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Während früher das Storchenpaar auf dem Kirchturm oder einem Hausdach eine Selbstverständlichkeit war, macht sich Adebar inzwischen rar. In den vergangenen 60 Jahren ist sein Bestand in Deutschland um mehr als 60% zurückgegangen. Er gehört heute zu den vom Aussterben bedrohten Tierarten. Nach Oettingen, an den Rand des Nördlinger Rieses, kommt noch in jedem Jahr ein Brutpaar. Gleich nach der Ankunft reparieren die Vögel das Nest aus dem Vorjahr, um darin brüten zu können. Viel Zeit verbringen die Tiere mit der Pflege ihres Gefieders, die mit der Imprägnierung durch Fett aus der Bürzeldrüse abgeschlossen wird. Zur Kopulation besteigt das Männchen sein Weibchen und bringt die Kloakenöffnungen zusammen, um den Spermien den Weg zu den Eizellen zu ermöglichen. In der Umgebung von Oettingen finden die Vögel noch genügend zu fressen. Störche sind Kulturfolger des Menschen, leben in seiner unmittelbaren Nähe und bauen ihre Nester auf seinen Häusern.

In Spanien und Portugal kann man den Storch auf Hausdächern, aber auch noch als Baumbrüter erleben. Wo keine geeigneten Nistbäume mehr zur Verfügung stehen, dienen Hochspannungs- oder Sendemasten als Nestunterlage und das gleichzeitig für 9 Brutpaare. Jungstörche trainieren im Alter von sechs Wochen ihre Flugmuskulatur. Auch andere Kulturfolger leben in Villa del Rey, im Südwesten Spaniens: Rötelfalken und Kuhreiher. Am benachbarten Stausee erstochert sich ein Storch einen Frosch. Die 27 besetzten Horste auf einem Bauernhof sind Beweis dafür, daß die Extremadura den Störchen ideale Lebensbedingungen bietet. Ein Schwarzmilan kreist über den Nestern. Vor dieser Bedrohung schützen die Altvögel ihre Jungen, aber es kommt vor, daß das Nesthäkchen für die eigenen Eltern zur Beute wird. Kronismus nennt man dieses Phänomen.

  • Storchenpaar auf HausdachStorchenpaar in Deutschland
  • Storch in Extremadura27 besetzte Horste auf einem alten Bauernhof in der Extremadura

An der portugiesischen Atlantikküste, südlich von Lissabon, bauen Störche ihre Horste auf den Felsen im Atlantik, was bei Windstärken zwischen 6 und 8 gar nicht einfach ist, und trotzdem können diese zu Bauwerken von zwei Metern Höhe und zwei Tonnen Gewicht anwachsen. Zur Nahrungssuche ziehen die Tiere im kraftraubenden Ruderflug landeinwärts. Im Mai blühen auf den Klippen Mittagsblumen, Strandnelken und Lack-Zistrosen, was zahlreiche Insekten anlockt. Auch Eidechsen sind dann nicht weit. Dohlen und Felsentauben brüten ebenfalls an diesem Ort, und die Silbermöwen kommen als Nistplatz-Konkurrenten des Storchs in Frage. Aus diesem Grunde sind Streitigkeiten an der Tagesordnung.

  • FelsenstorchenpaarFelsenstorchenpaar in Portugal

Der Film fasst in wenigen Minuten zusammen, was sich abspielt, bis sich die Silbermöwen durchgesetzt haben und die Störche nach einem neuen Nistplatz suchen müssen. Sehr schön ist dabei zu sehen, wie sich die Unzufriedenheit eines Storchs gegen seinen Partner richtet, ein typisch umorientiertes Verhalten. Störche, die vom Landausflug zurückkommen, transportieren Wasser, Nistmaterial und Nahrung zum Horst. Der Altvogel reagiert erst auf das Betteln der Jungen und würgt Futter auf den Boden des Horstes. In einem weiteren Storchennest auf einer dünnen Felsnadel mitten in der Brandung machen andere Jungstörche ihre ersten Stehversuche. Auch in Portugal hat sich vieles verändert. Künstlich bewässerte, großflächige Reisfelder sind entstanden. Hier findet der Storch noch seine Nahrung, aber der Gang hinter dem pflügenden Bauern wird für ihn immer gefährlicher. Ausgebrachte Giftstoffe vernichten die Beutetiere, so daß Adebar in einer ausgeräumten Landschaft nicht glücklich werden kann. An der Atlantikküste des dünnbesiedelten Portugal ist das noch die Ausnahme. Hier kämpft der Storch vor allem gegen die Gewalten der Natur: Die Eltern stehen schützend über ihren Nestlingen und versuchen sie zu wärmen, damit sie den eiskalten Maisturm unbeschadet überstehen. In der wärmenden Sonne, die ihm Kraft gibt, schreitet der Weißstorch über die Wiesen und sucht nach Nahrung für sich und seine Jungen.