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Wölfe und Menschen

Informationen über das Projekt in den Karpaten
Träger des Projektes: 1993-2000 Wildbiologische Gesellschaft e.V., ab 2001 "Wild Europe" (Großbritannien).
Lokale Partner: Rumänische Staatsforstverwaltung, Rumän. Forstministerium, Gemeinden und Lokalverwaltungen im Gebiet des Königssteins (Piatra Craiului)
Finanziers: WWF International, Jack Wolfskin GmbH, Liz Claiborne Art Ortenberg Stiftung, Nando Peretti Stiftung, Privatspender
Homepage (in Englisch): www.clcp.ro
Kontakt: info@clcp.ro

Projektgebiet

Karte - Projektgebiet

Die Stadtwölfe
Bereits der zweite Fang eines Wolfs erwies sich als ein "Volltreffer": In die Falle ging den Forschern die Alpha-Wölfin eines Rudels, welches internationalen Ruhm erlangen sollte. Die Wölfe lebten in den Hügeln um Kronstadt (Brasov) herum, zogen ihre Welpen im Schutz der mit Buchendickungen bewachsenen steilen Hänge auf und ernährten sich zu einem nicht unwesentlichen Teil von den Leckereien, die die nahe Stadt bot: Kaninchen in den Parks, Futterabfälle aus dem Zoo, Hunde, Katzen und Abfälle auf der Mülldeponie. Die Wildbiologen konnten die Wölfe mehrmals pro Nacht unter den Straßenlaternen Kronstadts beobachten, wo sie unbeachtet an späten Partyheimkehrern und unbeachtet von Fußgängern im morgendlichen Berufsverkehr vorbeiliefen. Streunende Hunde gibt es in der Umgebung von Kronstadt zu Tausenden und so dachte niemand, dass ausgerechnet diese Tiere keine Hunde seien. Die abgewanderten Welpen der eingefangenen Wölfin fanden sich ebenfalls bald im Stadtgebiet, sie hatten dieses Verhalten erlernt. Auch andere Rudel zeigten dieses Verhalten. Die Forscher orteten die Signale der Halsbandsender auf den Wiesen oder nahe der Ortschaften viele Kilometer vom nächsten Wald entfernt. Eines hatte man von den Wölfen damit gelernt: Menschen oder Kulturlandschaft schrecken sie nicht, der Wolf braucht keine pure Wildnis. Insbesondere im Hinblick auf die Diskussion, ob Wölfe auch im dicht besiedelten Mitteleuropa wieder eine Überlebenschance haben, war dies ein entscheidendes Argument. Die Frage ist nicht mehr, ob die Wölfe bei uns leben können, sondern einzig und allein, ob wir sie lassen.

  • WolfEs ist schon hell als Timisch zurück zum Wolfsbau läuft. Für die Aufzucht ihrer Welpen braucht sie täglich etwa 15kg Fleisch.
  • leuchtende AugenIm Licht der Straßenlaternen leuchten die Augen der Wölfe stärker als die Augen anderer Tiere. Das liegt an einer reflektierenden Schicht auf der Netzhaut des Auges, der sie ihre extrem gute Nachtsichtigkeit verdanken.

Probleme durch Übergriffe auf Schafherden
Während der Sommermonate führten die Forschungsarbeiten mehrmals pro Woche zu alpinen Schäfereien. Obwohl die Wölfe öfters versuchten, sich ein Lamm zu holen, war ihr Erfolg meist bescheiden. Die starken und aggressiven Herdenschutzhunde der Schäfer waren in der Regel ein sicherer Schutz gegen die Angriffe. Durfte man den Erzählungen der Hirten Glauben schenken, so waren die Bären das weitaus größere Problem als die Wölfe. Mit diesen hatten es die Hunde im Abwehrkampf deutlich schwerer. Trotzdem war die Stimmung gegenüber den Wölfen weder bei Schäfern noch bei den meisten Jägern sonderlich positiv.

In den Karpaten leben Menschen und Wölfe nahe beieinander. Im Sommer weiden Millionen von Schafen auf den Almen. Genau dort, wo auch Wölfe und Bären zuhause sind. Herdenschutzhunde versuchen zu verhindern, dass Wölfe Schafe reissen. Das Schaf wurde durch einen Wolfsbiss in die Halsschlagader getötet.

  • auf der Weide
  • Herdenschutzhund
  • totes Schaf

Schutz der Schafe durch Elektrozäune
Vor Ort wurde die Zusammenarbeit mit den Schäfern intensiviert, um deren Probleme mit Wolf und Bär zu verringern. Die ersten Schäfer wurden mit Elektrozäunen ausgerüstet, um neben den Hunden einen zusätzlichen Schutz zu haben. Nach einer Testphase sind inzwischen bereits 10 Schäfer damit ausgerüstet. Die Ergebnisse sind mehr als ermutigend. Auch die Zusammenarbeit mit der Forstverwaltung zahlte sich im Bereich des Gebietsschutzes aus. Mit Mitteln der Weltbank wurde der Nationalpark Königsstein im Herzen des Untersuchungsgebietes eingerichtet. Darüber hinaus wurde klar, dass ohne finanzielle Anreize für die Lokalbevölkerung der nachhaltige Schutz der Wälder mit all seinen Insassen kaum auf Dauer möglich sein würde. Aus diesem Grund entwickelte das Projekt ein Öko-Tourismusprogramm. Zusammen mit Reiseveranstaltern aus inzwischen acht Ländern werden einwöchige Reisen zum Projektgebiet angeboten, bei denen Wölfe, Bären und Luchse im Mittelpunkt der Exkursionen stehen. Seit 1997 kamen über 80 Gruppen auf Besuch und brachten dabei etwa 350.000 DM in die knappen Kassen des Landes.

  • HerdenschutzhundDie Tradition der Herdenschutzhunde ist in Europa fast überall verschwunden. Vor allem in Rumänien gibt es noch die speziellen Hunderassen, die in der Lage sind, Schafherden gegen Wölfe zu verteidigen.

Schulprogramme und Broschüren
Im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit konzentrierten sich die Forscher überwiegend auf die lokalen Interessensgruppen und die zukünftige Generation: Bereits heute sind alle Schulen der Umgebung mit speziellem Unterrichtsmaterial über große Beutegreifer ausgestattet und inzwischen gibt es auch eine Broschüren-Serie über Wolf, Bär und Luchs für die Kronstädter Forstuniversität. Das internationale Medieninteresse ist oft so groß, dass gar nicht alle Anfragen beantwortet werden können. Der Ansatz gibt bisher Recht: In wenigen Jahren hat es das Projekt geschafft, international als Modellprojekt gehandelt zu werden. Starke Partner wie der WWF International, Jack Wolfskin, und eine Reihe weiterer Stiftungen und Privatspender ermöglichen es, für einige Jahre im Voraus zu planen. Ende 2003 soll das Projekt beendet werden, bis dahin soll eine lokale Infrastruktur und alles nötige Know-how vorhanden sein, um die Maßnahmen weiter laufen zu lassen. Finanzierbar werden die Arbeiten dann mit den Einkünften durch Ökotourismus. Die Attraktivität dieses einzigartigen Ökosystems ist dafür bestens geeignet.

  • Luchs