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Hintergrundinformationen

Nutzung der Ostsee

Der Lebensraum Ostsee wird von den Anrainerstaaten auf vielfältige Weise genutzt. Einhergehend mit jeglicher Nutzung ist die ständige Bedrohung dieses einzigartigen Lebensraumes durch die jeweiligen Folgen für das Ökosystem. Das europäische Randmeer ist so ständigen Belastungen aus Schiffsverkehr, Landwirtschaft und Schadstoffeinträgen ausgesetzt. Auch Baumaßnahmen an den Küsten, beispielsweise für touristische Einrichtungen, beeinträchtigen den sensiblen Lebensraum und wirken sich auf die natürliche Küstendynamik aus.

  • Auf einem Sandstrand stehen viele bunte Strandkörbe, dahinter sind rechts kleine Häuser zu sehen, links im Bild ein Hochhaus mit dem Schriftzug „Hotel Neptun“. (Rechte: Huber, www.pixelio.de)

    Baumaßnahmen für den Tourismus beeinträchtigen den Lebensraum Ostsee

  • Ein rot gestrichenes Schiff vor einem alten Hafengebäude. Im Hintergrund sind Industriebauten zu sehen. (Rechte: www.sxc.hu)

    Schiff im Hafen von Danzig

Ostsee-Gaspipeline

Bereits im Jahr 2005 wurde mit dem Bau des Landabschnittes in der Nähe der russischen Stadt Wyborg begonnen. Die Leitung soll Planungen gemäß quer durch die Ostsee verlaufen, bei Greifswald Deutschland erreichen und ab 2010 die Bundesrepublik jährlich mit etwa 27,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas versorgen. Ein zweiter Leitungsstrang soll 2013 in Betrieb gehen, um die Gesamtkapazität von zirka 55 Milliarden Kubikmeter zu sichern (mehr als die Hälfte des deutschen Gesamtbedarfs im Jahr). Darüber hinaus sind Abzweigungen der gigantischen Erdgas-Pipeline nach Schweden, Finnland, ins Baltikum und zur russischen Exklave Kaliningrad geplant. Eine Leitung soll sogar bis nach Großbritannien verlängert werden. Die anvisierte Gesamtlänge des Netzes betrüge dann mehr als 3000 Kilometer. Einige umweltbeeinträchtigende Auswirkungen werden zurzeit diskutiert: Folgen für das EU-Schutzgebiet Greifswalder Bodden; Reaktivierung chemischer Kampfstoffe, Bomben und Granaten aus dem Zweiten Weltkrieg; Beeinträchtigungen bei der Grundnetzfischerei; Behinderung der Schifffahrtslinien, beispielsweise bei Notankerungen.

Auf einer Karte ist der Verlauf der Erdgaspipeline eingezeichnet, die zwischen Wyborg und Greifswald verlaufen wird. (Rechte: Nord Stream)

Verlauf der neuen Ostsee-Gaspipeline

  • Ein sehr großes Fährschiff mit blauem Rumpf und weißem Aufbau läuft ins Meer aus. Im Vordergrund Strand mit vielen Schaulustigen. (Rechte: Scaleo, www.pixelio.de) Der zunehmende Schiffsverkehr, hier eine Fähre, ist eine Belastung für die Ostsee
  • Eine moderne blau gestrichene Klappbrücke aus Metall auf Betonpfeilern im Wasser. (Rechte: Peter Wiegel, www.pixelio.de) Die Peene-Klappbrücke in Wolgast – das Tor nach Usedom

Schiffsverkehr

Die Ostsee gehört zu den am dichtesten befahrenen Gewässern der Erde. Allein der Transport von Rohöl wird für das Jahr 2010 auf 150 Millionen Tonnen geschätzt (zum Vergleich: 50 Millionen Tonnen 2001, 80 Millionen Tonnen 2003). Dazu kommen zahlreiche Fährverbindungen sowie die Routen der Container- und anderer Transportschiffe für den Güterverkehr. Die wichtigste Seefahrtsroute bildet dabei die sogenannte Kadetrinne in der südlichen Ostsee (Seegebiet zwischen der deutschen Halbinsel Fischland – Darß – Zingst und der dänischen Insel Falster). Jährlich werden hier zirka 63.000 Durchfahrten registriert, im Jahr 2006 gab es allein 9000 Tankerpassagen. Wegen des Ausbaus vor allem der russischen Ölhäfen und der dazugehörigen Tankerflotte wird mit einer starken Zunahme in den kommenden Jahren gerechnet. Durch den ständig steigenden Schiffsverkehr erhöhen sich auch die Risiken für die Umwelt durch die Einleitung gefährlicher Stoffe, die von Chemikalien über Rohöl bis hin zu radioaktiven Stoffen reichen. So weist der Bericht der Helsinki-Kommission für das Jahr 2004 eine doppelt so hohe Anzahl von Schiffsunfällen in der Ostsee aus wie in den Jahren zuvor.

  • Tote Dorsche (Rechte: vlas2002 - Fotolia.com) Der beliebte Speisefisch Dorsch ist in der Ostsee inzwischen gefährdet

Dorsch-Fischerei

Wie die Nordsee wird auch die Ostsee intensiv befischt. Dies führt nicht nur zur Bedrohung der dortigen Fischbestände, auch die Fischer selbst sind in ihrer Existenz mehr und mehr gefährdet. Der Dorsch ist seit Jahrhunderten einer der wichtigsten Speisefische Europas. Als Stock- oder Klippfisch versorgte er beispielsweise seit dem Mittelalter in dauerkonservierter Form ganze Soldatenheere und Schiffsmannschaften. Die Überfischung des Dorsches nahm in den vergangenen Jahren jedoch so gewaltige Ausmaße an, dass der Bestand dieses Speisefisches mittlerweile vor dem Zusammenbruch steht. Die Europäische Union legte daher für das Jahr 2007 eine Fangquote von 40.000 Tonnen fest, wobei allein 10.000 Tonnen Polen zustanden. Diese Mengen wurden 2008 in der westlichen Ostsee um weitere 33 Prozent in der östlichen um 23 Prozent verringert. Umweltverbände kritisieren die aktuelle Quote als zu hoch, vor allem in Hinblick auf die weiterhin existierende und schwer kontrollierbare illegale Dorsch-Fischerei, und fordern daher einen sofortigen Fangstopp zum Erhalt des Ostsee-Dorsches.

  • Mehrere Segelschiffe liegen nebeneinander im Wasser, im Hintergrund sind hohe Häuser zu sehen. (Rechte: Gabi Hamann, www.pixelio.de) Segelschiffe im Hafen von Flensburg
  • Auf einem Sandstrand stehen viele blau-weiß gestreifte Strandkörbe, im Hintergrund ist das Meer mit einem einsamen Spaziergänger zu sehen. (Rechte: Huber, www.pixelio.de) Strandkörbe an der Ostsee

Tourismus

Neben der Werftindustrie und dem Handel ist der Tourismus der wichtigste Wirtschaftsfaktor großer Teile des Ostseeraumes. Zahlreiche Küstenabschnitte des Festlandes und der Inseln sind stark von Einrichtungen für den Fremdenverkehr (beispielsweise Hotels, Apartment- und Ferienhäuser, Campingplätze, ganze Ferienanlagen und so weiter) geprägt. An erster Stelle für Erholungssuchende steht meist der Badeurlaub in einem der zahlreichen Seebäder. Von besonderer Bedeutung sind aufgrund der günstigen klimatischen Bedingungen dabei die Sommermonate Juli und August. Andere Jahreszeiten spielen bei der Frequentierung durch Urlauber nur eine untergeordnete Rolle. Der Ostsee-Tourismus ist also von einer deutlichen Saisonalität gekennzeichnet.Die Geburtsstunde des Tourismus an der deutschen Ostseeküste schlug bereits 1793: Am Heiligen Damm bei Doberan entstand das erste Seebad, vier Jahre später wurde hier der erste Rettungsschwimmer, ein ehemaliger Matrose, für die Badegäste angestellt. Die Adelsfamilie von Bothmer ließ 1803 in Boltenhagen Badekarren aufstellen, welche 1825 von sogenannten Badefloßen (den Vorläufern fester Badeanstalten) abgelöst wurden. 1865 wurde Klein Timmendorf gegründet, ein Sommer- und ein Logierhaus waren nachweislich die ersten Gebäude der Neuansiedlung. Seit 1880 schaffte der nun stetig anwachsende Fremdenverkehr zahlreiche neue Arbeitsplätze an der Ostsee und dämpfte so die negativen wirtschaftlichen Folgen für die Bodden- und Küstenorte durch den Niedergang der Segelschifffahrt. Bereits ab 1891 pendelten Feriensonderzüge zwischen Berlin und der Ostsee. Bald konkurrierte das Seebad Ahlbeck mit seinen Nachbarorten um die höchsten Übernachtungszahlen. Im Jahr 1900 stiegen 13.000 registrierte Gäste in Heringsdorf ab. Ab zirka 1908 begann die Blütezeit der Bäderarchitektur und immer neue Attraktionen (Segelregatten, Strandburgenwettbewerbe, FKK-Strände) versuchten immer mehr Touristen anzulocken. 1953 wurden die Besitzer von Hotels, Pensionen und anderer Privatbetriebe unter vorwänden verhaftet, ihr Eigentum eingezogen und der Deutschen Demokratischen Republik übergeben. In ihrer letzten Kabinettssitzung verfügte die DDR-Regierung 1990 die Einrichtung der Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft und Jasmund. Für das Jahr 2006 verzeichnete allein die Insel Rügen 1,28 Millionen Gäste-Ankünfte und 6,82 Millionen Übernachtungen bei einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von 5,3 Tagen.

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