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Unterricht: Leonardo da Vinci und die Anatomie

Wer den Namen Leonardo da Vinci (1452-1519) hört, wird wohl als erstes an die Mona Lisa denken. Dabei war der florentinische Künstler nicht nur Maler, sondern auch Bildhauer, Architekt, Ingenieur und Wissenschaftler. Seine Neuerungen auf dem Gebiet der Malerei bestimmten die italienische Kunst noch lange nach seinem Tod, und seine wissenschaftlichen Studien, insbesondere in Anatomie, Optik und Hydraulik, nahmen bereits zahlreiche Entwicklungen der modernen Naturwissenschaften vorweg beziehungsweise legten den Grundstein für zukünftige Innovationen. In da Vinci vereinigte sich das Interesse für die Naturwissenschaften und Technik mit einem großen künstlerischen Talent, gepaart mit einer präzisen Beobachtungsgabe.

Die Sendung beschäftigt sich vorwiegend mit den zu seiner Zeit revolutionären anatomischen Arbeiten Leonardos. Der Renaissance-Künstler zersägte ab 1472 Knochen und Schädel und studierte zudem das Nerven- und Muskelsystem des Menschen. In den Jahren zwischen 1510 1515 sezierte er dafür über 30 hingerichtete Männer und Frauen. Die Anatomie und Mechanik des menschlichen Körpers hielt er detailliert in über 200 Zeichnungen fest und ließ so ein neues und wirklichkeitsnahes Bild des Menschen entstehen.
Seine anatomischen Studien dienten vorwiegend der Erforschung der Bauweise und der Funktionsweise des menschlichen Körpers, des Aufbaus einzelner Organe sowie der Entwicklung des gesamten Körpers, beginnend vom Fötus bis hin zum Erwachsenen. Das Ergebnis seiner Forschung ist eine anatomische Darstellung des menschlichen Körpers, geprägt von plastischer Eindringlichkeit und wissenschaftlicher Exaktheit. Aus den genannten Gründen passt der Film sehr gut in die Unterrichtsreihe „Der menschliche Körper/Menschenkunde“ für die Klassenstufen 5/6. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit, fächerübergreifend mit Bildender Kunst (zum Beispiel Perspektive, Maltechniken, „durchsichtige“ Darstellung) zu arbeiten, wodurch der interdisziplinäre Ansatz unterstützt wird.

  • (Quelle: SWR & Co.)

    Das Universalgenie war auch Baumeister und Erfinder

  • (Quelle: SWR & Co.)

    Leonardos berühmtestes Gemälde: die Mona Lisa

  • (Quelle: SWR & Co.)

    Anatomische Studien: der menschliche Arm

  • Studie der Hand; Rechte: SWR & Co.

Darüber hinaus enthält die Sendung auch biographische Daten sowie künstlerische und technische Erfindungen Leonardos. In diesem Zusammenhang kann den Schülern der beinahe schon altertümliche Begriff des „Universalgelehrten“ verdeutlicht werden (siehe Arbeitsblatt 1), der heutzutage kaum noch Anwendung findet, da Wissenschaftler häufig nur noch Experten in einem Spezialgebiet sind.
Schülerübung: Zum Einstieg sollen die Schüler versuchen, die Hand ihres Gegenübers so lebensecht wie möglich zu zeichnen. Dabei wird ihnen bewusst werden, dass ein genaues Abbilden der Wirklichkeit sehr schwierig ist. Anschließend werden einige Zeichnungen an der Tafel befestigt und miteinander verglichen. Den Schülern wird auffallen, dass die Hände sehr unterschiedlich wirken und keiner die Wirklichkeit naturgetreu und plastisch abgebildet hat. (Vergleich mit Leonardo-Bild aus Film: 1:43; 1:46). Daraufhin werden jetzt im Klassenverband Überlegungen angestellt, wie man die Realität lebensnaher, detaillierter abbilden kann (Proportionsstudien mit Lineal: Fingerlängen, Handrückengröße, Verhältnis zueinander vermessen). Anschließend sollen die Hände vermessen und erneut gezeichnet werden (siehe Arbeitsblatt 2). Eine Erweiterung des Gelernten zu Proportionen kann jetzt an der Vermessung des Arms durchgeführt werden, wobei erneut eine Zeichnung Leonardos vom menschlichen Arm zum Vergleich herangezogen werden kann (TC 9:55).

  • Anatomie des Herzens; Rechte: Quelle: SWR & Co.

Das Interesse Leonardo da Vincis galt nicht nur den äußeren Proportionen, viel mehr faszinierte ihn das Innere des menschlichen Körpers. Zu einem späteren Zeitpunkt in der Unterrichtseinheit (nach der Behandlung von Skelett/WS/Knochen, Gelenken und Muskeln) kann die Sendung wiederum aufgegriffen werden, um Leonardos Studien zum Herzaufbau zu betrachten. Dabei können die Erkenntnisse zu den Proportionen noch einmal herangezogen werden. Im Vordergrund stehen jedoch Leonardos neuartige Erkenntnisse vom Aufbau des Herzens (vier Kammern, eigene Blutversorgung etc.) sowie seine Andeutungen des Blutkreislaufes und der Arteriosklerose als häufige Erkrankung des Herzkreislaufsystems. Darüber hinaus entdeckte er bei seinen Studien an Tierherzen, dass das Herz ein Muskel ist und ähnlich wie eine mechanische Pumpe funktioniert. An dieser Stelle besteht die Möglichkeit, anhand von Schweineherzen die Vorgehensweise Leonardos nachzuvollziehen und selbst zu erforschen, indem die Schüler eigenständig eine Sektion eines Schweineherzens vornehmen. Da die Schüler zum ersten Mal eine Sektion vornehmen werden, enthält das Arbeitsblatt 3 dazu eine sehr genaue Anleitung (Dauer: Doppelstunde).

Unterrichtsmaterial zur Sendung "Leonardo da Vinci und die Anatomie"

Dokumentendownload

  • Arbeitsblatt 1: "Erfindungen und Entdeckungen Leonardo da Vincis"
  • Arbeitsblatt 2: "Arbeitsauftrag"
  • Arbeitsblatt 3: "Wir sezieren ein Schweineherz"
  • Arbeitsblatt 4: "Anatomie des Herzens"

Weitere Arbeitsmaterialien

Sequenzierung der Sendung

Kapitel Inhalt
0:00 – 1:49

Leonardos Skizzen: Einblicke in die Anatomie des Menschen
Bilder eines Ungeborenen und Zeichnungen der Stadien der menschlichen Entwicklung: Die einen wurden von modernen Geräten aufgenommen, die anderen Anfang des 16. Jahrhundert von Leonardo da Vinci gemalt. Das Universalgenie seziert Leichen, befasst sich mit den Proportionen eines Menschen und nutzt die Erkenntnisse für seine Malerei.
1:49 – 2:54

Der junge da Vinci: Talentierter Zeichner und Lehrling
Leonardo wird 1452 als unehelicher Sohn in der Toskana geboren. Schon in seiner Kindheit zeichnete er mit außergewöhnlicher Begabung Tiere, Porträts und Landschaften. Dann wird er für zwölf Jahre Assistent bei dem Maler und Bildhauer Berrocchio in Florenz. In Berrocchios Gemälde "Die Taufe Christi" malt Leonardo den linken der beiden Engel.
2:54 – 4:55

Leonardo als Wissenschaftler: Hunderte Zeichnungen und Notizen
Nach der Lehrzeit widmet sich Leonardo der Perspektive, einer wichtigen Neuerung in der Malerei. Nun interessiert er sich besonders für Geometrie. Leonardo wird ein Universalforscher, vor allem aber Anatom. Seine Forschung hält er in Hunderten Zeichnungen fest. Was er nicht darstellen kann, beschreibt er in zahlreichen Notizen. Sein erstes Forschungsobjekt wird der Kopf.
4:55 – 5:39

Neue Anstellung: Von Florenz nach Mailand und zurück
1483 geht da Vinci als Festungsbauingenieur an den Hof von Mailand. 16 Jahre lang entwirft er Waffen, baut Kanäle und Schleusen – bis er seine Anstellung verliert und nach Florenz zurückkehrt.
6:28 - 7:17

Das Meisterwerk: Die "Mona Lisa" und ihr Lächeln
Zurück in Florenz bekommt Leonardo den Auftrag, eine junge Florentinerin zu porträtieren. Zwei Jahre braucht er für das Gemälde, das ihn weltberühmt machen sollte: die "Mona Lisa". Ihr Lächeln wird durch eine neue Maltechnik so geheimnisvoll. Leonardo verwischt Konturen, verschleiert Farben, hält Augen- und Mundpartie im Schatten.
7:17 - 10:18

Außergewöhnliche Erlaubnis: Leonardo darf Leichen öffnen
Leonardo darf Leichen von Hingerichteten öffnen. Über 30 Sektionen führt er durch, jeden Schritt dokumentiert er in Zeichnungen. Dabei entdeckt er anatomische Details wie den Blinddarm (Wurmfortsatz) und zeichnet als erster naturgetreu die Wirbelsäule. Er perfektioniert seine Zeichentechnik: Zum Beispiel schraffiert er nun, um alles plastischer erscheinen zu lassen.
10:18 - 11:02

Leonardo wird kaum beachtet
Weil Leonardo kein Arzt ist, wird ihm der weitere Zugang zu Leichen verweigert. Also setzt er seine anatomische Forschung an Tierkadavern fort. An einem Schweineherz bemerkt er: Das Herz ist – anders als bislang geglaubt – ein Muskel. Trotz seiner Erkenntnisse werden seine Skizzen auch nach seinem Tod jahrhundertelang kaum beachtet.
11:02 - 12:30

Leonardos Nachfolger: Chirurg Vesal und Maler Tizian
Der Chirurg Andreas Vesal darf jahrelang Leichen von hunderten Hingerichteten sezieren. Mit seinem Werk "Über den Bau des menschlichen Körpers" schreibt er Medizingeschichte. Weil er selbst nicht zeichnen kann, steuern Künstler wie Tizian die anatomischen Skizzen bei. Nachdem 1595 der erste anatomische Lehrsaal eingeweiht wird, wird die Anatomie öffentlich.
12:30 - 14:24

Leonardos letzte Jahre: Das Licht des Lebens erlischt
Die letzten zweieinhalb Jahre seines Lebens verbringt Leonardo im französischen Amboise. Er untersucht das Alter, vergleicht das Leben mit dem Licht einer Kerze. Leonardo will wissen, woran an 100 Jahre alter Greis gestorben ist, und bemerkt: Blutgefäße verkrümmen und verdicken sich im Alter. Leonardo beschreibt als erster die Arteriosklerose (Arterienverkalkung) – und stirbt selbst an dessen Folgen.