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Hintergrund: Zeremonie und Wettkampf

Die fünf Wettkampftage des „goldenen Zeitalters“

Im „goldenen Zeitalter“ der antiken Olympischen Spiele (472 - 400 v. Chr.) dauerte das olympische Fest bereits 5 Tage. Der erste Tag und der dritte Tag wird von Weihehandlungen bestimmt – ein deutliches Merkmal für die ursprünglich kultische Bedeutung des olympischen Wettkampfs. Den Auftakt bildete eine Prozession – Priester, Schiedsrichter, Athleten, und Zuschauer ziehen durch ein Prozessionstor in den heiligen Bezirk von Olympia.

  • Kopf eines Stieres, antike Marmorskulptur Vor dem Zeusaltar angekommen, warteten die Prozessionsteilnehmer auf den ersten Höhepunkt der Feier. Für Zeus, den höchsten aller griechischen Götter opferte man einen Stier. Rechte: SWR
  • nachgestellte Szene: drei Athleten beim ablegen des Eides mit ausgestrecktem Arm Nach der Opferung eines Stiers folgte der feierliche Eid. Die Athleten, aber auch die Schiedsrichter schwören, dass sie die Regeln des Kampfes achten werden. Rechte: SWR
  • nachgestellte Szene: Athlet empfängt kniend den Siegerkranz aus Olivenzweigen von drei Priestern in purpurnen Gewändern Der letzte Tag, der Tag der Siegesfeier. Der Sieg in Olympia ist die höchste Auszeichnung in der Laufbahn eines Athleten. Rechte: SWR

1. Tag

Prozession

Zeusopfer

Olympischer Schwur der Athleten und Schiedsrichter

Wettkämpfe der Knaben im Laufen, Ringen und Faustkampf

2. Tag

Die "Hippischen Agonen": Wettreiten und Wagenrennen im Hippodrom

Fünfkampf der Männer mit Diskuswurf, Weitsprung und Speerwurf, danach Lauf und Ringkampf

3. Tag

Stieropfer für den Gott Zeus

Langlauf

Stadionlauf und Doppellauf

4. Tag

Der "Kampftag" - Ringkampf, Faustkampf, Pankration und Waffenlauf

5. Tag

Siegerehrungen und kultische Handlungen

Im Vorfeld der Spiele

Alle Kandidaten für die Wettbewerbe der Olympischen Spiele mussten ein mindestens zehnmonatiges Heimattraining mit speziellen Trainern nachweisen. Dies war aber in der Regel unproblematisch, da es zumindest in der Blütezeit der Spiele für die Adelsjugend Griechenlands "zum guten Ton" gehörte, eine sportliche, allgemeinkörperliche und geistige Ausbildung in einem Gymnasion zu erhalten. Diese Ausbildung umfasste also weit mehr als nur Körperübungen und war dem damaligen Bildungs- und Erziehungsziel, der ARETE, untergeordnet. Bei der ARETE ging es in erster Linie um das Streben nach militärischer Tugend und Tapferkeit, nicht um das Streben nach Macht, Ruhm oder Geld. Diese Zielsetzung wurde auch bei den Olympischen Spielen verfolgt, was bei anderen Nationen auf Unverständnis stieß. Während um 480 v. Chr. die Spartaner unter Leonidas den Thermopylenpass gegen die Perser verteidigten und starben, feierten die übrigen Griechen die 75. Olympischen Spiele. Dieses strikte Festhalten an der Durchführung der Spiele trotz höchster nationaler Gefahr und der Wettstreit nur um die Ehre und um einen Kranz des Ölbaumes soll die Perser fast zur Verzweiflung gebracht haben.

Überprüfung der Teilnehmer

Mit der Ablösung der Adelsgesellschaft durch die Demokratie der Stadtstaaten behielt zwar die ARETE ihre Geltung, sie bezog sich jedoch jetzt mehr auf die geistigen Werte. So erzogen kamen die Teilnehmer in Elis zu einem gemeinsamen Trainingslager zusammen. Leiter des Trainings waren die Hellanodiken, die "Griechenrichter".

  • Marmorstatue einer griechischen Frau Teilnehmen durften nur freie Griechen, keine Sklaven, keine Ausländer und vor allem keine Frauen. Frauen ist das Teilnehmen und sogar das Zuschauen bei Todesstrafe untersagt. Rechte: SWR

Nach der Anmeldung überprüften Sie die Teilnehmer in Bezug auf ihr Heimattraining, ihre freie Geburt, die eheliche Abkunft, ihre makellose Vergangenheit und griechische Stammeszugehörigkeit, wobei es auch wichtig war, dass die Athleten unter ihrem eigenen Stamm aufgeführt waren.

Allerdings kam es im Punkte der Stammeszugehörigkeit öfter zu Betrugsversuchen, bei denen z.B. versucht wurde, sich als Angehöriger eines befreundeten Stammes auszugeben, wenn der eigene Stamm von den Spielen ausgeschlossen war. Ähnlichkeiten mit dem olympischen Ausschluss Südafrikas (erstmals 1964) und dem Start seiner Athleten unter englischer, oder anderer Flagge sind also nicht zufällig, sondern systemintern.

Training im Gymnasion von Elis

Neben dem Heimtraining war ein hartes dreißigtägiges Training im Gymnasion von Elis vorgeschrieben an dessen Ende für die erfolgreichen Absolventen der zweitägige Marsch von Elis nach Olympia über 57 Kilometer stand. Innerhalb der dreißig Tage versuchten die eigentlichen Trainer ihre Athleten mit allen legalen und illegalen Mitteln zu motivieren. So ließ ein Trainer, dessen Schützling Liebeskummer hatte, seinen Athleten wissen, seine Geliebte wolle nur dann ihm gehören, wenn er olympischen Ruhm erränge. Seine Methode soll erfolgreich gewesen sein. Nicht alle Athleten hielten die Strapazen dieses Trainings durch; viele schieden schon vor den Spielen aus. Durch die immer stärkere Betonung des Kampfes veränderte sich bei den Spielen das Idealbild des Athleten. Besonders bei den Wettkämpfen des "Kampfsporttages" waren die Sieger nicht mehr die jungen, schönen, schlanken und fettpölsterchenfreien Modellathleten, sondern eher große, grobschlächtige, teils überschwere Kriegertypen.

  • Athlet mit Schabeisen

    Athlet mit Schabeisen. Rechte: SWR

  • Vasenbilder, die Athleten beim Training zeigen

    Szenen aus einem antiken Gymnasion. Die Jünglinge Griechenlands schulten hier ihre musischen und geistigen Fähigkeiten ebenso selbstverständlich wie ihre körperlichen Fähigkeiten. Rechte: SWR

Als Zuschauer bei den antiken Olympischen Spielen

Wir müssen uns die Olympischen Spiele in ihrem "goldenen Zeitalter" als große, gesamtgriechische Volksfeste vorstellen. Die mehr als 40.000 Zuschauer, die die Spiele verfolgten, waren in dem kleinen Tal ohne Bäder, ohne sanitäre Einrichtungen, Unterkunftsmöglichkeiten und ausreichende Wasserversorgung zusammengezwängt; nur für die Athleten stand eine großzügige Badeanlage bereit. Die Zuschauer mussten im Tal in der prallen Sonne ihre Zelte aufschlagen - im Stadion selbst durften keine Kopfbedeckungen getragen werden. Als Folge dieser katastrophalen Zustände starb z.B. der Philosoph Thales von Milet bei den 58. Olympischen Spielen an Hitze und Durst.

  • Bildmontage: links eine antike Bronzestatue vor einer Videoleinwand mit Frauen auf der Zuschauertribüne bei Olympischen Spielen Das hätte es in der Antike nicht gegeben: Frauen auf den Zuschauerrängen.... Rechte: SWR

Straßenhändler boten Votivstatuen feil, Erfrischungen und Andenken wurden verramscht, Jongleure, Zauberer und Wahrsager führten ihre Künste vor. Dichter versuchten durch Lesungen auf sich aufmerksam zu machen, Philosophen der verschiedenen rivalisierenden Schulen diskutierten lautstark gegeneinander, um ihre Redekünste herauszustellen. Zu diesem ungeheueren Gedränge auf nur ca. 1000 Quadratmetern kam ein bestialischer Gestank durch die Exkremente und die Opferung unzähliger Tiere auf den Altären, deren Fleisch, da es meist nicht gegessen werden durfte, in der Sonne verfaulte. Wer diese Mischung aus Fäkalien, verbrannten oder verfaulendem Tierfleisch, menschlichen Ausdünstungen, Todesschreien der Tiere, monotoner Musik und endloser Rhetorik überlebte, geriet wahrscheinlich zwangsläufig in die berühmte Olympische Ekstase. Ein Scherz der Antike besagte, dass es für einen Sklaven eine härtere Bestrafung sei, als Zuschauer zu den Olympischen Spielen mitgenommen zu werden, als in der Mühle Schwerstarbeit zu leisten.

Der antike "Grand Slam" - Sportspiele im antiken Griechenland

Die Spiele von Olympia waren zwar wahrscheinlich die ältesten, bei weitem aber nicht die einzigen Sportspiele Griechenlands, bei denen in der Form von Agonen in öffentlichen Festen um Preise gestritten wurde. So gab es im 5. Jahrhundert v. Chr. vier "heilige Spiele". Neben den Olympischen Spielen waren dies die Pythischen Spiele zu Ehren Apolls in Delphi, die Isthmischen Spiele zu Ehren Poseidons bei Korinth und die Nemeischen Spiele zu Ehren Zeus' bei Nemea. Alle diese Spiele lassen sich, wie die Olympischen Spiele, auf Totenkulte zurückführen, hatten aber alle einen individuellen Charakter. So waren bei den Isthmischen Spiele auch Wassersportarten wie Schwimmen und Rudern vertreten und innerhalb der Pythischen und Panathenäischen Spiele dominierten die musischen Wettbewerbe, vor allem der bei den Griechen hochgeschätzte Tanz. Bei den "vier großen" Spielen gab es nur Siegesbänder und einen Siegeskranz.

Der Versuch der Athener, die Panathenäischen Spiele bei Athen ebenfalls in den Reigen der "heiligen Spiele" einzugliedern, gelang nie. So wie die Olympischen Spiele einen älteren Ursprung als die anderen griechischen Sportspiele hatten, so sollten sie auch die letzten sein, die überlebten. Mit dem Ende der griechischen Selbständigkeit wurden in römischer Zeit nur noch die Olympischen Spiele durchgeführt.

Karte Griechenlands mit den Austragungsorten antiker Sportspiele: Delphi, Athen, Korinth, Nemea und Olympia

Karte Griechenlands mit den Austragungsorten antiker Sportspiele: Delphi, Athen, Korinth, Nemea und Olympia

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