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Hintergrund: Die Erfindung des Geldes

Am Anfang war der Tauschhandel

  • Mona am Gemüsestand (Herkunft: SWR) Mona versucht eine Vase gegen Bananen einzutauschen

Vor vielen tausend Jahren, in der Steinzeit, lebten die Menschen in kleinen Gruppen zusammen und besorgten sich ihre Nahrungsmittel als Jäger und Sammler. Eigentum spielte für sie noch keine Rolle. Was die Menschen jagten, fischten und sammelten gehörte immer allen aus der Gruppe. Mit der Entwicklung von Ackerbau und Viehzucht wurden die Dinge komplizierter. Als sesshafte Bauern konnten sie Überschüsse an Getreide, Milch oder Fleisch produzieren, dafür fehlten ihnen aber andere Dinge. Die ersten Ansätze von Tauschhandel kamen auf. Die Überschüsse an Grundnahrungsmitteln ermöglichten die Mitversorgung von Menschen, die sich auf die Herstellung von Waffen, Werkzeug, Schmuck oder Kleidung spezialisierten. Die Menschen mussten sich nicht mehr mit allem, was sie zum Leben benötigten, selbst versorgen. Sie tauschten Getreide gegen Fleisch, Waffen gegen Leder, Kupfer gegen Steinkrüge. Der Tauschhandel förderte die Arbeitsteilung.

  • Steinwerkzeuge (Rechte: picture-alliance/ akg-images/ Erich Lessing) Werkzeuge waren in der Jungsteinzeit begehrte Tauschobjekte

Alles Kuhhandel?

Diese Entwicklung veränderte auch die Grundbedürfnisse der Menschen. Warum sich täglich mit einer Ration Hirsebrei und einem Fellkleid begnügen, wenn es auch andere Dinge gab? Wer eine Ration Fleisch haben wollte, weil er selbst nur Hirse besaß, musste aber erst einmal einen geeigneten Tauschpartner finden, der an Hirse interessiert war und eine Kuh oder anderes Vieh besaß. Nicht ganz einfach.

Es kam oft vor, dass man über mehrere „Ecken“ tauschen musste. Das war mühsam und unpraktisch. Zu jedem Handel musste der Ackerbauer zudem seine Hirsesäcke mitschleppen und der Tauschpartner sein Vieh. Eine weitere Schwierigkeit war die Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Waren. Wie viel Hirse mochte zum Beispiel eine Kuh wert sein?


Textquelle: Tauschen heute

Von der Büroklammer zum Landhaus

Vor einem Jahr bot Kyle MacDonald, ein 26-jähriger Kanadier, im Internet eine rote Büroklammer zum Tausch an. Er hatte dabei eine verrückte Idee: Durch Tausch gegen einen jeweils wertvolleren Gegenstand wollte er zu einem Haus kommen. Jetzt war es so weit. Am Mittwoch erhielt er in der kleinen kanadischen Präriegemeinde Kipling den Schlüssel zu einem zweistöckigen Landhaus. (...)

Kyle MacDonald war arbeitslos, als ihn eine rote Büroklammer auf seinem Schreibtisch auf die Tauschidee brachte. Auf seiner Website oneredpaperclip.blogspot.com bot er die Büroklammer zum Tausch an. Er erhielt von einer jungen Frau aus Vancouver einen Füllfederhalter, tauschte diesen gegen einen Türknopf, es folgten Campingkocher, Generator, Partyausrüstung und ein Motorschlitten, den gab ein Montrealer Radiosender.

Kyle (...) tauschte schließlich gegen einen Nachmittag mit Alice Cooper und eine Glaskugel mit Schneegestöber von der Band Kiss. Der Regisseur Corbin Bernsen, ein begeisterter Schneekugel-Sammler, bot ihm dafür eine Rolle in seinem Film. Diese Rolle soll nun jemand in Kipling erhalten, dem Ort, der Kyle dafür das Haus schenkte. (...)

Die Bürgermeisterin Pat Jackson verspricht sich von dem Rummel, den Kyle auslöste, mehr Aufmerksamkeit für ihre Gemeinde (...). Wieviel die Gemeinde Kipling gezahlt hat, um das Haus zu erwerben, das sie Kyle MacDonald geschenkt hat, will Pat Jackson nicht offenbaren. „Aber das, was wir ausgegeben haben, hat sich bereits jetzt durch die Publizität ausgezahlt", glaubt sie.

Quelle: Berliner Zeitung vom 14.7.2006

Neue Zahlungsmethoden

  • Monas Hand mit Hirse (Herkunft: SWR) Mona will Hirse als Tauschmittel benutzen

Um die unpraktischen Seiten des Tauschhandels zu beheben, kamen viele Völker dieser Welt auf die gleiche Idee: Man tauschte nicht mehr die Waren selbst, sondern einigte sich auf ein Tauschmittel. Dieses Mittel sollte als Währung dienen, als Zahlungsmittel und zugleich als Wertmaßstab für den Warentausch. Welche Tauschmittel zum Einsatz kommen sollten, darüber gab es allerdings unterschiedliche Vorstellungen. In China und Ägypten wurde mit Reis, Tee, Pfeffer oder Weizen bezahlt. Die Regierungen legten fest, welchen Gegenwert die Naturalien hatten – also zum Beispiel wie viel Reis ein paar Lederschuhe kostete oder wie viel Pfeffer man für einen frischen Fisch bezahlen musste. Dadurch, dass der Gegenwert der Naturalien festgelegt war, wurde der Tauschhandel deutlich einfacher.

  • Kopfschmuck aus Kauri-Schnecken (Rechte: picture-alliance/ dpa) Historisches Zahlungsmittel: Ein mit Kauri-Schnecken besetzter Kopfschmuck

Vorläufer des Geldes

Doch all die Naturalien hatten einen entscheidenden Nachteil: Sie waren verderblich. Pfeffer, Reis und Tee waren nach einiger Zeit nicht mehr genießbar – und damit wertlos. Das wäre so, als ob sich Geldscheine heute einfach von selbst auflösten. Geeignete Tauschmittel benötigten also dringend bestimmte Voraussetzungen: Sie sollten haltbar, leicht zu transportieren, fälschungssicher und knapp sein. In Gegenden mit Stränden voller Muscheln machte es wenig Sinn, diese massenhaft vorhandenen Muscheln als Währung einzusetzen. Niemand hätte dafür kostbare Güter herausgegeben.Im alten China kamen die Menschen vor etwa 3500 Jahren auf die Idee, Kauri-Schnecken als Zahlungsmittel einzusetzen. Der große Vorteil bestand darin, dass diese Schneckenhäuschen sehr lange haltbar waren und damit ihren Wert behielten. Man kann sagen, dass Kauri-Schnecken so etwas wie das erste richtige Geld waren. Die ersten Münzen wurden etwa 650 Jahre vor Christus geprägt – im Königreich Lydien, auf dem Gebiet der heutigen Türkei. Die Geldstücke wurden aus Gold und Silber hergestellt und mit einem Stempel versehen, der den Wert eindeutig machte.


Textquelle: Tauschen anstatt zu bezahlen - die Idee der Tauschringe

Andreas Knorr stellt die Tüten auf den Küchentisch. "So, hier sind die Einkäufe", sagt er. "Endlich haben die Katzen wieder genug zu fressen", sagt Helga Korder erleichtert. Die Pensionärin ist vor zwei Wochen auf dem Glatteis ausgerutscht und hat sich den Arm gebrochen. Dadurch ist sie in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt und auf Hilfe angewiesen.

Da Dienstleistungen wie Einkaufen oder Haushaltshilfen teuer sind, hat sie auf die Angebote des Tauschforums Stuttgart zurückgegriffen, einer von mehreren Tauschringen in Stuttgart. Die Grundidee eines Tauschringes ist es, je nach Fähigkeiten, Dienstleistungen anzubieten. Als Gegenleistung erhält man kein Euro-Geld, sondern so genannte Talente, eine virtuelle Währung, die auf einem eigens eingerichteten Konto gutgeschrieben wird. Auch Waren können bargeldlos getauscht werden.

Tauschringe sind mittlerweile international verbreitet, allein in Deutschland gibt es mehr als 300. Bei dem Tauschforum Stuttgart verdient man pro Stunde 20 "Talente". Dabei werden alle Dienstleistungen gleich bewertet. "Es ist egal, ob jemand studiert hat oder nicht, Zeit wird bei jedem gleich verrechnet", sagt Gabriele Sonns, Mitglied des Organisationsteams.

Helga Korder ist vor zwei Jahren eingetreten, weil sie etwas für andere machen wollte wie beispielsweise Fahrdienste mit dem Auto. "Es ist schade, wenn das Auto nur herumsteht", sagt sie. Ansonsten bietet die ehemalige Lehrerin noch an, Kuchen zu backen oder Gestecke zu basteln. (...) Wie hoch eine Dienstleistung berechnet wird, vereinbaren die Teilnehmer. Falls sie sich nicht einig werden, schreitet die Schlichtungsstelle ein, die jedoch nur selten gebraucht wird.

Quelle: Stuttgarter Nachrichten vom 22.1.2007

Geld als Tauschmittel

Ohne Geld wäre das heutige Leben undenkbar. Was wäre, wenn es kein Geld gäbe?. Was würde man dem Bäcker für die Brötchen geben können? Und an der Kinokasse? Man müsste wohl irgendetwas von Wert hergeben, zum Beispiel das Lieblingsbuch. Aber glücklicherweise haben wir heute Geld als allgemein anerkanntes Tauschmittel. Wer z.B. arbeiten geht, tauscht seine Arbeitskraft gegen Geld ein. Mit diesem Geld wiederum kann man alle die Dinge ertauschen – also kaufen, die man braucht, um seine Bedürfnisse zu befriedigen.Im Gegensatz zu heute mussten Tauschmittel früherer Zeiten einen Eigenwert besitzen. Aus diesem Grund waren Münzen die meiste Zeit der Geschichte hindurch aus wertvollen Edelmetallen gefertigt, aus Gold und Silber. Das Vertrauen in einen nur gedachten Wert des Geldes war den Menschen lange Zeit nicht zu vermitteln.

  • 100 Euro-Banknote (Herkunft: SWR) 100 Euro-Banknote

Vom Bargeld zum Buchgeld

Heute hat sich Geld in Form fast wertloser Metallstücke und Papier durchgesetzt, begleitet von einem gesetzlichen „Annahmezwang“. Noch deutlicher ist der Unterschied beim Papiergeld: Natürlich ist das Papier eines 100-Euro-Scheins nicht wirklich hundert Euro wert. Aber bei einer Bank konnte man ihn jederzeit in Gold oder Silber im Wert von hundert Euro umtauschen lassen. Papiergeld kam erstmals vor etwa 1.000 Jahren in China zur Finanzierung eines Krieges zum Einsatz. Die Chinesen konnten die hohen Kosten nicht mehr allein mit Münzen begleichen, die Mengen waren zu groß. In Deutschland wurde Papiergeld aber erst im 19. Jahrhundert allgemein als Zahlungsmittel anerkannt. Viele Menschen bezahlen heute bargeldlos, also ganz ohne Scheine und Münzen – z.B. mit der EC-Karte oder einer Kreditkarte. Aus Bargeld wird „Buchgeld“, es taucht nur noch als Zahl im Computer oder auf dem Konto auf.

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