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Hintergrund: Die Anfänge der Kommerzialisierung

Coubertin und Ruskin

Die Anfänge der Kommerzialisierung kann man schon bei Coubertin finden, der sich in der Ausgestaltung des olympischen Rituals an John Ruskin (1818-1900, engl. Maler, Schriftsteller und Sozialreformer) orientierte.

  • Der Antike nachempfundene Marmorstelen im Panathenaikon-Stadion Athen. Hier haben 1896 die ersten Spiele der Neuzeit stattgefunden. Coubertin „ästhetisierte“ die Olympischen Spiele. Rechte: SWR

Coubertin "ästhetisierte" die Olympischen Spiele, um sie von den übrigen Sportereignissen seiner Zeit abzugrenzen und aufzuwerten. Auch seine bewusste Abwertung des Turnens, das mit seinem grauen Gleichklang dem Streben nach individueller Spitzenleistung und deren bunter Hervorhebung entgegenstand, ist Coubertins bewusstem Ruskianismus zuzuschreiben. Der britische Theoretiker der Ästhetik John Ruskin, Professor für Kunstkritik in Oxford, hatte sich mit seinem Spätwerk dem Zusammenhang von Kunst und Geld zugewandt. Er forderte die Ästhetisierung der Objekte, um sie als reproduzierbare Kunst besser verkaufen zu können. Ruskins Vater war einer der ersten Markenartikler Großbritanniens gewesen, der im Sherryhandel ein Vermögen verdient hatte. Das Werk des Sohnes beeinflusste Coubertin, der über ihn publizierte und in der Folge, Flagge, Hymne, Medaillen entwarf, und überlegte, wie man mit den olympischen Feiern auch Feuerwerk verbinden könne, um den ästhetischen Eindruck zu verstärken.

Ungeahnter Geldsegen: Foto- und Filmrechte

Bereits 1928, bei den Spielen in Amsterdam entdeckte man, dass das Filmen bei olympischen Spielen Geld bringen kann. Damals wollte Amsterdam als Veranstalter die Film- und Fotorechte exklusiv an eine Firma verkaufen. Nur autorisierte Kameraleute sollten filmen dürfen.

  • Histor. Aufnahme: Kameramann hinter Filmkamera im Olympia-Stadion in Amsterdam

    1928 in Amsterdam brachte das Filmen bei Olympischen Spielen erstmals Geld in die Kassen der Veranstalter. Rechte: SWR

  • UfA Filmzeichen

    Wochenschauen und Olympia-Filme konnten früher bei vielen Olympischen Spielen noch ohne Rechtekosten gedreht werden. Rechte: SWR

Doch es sollte noch eine geraume Zeit dauern, bis der Rechtehandel beir Olympia gängige Praxis wurde und sich für das IOC auszahlte. Wochenschau und Olympiafilme konnten lange Zeit ohne Rechtekosten gedreht werden.

Erst mit dem Siegeszug des Fernsehens als Massenmedium in den 1960er Jahren kam der Lizenzhandel in Schwung. Von da an mussten die Fernsehanstalten von Olympiade zu Olympiade mehr Geld für die Übertragungsrechte ausgeben.

Das IOC läßt sich die Fernseh-Übertragung teuer bezahlen: 2000 in Sydney waren die öffentlich-rechtlichen Sender Europas (EBU) mit 350 Mio. US-Dollar dabei, 2004 in Athen mussten sie schon 394 Mio. US-Dollar zahlen.

Zum letzten Stand der Kommerzialisierung: Athen 2004 in Zahlen

Größer - teurer - spektakulärer. Die Olympischen Spiele 2004 sind an ihrem "Geburtsort" zurückgekehrt. Es waren wieder Spiele der Superlative: Nicht nur die Sportler haben für Rekorde gesorgt, sondern auch die Zahl der teilnehmenden Länder, der Helfer, der Sicherheitskräfte und in manchen Bereichen die Kosten. Auf einen Sportler sind in Athen zwei Journalisten gekommen; es gab fünfmal mehr Sicherheitskräfte als Sportler und sechsmal mehr freiwillige Helfer.

Medien

Auch die Präsenz der Medien war in Athen 2004 rekordverdächtig. Mit 53,7 Mio. Zuschauern, haben ARD und ZDF rund 75 % aller Deutschen erreicht und in ihren Hauptprogrammen übertrugen sie mehr als 300 Stunden. (Quelle:MP 10/2004) Dazu kamen erstmals Übertragungen auf vier digitalen Kanälen und die Sendungen im ARD-Hörfunkprogramm, wobei das Olympia-Programm für bundesweit über 50 verschiedene Hörfunkprogramme koordiniert werden musste.

Opfer

Athen 2004 wartete aber auch mit einem traurigen „Rekord“ auf, der die Praxis, jeden Veranstalter zu neuen, gigantischen Sportanlagen zu verpflichten, sehr in Frage stellt: Die Bauarbeiten auf den Olympia-Baustellen haben 16 Todesopfer gefordert. Die Gewerkschaft der Athener Bauarbeiter rief zu Protesten auf. "Es ist eine Schande nicht nur für die Arbeiter, sondern auch den Menschen gegenüber, im Jahre 2004 unter Bedingungen wie im alten Rom zu leben. Wir wollen humane Arbeitsbedingungen sowie wesentliche Sicherheitsvorkehrungen", hieß es dazu in einer offiziellen Gewerkschaftsmitteilung. Als Ursache für die vielen Unfälle werden der enge Zeitplan und mangelnde Sicherheitsvorkehrungen genannt.

Statistische Angaben

Was? Wieviel?
Teilnehmende Länder: 202
Sportler: 10.500
Athleten aus Deutschland: 440
Sportarten: 28 (Disziplinen: 37)
Wettbewerbe: 301
Gesamtkosten der Spiele: 6,4 Milliarden Euro
Eintrittskarten: 5,3 Millionen
Ehrenamtliche Helfer: 60.000
Bewerbungen als Helfer: 145.000
Journalisten: 21.000
Funktionäre: 18.000
Olympiabesucher: 100.000

Staffellauf/Olympisches Feuer

Was? Wieviel?
Kosten des Staffellaufs: 46,2 Millionen Euro
Teilnehmer: 11.300
Strecke: 80.000 Kilometer
Dauer: 25. März - 13. August
Kosten für das Olympische Feuer: 80.000 Euro

Sicherheit (Kooperation mit europäischen Nachbarländern)

Was? Wieviel?
Einsatzkräfte des Militärs: 58.000 (plus Polizei, Feuerwehr, Küstenwache)
Kosten des Sicherheitssystems: 255 Mio. Euro
Gesamtkosten für die Sicherheit: 650 Mio. Euro
Überwachungskameras: 1600

Infrastruktur

Was? Wieviel?
Neue Straßen: 120 km
Zusätzlich gebaute öffentliche Verkehrsmittel: Straßenbahn 21,7 km
U-Bahn 7,7 km
Vorstadtbahn 32 km

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