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Inhalt der Sendung

  • Moorlandschaft I

    Moorlandschaften

  • Moorlandschaft II
  • Moorlandschaft III

Niedermoor

Im ersten Morgenlicht ziehen Nebel über die Flussniederung, wo Drosselrohrsänger (Acrocephalus arundinaceus) in den Schilfbeständen ihr Lied singen. Bis an den Rand des Tales erstrecken sich Niedermoore. Seggen (Carex spec.) gedeihen dort besonders üppig. An den nassesten Stellen hat sich Fieberklee (Menyanthes trifoliata) angesiedelt. Im März und April werden die Weibchen des Moorfroschs (Rana arvalis) durch die seltsamen Gluckser-Laute ihrer auf dem Rücken blau gefärbten Männchen angezogen, deren Konzert sich bis in den Abend hinzieht. Werben und Eiablage dauern nur wenige Tage. Bald sind die Tümpel in den Seggenwiesen von Froschlaich bedeckt. Der Hinterleib der Wasserspinne (Argyroneta aquatica) ist von einer silbrig schimmernden Hülle umgeben, ihrem Luftvorrat. Zwischen Wasserpflanzen spinnt das Tier eine Glocke, in die es von der Oberfläche Luft bringt. Ohne aufzutauchen kann die Wasserspinne tagelang in dem Gespinst leben, denn ständig dringt aus dem Wasser neuer Sauerstoff in die Glocke hinein, und von hier aus geht Argyroneta auch auf Beutejagd. Die Männchen der selten gewordenen Doppelschnepfe (Gallinago media) treffen sich zur Gruppenbalz auf kleinen, freien Flächen im Niedermoor. Ihre Rufe sind weit zu hören und locken wochenlang jeden Abend die Weibchen an. Niedermoore sind voller Leben und nur in Nord- und Osteuropa gibt es sie heute noch so ausgedehnt.

  • Drosselrohrsänger
  • SeggenSeggen gedeihen im Niedermoor besonders üppig.
  • Moorfroschweibchen

    Moorfrösche (Weibchen - Froschlaich - Männchen)

  • Froschlaich
  • Moorfroschmännchen
  • Niedermoor
  • Niedermoor
  • Niedermoor

    Der Fluss versorgt das Niedermoor mit nährstoffreichen Sedimenten. Nur in Nord- und Osteuropa sind sie heute noch so ausgedehnt.

  • Hochmoor
  • Hochmoor
  • Hochmoor

    In den Hochmooren führt allein der Niederschlag regie. Deshalb sieht das Hochmoor karger aus.

Hochmoor

Während der Fluss das Niedermoor mit nährstoffreichen Sedimenten versorgt und üppig wachsen lässt, sind die Hochmoore auf die wenigen Nährstoffe angewiesen, die ihnen Regen und Schnee bringen. Die Pflanzendecke gründet auf schwankendem Boden und bildet mit offenen Wasserflächen ein verzahntes Mosaik. Den Birkhähnen (Lyrurus tetrix) bietet das baumarme Hochmoor eine ideale Bühne zum Werben. Jeden Morgen besetzen die Männchen ihre Reviere. Das Fauchen und Kullern ist kilometerweit zu hören. Prachtvoll aufgefächert hat die weiße Schwanzrosette eine besondere Wirkung auf die bräunlichen Hennen, die das Treiben beobachten. Die steigenden Temperaturen locken erste Kreuzottern (Vipera berus) aus ihrem nächtlichen Versteck, unter ihnen auch pechschwarze Höllenottern (Vipera berus moropha prester), doch meistens sind die Männchen grau und die Weibchen braun gefärbt. Die Kreuzotter pflanzt sich im August bis Anfang September fort. Das friedliche Miteinander weicht dann aggressiver Konkurrenz. Das stärkste Männchen versucht mit züngelnden Bewegungen das Weibchen in Paarungsstimmung zu versetzen.

  • Kreuzotter
  • zwei SchlangenKreuzottern und Höllenottern
  • Birkhahn I

    Birkhähne und bräunliche Henne.

  • Birkhahn II
  • Birkhahn III
  • Torfmoos I

    Wie ein Schwamm saugen die Torfmoose den Regen auf und geben gleichzeitig Huminsäuren in das Wasser ab.

  • Torfmoos II

Im Sommer, zur Zeit der Heuernte, tragen die Wollgräser (Eriophorum angustifolium) Fruchtstände, die wie Wattebäusche aussehen. Im Gras versteckt liegt das Nest der Brachvögel (Numenius arquata). Das nasse Moor bietet dem Gelege hervorragenden Schutz. Etwa vier Wochen bebrüten die Vögel ihre Eier. Sobald die Küken geschlüpft sind, verlassen sie mit ihnen das Revier, denn in Nestnähe allein würde das Futterangebot nicht reichen. Schnepfen sind typische Moorbewohner und mit ihren langen Schnäbeln für das Leben im Sumpf bestens ausgestattet. In tiefen Bodenschichten spüren sie Larven und Würmer auf und mit dieser übergroßen Pinzette rücken sie ihr Nest mühelos zurecht. Der eigentliche Baumeister des Hochmoores sind die Torfmoose (Sphagnum), die ausgedehnte Polster bilden. Wie ein Schwamm saugen die zierlichen Pflänzchen den Regen auf und geben gleichzeitig Huminsäuren in das Wasser ab. Abgestorben bilden sie mächtige Torflager. Der Wasserschlauch (Utricularia vulgaris) bedeckt in leuchtenden Beständen die flachen Tümpel und jede Pflanze bringt üppige, goldgelbe Blüten hervor. An den untergetauchten Blättern sitzen Fangblasen, in denen Unterdruck herrscht. Berührt ein Moorkrebschen (Acantholeberis curvirostris), das zu den häufigsten Opfern gehört, die Klapptür, so springt diese nach innen auf. Durch den Sog wird das Tier blitzartig "verschluckt" und sofort schließt sich die Klappe. Die Verdauung setzt ein. Libellen-Larven (Odonata) finden in Moortümpeln nur selten genügend Beute. Aus diesem Grund brauchen sie hier viel länger als anderswo, bis sie voll entwickelt sind. An der Wasseroberfläche legt ein Libellenweibchen Eier ab, an einem Halm ruhen Kleinlibellen im Paarungsrad. Dolomedes, die Piratenspinne, jagt in Ufernähe, sogar unter Wasser. Mit einem Biss wird die Beute gelähmt und ans Ufer gezogen. Mit ihren kräftigen Klauen spritzt die Spinne Verdauungssekret in das Opfer. Langsam wird es verflüssigt und ausgesogen. Auf Torfmoosrasen wachsen die zarten Triebe des Sonnentaus (Drosera rotundifolia). Seine Blättchen sind von Tentakeln umstanden, deren köpfchenartige Enden eine klebrige Flüssigkeit ausscheiden. Insekten werden durch diesen vermeintlichen Tau angelockt, festgehalten und verdaut. An anderen feuchten Stellen im Moor steht der Lungenenzian (Gentiana pneumonanthe) in voller Blüte. Wo das Moor in den Randzonen trockener ist, wächst Besenheide und Heidschnucken grasen auf den sanddurchsetzten Flächen.

  • blaue BlüteLungenenzian
  • Heidschnucke
  • Besenheide
  • Libellenlarve
  • Spinne

    Dolomedes, die Piratenspinne frisst eine Libelle.

  • Spinne

Mensch und Moor

Schon immer hat der Mensch versucht, das Moor zu nutzen, zunächst allerdings nur in den trockeneren Bereichen. Anspruchslose Schafrassen wie die Heidschnucken lieferten ihm Fleisch und Wolle, ein wichtiges Zubrot in Zeiten der Not. Nach und nach wagten sich die Menschen auch in die Nässezonen. Torf wurde zum begehrten Brennmaterial. Nach oberflächiger Entwässerung konnte man ihn aus tiefen Kuhlen stechen. Die nassen und schweren Soden mussten Monate lang durch Wind und Sonne trocknen, bis sie leicht genug für den Abtransport waren. Die trockenen Torfsoden wurden im Herbst in die Siedlungen geschafft und in den Herdstellen der Stuben verbrannt. Hier traf man sich zur Muße oder zur Handarbeit. Heidschnuckenwolle verarbeitete man zu Decken und Teppichen. Aus groben Klötzen entstanden Holzschuhe. Unseren Ahnen war das Moor unheimlich, nur wenige trauten sich hinein. Der weiche, schwankende Boden ist äußerst trügerisch und wer vom Weg abkam, der verschwand nicht selten auf Nimmerwiedersehen. Erst beim Torfstich, Jahrhunderte später, wurden manche ausgegraben. Einzelne hat das Moor durch die Huminsäuren und den Luftabschluss bis in feinste Details konserviert. Aber nicht nur durch ihre Unachtsamkeit kamen die Menschen um. Häufig sind an ihnen Spuren der Gewalt zu sehen: Messerstiche, Würgemale oder verbundene Augen. Manches Geheimnis bleibt im Moor verborgen und so hat es bis heute seinen geheimnisvollen, mystischen Charakter bewahrt.

Lange vor dem Hochmoor hatten die Menschen das Niedermoor genutzt, denn das üppige Grün eignete sich als Weide. Mahd und Verbiss des Viehs ließen den Büschen keine Chance. Mehr und mehr öffnete sich die Landschaft. Hier kam man ohne Dünger und Gifte aus und die Niedermoore wurden kaum entwässert. Viele Blumen und Wildtiere hatten ihren Nutzen davon. Der Weißstorch (Ciconia ciconia) wurde zum "Kulturfolger" des Menschen. An den Rändern der Niedermoore hielten sich Gebüsche und Säume und in diesen neuen Lebensraum zog es das Braunkehlchen (Saxicola rubetra). Bis heute hat sich dieses Bild in einzelnen Landschaften Europas, etwa in Polen, erhalten und nichts von seiner Faszination verloren.

  • Torfstechen I
  • Torfstechen II
  • Torfstechen III
  • Heidschnucken auf der Weide
  • MoorleicheTollund Mann

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