltes Training zu ermöglichen.
Zwar hatte Schweden schon 1912 den "Staatsamateur" erfunden, indem es die Sportler einfach rechtzeitig zu Wehrübungen einzog, welche dann nichts anderes als im Trainingslager waren.
In den Jahren des Kalten Krieges: der Kampf um Medaillen wird zum Kampf der politischen Systeme. Rechte: SWR
Aber die italienischen Faschisten perfektionierten das System. Der Staat stieg massiv in die Sportförderung ein, organisierte nationale Trainingslager, ersetzte die vorher vorhandenen Tricks durch den „Amateur des öffentlichen Dienstes“. Die Sportler wurden von ihren Arbeitgebern einfach freigestellt und schwammen auf einer Woge der Begeisterung, die ihnen als "Mussolini Boys" nicht nur Platz 2 bei den Olympischen Spielen brachte, sondern auch 1934 und 1938 die Fußballweltmeisterschaft. Erfolgreiche Sportler wurden die nationalen Helden der Friedenszeiten. Die straffe Organisation des gleichgeschalteten Staatssports unter einem Reichssportführer guckten sich Deutschland und die anderen faschistischen Staaten Europas von Italien ab. Die Nationenwertung als Ausdruck für die Leistungsfähigkeit der eigenen Nation zu interpretieren, war in den 30er Jahren des 20. Jhdts sicherlich „rassisch“ motiviert. Nach dem Zweiten Weltkrieg, im sogenannten Kalten Krieg, galt sie als Ausdruck der Überlegenheit im „Kampf der politischen Systeme“.
Wie kommt es dazu, dass die Anzahl der errungenen Medaillen zum Zeichen für die Größe und Vitalität eines Volkes werden konnten? Die Ausbreitung des heutigen Wettkampfsports ist eng mit dem Sozialdarwinismus verbunden. Die Lehren von Charles Darwin wurden in dieser "Gesellschaftstheorie" - verkürzt auf das "survival of the fittest" - auf die menschliche Rasse übertragen. So benutzten z.B. Rassentheoretiker Darwins Theorie, um eine Überlegenheit der Weißen gegenüber den Farbigen zu konstruieren und Rassendiskriminierungen und Unterdrückung z.B. in den Kolonialstaaten zu rechtfertigen. Bei "survival of the fittest" dachte man in Deutschland und Frankreich an ein "sich durchsetzen" der stärksten Rasse - in England und Amerika des stärksten Individuums. Der Wettkampfsport wurde als stilisierter und ritualisierter Test für körperliche Fitness verstanden.
In Frankreich hatte sich die prädarwinistische Theorie Jean Baptiste Lamarcks mit dem Darwinismus vermischt. Nach ersterer galt als gesichert, dass sich auch erworbene Fertigkeiten vererbten. Als populäres Beispiel galt die Giraffe, deren langer Hals eine Adaptation an die weiter unten kahl gefressenen Bäume sein sollte. Dem hielten die deutschen von Ernst Haeckel und Gregor Mendel geprägten Eugeniker entgegen, dass auch dann, wenn man einer Hunderasse Jahrhunderte lang den Schwanz coupiere, sich der veränderte Zustand eben immer noch nicht vererbe.
Coubertin forderte im Rahmen dieser Diskussion auf: "rebronzer la France". Über Körpererziehung sollte die französische Jugend nach englischem Vorbild ihren eigenen Fitness- und Gesundheitszustand so überdauernd verbessern, dass die verbesserten Eigenschaften vererbt werden konnten. Eine Medaillenwertung bei den Olympischen Spielen gebe dann über den körperlichen Leistungsstand der jeweiligen Rasse Auskunft.
Die Rassen vergleichende Komponente wurde dann vor allem bei den Olympischen Spielen von 1904, die mit der Weltausstellung in St. Louis verbunden war, deutlich. In den anthropologischen Tagen der Olympischen Spiele zeigten Vertreter der verschiedensten Naturvölker ihre Körperübungen. Hierbei wurden die Leistungen mit denen der Weißen verglichen. Es stellte sich erwartungsgemäß heraus, dass die Weißen nicht nur schneller laufen, sondern auch den Speer weiter werfen konnten (was man heute dem Trainingsvorsprung zuschreiben kann) - was für die Rassenhygieniker als weiterer Beweis für die Überlegenheit der weißen und hierbei vor allem der germanischen Rasse galt. Allerdings verblüfften die Hochsprungleistungen der zentralafrikanischen Massai und die Dauerlaufleistungen der nordmexikanischen Tarahumaras.
© Text: Arnd Krüger / SWR
