zum Inhalt.
zur Hauptnavigation.

Inhalt

Rohstoffe und Tourismus

Das Delta als „natürliche Kläranlage“

Der Bau eines ganzen Netzwerks von neuen Kanälen im Delta hat dazu geführt, dass das Hochwasser heute schneller aus dem Delta abfließt und nicht mehr so lange im Delta selbst steht und versickert. Lange Dammlinien verhindern auch in weiten Bereichen, dass der Fluss mit dem Hochwasser das Umland durchtränkt. Das hat Folgen für die Reinigung des Flusswassers. Die Donau ist recht hoch mit Phosphor und Stickstoff belastet. Diese Elemente sind in Düngemitteln enthalten und werden bei übermäßiger Düngung der Äcker über das Grund- und Oberflächenwasser dem Fluss zugetragen. Die Schilfpflanzen des Deltas können einen Teil der Phosphate und Nitrate binden. Im Delta ist die Klärfunktion aber durch die „Zähmung der Donau“ gestört: Der Nördliche Donauarm (Cilia-Arm) verlor durch Trockenlegung einen großen Teil seiner Nebenarme. Er hat außerdem von Natur aus wenig Mäander. Viele Nebenarme und weite Mäander verbessern aber die Reinigungsleistung des Flusses. Der Cilia-Arm reinigt das Wasser schlechter, als die beiden anderen Deltaarme (Sfinthu-Gheorghe-Arm und Sulina-Arm), die zwar auch begradigt wurden, deren Mäander aber noch an die begradigte Strecke angeschlossen sind.

Nährstoffe in den Delta-Armen

Stickstoff (in 1000 Tonnen pro Jahr)

Gebiet Eintrag Abgabe ins Meer Reinigungsleistung
Cilia-Arm 302 297.1 4.9 = 01.6%
Sf. Gheorghe-Arm 90.4 61.8 28.6 = 31.6%
Sulina-Arm 58.6 27.1 31.5 = 53.8%

Phosphor (in 1000 Tonnen pro Jahr)

Gebiet Eintrag Abgabe ins Meer Reinigungsleistung
Cilia-Arm 26.5 26.2 0.3 = 01.10 %
Sf. Gheorghe-Arm 8.0 5.9 2.1 = 26.25%
Sulina-Arm 5.2 4.3 0.9 = 17.30 %

Tabellen: Messergebnisse der Danube Integrated Environment Study

Tourismus

Das Delta ist ein beliebtes Ausflugsziel für Urlauber in Rumänien und der Ukraine. Zur Zeit haben die Hotels in der rumänischen Deltastadt Tulcea allerdings Probleme, ihre Zimmer belegt zu bekommen. Die Revolution hat 1989 zwar die Diktatur Ceausescus beseitigt, aber gleichzeitig die ökonomische Krise im Land verschärft. Das Angebot an Lebensmitteln ist jetzt zwar größer als in den letzten Jahren der Diktatur, und auch elektrischer Strom ist zu allen Tageszeiten verfügbar, aber die Waren sind für Einheimische extrem teuer geworden. Der durchschnittliche Monatsverdienst in Rumänien liegt bei 100-120 DM. Vor allem junge Familien können sich davon kaum einen Urlaub leisten. Deshalb sind die Unterkünfte im Delta nicht mehr so gut belegt. Die kleinen Reisebüros hoffen auf gute Geschäfte mit Reisegruppen aus dem Ausland. Doch auch deren Zahl ist gesunken. Das Image Rumäniens im Westen Europas ist nicht das beste, und viele Reisende wollen nicht ins Delta, weil sie dort nicht den Komfort finden, den sie von traditionellen westeuropäischen Urlaubsregionen gewohnt sind. So kommen bislang vor allem Vogelkundler aus dem Ausland zu Expeditionen ins Delta. Die Bewohner des Deltas profitieren aber kaum von diesem Tourismus. Denn die Besucher wohnen in großen Hotels, die von den Städten aus versorgt werden.

Entwicklung der Touristenzahlen im Donaudelta

Diagramm

Tourismus – wieviel erträgt das Delta?

Besucher aus der ganzen Welt kommen in das Donau-Delta. Sie möchten die Tiere des Deltas am liebsten ganz nah sehen. Bildet zwei Gruppen: Die erste Gruppe sind die „Reiseveranstalter“. Sie möchten den Touristen alle Wünsche erfüllen, um gutes Geld zu verdienen. In der zweiten Gruppe sind die „Naturschützer“. Sie wollen am liebsten gar keine Störung durch Menschen im Delta. Die Gruppen sollen nun zunächst einmal jede für sich Argumente für ihre Position sammeln. Dann sollen die Gruppen miteinander streiten. Könnt ihr Euch auf einige Regeln einigen nach denen sich der Tourismus im Delta abspielen soll?
In der ersten Hälfte der 90er Jahre kamen immer weniger Besucher ins Delta. Was sind die Gründe dafür? Wie könnten sich die Besucherzahlen in der Zukunft entwickeln?

Welches sind die „Rohstoffe“ des Deltas?

Bewohner und Wirtschaftsunternehmen ernten das Schilf des Deltas. Das Schilf wird auch nach Westeuropa exportiert und dort als Schilfmatte verkauft oder zum Decken von Dächern verwendet. Das Geschäft mit dem Schilf verspricht gute Gewinne, sind doch die Stundenlöhne für die Erntearbeiter im Delta (Monatslohn ca. 100 DM) sehr niedrig im Vergleich zum Verkaufspreis für Schilf, zum Beispiel in Norddeutschland. Wie das Schilf können auch Sand und Lehm als Baustoff verwendet werden. Für den Handel über weite Strecken sind diese Stoffe aber zu schwer, und sie kommen auch häufiger in Europa vor als die doch recht seltenen Schilfwälder. Ein besonderer „Rohstoff“ des Deltas sind seine Fische. 75 Arten leben im Delta, viele davon sind Speisefische. Im Vergleich zur Pflege von Schilfressourcen ist es aber ungleich schwieriger, Fischvorkommen zu nutzen, ohne sie auf Dauer zu zerstören. Ein Fischbestand im lehmtrüben Donauwasser läßt sich viel schwieriger kontrollieren als ein auf dem Wasser treibendes Schilffeld. Außerdem ist für viele Fischarten noch gar nicht bekannt, in welcher Weise ihr Überleben vom Zustand der Donau und ihres Deltas abhängig ist. Nehmen wir als Beispiel den Stör. Dieser Knochenfisch wird bis zu zwei Meter groß und wandert, oder besser wanderte, jedes Frühjahr die Donau hinauf bis nach Österreich, um dort abzulaichen. Die Wanderung findet heute ein jähes Ende an der ersten Staumauer am Karpatendurchbruch der Donau an der rumänisch-serbischen Grenze. Die Laichgebiete unterhalb der Staumauer sind durch Dämme vom Fluß abgetrennt. Die Fortpflanzung des Störs scheitert also an Hindernissen bei seiner Wanderung. Soweit das Wissen. Doch selbst wenn alle Staumauern mit Fischtreppen versehen würden oder sogar eingerissen würden, wäre es nicht sicher, ob die Störe in der Donau überleben könnten. Denn zu vieles ist noch Spekulation, was das Störverhalten betrifft: Brauchen die Jungstöre etwa ruhige Futterplätze am Grund des Deltas, bevor sie ins Schwarze Meer übersiedeln? Wenn ja, welches sind die Futterpflanzen, und sind diese vielleicht durch die schlechte Wasserqualität zerstört? Vertreibt der Motorenlärm der Schiffe die Störe? Wie müssen Fischtreppen beschaffen sein, damit sie von den Stören angenommen werden? Die Fischer des Deltas wollen den Stör nun nachzüchten, in Fischzuchtanlagen. Denn im Fluss sind nicht mehr genügend Störe, um den Weltmarkt zu beliefern. Für den Wiederaufbau der Störpopulation im Fluss soll in einem großen Projekt Grundwissen gesammelt werden.