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Unterricht: Bericht aus der Praxis - Bach-Check / Boden-Check

Vom Computer zur Natur: Bach-Check und Boden-Check

Fortbildungen von Planet Schule und der Waldökostation Koblenz

  • Lehrergruppe mit Oliver Euskirchen an Arbeitstisch im Wald. (Quelle: Oliver Euskirchen) Lernen für Lehrer: Oliver Euskirchen zeigt, wie die Proben untersucht werden (Quelle: Oliver Euskirchen)

Seit 2011 bieten die Waldökostation Koblenz und die Redaktion Planet Schule Lehrkräften eine gemeinsame Fortbildung an, bei der Tiere und Pflanzen mit den DVD-ROMs „Lebensräume entdecken“ am Computer und anschließend in freier Natur erlebt werden können.

Die – vielleicht ungewöhnliche – Zusammenarbeit hatte sich bei der Bundesgartenschau 2011 in Koblenz ergeben, bei der beide Institutionen mit ähnlichen Lerninhalten vertreten waren. Lediglich die Lernmittel unterschieden sich erheblich. Die Kombination von virtueller Naturerkundung am Computer und „echter“ Naturerkundung im Freien stieß bei den Teilnehmern auf so positive Resonanz, dass das Konzept weitergeführt wird.

Als Veranstaltungsort hat sich die Waldökostation – eine Außenstelle des Umweltamtes der Stadtverwaltung Koblenz – bewährt. Diese außerschulische Natur- und Umweltbildungseinrichtung liegt mitten im Koblenzer Stadtwald, dem Remstecken. Einen Tag lang werden hier Lehrkräften und Erziehern verschiedene Ideen vorgestellt, wie Kinder für die Natur begeistert werden können, wie sich sowohl digital als auch real die Natur erkunden lässt und welche Vorteile beide Methoden für nachhaltiges Lernen und die Herausbildung positiver Einstellungen haben.

Für die virtuelle Erkundung kommen die DVD-ROMs der Reihe „Lebensräume entdecken“ von Planet Schule zum Einsatz. Mit Filmen und interaktiven Simulationen werden Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum beobachtet und ihre Entwicklung von der Geburt bis zum Tod kennen gelernt. Die Metamorphose des Schmetterlings von der Raupe bis zum farbenfrohen Falter kann im Film, nicht jedoch beim Lerngang im Wald, beobachtet werden.

Auf Seiten der Teilnehmer genügen einfache Computerkenntnisse, wobei Vorerfahrungen hilfreich, aber nicht Voraussetzung für eine gewinnbringende Veranstaltung sind. Planet-Schule-Referent Hanspeter Hauke zeigt das Spektrum der interaktiven DVD-ROMs und lässt die Workshop-Teilnehmer aktiv mit den Materialien arbeiten – zum Beispiel eigene Filme für den Unterricht schneiden.

Für die praktische Bach- oder Bodenerkundung führt Diplom-Biologe Oliver Euskirchen die Teilnehmer in der zweiten Hälfte des Seminars in die Natur. Sie erproben all das, was sie später mit ihren Schülern und Kindern in die Praxis umsetzen wollen: Tiere und Pflanzen bestimmen; mit Hilfe von Bioindikatoren feststellen, welche Gewässergüte ein Bach hat; sachgemäßen Umgang mit der Natur erlernen. Außerdem gibt es wertvolle Tipps, wie eine solche Exkursion mit einer Klasse oder Kindergartengruppe am besten vorbereitet wird.

  • Oliver Euskirchen hält einen Froschlurch in den Händen. (Quelle: Oliver Euskirchen) Diplom-Biologe Oliver Euskirchen leitet die Waldökostation Remstecken (Quelle: Oliver Euskirchen)
  • Zwei Männer in Hocke auf dem Waldboden. (Quelle: Oliver Euskirchen) Lehrer erkunden den Waldboden (Quelle: Oliver Euskirchen)

Interview: Natur spannend machen

Oliver Euskirchen ist Leiter der Waldökostation im rheinland-pfälzischen Koblenz. Im Interview mit Planet Schule spricht er über seine Ziele und Erfahrungen mit den Fortbildungsangeboten Bach- und Bodencheck. Wie kamen Sie auf die Idee, mit Lehrern in den Wald und an den Bach zu gehen? Normalerweise macht man das doch eher mit Schülern?

Als außerschulischer Lernort hat die Waldökostation als Hauptpublikum tatsächlich Schulklassen. 2004 bin ich erstmals mit der Universität Koblenz zusammengekommen, weil eine Dozentin begleitend mit einer Grundschule dabei war. Sie fand es gut, angehende Lehrer weiterzubilden, damit sie auch das Handwerkszeug bekommen, um Kindern oder Schülern die Natur praxisnah zu vermitteln.

Ich selbst habe auch festgestellt, dass es Bedarf gibt. An der Universität wird doch eher theoretisch ausgebildet; hier ist das Ganze praxisnah, denn Biologie und Sachkundeunterricht praktisch zu vermitteln, ist eine wichtige Grundvoraussetzung für die Umweltbildung. So entstand die Idee, Lehrerfortbildungen daraus zu machen, um zu zeigen: Wie kann man Kindern die Natur vermitteln oder den Biologieunterricht nach draußen verlegen und das Ganze praxisnah gestalten?

Wie aufwändig ist die Vorbereitung für einen Lehrer, der mit der Klasse einen Boden- oder Bach-Check machen möchte?
Im Grunde genommen ist der Aufwand sehr gering, wenn man es einmal organisiert hat. Man muss die Basismaterialien besorgen, also den Untersuchungskoffer mit den Untersuchungs- oder Outdoor-Geräten. Wenn man sich diese Grundausrüstung zugelegt hat, kann man ohne großen Aufwand und sehr kostengünstig eine solche außerschulische Aktivität planen. Wer an solch einer Fortbildung teilgenommen hat, hat einmal das Basiswissen, wie man etwas methodisch-didaktisch vermitteln kann. Daraus entwickeln sich bei den Lehrern manchmal noch eigene Ideen – weil sie ihre Klasse ja besser kennen – wie man das Ganze konzeptionell erweitern kann. Dann hat man eigentlich ein Werkzeug, das man schnell zum Einsatz bringen kann.

Haben Sie Rückmeldungen von Teilnehmern, die selbst mit der Klasse eine solche Exkursion unternommen haben?
Manche kommen nochmal und wollen das Programm gerne an unserem Lernort ausprobieren, am liebsten in meiner Begleitung. Aber die Leute, die schonmal da waren, können die Veranstaltung ohne Weiteres in Eigenregie durchführen. Das wird häufig in Anspruch genommen, weil viele Schulen in der Stadt oder waldfern liegen und die Waldökostation mitten im Wald gelegen ist. Die Lehrer wissen, wie es geht und können sich die Materialien auch ausleihen.

Sie haben bereits einige solcher Fortbildungen gemacht. Was war für Teilnehmer neu oder überraschend?
Was ich immer wieder feststellen muss, ist, dass Grundlagenwissen nicht nur bei den Schülern, sondern auch bei den Erwachsenen teilweise sehr lückenhaft ist. Damit meine ich ganz einfache Kenntnisse über Botanik oder zoologische Kenntnisse: Was ist eine Eiche, was ist eine Buche, was gibt es für Unterschiede? Dann aber auch Grundlagen: Wie kann ich etwas kind- oder schülergerecht vermitteln, wie kann ich Natur spannend machen?

Ich habe den Eindruck, dass gerade die Lehramtsanwärter oder auch die Lehrer dankbar sind, wenn sie sehen, dass es nicht so ein großer Aufwand ist. Ich kann mit einfachen Mitteln und mit einem einfachen Konzept Natur doch sehr spannend erlebbar machen. Das ist manchmal die Überraschung: „Das ist ja gar nicht so schwer, das traue ich mir auch zu.“ Ich habe wirklich festgestellt, dass es manchmal Berührungsängste gibt. Lehrer haben Angst sich eine Blöße zu geben, wenn sie von den Schülern mit Fragen bombardiert werden und keine Auskunft geben können. Dabei finde ich es nicht schlimm, wenn man mal etwas nicht weiß. Das kann man sich ja gemeinsam mit den Kindern erarbeiten. Das ist auch ein Hauptanliegen unserer Fortbildungen: dass man diese Ängste nimmt und Mut macht.

Sie gehen mit den Lehrern nicht nur in den Wald, sondern bei der Zusammenarbeit mit Planet Schule auch an den Computer. Wie funktioniert die Kombination von DVD-ROM am Computer und Gummistiefeln in freier Natur?

Das Angebot gibt es noch nicht sehr lange, aber es ist auf sehr positive Resonanz gestoßen, weil man hier auf ideale Weise zwei Dinge miteinander verknüpfen kann. Einmal das Naturerlebnis im Wald – wobei man hier sagen muss: Es gibt klare Grenzen. Man bekommt nur eine Momentaufnahme der Natur, von einem Tier, einer Pflanze.

Der Vorteil am Computer wiederum ist, dass man zunächst einmal Wetter- und Jahreszeiten-unabhängig ist. Man kann durch Filmbeiträge, aber auch durch interaktive Programme, einen Organismus, ein Tier oder ein ökologisches System darstellen und bekommt ein Gesamtbild. Um ein Beispiel zu nennen: die Froschentwicklung von der Kaulquappe im Lebensraum Teich bis hin zum ausgewachsenen Frosch. Hier kann man Outdoor und Indoor sehr schön miteinander verzahnen.

  • Hanspeter Hauke vor Flipchart und Leinwand. (Quelle: Oliver Euskirchen) Planet-Schule-Referent Hanspeter Hauke (Quelle: Oliver Euskirchen)

Die Vereinten Nationen haben das Jahrzehnt der Bildung für nachhaltige Entwicklung ausgerufen. Inwiefern tragen die Veranstaltungen der Waldökostation dazu bei?

Die Schüler sollen in den Outdoor-Programmen dazu befähigt werden, ihre Umwelt selbst zu beurteilen und mitzugestalten. Das Umweltbewusstsein soll so gefördert werden, um damit nachfolgenden Generationen die Umwelt zu erhalten. Die Bildung für nachhaltige Entwicklung ist eines unserer Hauptanliegen. Man versucht Menschen mit solchen Aktionen nachhaltig zu prägen.

Früher war es üblich, dass Kinder draußen spielen – auf der Wiese, im Schlamm. Wie ist das heute? Sind die Kinder, die zu Ihnen kommen, das überhaupt noch gewöhnt?

Das ist das große Problem. Es gibt eine schon erkennbare Naturentfremdung – bei Kindern, aber auch bei Erwachsenen. Dadurch, dass wir in einer sehr technisierten Welt leben, stehen besonders bei Kindern Medien – Spielen am Computer, Fernsehen, all das – eher im Blickfeld als der Ausflug am Wochenende in den Wald.

Es gibt auch Studien, mit denen man erschreckende Erkenntnisse gewonnen hat, wie schlecht Kinder oder Jugendliche sich mit der Natur oder dem Wald auskennen. Beispiel „lila Kühe“ – das war mal so ein Phänomen. Kinder haben lila Kühe gemalt. Da hat man gemerkt, wie stark der Einfluss der Medien ist und wie sie Kinder prägen. Wie das Ganze in der Natur aussieht, das wissen Kinder oft gar nicht.

Dabei sind es nicht nur die Kinder, es sind auch manche Erwachsene, die nicht mehr wissen, wie eine Amsel aussieht. Daher versucht man jetzt unter „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ Programme zu entwickeln, die nicht nur die Ökologie betreffen, sondern auch die Ökonomie, Ernährung, Globalisierung, Soziales oder die Kultur. Hier versucht man gerade im Bereich der Natur und Umweltbildung Maßnahmen zu ergreifen, die dieser Naturentfremdung entgegenwirken. Das fängt schon im Kindergarten an, wo man die Weichen stellt und versucht, den Kindern etwas mit auf den Weg zu geben: Wald und Natur sind etwas ganz Spannendes, das wir schützen müssen.

Herr Euskirchen, vielen Dank für das Gespräch!

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Durchführung einer Gewässeruntersuchung – Tipps aus der Praxis

  • Gruppe Erwachsene mit Bollerwagen im Wald.  (Quelle: Oliver Euskirchen) Mit dem Material im Bollerwagen geht es zum Bach-Check (Quelle: Oliver Euskirchen)
  • Oliver Euskirchen steht an einem Tapeziertisch. (Quelle: Oliver Euskirchen) Oliver Euskirchen führt Lehrer und Erzieher beim praktischen Teil der Fortbildung in die Natur (Quelle: Oliver Euskirchen)

Materialien

Bollerwagen (zum Transport der Materialien):
- 2 Binokulare (10-/20-fache Vergrößerung; zum Bestimmen und Beobachten der Tiere)
- 1 Tapeziertisch, weiß beschichtet (= wasserabweisend und zum Zeichnen / Protokollieren mit wasserlöslichen Stiften geeignet)
- 2 Expander zur Befestigung des Tapeziertisches
- 1 Handtuch
- 1 Untersuchungskiste (Inhalt siehe unten)

Inhalt der Untersuchungskiste:
- 3 Becherlupen, zur ggf. genaueren Betrachtung einzelner Tiere
- 20 Marmeladengläser
- 1 kleines Aquarium
- Petrischalen zum Mikroskopieren
- 30 Borstenpinsel
- 1 DIN A3-Bestimmungskarte (Gewässergüteklasse)
- 10 DIN A4-Bestimmungskarten (Gewässergüteklasse)
- 10 weiße Einwegsuppenschalen (um die Tiere nach Arten aufzuteilen)
- 20 Wäscheklammern (zum Befestigen der Bestimmungskarten)
- 1 Wäscheleine (zum Befestigen der Bestimmungskarten)
- 2 große Küchensiebe (als Kescher)
- 20 kleine Teesiebe (als Kescher)
- 1 Thermometer (zum Messen Luft-/Wassertemperatur)
- 2-5 wasserlösliche Stifte
- 46 Tierbestimmungskarten/ Becherlupenkartei (z.B. Verlag an der Ruhr, gut geeignet)
- 2 Bestimmungsbücher mit Farbfotos
- 1 Bogen: Gewässergüte-Bestimmung (Materialblatt)

Grundsätzlich ist es sehr empfehlenswert alle Arbeitsmaterialien aus Papier (Arbeitsblätter, Bestimmungskarten etc.) zu laminieren, um sie vor Wasser zu schützen.

  • Lehrer hinter einem Tapeziertisch, auf dem die Materialien für die Gewässeruntersuchung liegen. (Quelle: Oliver Euskirchen) Es kann losgehen: Der Tisch mit den Arbeitsmaterialien für den Boden-Check (Quelle: Oliver Euskirchen)
  • Frau hält Plastikbehälter mit Bodenproben. (Quelle: Oliver Euskirchen) Der praktische Teil der Lehrer-Fortbildung: Tiere und Pflanzen finden und bestimmen (Quelle: Oliver Euskirchen)

Der Weg zur Untersuchungslokalität

Den Transport der Materialien im Bollerwagen kann man bereits die Kinder abwechselnd erledigen lassen. So beginnt man schon soziale Kompetenz und Kommunikation zu schulen. Zur Motivation reicht meist: „Wer den Wagen zieht, darf seine Tasche auf ihn legen“. Bei Steigungen und Gefällen ist jedoch je nach Altersklasse darauf zu achten, dass diese Aufgabe sehr anstrengend oder auch gefährlich sein kann und eventuell Unterstützung erfordert.

Ankunft am Gewässer

Nun wird mit dem Aufbau des Materials begonnen. Zuerst der Tapeziertisch. Anschließend werden die Suppenschüsseln und Schaukasten auf dem Tisch verteilt. An den Enden des Tisches stellt man die Binokulare auf. Das Seil oder die Wäscheleine wird an zwei Bäumen gespannt. Zur Einführung sollte ein theoretischer Teil angesprochen werden. Beispielsweise kann der Wasserkreislauf angesprochen und durch Fragen an Vorwissen angeknüpft werden.

Beginn mit der praktischen Arbeit

Die Schüsseln, das kleine Aquarium und zwei Petrischalen werden noch vor der Untersuchung mit sauberem, klarem Wasser gefüllt. Das ist besonders wichtig, weil sich die Tiere nur dann in den weißen Schalen besonders gut beobachten lassen. In das Aquarium wird zusätzlich ein flacher Stein gelegt, welcher über die Wasseroberfläche ragt. Sollten ausgewachsene Amphibien gefunden werden, haben diese einen Sitz zum Atmen. Die Petrischalen kommen unter die Binokulare.

Die Kinder werden nun in Zweier- oder Dreiergruppen aufgeteilt. Jedes Team bekommt ein Marmeladenglas (bei Kindern im Vorschulalter empfiehlt es sich, diese vorher mit durchsichtigem Klebeband abzukleben, um Glasbruch und Verletzungen zu vermeiden), einen Pinsel und ein Sieb. Nun erklärt man den Kindern die Methoden der Gewässeruntersuchung. Zuerst werden auch die Marmeladengläser mit Wasser gefüllt, noch bevor Tiere gesucht werden – auch wieder, damit das Wasser klar ist. Die Siebe dienen zum Fangen der Tiere.

Es gibt beispielsweise die Möglichkeiten, die Siebe in die Strömung zu halten, dabei nahe liegende Steine oder Totholz zu bewegen, die Schlammschicht durchzusieben, ähnlich wie beim Goldwaschen, oder auch größere Steine beziehungsweise Totholz umzudrehen und darauf befindliche Tiere mit dem Borstenpinsel ins Sieb oder direkt ins Glas zu befördern. Die Steine müssen jedoch wieder in die ursprüngliche Position gebracht werden, da die Natur möglichst unberührt bleiben soll. Generell dient der Pinsel dazu, die Tiere ohne Verletzungen zu fangen und in die Gläser überzuführen.

Sind ein paar Tiere gefangen, so begeben sich die Kinder zurück zum Tisch. Der Inhalt des Glases wird möglichst rasch durch das Sieb geschüttet, damit keine Tiere im Glas zurückbleiben. Nun werden die einzelnen Arten separat mit dem Pinsel in die Schüsseln befördert. Durch die Trennung ermöglicht man eine einfachere Bestimmung und vermeidet, dass Räuber andere in den Schüsseln befindliche Tiere auffressen. Diesen Vorgang lässt man die Kinder ein paar Mal wiederholen. Einerseits um ein möglichst breites Artenspektrum sammeln zu lassen; andererseits um den Kindern ausreichend Zeit für das Naturerleben, Forschen und Lernen am lebenden Objekt zu ermöglichen.

In der Zeit, in der die Kinder mit dem Sammeln von Tieren beschäftigt sind, werden die Bestimmungskarten mit Hilfe der Wäscheklammern an der Wäscheleine aufgehängt. Man sollte darauf achten, dass möglichst alle im Gewässer vorkommenden Arten präsentiert werden. Daher ist es erforderlich, kurz vor der Exkursion das Zielgewässer selbst zu untersuchen beziehungsweise sich über die Artenvielfalt und Funktionen zu informieren. Jedoch empfiehlt es sich, nicht vorkommende Arten, welche Verwechslungsähnlichkeit haben, ebenfalls aufzuhängen. Beispielsweise wird der Dreieckskopfstrudelwurm von Laien gerne mit Egeln verwechselt, da der Egel bekannter ist. Tiere wie der eben genannte Dreieckskopfstrudelwurm oder Köcherfliegenlarven sind auch gut geeignet, um sie unter dem Binokular zu betrachten.

  • Mehrere Menschen an einem Tisch mit Laub- und Bodenproben. (Quelle: Oliver Euskirchen) Gesucht, gefunden: Danach werden die Tiere gemeinschaftlich bestimmt (Quelle: Oliver Euskirchen)

Bestimmung der Tiere und der Gewässergüteklasse

Nach ein paar Durchgängen ruft man die Kinder nun zum Tisch. Man fordert sie auf, die gesammelten Tiere anhand der aufgehängten Bestimmungskarten zu bestimmen. Nach jedem bestimmten Tier sollte man Auffälligkeiten, Besonderheiten und ökologische Funktion zur Sprache bringen. Nach jeder Bestimmung wird die entsprechende Karte an die passende Schüssel gelegt, sodass ein Überblick der vorhandenen Arten entsteht. Dies dient später der Bestimmung der Gewässergüteklasse. Anschließend sollte auf Fragen und Wortmeldungen eingegangen werden.

Sind die Tiere bestimmt, so kann man mit Hilfe der Gewässergütekarte die Gewässergüteklasse bestimmen. (siehe Materialblatt) Auf der Karte sind die Beispieltiere der jeweiligen Gewässergüteklasse aufgelistet. Die einzelnen Organismen sind Indikatororganismen oder auch Zeigertiere. Anhand der Lebensansprüche kann man ihrem Lebensraum eine „Note“ von 1 – „unbelastet“ bis 4 – „organisch belastet“ geben. Die Kinder verstehen nun, ob das Gewässer „gesund“ oder „krank“ ist.

Abbau

Da man den Kindern einen ökologisch sinnvollen Umgang mit der Natur beibringen will, erläutert man ihnen die Wichtigkeit, die Natur möglichst unverändert zu hinterlassen. Also fordert man sie auf, die gefundenen Tiere an den Stellen, an denen sie gefunden wurden, vorsichtig auszusetzen. Verschmutzte Materialien werden sauber gespült und anschließend in die Kiste beziehungsweise in den Bollerwagen gepackt. Der Tisch wird mit dem Handtuch sauber gemacht und ebenfalls zusammengepackt und auf der Kiste mit den Expandern befestigt. Wenn nichts vergessen und kein Müll hinterlassen wurde, kann der Rückweg beginnen. Wichtig ist es, die Materialien nach Benutzung zu trocknen, damit nichts schimmelt und diese wieder einsatzbereit sind.

Worauf geachtet werden sollte

Die Exkursion sollte in einem Elternbrief mit Empfangsbestätigung und Einverständniserklärung angekündigt und beschrieben werden. Die Eltern müssen informiert werden, dass sie ihren Kindern ein Handtuch, regenfeste Kleidung (Spritzhose und -jacke), sowie Gummistiefel mitgeben und gegebenenfalls Ersatzkleidung zum Wechseln. Ein Informationsbrief bezüglich Gefahren wie Zeckenbefall ist zur eigenen Absicherung wichtig.

Da eventuell mit Tieren gearbeitet wird, welche unter Artenschutz stehen oder sogar Naturschutzgebiete das Ziel der Exkursion sein können, sollte die Freilanduntersuchung nicht ohne Erlaubnis und Sammelgenehmigung der zuständigen Stelle (Forstamt, Untere Naturschutzbehörde) erfolgen.

Checkliste Wasser-/Bodenökologische Untersuchung (Outdoor )

Vorexkursion in das Untersuchungsgebiet

Wichtig ist hierbei zu klären:
- Wie sind die Bedingungen vor Ort?
- Ist das Gebiet für die Untersuchung geeignet?
- Welche Pflanzen und Tiere gibt es vor Ort (Vorbestimmungsübungen)?
- Welche geschützten Arten gibt es (eventuell Naturschutzgebiet)?
- Gibt es mögliche Gefahrenquellen im Untersuchungs-Gebiet (Totholz, steile Felsen etc.)?
- Wo ist der nächste Rettungspunkt (grüne Tafel mit Standortnummer für den Notruf)?
- Zeitrahmen festlegen (Dauer der An- und Abreise; Dauer der Untersuchung + eventuell Auswertung; Pause einplanen)

Kontakt aufnehmen zu Grundstückseigentümer
(in der Regel Revierförster; Wald- oder Gewässerbesitzer/-pächter)
- Vorteil: Terminüberschneidungen mit anderen Ereignissen (zum Beispiel Treibjagd; Baumfällungen und so weiter im Untersuchungs-Gebiet werden vermieden; eventuell Hilfe durch den Förster und andere)
- Eventuell Einholen einer Genehmigung zur Untersuchung von (geschützten) Tieren und Pflanzen bei der zuständigen Unteren Naturschutzbehörde.

Termin fixieren • Ersatztermin für schlechtes Wetter; eventuell Indoor-Programm als „Plan B“

Elternbrief
- Ankündigung des Vorhabens
- eventuell Genehmigung zur Teilnahme des Kindes
- Mitzubringen sind: witterungsangepasste Kleidung, festes Schuhwerk (eventuell Gummistiefel);
- eventuell Handtuch, Ersatzsocken, Ersatzkleidung; Picknick
- Genehmigung zum Fotografieren des Kindes

Lehrmaterialien
- Arbeitsblätter etc. vorbereiten
- Aus den DVD-ROMs „Lebensräume entdecken“ vorbereiten: Film dem Themenschwerpunkt entsprechend schneiden.

Hinfahrt zum Untersuchungs-Gebiet organisieren (Bus oder Eltern)

Boden-Check für Groß und Klein

Mit Lupe und Computer – Erfahrungsbericht

  • Lehrer sitzen bei einer Fortbildungsveranstaltung in einem Fachwerkgebäude. (Quelle: Oliver Euskirchen) Beginn der Fortbildung: Einsatz der DVD-ROMs (Quelle: Oliver Euskirchen)
  • Gruppe Männer und Frauen steht einem Wald. (Quelle: Oliver Euskirchen) Zum Boden-Check geht’s in den Wald (Quelle: Oliver Euskirchen)

Die Fortbildung „Mit Lupe und Computer – Boden-Check für Groß und Klein“ ermöglichte eine Auseinandersetzung mit der Natur durch digitale Medien und die unmittelbare Begegnung. Scheinbar stehen diese beiden Wege in einem Gegensatz. Besonders in unserer Zeit der zunehmenden digitalen Vernetzung wird dies kontrovers diskutiert. Doch der sinnvolle Einsatz „neuer Medien“ und direkte Naturerfahrungen können sich lernfördernd ergänzen.

Veranstaltungsort der Fortbildung war die Waldökostation Remstecken bei Koblenz, die von Oliver Euskirchen (Diplom-Biologe) geleitet wird. Referent des Seminars war Hanspeter Hauke von der SWR-Redaktion „Planet-Schule“. Herr Hauke führte informativ, mitreißend und motivierend durch den Teil der Bildungsveranstaltung. Provokant wurde uns die Frage gestellt: „Wie viele Tiere sieht eine Klasse mit 30 Kindern bei einem Unterrichtsgang im Wald?“ Schnell wurde klar, dass hierbei das Filmmaterial zum Kennenlernen scheuer „Waldbewohner“ hilfreich ist.

Teil 1: Arbeit mit DVD-ROM

Durch die DVD-ROMs „Lebensräume entdecken – Der Wald“ sowie „Lebensräume entdecken – Feld/Flur“ konnten wir als Teilnehmer der Fortbildung Tiere beobachten, die uns im Alltag verborgen bleiben. Das „Schneiden“ kleiner Videosequenzen sowie das Anfertigen von Screenshots zur weiteren Verwendung im Unterricht (zum Beispiel Einfügen von Fotos in Arbeitsblätter) konnte durch erläuterte und individuell begleitete Übungen erprobt werden. Die Informationsdichte (zum Beispiel Ausblenden des Kommentators) der aus dem vorliegenden DVD-Material selbst erstellten Unterrichtsvideos konnte dabei angepasst werden. Herr Hauke und Herr Euskirchen halfen und berieten in dieser Arbeitsphase der Veranstaltung umfangreich.

Die nötigen Techniken wurden erfolgreich vermittelt, so dass einfache Basisfertigkeiten im Umgang mit einem PC ausreichend waren. Der Einsatz der DVD-ROMs ist in verschiedenen Schularten möglich. Dies wurde während der Fortbildung durch die teilnehmenden Lehrkräfte bestätigt. Das Arbeitsfeld der Teilnehmer umfasste ein weites Spektrum (zum Beispiel Grundschule, Realschule-Plus, Gymnasium, Förderschulen).

Die erworbenen Kenntnisse konnte ich selbst im Schulalltag (Schule mit dem Förderschwerpunkt ganzheitliche Entwicklung) erproben. Im Rahmen des Aktivitätsbereiches „Natur und Ökologie“ befassten sich die Schülerinnen und Schüler mit der Thematik „Spinne“. Zum Abschluss des Unterrichtsprojektes wurde die DVD-ROM eingesetzt. Mithilfe der Stichwortsuchfunktion der DVD-ROM war es möglich kurze Filmsequenzen herauszusuchen und abzuspeichern. Zu diesen kurzen Videos und weiteren Fotos konnten die Kinder eigene Kommentare sprechen. Anschließend erhielten sie das Produkt ihrer Arbeit – eine eigene DVD. Die Klasse führte ihren „Spinnen-Film“ stolz der Schulgemeinschaft vor.

Teil 2: Lernen in der freien Natur

Während des zweiten Teils der Fortbildungsveranstaltung stand die unmittelbare Begegnung mit den Lebewesen im Zentrum. Ausgestattet mit Lupengläsern und verschiedenen Transport- / Beobachtungsbehältern konnten die Teilnehmer die Tiere einfangen. Mit Hilfe von Karteikarten (mit großen Abbildungen der Lebewesen) wurde eine Bestimmung der gefangenen Bodenlebewesen durchgeführt. Außerdem führte die Teilnehmergruppe verschiedene Lernspiele / Aufgaben (zum Beispiel „Die Bodenleiter“, „Lege verschiedene Wurzelformen mit Naturmaterial“) durch.

Beide Veranstaltungsteile fügten sich harmonisch zu einer gelungenen Einheit zusammen. In abschließenden Gesprächen mit anderen Teilnehmern unterschiedlicher Schulformen wurde dies bestätigt. Die vorgestellte mediale Vielfalt und die praktischen Arbeiten und Lernspiele im Freien zeigten allen teilnehmenden Lehrkräften neue Wege bei der Erkundung des Lebensraums Boden. Eine interessante, erlebnisreiche und die Vorfreude auf die Umsetzung weckende Fortbildung.
Vielen Dank!