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Unterricht: Johannes Gutenberg und der Buchdruck

  • Mit Gutenbergs Erfindung begann die Alphabetisierung des Volkes Mit Gutenbergs Erfindung begann die Alphabetisierung des Volkes; Rechte: SWR & Co.

Diese Sendung über die Erfindung des Buchdrucks kann im Geschichts-, Deutsch- oder Religionsunterricht eingesetzt werden und eignet sich darüber hinaus als in sich geschlossene Einheit für eine Vertretungsstunde.
Bücher gehören heute ganz selbstverständlich zum Leben und jeder Schüler kennt sie in vielfältigster Form – zum Beispiel als Schulbuch, Kinder- und Jugendbuch, Bilderbuch, Fach-/Sachbuch oder Nachschlagewerk. Speziell aus dem Religionsunterricht ist die Klasse mit der Bibel vertraut, die im Film eine besondere Rolle spielt.
Doch wie wichtig sind Bücher im Zeitalter des Fernsehens und Internets für Kinder und Jugendliche? Bei der Erörterung dieser Frage lässt sich auch ein Blick in die heimische Bibliothek der Schüler werfen: Haben sie überhaupt eigene Bücher zu Hause? Wenn ja, welche? Stehen ihnen Nachschlagewerke zur Verfügung und setzen sie sich mit Fachbüchern auseinander? Wird das Lesen zu Hause „gepflegt“ oder eher vernachlässigt? Besuchen die Schüler auch Bibliotheken?

Ausgehend von der heutigen Situation können die Schüler erste Vermutungen über die „Medienwelt“ im Mittelalters anstellen: Welche Rolle spielte Lesen wohl zur damaligen Zeit? Gab es schon Bücher? Wer besaß Bücher und warum? Im Anschluss an dieses erste Brainstorming folgt die Präsentation des Films, der direkt an die Situation im Mittelalter anknüpft und die Fragestellung auflöst: Die Bevölkerung konnte weder lesen noch schreiben, die Herstellung von Büchern galt als elitäre Aufgabe der Mönche. Jedes Buch war ein Unikat, dessen Herstellung sehr viel Zeit in Anspruch nahm.
Der Vergleich dieser Ausgangslage mit der eingangs besprochenen heutigen Zeit macht deutlich, wie sehr die Erfindung des Buchdrucks die Welt veränderte. Sie gilt als wichtiger Meilenstein auf dem Weg in die Neuzeit. Im Anschluss an den Film bietet es sich daher unter anderem an, im Unterrichtsgespräch die Begriffe Altertum, Mittelalter und Neuzeit zu klären und auf ihre zeitliche Abgrenzung einzugehen. Mit welchen Entwicklungen begründen Historiker jeweils den Beginn eines neuen Zeitalters? Können die Schüler diesen Ansichten zustimmen oder haben sie andere Vorschläge für eine Abgrenzung einzelner Epochen beziehungsweise einer Einteilung der Geschichte?
Für Klassen aus der Nähe von Mainz ist zur Vertiefung natürlich der Besuch des Gutenberg-Museums mit integriertem Buchbindermuseum sinnvoll.

Unterrichtsmaterial zur Sendung "Johannes Gutenberg und der Buchdruck"

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  • Lösungen zur Sendung "Johannes Gutenberg und der Buchdruck"

Sequenzierung der Sendung

Kapitel Inhalt
0:00 – 1:34

Bücher im Mittelalter – ein wertvolles Gut
Bücher sind im Mittelalter sehr wertvoll. In mühsamer Handarbeit werden sie von Mönchen gefertigt. Bis Johannes Gutenberg 1450 mit seiner Erfindung die geistige, politische und religiöse Welt revolutioniert.
1:34 – 4:31

Johannes Gutenberg
Johannes Gutenberg wird um 1400 als Johannes Gensfleisch in Mainz geboren. Hier besucht er auch die Klosterschule. Danach verliert sich seine Spur. Erst 1434 taucht er in Straßburg wieder auf. Die am weitesten verbreitete Drucktechnik dieser Zeit war die Holzschnitttechnik. Doch sie ist teuer und aufwändig. Als die ersten Universitäten gegründet werden, wird das zum Problem…
4:31 – 7:44

Gutenbergs revolutionäre Erfindung
Gutenberg hat eine geniale Idee: Er zerlegt einen Text in Buchstaben, Satzzeichen und häufig vorkommende Buchstabenkombinationen. Zusätzlich erfindet Gutenberg außerdem das Handgießinstrument, mit dem er seine Lettern aus Blei gießen konnte, und die Druckerpresse.
7:44 - 11:38

Gutenberg wagt sich an den Druck der Bibel
Mehr als zwei Jahre arbeiten Gutenberg und ein Setzer an dem Druck der lateinischen Bibel. Gutenbergs Technik verbreitet sich und bald können immer mehr Menschen lesen.
11:38 - 12:55

Der Offsetdruck
Der Siegeszug der Zeitung beginnt, als im 19. Jahrhundert die Rotationspresse erfunden wird. Angetrieben wird sie mit Dampfmaschinen. Mit dem Offsetverfahren ändert sich die Drucktechnik.
12:55 - 14:28

Gutenbergs Leben
Gutenberg selbst hat kein Glück mit seiner Erfindung. Er verliert seine Druckerei, muss während einer Belagerung sogar ins Exil. Drei Jahre danach kehrt er als Angestellter des Erzbischofs nach Mainz zurück. Am 3. Februar 1468 stirbt der Erfinder.

Bericht aus der Praxis

  • Porträt von Johannes Gutenberg. (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung) Johannes Gutenberg – Erfinder des Buchdrucks
  • Historische Abbildung: Druck einzelner Buchseiten.  (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung) Die erste Druckmaschine: eine umfunktionierte Traubenpresse
  • Kunstvoll verzierter Ausschnitt der Gutenberg-Bibel. (Quelle: SWR – Screenshot aus der Sendung) Seite der Gutenberg-Bibel

Methodisch-didaktische Hinweise

Bezug zu den Bildungsplänen

Zu den unabdingbaren Grundprinzipien eines modernen historischen Unterrichts gehört die Entwicklung des Geschichtsbewusstseins. Die Schülerinnen und Schüler sollen erkennen, dass ihr Leben hier und jetzt von Prozessen beeinflusst wurde und wird, deren Beginn in der Vergangenheit zu suchen ist. „Dabei wird der Zusammenhang zwischen den zeitlichen Dimensionen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft deutlich. Historische Bildung vermittelt damit das Wissen um die geschichtliche Begründung der menschlichen Existenz im Allgemeinen wie auch der eigenen, das heißt Geschichtsbewusstsein wird entwickelt.“ So der entsprechende Passus in den Bildungsplänen.

Die Erfindung des Buchdrucks revolutionierte die Geisteswelt der Menschheit. Wissen konnte nun rascher und günstiger verbreitet und daher einem wesentlich größeren Bevölkerungsanteil zugänglich gemacht werden. Folge: Ohne Buchdruck keine Reformation, keine Aufklärung. Die Auswirkungen dieser Erfindung bestimmen unser Leben noch heute entscheidend. Grund genug dieser Innovation eine ganze Unterrichtssequenz mithilfe des Films „Johannes Gutenberg und der Buchdruck“ zu widmen.

Unterrichtsablauf

Der folgende Geschichtsunterricht wurde in einer 7. Realschulklasse mit den beiliegenden Materialien gehalten: Am Anfang der Stunde liest die Lehrkraft folgende Quelle vor, nachdem betont wurde, dass dies das Lob eines arabischen Gelehrten aus dem 15. Jahrhundert sei:

Durch dich, o Gutenberg, Bürger von
Mainz, blühen die Wissenschaften.
Durch deine Erfindung entzündete
sich das Wissen, breitete sich überall
aus und durchdringt jetzt alles, von
der niedrigsten Hütte bis zum Goldpalast.

Danach erhalten die Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit sich frei zu äußern. Erfahrungsgemäß beginnen sie damit, zu erraten, welche Erfindung gelobt werde. Das sich anschließende gelenkte Klassengespräch sollte die Frage danach aufgreifen, verschiedene Vermutungen zulassen, die Hinweise, die in der Quelle gegeben werden (Verbreitung des Wissens, Aufblühen der Wissenschaften) betonen und letztendlich deutlich bestätigen, dass Johannes Gutenberg als Erfinder des Buchdrucks gilt. Dazu wird der entsprechende Tafelanschrieb quasi als Stundenthema angefertigt: „Johannes Gutenberg und der Buchdruck“.

Im Anschluss daran weist die Lehrkraft darauf hin, dass der nun einzuspielende Film zeige, wie Gutenberg diesbezüglich vorging, was er wirklich erfand, was er veränderte und welche Folgen seine Ideen für die Gesellschaft hatten. Dazu werden die beiden Arbeitsblätter „Von der Letter zum Buch“ (Arbeitsblatt 1) und „Gutenberg-Rätsel“ (Arbeitsblatt 2) abwechselnd verteilt. Jedes Kind erhält also eine Aufgabe, die es im Verlauf des Films zu lösen hat. Danach sollen dem Banknachbarn die gewonnenen Erkenntnisse mitgeteilt beziehungsweise zusammen mit ihm ergänzt werden – so die Aufgabenstellung.

Nun wird der Gutenberg-Film gezeigt. Die Schülerinnen und Schüler können dabei bereits mit dem Ausfüllen beginnen. Die Besprechung zu zweit erfolgt im Anschluss an die Vorführung des Films. Im Plenumsgespräch danach werden zunächst Korrekturen an den Arbeitsblättern vorgenommen. Anschließend kann die Quelle erneut vorgelesen werden, um Bezüge zum Film beziehungsweise zu den gesellschaftlichen Auswirkungen in Folge dieser Innovation zu besprechen. Die Lehrkraft sollte abschließend unbedingt einen Impuls zur Inhaltsreflexion geben, der etwa so lauten könnte: „Es gibt doch sicher Gründe, warum wir uns noch heute mit einer Erfindung beschäftigen, die bereits vor einem halben Jahrtausend gemacht wurde!“ – Erst dadurch wird die oben erwähnte Entwicklung des Geschichtsbewusstseins gefördert.

Eine Differenzierung findet in Form der Hausaufgaben statt. Die Schülerinnen und Schüler bekommen die Möglichkeit aus drei Arbeitsblättern auszuwählen:

Arbeitsblatt 3: „Gutenbergs Erfindung“ (zusammenfassender Falschtext – einfaches Niveau)
Arbeitsblatt 4: „Lieber Herr Gutenberg!“ (kreative Schreibaufgabe – mittleres Niveau)
Arbeitsblatt 5: „Johannes, der Buchdruck und die anderen“ (Erläuterungen und Stellungnahmen zu Quellentexten – gehobenes Niveau)

Beobachtungen und Einschätzungen

Der Verlauf der Geschichtsstunde war fast durchweg von einer hohen Schülermotivation geprägt. Das Quellenzitat am Beginn regte zum Nachdenken an, es forderte heraus und bot trotz seiner Kürze genügend Anhaltspunkte, um auf die richtige Lösung zu kommen. Außerdem legte es die Grundlage für die entscheidende Erkenntnis hinsichtlich der Bedeutung des Buchdrucks – bis heute. Daher wurde im Verlauf des Unterrichts nochmal darauf zurückgegriffen.
Der Film diente der Veranschaulichung und lieferte genau die richtige Menge an Informationen, derer es bedurfte, um am Thema weiterzuarbeiten. Die beiden Arbeitsblätter ließen sich zügig und nahezu fehlerlos lösen.
Das abschließende Gespräch über Filminhalt, gesellschaftliche Entwicklungen damals, zu Gegenwartsbezügen und zur Inhaltstransparenz gab der Klasse Antworten auf die Fragen, warum es Geschichtsunterricht überhaupt gibt und welche Bedeutung historische Entwicklungen für uns noch heute haben.
Und wenn Schülerinnen und Schüler verstehen, warum sie sich mit etwas beschäftigen sollen, was dabei ihr persönlicher Gewinn, ihre ureigene Erkenntnis ist, wenn Lernen also transparent wird, dann tun sie es umso lieber – und erfolgreicher.

Die Hausaufgabe gewährte den Schülerinnen und Schülern Freiheit. Auch dies ein Faktor, der sich direkt auf die Lernmotivation auswirkte. Die Arbeitsblätter der unteren und mittleren Niveau-Stufen wurden am häufigsten gewählt. An die anspruchsvollste Aufgabe wagten sich nur die beiden Klassenbesten, allerdings mit bestechenden Ergebnissen. Einige besonders fleißige Kinder nahmen gleich zwei Arbeitsblätter mit – das gab ja schließlich Pluspunkte in der Heftführung.

Selbst drucken wie im Mittelalter

Wie kamen früher die Buchstaben aufs Papier? Wie war der Ablauf vom Setzen der Buchstaben bis zur fertigen Seite? Die DVD-ROM/Lernsoftware online „Die Stadt im späten Mittelalter“ ermöglicht es Schülern, alle Arbeitsschritte selbst am Computer durchzuprobieren. Die interaktive Druckerei wird direkt über die Punkte „Menu“ – „Aktivitäten“ angesteuert. Bei der Aktivität „Schriftsetzer“ muss der Setzkasten richtig bestückt werden. Bei der Aktivität „Drucker“ wird der richtig gesetzte Schriftzug schließlich virtuell auf Papier abgezogen.

MultimedialDie Lernsoftware "Die Stadt im späten Mittelalter" [Flash]
Screen aus dem Lernspiel (Quelle: SWR) Multimedial