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Schaben sind weltweit verbreitet. Während die europäischen Arten in Wäldern leben und als Schädlinge kaum eine Rolle spielen, wurden viele tropische und subtropische Arten durch den Welthandel z.B. mit Nahrungsmitteln und Pflanzen bei uns eingeschleppt. Während sich nur wenige Arten unter den mitteleuropäischen Klimabedingungen im menschlichen Umfeld etablieren konnten, sind viele Arten durchaus in der Lage, sich unter günstigen Voraussetzungen (z.B. in den Tropenhäusern botanischer und zoologischer Gärten und in modernen Erlebnisbädern) über einen längeren Zeitraum zu halten. Die Darstellung der Biologie sowie der Schäden, die durch Schaben verursacht werden, teilt sich in einen allgemeinen Teil, sowie in einen speziellen Teil, in dem die wichtigsten Schabenarten ausführlich beschrieben werden.
Die Schaben gehören zu den Insekten mit unvollständiger Entwicklung (Klasse: Insecta, Unterklasse: Hemimetabola). Systematisch sind die Schaben mit den Termiten (Isoptera) und Fangschrecken (Mantodea) verwandt (Siehe Tabelle unten). Die Fangschrecken haben sich zu hochspezialisierten, tagaktiven Jägern weiterentwickelt, die nur in der freien Natur vor allem in den Wäldern und Savannen der Tropen und Subtropen vorkommen und kaum eine Chance haben, den menschlichen Lebensraum zu besiedeln. Die Termiten leben in komplizierten Staatengemeinschaften und sind weitgehend auf die Subtropen und Tropen beschränkt. Aufgrund ihrer sozialen Lebensweise und ihrer Empfindlichkeit gegenüber Temperatur- und Feuchteschwankungen sind nur wenige Termitenarten in der Lage, die gemäßigten Breiten zu besiedeln. In den Tropen und Subtropen gehören Termiten zum einen zu den wichtigsten Holzzerstörern, zum anderen verwerten sie totes Pflanzenmaterial und lockern den Boden auf. Ihnen kommt damit als Schädlinge im menschlichen Umfeld aber auch als Nützlinge im Naturhaushalt eine wichtige Bedeutung zu. Die Schaben waren bereits in der Steinkohlenzeit (Karbon) vor etwa 280 bis 350 Millionen Jahren weit verbreitet und unterschieden sich nur wenig von den heutigen Arten. Sie blieben ihrer ursprünglichen, versteckten Lebensweise und der omnivoren* Ernährung treu. Die Größe der ausgewachsenen Tiere variiert von 3mm (Nocticola sp.) bis zu 65 mm (Macropanesthia rhinoceros), und die schwersten Arten können ein Gewicht von bis zu 20 g erreichen (*omnivore Arten = Allesfresser). Der Körper ist abgeplattet und damit an ein Leben in engen Spalten angepasst. Die schlanken, aber dennoch kräftigen Beine erlauben ein flinkes Laufen und sogar kleine Sprünge. Die enge verwandschaftliche Beziehung zwischen Schaben und Termiten lässt sich deutlich anhand der Schabengattung Cryptocercus, die im Inneren faulender Hölzer lebt, und der ursprünglichen Darwintermite Mastotermes darwiniensis aus Australien zeigen. Die Darwintermite hat mit den Schaben den Ovipositor (Eiablageapparat), die Eiablage in Form von Eipaketen (allerdings ohne äußere Hülle), intrazelluläre symbiontische Mikroorganismen, sowie sog. Anallappen an den Hinterflügeln gemeinsam. Die Gattung Cryptocercus lebt von Holzsubstanz und besitzt als einzige Schabengattung die für Termiten typische, aus Flagellaten bestehende Darmfauna, einen Kaumagen und zeigt Anfänge sozialen Lebens.
| Kategorie | Typ |
| Klasse | Insecta |
| Unterklasse | Fluginsekten (Pterygota) |
| Ordnung | Schaben (Blattoidea) |
| Unterordnung | Blattoidea
Familie: Blattidae (525 Arten) Gattungen: Blattella (z.B. deutsche Schabe) Blatta (z.B. orientalische Schabe) Periplaneta (z.B. amerikanische Schabe) Ectobius (z.B. Waldschabe) |
| Unterordnung | Blaberoidea Familie: Blaberidae (1020 Arten) Gattungen: Blaberus, Diploptera, Gromphadorrhina, Cryptocercus Familie: Blattellidae (1740) Gattungen: Anaplecta, Balta Familie: Nocticolidae (wenige Arten) Gattung: Nocticola Familie: Polyphagidae (192) Gattung: Polyphagoides |
Von den weltweit ca. 3500 Schabenarten werden aber nur wenige in der menschlichen Umgebung schädlich. Die für den Menschen wichtigsten Arten sind in der Tabelle unten dargestellt. Die ursprüngliche Heimat der meisten hier angesprochenen Arten ist nicht exakt festzustellen, da sie zum Teil bereits seit Jahrhunderten bis Jahrtausenden in enger Gemeinschaft mit dem Menschen leben und diesem nahezu um den gesamten Erdball gefolgt sind.
| Art | latainischer Nam,e | Ursprung | Kommentar |
| Deutsche Schabe Orientalische Schabe Braunbandschabe Amerikanische Schabe |
Blattella germanica Blatta orientalis Supella longipalpa Periplaneta americana |
Südostasien Nordafrika Afrika? Mittelamerika? Afrika? |
Im menschlichen Umfeld schädliche Arten |
| Australische Schabe Braune Schabe Rauchbraune Schabe Madeiraschabe Surinamschabe |
Periplaneta australasiae Periplaneta brunnea Periplaneta fuliginosa Leucophaea maderae Pygnocelis surinamensis |
Tropen tropisches Afrika? Tropen Südamerika Südamerika |
Arten, die gelegentlich eingeschleppt werden |
| Waldschabe Lapplandschabe |
Ectobius sylvaticus Ectobius lapponicus |
Europa Skandinavien |
Arten, die in Europa ursprünglich beheimatet sind |
Die Schaben haben eine ovale, abgeflachte Körperform und sind damit bestens an den Aufenthalt in engen Verstecken angepasst. Der Halsschild besitzt wie bei den ursprünglichsten Insekten der Steinkohlenzeit, den Palaeodictyopteren, breite Seitenfalten und verdeckt von oben gesehen den größten Teil des Kopfes. Die Vorderflügel sind verdickt; ihre Äderung ist aber deutlich erkennbar. Typisch für die Schaben ist die kurze, bogenförmige Subcostalader. Die dünnen Hinterflügel werden unter den Vorderflügeln fächerartig zusammengefaltet. Sie besitzen ein großes Analfeld. Nur relativ wenige Arten sind gute Flieger (z.B. Amerikanische Schabe). Die meisten Arten sind höchstens zu einem Gleitflug fähig. Bei einer Reihe von Arten haben zumindest die Weibchen (z.B. Braunbandschabe) oder beide Geschlechter verkürzte Flügel (z.B. Orientalische Schabe). Die fadenförmigen Fühler tragen zusammen mit den Schienen der Beine die Subgenualorgane, die Erschütterungen wahrnehmen und aufgrund der nachtaktiven Lebensweise die wichtigsten Sinnesorgane der Schaben darstellen. Am Hinterleibsende befinden sich zwei lange Cerci (= zu fühlerartigen Gebilden umgewandelte Extremitäten des Hinterleibs). Die Beine zeigen die für Insekten typische Gliederung in 5 Gliedmaßen (Hüfte, Schenkelring, Schenkel, Schiene, Fuß und sind als Laufbeine ausgebildet. Viele Arten besitzen kräftige Dornen an den Beingliedern. Die Füße (Tarsen) sind fünfgliedrig. Bei einigen Arten (z.B. der deutschen Schabe) befinden sich zwischen den Fußkrallen Haftlappen, die es den Tieren ermöglichen, selbst über senkrechte, glatte Oberflächen zu laufen. Die Schaben besitzen beißend-kauende Mundwerkzeuge.
© Text: Reiner Pospischil
