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Inhalt der Sendung

Wie Versteinerungen aus dem Karbon beweisen, gibt es Schaben seit über 300 Millionen Jahren. Schon damals waren sie artenreich und häufig. Heute kennt man an die 3500 rezente Arten, und vermutlich gibt es noch manche Art, die nicht beschrieben ist. Schaben lebten einst im Laub tropischer Urwälder. Daher kommt ihre Vorliebe für Wärme, Feuchtigkeit und Dunkelheit. Mit den Überseeschiffen des Menschen reisten sie als blinde Passagiere bequem zu allen Kontinenten: Die Amerikanische Schabe (Periplaneta americana L), die sich zu Beginn des Filmes putzt und die man dann beim Fressen sieht, und die Orientalische – oder Küchenschabe (Blatta orientalis L), die selbst in der saubersten Küche Schrecken verbreiten kann. Schaben sind äußerst genügsam, ein paar Speisereste im Ausguss und vor allem Flüssigkeit finden sie in jeder Küche. Mit großem Geschick überwinden die Tiere Hindernisse, laufen die glatte Wand hoch und erreichen Fluchtgeschwindigkeiten von 130 cm/sec. Küchenschaben treiben sich nicht nur in Küchen herum, sie kommen auch in anderen Räumen, wie Wohnzimmern, Speisekammern und beheizten Kellern vor. Normalerweise entdeckt man die Tiere erst, wenn sie bei hohem Befall in ihren Verstecken zu wenig Platz haben. Um das Verhalten der Schaben besser beobachten zu können, wurde ihnen ein Terrarium eingerichtet, und man hat sie an die zum Filmen notwendige Helligkeit gewöhnt. Zwei Krallen am letzten von fünf Fußgliedern ermöglichen den Kakerlaken ungewöhnliche Gangarten, wobei sie sich mit Hilfe ihrer langen Fühler orientieren. Die Paarung der wendigen Insekten ist nur sehr schwer zu beobachten: Das Männchen hebt die Flügel, präsentiert die Rückendrüsen, um mit dem Duft das Weibchen zu stimulieren, schiebt den Hinterleib zurück, den ausgefahrenen Penis nach oben, und schon ist die Begattung vollzogen. In der dickwandigen Oothek (Eipaket), die das Weibchen kurze Zeit mit sich trägt, bevor sie es an einem geschützten, warmen Platz ablegt, entwickeln sich 16 Embryonen, die nach 40 bis 50 Tagen als Larven schlüpfen. In ihrem 5-monatigen Leben kann es eine einzige Blatta orientalis auf 20 Ootheken mit 320 Jungen bringen. Schaben sind Allesfresser mit Vorliebe für pflanzliche Nahrung, aber auch vor eigenen Artgenossen schrecken sie nicht zurück, wenn sie extrem hungrig sind oder erkennen, daß ein Artgenosse nicht mehr lebensfähig ist.

  • KakerlakenweibchenBlatta Orientalis - Weibchen
  • KakerlakenmännchenBlatta Orientalis - Männchen
  • Blatta OrientalisIm Ausguss finden sie alles Lebensnotwendige, Speisereste und Flüssigkeit.
  • EipaketEipaket der Deutschen Schabe
  • von Schaben befallener Teller mit Keksen

    Vier Schabenarten leben in der nächsten Umgebung der Menschen.

  • Häutung

    Kurz nach der Häutung recyceln die Schaben (Amerikanische Schabe) ihren alten Panzer.

  • Kommunikation - Schaben

    Untereinander kommunizieren Schaben vor allem über Fühlerkontakt.

  • Schabe - Fühler

    Die Schaben orientieren sich vor allem mit Hilfe ihrer Fühler.

  • Paarungsritual

    Paarung der Kakerlake. Die Blatta Orientalis produziert in ihrem 5-monatigen Leben 20 Ootheken und somit 320 Junge.

  • Ootheke

    16 winzige Kakerlaken entwickeln sich im Schutz dieser Ootheken.

Noch häufiger kommt bei uns die Deutsche – oder Hausschabe (Blattela germanica L) vor. Sie ist kleiner als die orientalische, kann besser klettern und ist in der Lage, sich auf spiegelglatten Flächen zu bewegen. Haftlappen an ihren Füßen funktionieren nämlich wie Saugnäpfe. Ihre Oothek trägt sie so lange mit sich, bis die mehr als 40 Larven schlüpfbereit sind. In dieser Zeit versorgt sie die Jungen mit Nahrung und Wasser. Mit Flugzeugen, Schiffen und allen anderen Verkehrsmitteln gelangen die Schaben in die Warenlager der Groß- und Einzelhändler, in die Speisekammern und auch in die noch so blank geputzten Küchen. In gut gewarteten Großküchen ist es die Aufgabe des Schädlingsbekämpfers, einen Befall möglichst frühzeitig zu erkennen. Deshalb stellt er vorsorglich, in regelmäßigen Abständen, Schabenfallen auf: Die Klebefläche, rund um den für die Tiere duftenden Köder, soll den Schaben zum Verhängnis werden. Wenn in Küchen oder Bäckereien nicht gearbeitet wird, kann man mit Ködergelen oder großflächigen Schabenmatten gegen die Schädlinge vorgehen. Der Lockstoff ist dann mit einem Kontaktgift kombiniert, das die Kakerlake tötet, wenn sie sich putzt. Köderdosen werden vorbeugend oder zur Bekämpfung eingesetzt. Bei Orientalischen und Amerikanischen Schaben müssen diese Bekämpfungsaktionen über mindestens drei Monate fortgesetzt werden, sonst kann es, dank abgelegter Eipakete, zu Neubefall kommen. Auf den Einsatz von Spritzmitteln sollte man verzichten. Am wenigsten gefährlich sind vermutlich mikroverkapselte Insektizide, die keine Lösungsmittel abgeben, aber dennoch durch die Haut und beim Putzen in den Insektenkörper gelangen und dort ihre Wirkung entfalten. Deponien sind optimale Lebensräume der Deutschen Schabe. 10.000 Tiere leben auf einem Quadratmeter, über eine Milliarde bevölkern eine Deponie. Ihre Zahl wird reduziert durch spezielle Rotte- und Pressverfahren und vor allem durch den Frost. Doch manche Weibchen sind in der Lage, milde Winter in Kältestarre zu überleben. Auf Deponien ist der Schabenbefall kein Problem, aber in Krankenhäusern und überall, wo es auf die Hygiene ankommt, muss ein Befall verhindert werden, da die Tiere Krankheitskeime verschleppen und ihr Kot Allergien auslöst. Ihre wissenschaftlichen Namen verdanken die Schaben dem schwedischen Naturforscher Carl von Linné (1707-1778). Der Volksmund brachte die ungebetenen Gäste mit den Nachbarn in Verbindung: „Preußen”, „Franzosen”, „Schwaben”, oder „Russen” geben davon Zeugnis. Der Landwirt greift nicht nur wegen der krankheitserregenden Keime ein, die durch Schaben verbreitet werden können, sondern auch, weil Schweine weniger fressen und langsamer zunehmen, wenn sie mit Kakerlaken konfrontiert sind.

  • Blattella GermanicaBlattella Germanica (Deutsche Schabe)
  • Blattella GermanicaDie Deutsche Schabe ist nicht nur kleiner, flinker und zäher als die Orientalische, sie kann auch besser klettern.
  • SchabenkotSchabenkot kann Allergien auslösen
  • SchweinSchweine ekeln sich vor Kakerlaken
  • Schabenfalle

    Schabenfalle, auf einer klebrigen Schicht sollen die Insekten hängenbleiben.

  • Schabenfalle

    Köderdose

  • Mülldeponie

    Mülldeponie - unter optimalen Bedingungen bevölkern 10.000 der kleinen Krabbler einen Quadratmeter.

Schaben stecken viel Zeit in ihre Körperpflege. Putzen ist überlebensnotwendig. Sie befreien sich von Schmutz und Keimen und halten ihre Sinnesorgane funktionsfähig. Allein an den Antennen sitzen fast 10.000 Sinneszellen. Fühlerkontakte dienen neben Pheromonen der Kommunikation. Am Hinterleib sitzen die Cerci, mit deren Hilfe Schallwellen und veränderter Luftdruck wahrgenommen werden. Mehrere Häutungen sind nötig, bis das Tier erwachsen ist. Um den Innendruck zu erhöhen und dadurch den Panzer zum Platzen zu bringen, muß die Schabe viel trinken. Frisch gehäutete Exemplare geben das Überflüssige wieder ab und recyceln regelmäßig das alte Chitinaußenskelett. 4 Stunden brauchte die „Filmschabe”, bis sie die letzte Häutung hinter sich gebracht hatte, und erst in weiteren 6 Stunden war ihr Panzer ausgefärbt und ausgehärtet. In ihrem 1-jährigen Leben bringt es die Amerikanische Schabe auf 1500 direkte Nachkommen. Rechnet man auch die Kindeskinder hinzu, so gehen ihre Nachkommen – unter optimalen Bedingungen – in die Milliarden. Sie ist zwar temperaturempfindlicher als ihre kleineren Verwandten, dennoch befindet sie sich auf dem Vormarsch. Sie tummelt sich in den Großstädten, da es dank der Abwasserflut in der Kanalisation immer wärmer wird. Ihre Anpassungsfähigkeit hat die Schabe zum erfolgreichsten Insekt der Erde gemacht. Der putzende Mensch kann zwar ihre Massenvermehrung eindämmen, muss sich jedoch auf ein Leben mit der Schabe einstellen.

  • Eine SchabeAmerikanische Schabe
  • Antenne - SinneszellenAn den Antennen sitzen fast 10000 Sinneszellen.
  • Häutung

    Bis sie ausgewachsen sind müssen Schaben mindestens 6 mal ihre zu klein gewordene Schutzhülle wechseln.

  • Amerikanische Schabe

    1 1/2 Jahre werden die Erwachsenen alt.

  • Ootheke

    durchschnittlich 25 Eier pro Kapsel (Amerikanische Schabe)