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Weltweit gibt es etwa 650 Arten von Zecken. Sie kommen überall da vor, wo feucht-warmes Klima herrscht. In unseren Regionen ist der Ricinus ixodes verbreitet, der so genannte Holzbock, der wegen der Übertragung von Krankheiten gefürchtet wird.
Weit verbreitet ist der Glaube, dass Zecken auf Bäumen leben und sich von dort aus auf Menschen fallen lassen. Ihren Lebensraum aber bilden Gräser und Sträucher. In bis zu 1,50 m über dem Boden lauern die Parasiten oft monatelang auf einen Warmblüter. Nahende Opfer erkennen die augenlosen Tiere mit Hilfe des Geruchsinns. Mit dem Hallerschen Organ, das sich am untersten Vorderbeinsegment befindet, nehmen die Zecken Fettsäuren aus dem Schweiß der Opfer und das Kohlendioxid aus deren Atmung wahr. Ausgelöst durch diesen Reiz lassen sie sich von den Sträuchern abstreifen. Die Parasiten sind dank ihrer Doppelkrallen und Saugpolster an den Beinen wahre Kletterkünstler. Mit den Pedipalpen (Taster) suchen sie eine weiche Stelle in der Haut des Opfers, wo sie leicht eindringen können. An den Pedipalpen befinden sich Sinneshärchen, die beim Aufspüren von Blutgefäßen helfen. Ist eine geeignete Stelle gefunden, dann kommen die Cheliceren (scherenartige Mundwerkzeuge) zum Einsatz. Mit diesen wird ein Loch in die Haut geschnitten. Gleichzeitig wird mit Zeckenspeichel ein Betäubungsmittel injiziert, damit das Opfer den Biss nicht wahrnimmt. Die Verankerung in der Haut des Wirtes erfolgt mit dem hakenbesetzten Hypostom (Rüssel). Hat sich die Zecke einmal festgesetzt, wird sie den Wirt erst dann verlassen, wenn sie satt ist. Der Saugvorgang dauert bei Zeckenweibchen ein bis zwei Wochen, bei Männchen wenige Tage. Zeckenweibchen benötigen mehr Blut, um sich für die Eiproduktion ausreichend mit Nährstoffen zu versorgen. Ist das Weibchen satt, sucht es eine geschützte Stelle am Boden, um die Eier abzulegen.
Binnen einiger Tage werden bis zu 2000 Eier gelegt, nach dieser Aktion stirbt das Weibchen. Findet die Eiablage im Herbst statt, überwintern die Eier im Boden. Im März schlüpfen daraus mikroskopisch kleine, geschlechtsneutrale Larven. Da die Larven maximal 10 cm über die Bodenoberfläche krabbeln können, wählen sie kleine Opfertiere aus, wie z.B. Mäuse. Nach der ersten Blutmahlzeit kommt es zur Häutung. Eine ebenfalls geschlechtsneutrale Nymphe tritt hervor. Diese hat im Unterschied zur sechsbeinigen Larve acht Beine und ist 1-2 mm groß. Nymphen können bis zu 50 cm über die Bodenoberfläche krabbeln. Sie befallen daher größere Tiere wie z.B. Rehe. Da diese Wirtstiere einen recht großen Bewegungsradius haben, werden die Zecken weit verbreitet. Nach der Blutmahlzeit der Nymphe erfolgt eine zweite Häutung, die ein adultes, männliches oder weibliches Tier hervorbringt. Ein Männchen befruchtet ein Weibchen, danach wird ein neuer Wirt gesucht. Da die Adulten bis zu 1,50 m über die Bodenoberfläche krabbeln können, ist dieser Wirt zumeist ein großes Opfer, so z.B. der Mensch. Nach einer erneuten Blutmahlzeit und der Eiablage der Weibchen erfolgt der Tod der Tiere. Somit hat eine Zecke im Laufe ihres Lebens auf drei verschiedenen Wirten drei Blutmahlzeiten zu sich genommen.
Das Weibchen presst die Eier aus einer Legeöffnung am Bauch. Etwa alle 10-20 Minuten kommt ein Ei zum Vorschein. Mit den Mundwerkzeugen werden die Eier an eine Drüse geführt und dort mit einer Schutzschicht versehen, damit sie nicht austrocknen. Jedes Weibchen legt etwa 2000 Eier. Die extrem kräftezehrende Prozedur, die sich über Tage und Wochen hinzieht, endet mit dem Tod der Mutter.
Die Zecke beginnt ihr Leben als geschlechtslose, sechsbeinige Larve. Durch Häutung der Larve wird sie zur Nymphe und bekommt ein zusätzliches Beinpaar (linkes Bild). Hat die Nymphe gesaugt beginnt die zweite Häutung (rechtes Bild). Als erwachsenes Tier schlüpft entweder ein Weibchen oder ein Männchen. Zecken werden 3-5 Jahre alt.
Die Zecke ist ungefährlich für den Menschen, solange sie keine Krankheitserreger in sich trägt. Hat sie aber als Larve oder Nymphe bei einem Saugvorgang Krankheitserreger aufgenommen, so kann sie diese auf den Menschen übertragen. Wie dies geschieht, zeigen mikroskopische Aufnahmen vom Saugvorgang. Zecken saugen Blut und geben die wenig nahrhaften Bestandteile zurück in die Wunde. Hierbei werden die Erreger übertragen. Zu den wichtigsten Krankheitserregern gehören das FSME-Virus (Frühsommer-Meningoenzephalitis-Virus) und die Borrelien (Erreger der Lyme-Borreliose). Eine Infektionsgefahr durch Borelliose besteht in ganz Deutschland und überall dort, wo Zecken vorkommen.
Risikogebiete der FSME sind in Deutschland weite Teile Baden-Württembergs und Bayerns, finden sich aber auch in Rheinland-Pfalz, im Saargebiet und in den neuen Bundesländern. Obwohl die gefürchtete FSME in ganz Deutschland jährlich nur etwa 300-mal vorkommt, wird von Gesundheitsämtern und Ärzten eine Impfempfehlung ausgesprochen, da die Krankheit einen sehr schweren Verlauf nehmen kann. Dies zeigt das Filmbeispiel eines mit Lähmungen an den Rollstuhl gefesselten Mannes. Auch Borrelien können starke Gesundheitsbeeinträchtigungen herbeiführen. Oft beginnt die Krankheit mit Wanderröte, Fieber und anderen grippeähnlichen Symptomen, sie kann auch noch nach Jahren Gelenkschmerzen und schwere Entzündungen zur Folge haben. Ein Impfstoff gegen die Borrelien wurde bereits entwickelt und erfolgreich an Labormäusen getestet. Ob seine Anwendung bei Menschen ebenfalls erfolgreich und gefahrenlos ist, muss erst noch erforscht werden. Die Schwierigkeit der Impfstoffentwicklung gegen Borrelien liegt in deren komplexer Oberflächenstruktur begründet und darin, dass in Deutschland mehrere Borrelien-Stämme existieren. Gegen Borrelien kann also nicht geimpft, im Fall einer (vermuteten) Infektion aber mit Antibiotika behandelt werden.
Nicht nur der Mensch ist durch die Krankheitsübertragung gefährdet, auch Nutztiere werden befallen und geschädigt. Weltweit sind 80% aller Rinder befallen. Hierdurch kommt es zu großen ökonomischen Verlusten in der Viehzucht.
Lebensraum der Zecken bilden Gräser und Sträucher. In bis zu 1,50 m über dem Boden lauern die Parasiten oft monatelang auf einen Warmblüter.
Zecken sind wahre Kletterakrobaten. Von unten betrachtet (linkes Bild) offenbart sich das Geheimnis ihrer Fortbewegung. Jeder Fuß besteht aus einer Doppelkralle mit einem Saugpolster, das auch auf glattem Untergrund haftet.
© Text: Silke Harrer
