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Hintergrund: Frankreich und seine Regionen

Man trifft sich im Café: Paris

  • Menschen sitzen in einem Straßencafé in Paris. Das Pariser Leben spielt sich auf der Straße ab; Rechte: mauritius, Steve Vidler

Paris ist das unumstrittene Zentrum Frankreichs und eine der großen Metropolen der Welt. Hier spielt sich das politische, wirtschaftliche und kulturelle Leben Frankreichs ab. Rund 10 Millionen der insgesamt 60 Millionen Franzosen leben und arbeiten im Großraum Paris. Die besondere Bedeutung der Hauptstadt liegt an der zentralistischen Organisation des Staates. Der Zentralismus hat Tradition in Frankreich. Er ist das Ergebnis einer tausendjährigen Territorialverwaltung.

Frankreichs Hauptstadt hat nicht nur großartige Bauwerke wie den Eiffelturm oder die Kathedrale Notre Dame, Museen wie den Louvre oder prunkvolle Straßen wie die Champs-Elysées zu bieten, sondern auch ein besonderes Lebensgefühl. Dazu tragen beispielsweise die unzähligen Cafés bei, in denen die Pariser sich auf ein Croissant und einen Café au lait treffen. Zu den berühmtesten Cafés der Stadt gehört das Café de Flore am Boulevard Saint-Germain, in dem sich die Intellektuellen Frankreichs getroffen haben. So war das Café de Flore beispielsweise das Stammlokal des existentialistischen Philosophen Jean-Paul Sartre und seiner Gefährtin Simone de Beauvoir. Doch obwohl in Frankreich fast alle Wege nach Paris führen, gibt es zahlreiche spannende Regionen. Ihnen kommt seit den Dezentralisierungsgesetzen Anfang der 1980er Jahre eine immer größere Bedeutung zu.

Fachwerkidylle mit europäischer Bedeutung: das Elsass

  • Blick auf das Europa-Parlament in Straßburg, im Vordergrund wehen Fahnen. Das Europa-Parlament in Straßburg; Rechte: dpa, Rolf Haid
  • Fachwerkhäuser säumen einen Kanal in Straßburg. Idylle pur - Straßburgs Fachwerkhäuser; Rechte: Imago

In Straßburg im Elsass wird Europapolitik gemacht. Hier haben zahlreiche europäische Institutionen ihren Sitz: der Europarat, der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte, das Europa-Parlament und der Europäische Ombudsmann. Das Europa-Parlament, ein schicker moderner Bau aus Glas, liegt direkt an der Ill - dem Fluss, der sich durch das idyllische Straßburg mit seinen Fachwerkhäusern schlängelt. Zwölf Mal im Jahr kommen die Abgeordneten aus 27 Nationen in den Osten Frankreichs, um über wichtige europäische Fragen abzustimmen.

Das ganze Jahr über geöffnet haben die gemütlichen Gaststätten im Elsass. Dort bekommt man typische Spezialitäten: Sauerkraut zum Beispiel, Flammkuchen mit Speck und Zwiebeln oder Schnecken. Heute sind die Tierchen eine Spezialität. Früher jedoch wurden sie gegessen, weil sie nichts kosteten. Einfach eingesammelt werden dürfen die Weinbergschnecken heute nicht mehr, stattdessen werden die "escargots" gezüchtet. Zubereitet mit Sauerkraut oder Kräuterbutter sind sie eine Delikatesse. Ein anderes Tier, der Storch, ist so etwas wie das Wappentier des Elsass. Mittlerweile sieht man wieder viele von ihnen in ihren Nestern und auf den Feldern. In den 1980er Jahren jedoch waren sie vom Aussterben bedroht.

Heller Senf, roter Wein und würziges Brot: die Bourgogne

  • Zu Stapeln aufgetürmte Senfgläser. Dijon-Senf gibt es in vielen Variationen; Rechte: dpa
  • Blick von einem Weinberg in Burgund. Burgund ist für seinen Wein berühmt; Rechte: dpa

Die Hauptstadt der Region Bourgogne - oder Burgund, wie sie auf Deutsch heißt - hat einem Senf den Namen gegeben: dem Dijon-Senf. Schon im 13. Jahrhundert erhielt die Stadt Dijon im Osten Frankreichs das Monopol auf die Senfherstellung. Der helle Dijon-Senf gilt noch heute als besonders hochwertiger Senf. Die Region im Osten Frankreichs ist nicht nur für ihren Senf bekannt: Von hier kommt auch besonders guter Wein. Sowohl Weiß- als auch Rosé- und Rotweine werden aus den Trauben gemacht, die an den zahlreichen Weinbergen der Region wachsen. Der Burgunderwein wird von Weinliebhabern auf der ganzen Welt getrunken.

Eine weitere Burgunder Spezialität ist das so genannte "pain d'épices", ein Gewürzbrot. Es wird aus Weizenmehl und Zucker gebacken und mit Konfitüre gefüllt. Verziert wird es mit einer Zuckerglasur und kandierten Früchten. Eine andere Süßigkeit brachte einen kleinen Ort in der Bourgogne, Flavigny-sur-Ozérain, vor einigen Jahren auf Kinoleinwände in aller Welt: Schokolade. Im Film „Chocolat“ traf hier Johnny Depp auf die von Juliette Binoche gespielte Vianne, die ein kleines Pralinengeschäft führt. Mittlerweile pilgern Touristen von überall in den 400-Seelen-Ort in der Bourgogne.

Umgeben von Bergen: die Region Midi-Pyrénées

  • Blick in eine große Halle mit Flugzeugen und Menschen. Airbus prägt das Wirtschaftsleben von Toulouse; Rechte: mauritius, Frank Lukasseck

Die Stadt Toulouse im Süden Frankreichs hat ihren Beinamen den Ziegelsteingebäuden zu verdanken, die im Sonnenlicht schimmern: Sie wird nämlich auch "die rosafarbene Stadt" genannt. Toulouse ist die Hauptstadt der Region Midi-Pyrénées, die im Süden und Norden von Bergen begrenzt wird. Die Pyrenäen bilden die Grenze nach Spanien. Im 15. Jahrhundert war es nicht Rosa, sondern eine andere Farbe, der Toulouse seine Wirtschaftskraft zu verdanken hatte: das Pastellblau. Das Klima und die Erde in dieser Region waren besonders günstig für die Pastellpflanze, mit deren Hilfe Stoffe blau gefärbt werden konnten. Und so wurde Toulouse zur Plattform des Pastellhandels.

Diese Zeiten sind lange vorbei, mittlerweile lebt Toulouse unter anderem vom Flugzeughersteller Airbus, dessen Firmensitz hier liegt. Rund 11.500 Menschen sind bei Airbus in Toulouse beschäftigt. Hier ist 1972 auch der erste Airbus gestartet. Berühmt ist Toulouse auch für seine Wurst, die "saucisse de Toulouse". Sie ist ein wichtiger Bestandteil des "cassoulet", eines Bohneneintopfs mit Fleisch, der überbacken serviert wird.

Das Land der Äpfel: die Normandie

  • Äpfel liegen unter einem Apfelbaum. Apfelparadies Normandie; Rechte: mauritius, Frank Lukasseck

Le Havre war der erste Ozeanhafen Frankreichs. Heute bedienen mehr als 250 ständige Schiffslinien von hier aus 500 Häfen in der ganzen Welt. Le Havre ist ein logistischer Dreh- und Angelpunkt: Hier werden die Waren von großen internationalen Unternehmen verladen. Le Havre liegt in der Region Normandie im Norden Frankreichs, wo 10 Millionen Apfelbäume stehen. Es sind keine Äpfel zum Essen, die hier angebaut werden, sondern Mostäpfel. Aus ihnen wird der Apfelwein "Cidre" gemacht - das Getränk der Region. Auf den Cidre-Höfen in der Umgebung bieten die Bauern den Apfelwein zum Kauf an. Er wird gut gekühlt getrunken.

Es gibt auch eine Variante aus Birnen: den Poiré. Länger reifen als der Cidre muss der Apfelweinbrand Calvados. Einige Jahre dauert es, bis er sein volles Aroma entfaltet hat. Je kleiner die Äpfel, aus denen er gemacht wird, desto besser schmeckt der Calvados. Eine andere Spezialität aus der Normandie ist der Camembert - ein wagenradförmiger Weichkäse aus Kuhmilch mit Außenschimmel. Die Bäuerin Marie Harel soll ihn im Jahr 1791 im Ort Camembert mit Hilfe eines aus Brie stammenden Priesters erstmals hergestellt haben.