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Hintergrund: Kapitalmarkt

Geld als wirtschaftliches Gut

  • Sparschwein mit 10 Euro-Schein (Rechte: picture-alliance) Sparen heißt verzichten - zumindest eine Zeit lang

Geld ist nicht nur ein Zahlungsmittel. Geld ist auch selbst eine Ware, ein wirtschaftliches Gut. Genauer gesagt: Geld ist ein Produktionsfaktor. So heißen Güter, die man braucht, um andere Güter bereitzustellen. Bevor z.B. ein Fischer frischen Fisch fangen kann, muss er Boot und Netze kaufen. Das Geld, das der Fischer für diese Anschaffung benötigt, nennt man auch Kapital.Kapital können die Menschen nur bilden, wenn sie verzichten. Sie verzichten darauf, das Geld auszugeben, das sie übrig haben. Statt beispielsweise ein neues Auto zu kaufen oder einen teuren Urlaub zu buchen, sparen sie das Geld. Nimmt man mehr ein, als man verbraucht, kann man dieses Geld eventuell verleihen – als Geldanlage an seine Bank zum Beispiel. Dank der Zinsen bekommt man hinterher mehr zurück, als man hergegeben hat.

Warum Zinsen steigen und fallen ...

Bei den Anbietern von Kapital handelt es sich meist um private Anleger, also Privathaushalte, oder um Staaten, die Teile ihres Vermögens langfristig und gewinnbringend anlegen wollen. Die Nachfrager sind Unternehmen oder wiederum Staaten, die Kapital zum Investieren benötigen. Der Ort, an dem sich beide Seiten treffen, ist der Kapitalmarkt. Zu welchem Preis nun das Kapital geliehen und verliehen wird, hängt wie bei allen knappen Gütern von Angebot und Nachfrage ab. Liegen große Mengen an erspartem Geld bei den Banken, wird der Preis – also der Zins – fallen. Ist zu viel Geld im Umlauf, oder man könnte auch sagen, sparen die Menschen zu wenig, wird das Geld bei den Banken knapp. Bei knapper Angebotsmenge wird der Zinssatz also wieder steigen, um mehr Anreiz für Anleger zu schaffen, ihr Geld als Kapital bei Banken und Börsen anzulegen.

Geld auf Kredit

  • Die Europäische Zentralbank in Frankfurt (Rechte: picture-alliance/ Sven Simon) Die Europäische Zentralbank in Frankfurt

Wer bei der Bank einen Kredit aufnimmt, also Geld leiht, der muss dafür eine Leihgebühr bezahlen, den Zins. Die Bank verlangt für Kredite höhere Zinsen, als sie den Sparern für das Anlegen von Geld ausbezahlt. Das heißt, die Bank kassiert mehr Gebühren für das Verleihen von Geld, als sie selbst für das Ausleihen zahlen muss. Auf diese Weise verdient die Bank Geld. Die Banken dürfen allerdings nicht einfach so nach Lust und Laune entscheiden, welche Preise sie für das Ausleihen von Geld zahlen und für das Verleihen kassieren können. Sie bekommen Vorgaben von den so genannten Zentral- und Notenbanken. Bei uns ist es die Europäische Zentralbank (EZB), die über die Höhe der Zinsen entscheidet. Und wie immer in einer Marktwirtschaft richten sich solche Preisentscheidungen nach Angebot und Nachfrage – in diesem Fall des Kapitalmarkts.

Kreditwürdig?

Einen Bankkredit nutzen Privatleute, wenn sie größere Anschaffungen planen – zum Beispiel um ein Haus oder eine Wohnung zu kaufen. Die meisten Unternehmen leihen sich bei Banken Geld als Startkapital oder um in die Vergrößerung ihres Betriebs investieren zu können. Bevor die Banken Kredite gewähren, prüfen sie sehr genau, ob der Kreditnehmer „kreditwürdig“ ist, ob der Kreditnehmer z.B. genug Geld für die Rückzahlung des Kredits verdient. Jeder Kredit hat nämlich eine bestimmte Laufzeit, in der die Rückzahlung in Raten erfolgt. Man nennt das die Tilgung des Kredits. Nicht nur Banken vergeben Kredite. Auch schon ein Vertrag mit einem Telefonanbieter ist eine Form von einem Kredit. Da man erst am Monatsende die Telefongebühren per Rechnung bezahlen muss, hat man einige Wochen sozusagen „auf Kredit“ telefoniert.

Der Weg in die Schuldenfalle

Die coole Jeans, das angesagte Handy oder das neueste Mountainbike – oft haben wir Wünsche, die sich nicht sofort erfüllen lassen, weil wir nicht das Geld dazu besitzen. Warum also nicht einfach Schulden machen – heute kaufen und erst später bezahlen? Die Banken werben für Kredite mit günstigen Zinsen und preisen Kreditkarten an. Beim Einkauf mit Kreditkarte wird das Geld erst zum Monatsende vom Konto abgebucht. Ähnlich ist es mit dem Kauf auf Raten, den viele Geschäfte anbieten, oder mit Telefonverträgen. Erfolgen Wochen und Monate später die Abbuchungen, gibt es oft ein böses Erwachen: Man hat mehr Ausgaben gemacht, als Geld da ist – Schulden! Jetzt heißt es entweder auf vieles verzichten – oder neue Schulden machen, um die alten abzubezahlen. Ein Teufelskreis! Jede Anschaffung auf Pump will also sehr gut überlegt sein!

  • Einfamilienhaus (Herkunft: SWR) Ohne Kredit von der Bank ist ein Hausbau meist nicht möglich

Vorausschauend planen

Geld leihen kann durchaus sinnvoll sein. Wer zum Beispiel eine Immobilie, also ein Haus oder eine Wohnung, auf Kredit kauft, der spart die Miete. Mit dem so Gesparten lassen sich die monatlichen Raten für die Rückzahlung des Kredits bezahlen. Außerdem hat eine Immobilie in der Regel einen bleibenden Wert. Das heißt man kann die Wohnung oder das Haus wieder verkaufen und nimmt das Geld wieder ein, das man sich geliehen hat. Schulden zu machen ist aber immer ein Risiko, denn die monatlichen Raten müssen pünktlich zurückbezahlt werden. Gespartes Geld als Sicherheitspolster zu haben ist ratsam, denn oft können unvorhersehbare Ereignisse das monatliche Budget durcheinanderbringen und die Ratenzahlung in Frage stellen. In Deutschland ist fast jeder zehnte Privathaushalt überschuldet, kann also die Raten nicht mehr zurückzahlen. Schuldnerberatungen, die gemeinnützige Organisationen oder die Verbraucherzentralen anbieten, haben immer größeren Zulauf.


Textquelle: Schuldenfalle Handy

Vom Prepaid-Handy zum Vertrag
Da kommt er nun stolz mit seinem neuen Handy aus dem Geschäft. Den 18. Geburtstag hat der junge Mann zum Anlass genommen, um von der Prepaid-Karte zum Zweijahresvertrag zu wechseln. Günstigere Tarife und vor allem das angesagte Top-Telefon für nur einen Euro haben ihn gelockt. Gründlich hat er sich informiert: Das Handy ist ein Alleskönner mit mp3- Wiedergabe und eingebauter Digitalkamera. Einen Walkman und einen Fotoapparat will sich der Neukunde damit sparen. (...)

Wo sind die Fallstricke?
Am Anfang steht der Tarif. Angelockt von markanten Werbesprüchen wie „Ab einem Cent pro Minute ins Festnetz telefonieren", ist selbst der klügste Kunde mit der Abschätzung der realen Kosten eines Vertrags-Handys überfordert. (...) Statt eines für jedermann vergleichbaren und transparenten Minutenpreises für Gespräche ins Festnetz und in die Mobilfunknetze gibt es Kombiangebote mit Inklusivminuten. Tückisch sind die zusätzlich wählbaren Optionen: Für eine zweite Grundgebühr erhält man weitere Pauschalpakete mit Minutenpreisen, die nur dann wirklich klein sind, wenn man das vorgegebene Kontingent exakt ausnutzt. Nicht genutzte Inklusivminuten verfallen in der Regel am Monatsende. Da niemand sein Telefonverhalten vorhersagen kann, sind die errechneten Vorteile rein akademischer Natur. Lockvogelangebote wie „ein Cent pro Minute", die nur für spezielle Verbindungen zu bestimmten Zeiten gelten, können teurer sein als 30 Cent die Minute bei moderater Grundgebühr und klaren Spielregeln. (...) Für Jugendliche und junge Erwachsene sind die sich aufsummierenden Handy-Rechnungen daher die typische Schuldenfalle. Mal schnell quatschen, flirten, simsen – und die monatliche Abbuchung ist schnell höher als erwartet. Besonders die angesagten Extras wie das Herunterladen von Logos und Klingeltönen kosten. (...) Ein Einzelabruf kostet zwar nur 1,99 oder 2,49 Euro, doch häufig schließen Jugendliche unbewusst und ungewollt lange laufende Monatsverträge ab, für die 2,99 Euro oder 4,99 Euro monatlich zu zahlen sind. Bevor gekündigt wird, ist längst schon wieder abgebucht. (...)

Mit oder ohne Kostenlimit
Jugendliche telefonieren gern mobil und verlieren dabei oft den Überblick über die Kosten. Das Problem: Die Ausgaben werden nicht direkt aus dem Portemonnaie, sondern bargeldlos beglichen. (...) Sind die Handy-Rechnungen das Problem, könnten Prepaid-Karten die Lösung sein. Diese Guthabenkarten können abtelefoniert werden. Es fallen nur die reinen Gesprächskosten an, Grundgebühr wird üblicherweise nicht erhoben. Das rät auch Bernd Ruschinzik von der Verbraucherzentrale Berlin. Hier seien zwar die Tarife höher als beim Langzeitvertrag, aber die Jugendlichen können ohne finanzielles Risiko ein Gefühl für die Telefonkosten entwickeln.

Auszüge aus der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vom 7.6.2005 und der „Welt am Sonntag“ vom 2.10.2005

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