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Frühjahrsblüher in den Trockenrasen
Zu den ersten Frühjahrsblühern der Trockenrasen gehören die Küchenschellen. Sie blühen im März. Auch die Schlüsselblumen, welche die Osthänge gelb färben und die singenden Feldlerchen zeigen, dass der Frühling begonnen hat.
Lebensraum Lesesteinriegel
An Feldrändern schütten Bauern Steine zu Wällen auf. Für Tiere sind sie ein kostbarer Lebensraum, wie z.B. für Mauereidechsen. Wir beobachten eine Mauereidechse, die sich vom Dreck aus dem Winterlager befreit. Farbenprächtiger ist die 40cm lange Smaragdeidechse. Vor 8000 Jahren, in einer Warmzeit, wanderte sie vom Mittelmeer her ein. Als es wieder kälter wurde, konnte sie nur an klimatisch günstigen Orten wie dem Oberrhein überleben.
Landschaft im Kaiserstuhl
Am Kaiserstuhl finden wir eine alte Kulturlandschaft. Der Mensch hat Hänge terrassiert und baut seit über 1000 Jahren auch in steilen Lagen Wein an. Besonders nach dem 2. Weltkrieg wandelten die Winzer viele artenreiche Trockenrasen in Rebflächen um. Als sich der Weinbau an Steilhängen nicht mehr lohnte, wurde er aufgegeben. Aus der Nachbarschaft wanderten Pflanzen ein und eroberten das Terrain zurück.
Lebensraum Hohlweg
Zum Landschaftsbild des Kaiserstuhls gehören auch die Hohlwege, tiefe Schneisen im Löss. Das ist Flugstaub, den Winde vor Jahrmillionen hierher wehten. Während der Eiszeiten überdeckte er alles. Der enthaltene Kalk verfestigte diesen Staub zu lockerem Gestein. Wo Mensch und Vieh Karren zogen, entstanden Hohlwege.
Lösssteilwände sind ein extremer Lebensraum. Blaualgen besiedeln sie und bilden schwarze Krusten. Daneben wachsen Moose. Ganz oben blüht das Große Windröschen (Kaiserstuhlanemone), aber nur, wenn die Oberkanten der Hohlwege im Sommer gemäht werden. Die meisten Hohlwege fielen der Flurbereinigung zum Opfer, und mit ihnen viele Vorkommen des Großen Windröschens. Am Grund des Hohlwegs wachsen Brennnesseln und Löwenzahn. Der Hohlweg bietet auch Tieren Lebensraum, z.B. den Kohlmeisen. Wir beobachten junge Kohlmeisen, die in einer Spalte im Löss zur Welt gekommen sind.
In manchen Hohlwegen finden wir üppige Vorhänge aus Waldreben. Wenn der Mensch nicht dauernd mäht und Gehölze zurückschlägt, erobert Gebüsch und schließlich der Wald diesen Standort.
Am Fuchsbau
Im Morgengrauen erwacht das Leben. Wir beobachten junge Füchse beim Spiel. Sie üben dabei den Ernst des Lebens. Zur Welt gebracht wurden sie von der Fähe in einem verlassenen Dachsbau. Auch wenn wir sie nur selten zu Gesicht bekommen, leben doch viele Füchse in unserer Nähe, sogar in den Städten. Sie sind äußerst anpassungsfähige und vorsichtige Räuber. Die jungen Füchse haben ein gefährliches Leben vor sich, denn als Überträger von Tollwut und Fuchsbandwurm werden sie rigoros bejagt.
In den Trockenrasen
Im Mai stehen die Trockenrasen in voller Blüte. Wärmebedürftige Tiere und Pflanzen aus dem Mittelmeerraum und den Steppen des Ostens bilden zusammen mit mitteleuropäischen Arten eine einzigartige Lebensgemeinschaft. Aus dem Süden kamen die meisten Orchideen, z.B. die Hummelragwurz. Dunkle Knospen lassen den Blütenstand des Brandknabenkraut wie angebrannt wirken. Eine der kostbarsten Orchideen am Oberrhein ist das Affenknabenkraut. Die Blüten haben die Gestalt von kleinen, hüpfenden Affen.
Baumeister im Hohlweg
Im Hohlweg macht ein Neuankömmling pfeifend auf sich aufmerksam. Er ist so bunt wie ein tropischer Vogel, brütet eigentlich am Mittelmeer und dringt in warmen Zeiten immer wieder nach Norden vor. Und so zieht er seit einigen Jahren auch wieder am Oberrhein seine Jungen groß: der Bienenfresser. Wir beobachten ein Weibchen beim Nestbau und ein Paar bei der Balz. Sie putzt sich für das Männchen heraus. Das Männchen fliegt weg und kommt mit einem erbeuteten Insekt zurück. Das Weibchen baut am Nest weiter. Während er zuschaut, gräbt sie eine etwa 2 Meter tiefe Röhre, die am Ende erweitert wird. Sobald diese Brutkammer fertig ist, kann sie darin wenden und kommt vorwärts aus dem Nest.
Filigrane Feinarbeit liefert dagegen eine andere Baumeisterin der Lösswand: die Schornsteinwespe (Odynerus Arten). Aus Wasser und Löss gestaltet sie den Eingang zur Brutkammer. Die gebogenen Röhren, an geschützter Stelle unter dem Lössüberhang, weisen den Weg zur Stadt der Schornsteinwespen. Sie locken allerdings auch ungebetene Gäste an: Goldwespen (Chrysis Arten), schillernde Eindringlinge, die nur darauf warten, dass eine Baumeisterin ihren Schornstein verlässt. Dann schlägt die Stunde der Wespe: Sie legt ihre Eier in fremde Kammern; die Larven räubern später die Brut.
Sommer in den Trockenrasen
Die Sommersonne hat die Trockenrasen ausgedörrt. Am Boden kann es jetzt bis zu 70°C heiß werden. Zebraschnecken flüchten vor der Hitze nach oben und verschließen die Öffnung ihres Hauses mit einem Häutchen aus Schleim. Das verringert die Gefahr der Austrocknung. Die Sommerzeit ist auch die Zeit der Heuschrecken. Mit den Flügeldecken musizieren Beißschrecken, sie wollen so die Weibchen anlocken. Feldheuschrecken streichen die Innenseiten der Oberschenkel über die Flügel. Ihr ganzer Körper dient als Resonanzboden. Smaragdeidechsen zeigen sich im Trockenrasen. Sie wurden hier ausgebrütet, nachdem die Mutter Eier in einer Höhle unter einem Stein abgelegt hatte. Ausgebrütet wurden sie von der Wärme der Sonne. Jetzt verlassen die ersten Jungen ihre schützenden Hüllen.
Naturschutz in den Trockenrasen
Früher wurden die Trockenrasen in mühevoller Handarbeit gemäht. Als die kleinbäuerliche Viehhaltung ausstarb und nicht mehr gemäht wurde, verbuschten die Wiesen. Die Landschaft zwischen Kaiserstuhl und Vogesen wäre bewaldet, würde der Mensch nicht regulierend eingreifen. Heute werden viele Trockenrasen gemäht. An biologisch wertvollen Flächen haben Naturschützer diese Aufgabe übernommen. Sie setzen jedoch meist Maschinen ein. An Steilhängen haben Heugabeln und Rechen aber noch lange nicht ausgedient. Das Heu wird als Mulchmaterial in den Weinbergen genutzt. So machen sich Winzer um den Erhalt der Kulturlandschaft verdient. Eine Alternative zur Mahd kann manchmal die Beweidung sein. Zum großen Teil sind es Schafe, die sich als vierbeinige Rasenmäher nützlich machen und später gesunde Nahrung liefern.
Die Gottesanbeterin
Der August ist die Blütezeit von Gold- und Herbstaster. Insekten, die auf den Blüten Nektar suchen, leben nicht ungefährlich. Die Gottesanbeterin lauert auf Beute und greift sie mit ihren Fangbeinen. Das Opfer wird bei lebendigem Leib gefressen. Das Weibchen muss viel Nahrung zu sich nehmen, damit die Eier in ihrem Bauch reifen. Die Gottesanbeterin ist bei uns ein Relikt der Wärmezeit. Seit einigen Jahren dringt sie, wie auch der Bienenfresser, immer weiter nach Norden vor, sehr wahrscheinlich wegen der globalen Erwärmung.
Ein Männchen nähert sich ganz langsam einem Weibchen, um sich mit ihr zu paaren. Die Färbung – grün oder braun – ist nicht geschlechtsspezifisch. Die Männchen sind aber viel dünner und haben vor allem eines im Sinn: Ein paarungsbereites Weibchen zu finden. Dabei muss er äußerst vorsichtig zu Werke gehen, denn es kann durchaus passieren, dass er von ihr gefressen wird. Ganz langsam nähert er sich. Erst wenn sie ihm den Rücken zudreht, ist er als Partner akzeptiert. Sie lässt ihn aber vorerst nicht aus den Augen. Das Männchen springt auf das Weibchen auf und paart sich mit ihr, wobei er mit den Fühlern über ihren Nackenspalt trommelt. Damit beruhigt er sie, hält sie davon ab, ihn aufzufressen.
Nachwuchs bei den Bienenfressern
Junge Bienenfresser sind Anfang August fast flügge. Sie streiten sich wie immer um den besten Platz an der Futterquelle. Wir beobachten ein Junges, das bereits fliegen kann. Noch fehlen ihm die langen Steuerfedern des Schwanzes. Der August ist auch die Zeit des Abschieds. Die Reise geht ins tropische Afrika, für den jungen Bienenfresser eine große Herausforderung.
Die letzten Schmetterlinge im Jahreslauf
Im August entfalten Schmetterlinge noch einmal ihre ganze Pracht. In wenigen Tagen werden die Falter ihren Lebenszyklus vollendet haben und sterben. Aber im nächsten Frühling blüht es wieder auf – das mediterrane Leben am südlichen Oberrhein.
© Text: Tobias Mennle / Silke Harrer
