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Situation der Wölfe

Wölfe in Rumänien
Fast ein Drittel aller europäischen Wölfe, Bären und Luchse westlich von Russland tummeln sich in den rumänischen Karpaten, die nicht einmal 1,5% der Landesfläche ausmachen. Der Grund dafür liegt in der politischen Geschichte des Landes. Nach den Wirren des Zweiten Weltkrieges waren Wölfe über ganz Rumänien verbreitet und richteten im Bereich der Schafzucht große Schäden an. Auf etwa 5.000 Wölfe schätzte man zu dieser Zeit den Bestand. Als Folge beschloss die rumänische Regierung ein Programm zur Reduktion der Wolfsbestände. Das Töten durch Fallen, Gift oder Kugel und das Ausgraben der Jungen am Bau wurden staatlich gefördert und mit Prämien bedacht. Das Ergebnis war verheerend: Bis Ende der 60er Jahre wurde die Wolfspopulation Rumäniens um mehr als 80 Prozent dezimiert, zurück blieben nur noch die Rudel in den schwer zugänglichen Bergregionen der Karpaten. Für die etwa 1.000 verbliebenen Wölfe änderte sich die Lage erst, als ersichtlich wurde, dass Bären und Wildschweine ebenfalls von den Jagdaktionen betroffen waren. An einer hohen Dichte dieser jagdlich interessanten Tiere waren Ceauçescu und die ihm unterstellte Verwaltung interessiert. Der Einsatz von Gift und Fallen wurde im Laufe der 70er Jahre eingestellt. Davon profitierten auch die Bestände von Wölfen und Luchsen.

  • Wolf
  • zwei Wölfe streiten sich um ihre BeuteZwei Wölfe streiten sich um ihre Beute, eine Hirschkuh. Bei Rangkämpfen gilt: zuerst frisst der Alpha-Wolf, das Leittier des Rudels, die untergeordneten Tiere müssen warten.
  • Karpaten I

    Die Karpaten umschließen Transsilvanien wie ein Hufeisen. Auf deutsch heißt dieser Teil Rumäniens Siebenbürgen.

  • Karpaten II
  • Karpaten III

Aktuelle Situation der Wölfe
Mit Wölfen ist die Situation ebenso verfahren wie bei den Bären. Gesetz hin oder her, viele Jäger drücken ab, wenn ihnen bei einer Wildschweintreibjagd ein Wolf vor die Flinte kommt. Welchen Anteil dieser Wolf an den Viehschäden der vergangenen Weidesaison ein halbes Jahr früher hatte, weiß keiner. Oft erhöhen sich die Schäden, wenn ein "Alpha-Tier" (Elterntier, s. Seite "Sozialstruktur eines Wolfsrudels") geschossen wird und das Rudel auseinanderbricht. Im Sommer ist ein Wolfspelz nichts wert und so macht sich kein Jäger die Mühe, Tage und Wochen neben den Schäfereien auf einen Wolf zu warten. Außerdem haben Wölfe eine hohe Reproduktionsrate und können in einer gesunden Population problemlos den Verlust von einem Drittel der Frühwinterpopulation verkraften. Insofern bedroht die Jagd den Bestand der rumänischen Wölfe kaum und es wäre daher sogar sinnvoll, eine geregelte Jagd zuzulassen.

  • Wolfsspuren im Schnee

Bären im Überfluss
Bären und Hirsche wurden gemästet, Auswilderungsprogramme mit zahmen Bären führten zu enormen Problemen für die Viehzucht und die Sicherheit der Bergbevölkerung. Zwischen dem Ende der 50er Jahre bis zu Ceauçescus Sturz verzehnfachte sich die Bärenpopulation und umfasste schließlich annähernd 8.000 Tiere, weit mehr als es die natürliche Situation erlaubt hätte. Dank intensiver Fütterung überlebte jedoch fast jeder Bär die nahrungsarme Zeit. Den Tribut zahlte die Landbevölkerung: Ende der 80er Jahre wurden durchschnittlich 4 Personen pro Jahr von Bären getötet, mehrere Dutzend landeten schwerverletzt in den Krankenhäusern. Die von Bären angerichteten Schäden an Vieh und Obstplantagen übertrafen zwischen 1987 und 1992 umgerechnet 130 Millionen DM. Für Ceauçescu zählte aber nur, dass er bis zu zwei Dutzend Bären an einem Jagdtag töten konnte.

  • Braunbär in Brasov

Änderung nach dem Zusammenbruch des Kommunismus
Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus änderte sich die Situation schlagartig: Der Bestand der Bären wurde massiv reduziert - intensive Wilderei, die nachlassende Fütterung und ein besseres Verständnis für natürliche Dichte waren dabei wohl die wichtigsten Faktoren. Gleichzeitig suchte Rumänien den Anschluss an den Westen und glich rasch die Gesetze an internationale Vereinbarungen an. Die Ratifizierung der Berner Konvention führte dazu, dass die großen Räuber unter Schutz gestellt wurden und nur noch mit speziellen Genehmigungen geschossen werden durften. Bären lassen sich gut als Trophäenabschüsse verkaufen. Daher werden auch weiterhin Abschüsse auf Basis der gemeldeten Bestände genehmigt. Westliche Jäger schießen von komfortablen Hütten aus die kapitalsten Karpatenbären aus 20 Meter Entfernung am Luderplatz. 15.000 bis 20.000 DM kostet der Spaß. Die Bären bekommen dadurch einen hohen wirtschaftlichen Wert und die Verantwortlichen haben Interesse, die aufkommende Wilderei zu bekämpfen.

  • Braunbär in BrasovMeist sind die Braunbären friedlich. Wer sich jedoch einer Bärin mit ihren Jungen nähert, spielt mit seinem Leben.

Das Wolfsprojekt
Das Wolfsprojekt Ende 1993 begann die "Wildbiologische Gesellschaft e.V." zusammen mit der rumänischen Staatsforstverwaltung ein Forschungsprojekt über die Karpatenwölfe, um einen besseren Einblick in die Situation zu erhalten. Im Laufe der Jahre wurden 13 Wölfe von sieben verschiedenen Rudeln mit Halsbandsendern ausgestattet und ihre Wanderungen verfolgt. Oft war dies schwierig, die Wölfe waren meist schneller als die Forscher, verschwanden über dem nächsten Hügel und waren nicht mehr zu lokalisieren. Wolfsforschung ist schweißtreibend und ein vollständiges Bild der Karpatenwölfe setzt sich nur langsam aus den einzelnen Informationen zusammen.

  • ForschungsstationDeutsch-rumänische Forschungsstation, die das Leben der 3.000 Karpatenwölfe erforscht.

Die durch Lappjagd gefangen Wölfin wird betäubt. Zweck der Aktion: der Wölfin wird ein Halsband mit einem Sender angelegt, damit die Wissenschaftler ihre Wanderungen verfolgen können. Man muss mehr über ihr Leben herausfinden, damit ein sinnvolles Schutzkonzept erstellt werden kann. Die Wölfin erhält den Namen Timisch, nach dem Bach Timisch, in dessen Tal ihr Rudel lebt.

  • Betäubung des Wolfes
  • anlegen eines Sendehalsbandes
  • Vermessung des Wolfes

Der Schutzansatz des Projektes
Je mehr die Forscher über die Wölfe lernten, um so mehr begannen sie zu verstehen, dass sich durch Forschung alleine die Situation der Raubtiere nicht verbessern würde. Ein neuer Ansatz wurde notwendig, der zwar auf der Forschung aufbaut, aber weit darüber hinausgeht. Das Problem musste von allen Seiten angegangen und Lösungen für alle Beteiligten gefunden werden. Zu guter Letzt ging es ja nicht nur um den Wolf, sondern um das gesamte Ökosystem der Karpaten. Der neu entwickelte "Integrierte Management Ansatz" beinhaltet alle wesentlichen Faktoren und schafft Verbindungen zwischen ihnen. So wie man bei einem Hausbau Wasserleitung, elektrische Leitungen, Wände, Fenster, Böden und Dach nicht unabhängig voneinander planen und bauen kann, so muss auch der Naturschutz ganzheitlich an ein Problem herangehen. Ab sofort basierte die Arbeit des Projektes auf vier Säulen: Forschung, Management und unmittelbare Schutzmaßnahmen, Regionalentwicklung und Öffentlichkeitsarbeit. Im Bereich der Forschung weiteten die Biologen ihr Arbeitsgebiet auf Bären und Luchse aus. Ebenso begannen sie, gezielte Informationen über die Einstellung verschiedener Bevölkerungsgruppen und über die wirtschaftliche Dimension großer Beutegreifer zu sammeln.

  • Wolf