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Am 26. Dezember 1999 suchte Orkan "Lothar" Frankreich, Süddeutschland und die Schweiz heim. Er verwüstete in nur zwei Stunden in Baden-Württemberg viermal soviel Wald wie zehn Jahre zuvor die Stürme Vivian und Wiebke innerhalb von vier Tagen. Die Wucht der Windwalze traf, aus Frankreich kommend, mittags den Schwarzwald. Als die Windgeschwindigkeit auf dem Feldberg 212 Stundenkilometer überschritt, fiel das Windmessgerät aus. "Lothar" zog nach Osten und riss Wälder um Stuttgart und Tübingen und auf der Schwäbischen Alb nieder. Seit über 200 Jahren hatte es eine solche Katastrophe in Baden-Württemberg nicht gegeben.
Die Untersuchungen der Sturmwurf-Standorte nach den Orkanen zeigten, dass die Sturmwurfanfälligkeit der Bäume von verschiedenen Faktoren abhängt. Einige dieser Faktoren seien hier genannt:
Die Wiederbewaldung der entstandenen Sturmwurfflächen ist Aufgabe des Waldbaus. Vivian, Wiebke und "Lothar" hatten forstpolitische Auswirkungen, denn über 70% der geworfenen Bäume waren Nadelbäume. Die Orkane werden gelegentlich als "Katastrophen für eine naturgemäße Waldwirtschaft" bezeichnet, denn man wendet sich von den ehemals als gewinnträchtig erachteten Forsten ab hin zu naturnahen, standortgerechten Wäldern.
Auf etwa 50% der Sturmwurfflächen plant man Nadelbaummischbestände mit Fichte, Tanne und Buche. Auf knapp 50% sind Laubwaldmischbestände geplant mit Buchen und Eichen. Etwa 2% der gesamten Sturmwurfflächen werden - für Forschungszwecke - ganz der natürlichen Sukzession überlassen.
Aus ökonomischen und ökologischen Gründen soll der Großteil der Flächen durch Naturverjüngung wiederbewaldet werden. Gegebenenfalls wird - um die geplanten Baummischungen zu erreichen -. regulierend eingegriffen.
Naturverjüngung bedeutet, dass die neuen Waldbestände aus "übriggebliebenen Jungbäumen" der Vorbestände und durch das Auskeimen von Samen aus dem Samenreservoir des Oberbodens und der eingetragenen Samen aus Nachbarbeständen entstehen.
Die Zusammensetzung der einzelnen neu entstehenden Bestände hängt von verschiedenen Faktoren ab, z.B. von den Standorteigenschaften, von der Vegetation vor dem Windwurf und von dem Eingreifen des Menschen. Ein grobes allgemeingültiges Muster der Waldsukzession, das nach Forschungen auf Kahlschlag- und Windwurfflächen ausgemacht werden kann, sieht folgendermaßen aus:
Borkenkäferarten sind sogenannte "sekundäre" Schädlinge, d.h. sie finden nur in kränkelnden und absterbenden Bäumen günstige Entwicklungsbedingungen. Durch Windwurf, Schneebruch oder Immissionen geschwächte Nadelbäume (meist Fichten) können als Brutstätte dienen, von denen bei günstigen Witterungsverhältnissen und ausreichend Brutmaterial (z.B. nach Katastrophen wie dem Orkan "Lothar", 1999) eine Massenvermehrung (Kalamität) ausgehen kann. Die Käferpopulation steigt dann so stark an, dass auch gesunde und vitale Bäume durch den Massenangriff absterben können. Der Borkenkäfer ist somit zu einem "primären" Schädling geworden.
Der Buchdrucker (Ips typographus) gehört zu den Borkenkäfern. Er gilt als einer der gefährlichsten Schädlinge für Fichtenwälder. Der erwachsene Käfer ist rund 5 mm lang und dunkelbraun gefärbt. Er brütet in der Rinde, hinterlässt also keine Fraßgänge im Holz. Er ist einer der wenigen Borkenkäfer, die bei günstigen Bedingungen ausgeprägt zu Massenvermehrungen neigen und Waldbestände gefährden können. Der Buchdrucker befällt praktisch ausschließlich Fichten. Normalerweise besiedelt er kranke, gestresste oder frisch gefallene Bäume. Gesunde Fichten können anfliegende Borkenkäfer durch Harzfluss abwehren. Sind aber die Käferdichten extrem hoch, können die Tiere auch anscheinend gesunde oder nur vorübergehend geschwächte Bäume besiedeln.
Dies geschieht, indem Pioniermännchen fliegend nach geeigneten Brutbäumen suchen, sich einbohren und eine sogenannte Rammelkammer für die Paarung ausheben. Nach der Paarung fressen die Weibchen das Brutsystem in die Rinde und legen Eier ab. Es entwickeln sich Larven und Jungkäfer, die durch intensiven Fraß unter der Rinde den Saftstrom in den Bäumen unterbrechen. Die befallenen Bäume sterben ab.
Neben dem Buchdrucker gilt der Kupferstecher als Fichtenschädling; der "Waldgärtner" befällt Kiefern, der Große Lärchenborkenkäfer Lärchen.
Es stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, um solche Kalamitäten zu verhindern. Die wohl wichtigste Maßnahme ist der Umbau von Nadelholzreinbeständen in laubholzreiche Mischbestände, da sie wesentlich stabiler gegenüber abiotischen Schäden (Windwurf, Schneebruch etc.) sind. In Nadelholzbeständen sollte besonders in der Flugzeit der Borkenkäfer (April) verhindert werden, dass bruttaugliches Material zur Verfügung steht. Zu solchen Maßnahmen gehören z.B. die rechtzeitige Abfuhr gefallener Stämme oder deren Beregnung. Eine andere Möglichkeit ist das Aufstellen von Fallen während der Flugzeit der Borkenkäfer. Als Lockstoffe dienen nicht, wie allgemein angenommen Sexuallockstoffe sondern sog. Aggregationspheromone. Dieser Lockstoff wird vom Männchen beim Einbohren in das Holz freigesetzt und signalisiert der Population, also Männchen und Weibchen, das der Baum besiedelt werden kann. Diese Lockstofffallen können jedoch nur gegen den Buchdrucker und Kupferstecher eingesetzt werden.
© Text: Silke Harrer
