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Hintergrund: Johannes Gutenberg und der Buchdruck

Gutenberg und seine Zeit

  • Ein Mönch in weißem Gewand sitzt an einem Pult und schreibt. Der Klerus hatte lange Zeit die Bildungshoheit; Rechte: AKG-images
  • Ein kunstvoll eingebundenes Buch auf rotem Hintergrund: Die Gutenberg Bibel. Ein Band der Gutenberg Bibel; Rechte: dpa

Das 15. Jahrhundert kennzeichnet den Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit. Es war eine Zeit mit großen Veränderungen in fast allen Bereichen des Lebens. In Europa gestaltete sich das politische Mächtegleichgewicht völlig neu. Außerdem ist Gutenbergs Jahrhundert gekennzeichnet von neuen technischen Innovationen, von Reformbewegungen innerhalb der Kirche, aber auch von Inquisitionsprozessen und Kriegen. Auch die Idee des Humanismus kam erstmals auf.

Vor dieser Zeit wurden Wissen und Bildung in den Klöstern konserviert und waren kaum jemandem zugänglich. Doch im Spätmittelalter wandelte sich die Situation. Städte errichteten eigene Schulen und Universitäten. Bald gab es nicht mehr genug schreibende Mönche, um die Nachfrage nach Büchern zu stillen. Es entstanden immer mehr weltliche Schreibstuben, der Klerus hatte seine Bildungshoheit verloren. In der Literatur breitete sich die Prosa aus und die Übersetzung von Texten in die Volkssprachen setzte sich mehr und mehr durch. So verlor mit dem Klerus auch die lateinische Sprache ihre Monopolstellung.

Das deutsche Reich selbst hat vor allem mit dem Problem des Zusammenhalts zu kämpfen. Die Verkehrswege und damit die Möglichkeiten, Nachrichten zu übermitteln, waren nicht entsprechend der Ausdehnung des Reichs entwickelt. Gutenberg löste mit seiner Erfindung des ersten Massenmediums der Geschichte nicht nur dieses Problem, sondern ermöglichte erst die Ausbreitung des Humanismus, der Renaissance und auch der Reformation.

Gutenbergs Leben

  • Die Zeichnung zeigt Gutenberg in seiner Werkstatt. Er kontrolliert eine Seite während seine Helfer Buchstaben setzen und die Presse bedienen. Gutenberg in seiner Werkstatt; Rechte: AKG-images
  • Die Zeichnung zeigt einen Mann mit einem weißen Bart. Er trägt eine blaue Mütze und einen roten Mantel. Wie Gutenberg wirklich aussah, weiß heute niemand; Rechte: AKG-images

Um 1400 wurde Johannes Gensfleisch im Hof zu Gutenberg in Mainz geboren. Sein Vater war ein reicher Patrizier und als Kaufmann tätig. Der junge Johannes besuchte die Klosterschule, 1428 verließ er mit seiner Familie die Stadt Mainz. Wo Gutenberg sich von da an aufgehalten hat, ist nicht klar.

1434 tauchte er in Straßburg wieder auf. Hauptberuflich betrieb Gutenberg in Straßburg eine Manufaktur, die Pilgerspiegel herstellt. Doch wahrscheinlich arbeitete er auch schon zu dieser Zeit an der Erfindung einer neuen Drucktechnik. 1448 kehrte Gutenberg nach Mainz zurück. Hier druckte er um 1450 erstmals ein Gedicht. Von 1452 bis 1454 arbeitete er an seinem Mammutprojekt: Dem Druck der Bibel. In den zwei folgenden Jahren vervielfältigt Gutenberg die sogenannten zyprischen Ablassbriefe, mit deren Erlös Papst Calixt III. seine Kreuzzüge auf Zypern finanziert.

1455 verlor Gutenberg in einem Prozess seine Druckerei und seine Bibeldrucke, weil er einem Geldgeber kein Geld mehr zurück zahlte. 1462 musste Gutenberg Mainz verlassen, weil die Stadt eingenommen wird. 1465 kehrte er als Angestellter des neuen Bischofs zurück. Am 3. Februar 1468 starb Gutenberg und wurde in der Franziskanerkirche beerdigt. Erst zwischen 1565 und 1568 erschien das erste Gutenberg-Porträt. Wie Gutenberg wirklich aussah, weiß heute niemand.

Die Druckkunst im Wandel der Zeit

  • Bleibuchstaben und -zahlen zum Drucken. Das Alphabet und Zahlen als Druckbuchstaben; Rechte: WDR
  • Ein Werksmitarbeiter steht an einer langen kastenförmigen Druckmaschine. Ein Mitarbeiter an einer Offset-Druckmaschine; Rechte: dpa/Ronald Wittek

Vor 1450 war die gängige Drucktechnik in Europa der Holztafeldruck. Bei dieser Technik musste man den Text oder das Bild, was man drucken wollte, mühsam spiegelverkehrt in einen Holzblock schneiden. Dann wurde das Ganze mit Farbe bedeckt. Anschließend wurde ein Blatt Papier auf den Holzstock gelegt und abgerieben. Bibeln und andere wichtige Bücher wurden von Mönchen Zeichen für Zeichen fast eher gemalt als geschrieben.

Gutenberg entwickelte erstmals in Europa ein Druckverfahren mit beweglichen Lettern. Der Text wurde jetzt aus einzelnen Buchstaben, Satzzeichen und oft benutzten Kombinationen zusammengesetzt. Um identische Lettern herzustellen, machte Gutenberg eine weitere wichtige Erfindung – das Handgießinstrument. Außerdem entwickelte er die Druckerpresse, die einen schnellen und gleichmäßigen Druck ermöglichte.

Ende des 18. Jahrhunderts suchte der junge Schriftsteller Alois Senefelder eine neue, günstige Möglichkeit, seine selbst verfassten Theaterstücke zu vervielfältigen: "Chemische Druckerey" taufte er seine Erfindung. Sie nutzte den Effekt aus, dass sich Wasser und Fett abstoßen. Sennefelder schrieb mit fettiger Kreide auf Steinplatten und machte diese nass. So blieb die Farbe, die er danach auftrug, nur an den fettigen Stellen hängen. Heute ist diese Technik unter dem Begriff Lithographie bekannt (griechisch: „lithos“ = Steine „graphein“ = schreiben). Die Entwicklung der Rotationspresse im 19. Jahrhundert führte schließlich zum Durchbruch für Senefelders Erfindung: Diese neue Druckmaschine brachte die Farbe mit zwei gegeneinander rotierenden Zylindern aufs Papier und schaffte bis zu 12.000 Drucke in der Stunde. Heute wird dieses Offsetdruckverfahren weltweit genutzt.

Frühe Chinesische Druckkunst

Was Gutenberg nicht wusste: Die Chinesen hatten seine revolutionäre Erfindung eigentlich schon vor ihm entdeckt. Schriftzeichen werden in China schon seit dem 5. Jahrtausend vor Christus benutzt. Um 200 vor Christus erfanden die Chinesen außerdem das Papier. Im 2. Jahrhundert nach Christus fertigte man in China erste Abklatsche von Steininschriften an. Abklatsche stellt man her, indem man ein feuchtes Blatt Papier auf die Inschrift drückt und es mit Tusche bürstet. Die Schriftzeichen heben sich dann weiß vom sonst schwarzen Papier ab. Auch den Holzdruck erfanden die Chinesen im 7. Jahrhundert. Noch bis Ende des 19. Jahrhunderts war dies die beliebteste Drucktechnik in China.

1040 kam Bi Sheng auf die Idee, jedes Schriftzeichen einzeln als Druckstempel aus Keramik zu benutzen. 300 Jahre später benutzte man Lettern aus Holz, bald kamen Lettern aus Kupfer oder Blei dazu. Durchsetzen konnte sich diese Technik in China aber nicht. Das Problem: Die chinesische Sprache besteht aus zu vielen Zeichen. Die Holzplatten nahmen zwar viel Platz weg, aber man konnte damit tatsächlich schneller und einfacher drucken. Bei den Koreanern konnte sich das Prinzip der beweglichen Lettern dagegen durchsetzen. Sie entwickelten um 1444 eine Schrift, die zunächst aus 28, später sogar nur noch aus 24 Zeichen bestand.

  • Holzschnitt: Zwei Chinesen bearbeiten Bambus zur Papierherstellung.

    In Wasserbehältern wird der Bambus eingeweicht; Rechte: akg-images

  • Holzschnitt: Ein Chinese arbeitet an einer Bütte. Im Hintergrund liegt auf einem Tisch fertiges Papier.

    Der Papierbrei wird aus der Bütte geschöpft; Rechte: akg-images

  • Holzschnitt: Drei Chinesen befestigen Papierblätter an einer Mauer.

    Die Blätter werden an einer geheizten Hohlmauer getrocknet; Rechte: akg-images

Die Geschichte des Papiers

  • Eine Steintafel mit Keilschrift. Vor dem Papier diente anderes Material als Schreibunterlage; Rechte: akg-images
  • Hieroglyphen und Zeichnungen auf einem Stück Papyrus. Papyrus setzte sich schnell als neues Schreibmittel durch; Rechte: akg-images/Werner Forman

Der Erfolg von Gutenbergs Erfindung ist eng verknüpft mit einer anderen Erfolgsgeschichte: Der Geschichte des Papiers. Bevor es das Papier gab, dienten andere Materialien als Schreibgrundlage: Die ältesten Aufzeichnungen, die man je gefunden hat, sind Höhlenmalereien. Sie sind teilweise weit über 30.000 Jahre alt. Um 3200 vor Christus begannen die Sumerer auf Tafeln aus Lehm oder Ton zu schreiben. Ihre Keilschrift bestand aus 600 Zeichen.

Dann setzte sich ein neues Schreibmittel durch: Papyrus. Bald war es im Altertum so wichtig, wie später das Papier. Von Ägypten über Griechenland breitete es sich auch im römischen Reich aus. Die Römer benutzten neben Papyrus außerdem Wachstafeln für ihre Inschriften. In Indien verwendete man zu dieser Zeit Palmblätter, in China Tafeln aus Knochen oder Elfenbein, später auch aus Gold, Eisen, Stein oder Ton.

Die entscheidende Erfindung machte wieder ein Chinese. Um 105 nach Christus beschrieb Tsai-Lun erstmals das heute bekannte Verfahren zur Papierherstellung. Damals bestand der Grundstoff aber noch hauptsächlich aus Seidenabfällen. Der Brei, der am Ende daraus entstand, wurde getrocknet und gepresst, so dass schließlich ein Blatt Papier heraus kam.
Nach Europa gelangte das Papier erst im 12. Jahrhundert über den Kulturaustausch mit der Arabischen Welt. Das Papier wurde jetzt aber aus Hanf oder Flachs hergestellt. Da es billiger war als Pergament, setzte es sich zusammen mit Gutenbergs Buchdruck nach und nach durch und verdrängte das Pergament.

Der Siegeszug der Zeitung

  • Zwei Zeitungsseiten aus der „Einkommende Zeitungen“. Die älteste noch erhaltengebliebene Tageszeitung der Welt: Die "Einkommende Zeitungen" aus dem Jahre 1650; Rechte: dpa/Picture Alliance
  • Eine Reihe von deutschen Zeitungen vor schwarzem Hintergrund. Dank besserer Drucktechniken wurde die Zeitung zum Massenmedium; Rechte: dpa/Picture Alliance

Das Wort „Zeitung“ bedeutet eigentlich Nachricht oder Meldung. Daher gab es "Zeitungen" schon lange vor Gutenberg. Das waren allerdings noch einfach Einblattdrucke, die den Menschen als Flugschrift wichtige Neuigkeiten brachten. Nach Gutenbergs Erfindung setzten sich Zeitungen durch, die den Menschen mit reißerischen Überschriften Nachrichten von politischen Ereignissen, Kriegen oder Naturkatastrophen brachten. Weil diese aber noch nicht in regelmäßigen Abständen erschienen, waren es im heutigen Sinne keine richtigen Zeitungen.

Die erste "richtige" Zeitung erschien 1605 wöchentlich in Straßburg. Der Herausgeber Johann Carolus nannte sie "Relation aller Fuernemmen und gedenckwuerdigen Historien". "Relation" war wie das Wort "Zeitung" damals ein Begriff für "Nachricht. In der Relation veröffentlichte Carolus die Nachrichten zuerst noch genau so, wie sie mit der Post gekommen waren, ohne sie zu bearbeiten.

Während des 30-jährigen Krieges von 1618 bis 1648 wuchs der Nachrichtenhunger der Bevölkerung: Überall wurden Zeitungen gegründet. 1650 erschien die erste Tageszeitung der Welt in Leipzig: Die "Einkommenden Zeitungen". Sechs oder sieben Ausgaben pro Woche gab Thimotheus Ritzsch heraus. Zeitunglesen war aber nach wie vor ein Privileg der reichen Bevölkerung. Denn immer noch konnten viele Menschen nicht lesen. Außerdem waren Zeitungen für den Normalbürger viel zu teuer. Zum Massenmedium wurde die Zeitung erst nach dem Erlass des freiheitlichen Pressegesetzes 1874. Jetzt konnten auch mehr Menschen lesen und der Druck war dank der neuen Techniken günstiger und schneller geworden.