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Unterricht: Nablus – Schulalltag im besetzten Westjordanland

Thematisch besonders nah an der Lebenswelt der Schüler ist der Film über Schulen im Westjordanland. Er berichtet vom Alltag der Palästinenser am Beispiel zweier Schulen in Nablus.

  • Aufnahme der Stadt Nablus. Nablus ist immer wieder Schauplatz blutiger Kämpfe; Rechte: WDR
  • Mädchen rennen mit Rucksäcken auf den Rücken eine Straße entlang. Schulkinder auf dem Heimweg: die Angst bei Militäreinsätzen ist groß; Rechte: WDR

Die Schüler im Mittelpunkt

Vor Ansicht des Films sollte die allgemeine Konfliktlage in Israel und den palästinensischen Gebieten, soweit sie bisher behandelt worden ist, noch einmal reflektiert werden. Dazu bietet sich Arbeitsblatt 1 "Karte" an, auf der auch die Stadt Nablus verzeichnet ist. Führen Sie kurz in den Inhalt des folgenden Films ein und richten Sie dabei den Fokus auf die im Mittelpunkt stehenden Schüler: Masar Saed von der Mädchenschule sowie Jonaid Salamih und sein Bruder Osaid von der Jungenschule. Um nachvollziehen zu können, wie die israelische Besatzung des Westjordanlands den Alltag der Jugendlichen beeinflusst, sammeln die Schüler alle Informationen über die beiden Schüler und ihre Familien aus dem Film. Sie können dazu Arbeitsblatt 2 "Steckbriefe" nutzen. Damit die Schüler möglichst viele Informationen aus dem Film behalten und verwerten können, sollte die Bearbeitung des Arbeitsblatts 2 möglichst direkt nach Ansicht des Films anschließen. Es bietet sich daher die folgende Vorgehensweise an, die sich an der Methodik des kooperativen Lernens orientiert: Während des Films sollen die Schüler in zwei Gruppen jeweils Informationen zu Masar Saed und zu Jonaid Salamih sammeln.

Bei Ansicht des Films machen sich die Schüler Notizen auf einem Vorschriftblatt. Mit diesem Rohmaterial können sie auch eine Woche später noch arbeiten. Die Lerngruppe wird nun in Gruppen mit je vier Schülern eingeteilt: zwei haben Masar Saed, zwei haben Jonaid Salamih beobachtet. In der folgenden Phase des Informationsaustauschs füllen die Gruppen dann zusammen das Arbeitsblatt 2 "Steckbriefe" aus. Zur Sicherung und Festigung des Inhalts bietet es sich an, dass zwei Gruppen ihre Ergebnisse vor der Klasse präsentieren. Die Klasse überprüft die Ergebnisse kurz auf Vollständigkeit, Richtigkeit und Strukturierung der Informationen. In der anschließenden Diskussion versuchen die Schüler, sich in die Lage der Filmcharaktere zu versetzen. Würden sie sich an ihrer Stelle auch so auf die Schule und Prüfungen konzentrieren können? Warum ist den Schülern in ihrer Situation Bildung und Schule so wichtig?

Vergleich mit der eigenen Lebenswelt

Um zu versuchen sich in die Situation der Palästinenser hineinzuversetzen, vergleichen die Schüler ihren Schulalltag mit dem im Film gezeigten. Eine Gruppe betrachtet den Schulalltag der Mädchen, eine den der Jungen. Auf Arbeitsblatt 3 "Vergleich" notieren die Gruppen ihre Beobachtungen und beschreiben Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu ihrem eigenen Alltag. Beobachtet werden sollten sowohl formale Details (zum Beispiel der morgendliche Appell oder das Handyverbot) als auch Außergewöhnliches (zum Beispiel der Lehrerstreik). Anschließend können die Ergebnisse zusammengetragen und in der Klasse verglichen werden. Hier soll besonders die Beobachtungsgabe der Schüler gestärkt werden.

Für eine tiefer gehende vergleichende Reflexion bietet sich als Weiterführung Arbeitsblatt 4 "Kommentar" an. Es eignet sich für fortgeschrittenere Lerngruppen. Die Schüler schreiben einen Kommentar zum Thema "Schule in Palästina und in Deutschland". Auf dem Arbeitsblatt finden sich Zitate aus dem Film sowie Vorschläge für Hauptaspekte des Kommentars. Ziel ist eine Fokussierung auf die unterschiedlichen Einstellungen von Schülern in Deutschland und Palästina zum Thema Bildung. Der Kommentar kann auch zur Vorbereitung einer mündlichen Stellungnahme dienen, die dann Grundlage einer Diskussion ist. Nachdem die Schüler sich mit der Situation an den Schulen in Palästina eingehend vertraut gemacht haben, folgt die Einordnung in die allgemeine politische Lage. Dazu informieren sich die Schüler über Nablus und das Westjordanland.

Eine Suche auf den Internetseiten aktueller Medien nach Nablus zeigt schnell, dass die Stadt immer wieder Schauplatz von Unruhen, Anschlägen und Kämpfen ist. Anschließend informieren sich die Schüler über die Situation im Westjordanland anhand von Karten der OCHA, der UN-Organisation für die Koordination humanitärer Angelegenheiten - siehe Linkliste in diesem Wissenspool. Die Karte "Westbank Closure Map" zeigt die Aufteilung des Westjordanlands in Gebiete, die von Palästinensern oder von israelischen Siedlern bewohnt werden, wo die israelische Armee Sperrgebiete eingerichtet hat und wo sich zum Beispiel Kontrollpunkte und Straßensperren befinden. Die Karte illustriert eindrucksvoll, wie eingeschränkt die Bewegungsfreiheit der Palästinenser im Westjordanland ist. Dabei wird die Methodenkompetenz der Schüler gefördert, Karten als Informationsquelle zu nutzen.

Weiterführende Vorschläge:

"Ohne Bildung bleibt uns in Palästina gar nichts", sagt Da'es Abu Kishik, Schulleiter der König Talal-Jungenschule, am Ende des Films. Ein Blick in die Entwicklung des Bildungssystems zeigt, warum dies den Palästinensern so wichtig ist. Erst mit der palästinensischen Selbstverwaltung 1994 konnten die Palästinenser ihr Bildungssystem selbst verwalten. Noch etwas genauer über die Entwicklung des Bildungssystems in den palästinensischen Gebieten zu informieren, könnte eine Thema für einzelne Schülerreferate sein. Informationsquellen, zum Teil auch in Englisch, finden sie in der Linkliste in diesem Wissenspool.