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Die Zwillinge Alfons und Adrie Kennis aus Holland sind Künstler und Urzeitspezialisten. Vom Neanderthalmuseum in Mettmann haben sie den Auftrag bekommen, den berühmten Neandertaler, der dort vor rund 150 Jahren gefunden wurde, zu rekonstruieren. Sie sollen sich überlegen, wie er ausgesehen hat – bis in alle Einzelheiten.
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Zwei italienische Steinbrucharbeiter stießen im August des Jahres 1856 auf die Überreste des Neandertalers – hielten sie aber für Tierknochen und warfen sie weg. Erst der Lehrer Johann Carl Fuhlrott erkannte, dass es sich um menschliche Knochen handelte und vermutete richtig, dass es die Überreste eines Urzeitmenschen waren. Diese Vermutung blieb aber zunächst umstritten.
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Vor wenigen Jahren entdeckten Forscher an der Fundstelle im Neandertal noch ein weiteres Knochenstück aus dem Gesicht des urzeitlichen Menschen. Daran lässt sich ablesen, dass der Neandertaler unter einer Kieferhöhlenentzündung litt. Außerdem hatte er Krebs und nach einem Unfall konnte er seinen linken Arm nicht mehr richtig bewegen. Trotzdem starb er erst mit rund 50 Jahren.
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Die Kennis-Zwillinge beginnen die Rekonstruktion von Herrn Mettmann mit dem Kopf. Leider sind nur noch wenige Teile erhalten - zum Beispiel die Schädelkalotte mit den ausgeprägten Überaugenwülsten. Wegen dieser Wülste und der charakteristischen Kopfform nahm die Wissenschaft lange an, die Neandertaler seien besonders primitiv gewesen.
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Alfons und Adrie Kennis glauben nicht, dass der Neandertaler gebückt und mit einer Keule in der Hand durch den Wald lief – sondern, dass er aufrecht ging. In ihrer Rekonstruktion soll er sich auf einen Speer stützen. Dazu müssen sie das Skelett genau in die richtige Position bringen.
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Die Neandertaler waren den ganzen Tag auf den Beinen und jagten Tiere, zum Beispiel Wildpferde. Dafür mussten sie kräftig sein. Doch wie ihre Muskulatur genau aussah, darüber sind sich die Wissenschaftler nicht einig. Die Kennis-Zwillinge entscheiden sich bei Herrn Mettmann für eine Zwischenlösung: Er soll zwar kräftig, aber nicht zu muskulös wirken.
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Die Figur wird eingehüllt in eine Haut aus weißem, weichen Kunststoff und eine dicke Silicon-Hülle. Sobald die Hülle fest geworden ist, wird sie wieder entfernt – aber aufgehoben. Sie ist die Form, in die später die Endfigur gegossen werden soll. In die Hülle tupfen die beiden Künstler eine Schicht Gummi: Erst etwas dunkler, dann rötlich-orange – die vom Wetter gegerbte Haut.
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Die Rekonstruktion von Herrn Mettmann aus Gummi, Harz und Schaum ist 1,65 Meter groß. Seine Größe ergibt sich aus seinen Knochen. Über sein Leben weiß man dagegen wenig. Vielleicht war er Handwerker, weil er mit seinem gebrochenen Arm nicht mehr so gut jagen konnte. Vielleicht fertigte er auch Schmuck und rasierte sich – die Kennis-Brüder jedenfalls trauen ihm das zu.
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Nach sechs Monaten Arbeit ist es soweit: Herr Mettmann wird ins Neanderthalmuseum in Mettmann gebracht. Hier begrüßt er nun die Besucher in der Eingangshalle und wird auf diese Weise noch einmal lebendig – auch wenn seine Art seit vielen tausend Jahren ausgestorben ist.
