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Bioshärenreservat

Biosphärenreservat – was ist das?

Die Biosphäre ist die belebte Zone der Erde – von der Tiefe der Böden und der Meere, bis zu den Gebirgskämmen und der unteren Schicht der Atmosphäre. Je nach Standortbedingungen siedeln sich in verschiedenen Teilen der Biosphäre unterschiedliche Gemeinschaften von Tieren und Pflanzen an. Tiere, Pflanzen und Standortbedingungen passen genau zueinander – ein solches Zusammenspiel nennen die Wissenschaftler „Ökosystem“. Biosphärenreservate sind Schutzgebiete für weltweit einmalige Ökosysteme. Den Titel „Biosphärenreservat“ hat die UNESCO (Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur) an mehr als 300 Landschaften, verteilt auf der ganzen Erde, vergeben. Darunter sind die Galapagos-Inseln ebenso wie der Pfälzer Wald und seit 1990 auch das Donau-Delta. Biosphärenreservate sind in unterschiedlich strenge Schutzzonen eingeteilt. Die wertvollsten Teile des Reservates, in denen das Ökosystem noch intakt ist, sind die Kernzonen. Sie dürfen von Menschen nicht betreten werden. In Pufferzonen dürfen Menschen die Landschaft mit Einschränkungen nutzen. Fischer dürfen hier z.B. im Frühjahr nicht fischen, um die Vogelbrut nicht zu stören. In Wirtschaftszonen ist den Menschen die Nutzung erlaubt. Das Ökosystem ist hier oftmals unwiederbringlich zerstört. In Renaturierungszonen versuchen Forscher, das natürliche Ökosystem wiederherzustellen. Aus Äckern werden z.B. wieder Feuchtwiesen oder Wälder.

  • das Donau-DeltaDonau-Delta
  • Donau-Delta

Was ist das Besondere am Biosphärenreservat Donaudelta?

Das Delta ist gerade mal 10000 Jahre alt. Erst seit dem Ende der letzten Eiszeit wächst der „Haufen Sand“ in der Mündungsbucht der Donau in das Schwarze Meer. Von den Berghängen der Alpen und Karpaten wird seitdem Geröll und feiner Schlamm in die Donau gespült. Das grobe Geröll setzt sich bereits in strömungsstarken Bereichen des Flusslaufes ab. Der feine Schlamm wird bis in die Untere Donau transportiert und landet schließlich im Schwarzen Meer. Die Meeresströmungen verteilen den Schlamm nicht im ganzen Meer, sondern häufen ihn in der Meeresbucht an. Durch den Berg von Sand und Schlamm (der inzwischen über 5000 Quadratkilometer groß ist), zieht sich an der Oberfläche ein Irrgarten von Wasserläufen. Einige davon werden immer wieder von Sand oder Schilfinseln verstopft und verlanden, andere werden durch Hochwasser neu geschaffen. So verändert sich das Delta ständig. Ziemlich unverändert bleiben nur die drei großen Mündungsarme der Donau, denn sie sind inzwischen zum großen Teil kanalisiert und begradigt. Vor der Begradigung hat die Donau an den Außenseiten der Fluss-Schleifen die Ufer erodiert und an den strömungsschwachen Innenseiten der Mäander Material abgelagert. Die Schleifen sind so manchmal mehrere hundert Meter im Jahr durch das Delta gewandert! Außerdem überschwemmte der Fluss immer wieder fast das gesamte Delta. Trocken blieben nur die höchsten Erhebungen, die wenige Meter hohen Sanddünen im Zentrum des Deltas. In dieser Landschaft waren also Katastrophen durchaus etwas Normales. Und ein Lehrsatz der Ökologie lautet, daß sich in „katastrophenreichen“ Landschaften viel mehr Arten ansiedeln können, als in ruhigen, unveränderlichen Zonen. Denn wo ständig Störungen geschehen, wo sich Lebensräume von einem Tag auf den anderen verändern, findet keine Art ausreichend Zeit, sich so stark zu entwickeln, daß sie andere verdrängen kann. Will man nun aber im Delta Landwirtschaft oder Fischfang treiben, oder gar ein Hotel für Touristen bauen, dann kann die „katastrophale Unruhe“ im Deltasystem dem wirtschaftlichen Erfolg im Weg stehen.

  • Donau-Delta SchilfSchilfbestand im Donau-Delta
  • Donau-Delta AuenwälderWo fester Grund vorhanden ist, wachsen Auenwälder.
  • LeteawaldDer Leteawald liegt auf der ältesten Sandbank des Deltas.

Seit dem späten 19. Jahrhundert wurde das Delta deshalb „beruhigt“: Man lernte, Deiche zu bauen, die weite Gebiete vor Überflutungen schützten. Man befestigte die Ufer der Schiff-Fahrtswege im Delta, so daß die Mäander nicht mehr wandern konnten. Die Schiff-Fahrt nahm zu, die Häfen wurden ausgebaut. In Rumänien wurden in den letzten Jahren der Ceausescu-Diktatur große Teile des Deltas entwässert und darauf Getreide angebaut. Die Sanddünen sollten abgebaut, Eisenguss-Formen hergestellt werden. Unzugängliche Auenwälder wurden ersetzt durch am Reißbrett geplante Holzplantagen aus schnellwachsenden Pappeln. Doch nicht nur im Delta, entlang des gesamten Donaulaufes wurde der Fluss durch Dammbauten und Staumauern ruhiggestellt. Und schließlich wurde der Donau in West und Ost die Rolle des Abwasserkanals für die Industrie und die Städte zugewiesen. Das Delta hat zwar enorme Selbst-Reinigungskräfte und kann sehr viele Gifte aus dem Wasser filtern, aber was sich am Ende der Donau alles ansammelt, ist zur Zeit für das Ökosystem zu viel.

Wie wirkt sich der Umbau des Deltas auf das Ökosystem aus?

Die Ruhigstellung und Verschmutzung der Donau hat Auswirkungen: Wegen der Dämme fehlen den Fischen flach überflutete Wiesen, auf denen sie ablaichen können. Die Fischbestände gehen zurück. In den Pappelplantagen können keine Reiher nisten. Auf den trockengelegten Ackerflächen finden Wasservögel keine Nahrung. Den Schildkröten fehlen die Sanddünen für die Eiablage. Große Schafherden auf Feuchtwiesen zertrampeln Brutgelege und Salzpflanzen-Populationen. Abgeerntete Schilfflächen bieten zurückkehrenden Vögeln im Frühjahr keine Deckung. Durch die Verlängerung des Donaukanals um einige Kilometer ins offene Meer hinaus, wird der ankommende Donauschlamm nun von der Meeresströmung weiter nach Süden transportiert als zuvor. Der Deltaküste fehlt der Schlammnachschub, sie wird vom Meer jedes Jahr um mehrere Meter abgetragen. Bugwellen von Motorbooten unterspülen die Wurzeln der Auenwälder. Die Wälder, denen das natürliche Hochwasser lange nicht den Grund wegreißen kann, sacken nach und nach ab in den Fluss.