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Ein schöner Sommertag, genau das richtige Wetter, um ahnungslosen Warmblütern aufzulauern. Von Muskelkraft getrieben, pulsiert in ihren Körpern heißbegehrter Lebenssaft, auf den winzige Wegelagerer warten. Zecken gehen lautlos und gut getarnt auf die Pirsch. Unermüdlich krabbeln die Spinnentiere auf Sträucher und Grashalme, bis sie ein geeignetes Opfer finden. Heute ist die Gelegenheit günstig: Schwitzende Jogger, in greifbarer Nähe. Das riecht nach einer vielversprechenden Blutmahlzeit. Auf solch eine Gelegenheit warten Zecken oft Monate.
Die lästigen Krabbler sind nur wenige Millimeter groß und können so meist unbemerkt als blinde Passagiere mitreisen. Die Zecke muss jetzt nur noch eine Hautstelle finden, in die sie mit ihren Mundwerkzeugen leicht eindringen kann. Dabei spritzt sie ein Betäubungsmittel, damit das Opfer den Biss nicht spürt.
Die kleinen Blutsauger sind nicht gerade beliebt, vor allem, weil sie Krankheiten übertragen können. Außerdem gelten Zecken als heimtückisch, weil sie sich angeblich von Bäumen fallen lassen. Tatsächlich halten sich Zecken höchstens anderthalb Meter über dem Boden auf. Verborgen im Buschwerk haben sie am ehesten die Chance, dass Mensch oder Tier nahe genug an sie herankommen. Zecken sind wahre Kletterakrobaten. Von unten betrachtet, offenbart sich das Geheimnis ihrer Fortbewegung. Jeder Fuß besteht aus einer Doppelkralle mit einem Saugpolster, das auch auf glattem Untergrund haftet.
Artistik auch bei der Paarung. Das kleinere Männchen besteigt das Weibchen. Er krabbelt unter ihren Bauch und begattet sie. Das Männchen hängt unter dem Weibchen und überträgt mit den Mundwerkzeugen den Samen.
Um einen möglichen Blutspender ausfindig zu machen, sind die augenlosen Zecken auf ihren hochentwickelten Geruchssinn angewiesen. Mit den wie Fühler ausgestreckten Vorderbeinen spürt das Tier nach den typischen Ausdünstungen eines Warmblüters. Das Geruchsorgan befindet sich am untersten Beinsegment. Eine mikroskopisch kleine, grubenartige Vertiefung, die als Hallersches Organ bezeichnet wird. Es enthält eine Insel von Sinneshaaren, die noch feinste Spuren von Gasen wahrnehmen. Kohlendioxid aus der Atmung und Fettsäuren, die mit dem Schweiß abgesondert werden. Die Zecke unter dem Farnblatt hat schon von weitem die Witterung des Hundes aufgenommen. Sie hat Glück, wird abgestreift und landet im Fell.
Im herbstlichen Wald unterwegs der Parasitologe Peter Kimmig. Er hat zahlreiche Gebiete Baden - Württembergs auf Zecken untersucht und weiß, wie stark die Plagegeister verbreitet sind.
Peter Kimmig: "Wenn man in einem solchen typischen Zeckengelände wie hier, bei geeigneter Witterung auf Zeckenfang geht, das heißt bei schwül-warmer Witterung, dann kann man durchaus mit Hilfe einer Zeckenfahne auf wenigen Quadratmetern 50 - 100 Zecken absammeln, das ist ein sehr beeindruckendes Erlebnis, da man ja die Tiere nicht ohne weiteres zu Gesicht bekommt."
Zecken streift man am besten mit einer Stofffahne ab. Mit etwas Glück gehen die kleinen Spinnentiere ins Netz, allerdings nur, wenn es warm und feucht ist. Dann krabbeln die Zecken auf Gräser und Sträucher und warten dort auf Beute.
Hunde werden häufig von Zecken befallen, zum Leidwesen ihrer Besitzer. Die Weibchen saugen besonders gierig. Sie brauchen viel nahrhaftes Blut, damit sich in ihrem Körper Eier entwickeln können. Mehrere Tage wird das Wirtstier zur Ader gelassen. Erst dann zieht das Weibchen seine Mundwerkzeuge aus der Haut und lässt sich abfallen.
Im Dorf Prejmer, zu deutsch Tartlau, haben die Biologen eine zweite Forschungsstation eingerichtet, in einem alten Siebenbürger Bauernhof. Im Schlafzimmer von Christoph Promberger sind die beiden Wolfskinder untergebracht, inzwischen schon drei Monate alt.
Im Gegensatz zum Weibchen genügt dem Männchen eine kurze Blutmahlzeit. Es hat ja nur für sich zu sorgen. Das Weibchen muss sich aber noch um den Nachwuchs kümmern. Es sucht eine geschützte Stelle am Boden, wo es seine Eier ablegen kann. Das Weibchen presst die Eier aus einer Legeöffnung am Bauch. Was durch die Zeitraffung schnell erscheint, läuft in Wirklichkeit gemächlich ab. Etwa alle zehn bis zwanzig Minuten kommt ein Ei zum Vorschein. Mit den Mundwerkzeugen werden die Eier an eine Drüse geführt und dort mit einer Schutzschicht versehen, damit sie nicht austrocknen.
Jedes Weibchen legt etwa zweitausend Eier. Die extrem kräftezehrende Prozedur, die sich über Tage und Wochen hinzieht, endet mit dem Tod der Mutter. Zecken werden drei bis fünf Jahre alt.
Hat das Weibchen im Herbst Eier gelegt, überwintern die Jungen in ihren Schutzhüllen und schlüpfen erst im Frühjahr. Die übrigen Zecken überdauern den Winter in einem energiesparenden Ruhestadium, irgendwo verborgen im Boden des Waldes. In strengen Frostperioden gehen aber viele zugrunde. Auch die Gelege sind vor Kälte nicht sicher. Doch im Schutz schneebedeckter Laubschichten können genügend Eier unbeschadet überstehen.
Wenn im Frühjahr die Sonne ihre wärmenden Strahlen zum Boden schickt, ist es mit der Winterruhe der Zecken vorbei. Für die ausgehungerten Blutsauger beginnt die Jagdsaison, die gewöhnlich im Oktober endet.
Im März, wenn die Buschwindröschen blühen, schlüpfen auch die ersten Jungen. Jede Zecke beginnt ihr Leben als geschlechtslose sechsbeinige Larve. Der erste Ausflug führt hier über den verrottenden Leib der Mutter. Es handelt sich um die heimische Gattung Ricinus Ixodes, auch Holzbock genannt. Kurz nach dem Schlüpfen sind die Larven noch farblos. Erst nach einigen Tagen färbt sich der Körper dunkel. Die Suche nach dem ersten Opfer beginnt.
Kleine Nagetiere wie Waldmäuse gehören zu den bevorzugten Blutspendern. Denn die winzigen Larven krabbeln allenfalls zehn Zentimeter hoch.
Ein Tropfen Blut reicht, um den Hunger zu stillen. Dann kann sich die Larve häuten. Sie wird zur Nymphe und bekommt ein zusätzliches Beinpaar. Die achtbeinigen Nymphen sind geschlechtslos - genau wie die sechsbeinigen Larven. Nymphen werden 1 - 2 Millimeter groß, Riesenim Vergleich zu den winzigen Larven, die mit bloßem Auge kaum zu erkennen sind. Entsprechend höher klettern die Nymphen. Sie kommen immerhin auf einen halben Meter. Sie fallen größere Tiere an, und sogar Menschen.
Mit ihrem dichten Fell gehen Rehe ungewollt auf Zeckenfang und versorgen Nymphen und erwachsene Zecken gleichermaßen mit Blut. Rehe schleppen oft hunderte dieser Parasiten über weite Strecken mit sich und tragen dadurch wesentlich zur deren Verbreitung bei. Hat die Nymphe gesaugt, beginnt die zweite Häutung. Als erwachsenes Tier schlüpft entweder ein Männchen oder ein Weibchen.
Hat eine Zecke im Larven- oder Nymphenstadium mit dem Blut Krankheitserreger aufgenommen, ist auch das erwachsene Tier infektiös. Es kann Viren und Bakterien übertragen, die dem Menschen gefährlich werden können.
Peter Kimmig: "Wir haben in Baden-Württemberg die Zecken vor allem auf zwei Infektionserreger untersucht. Das eine sind die FSME-Viren, das andere sind die Borrelien. Und nach unseren Untersuchungen sind die Zecken hier mittlerweile zwischen 0,5 und ein Prozent befallen, in Einzelfällen sogar bis fünf Prozent. Bei den Borrelien liegt die Befallsrate durchweg höher, hier sind durchschnittlich 15 Prozent aller Zecken befallen, in Einzelfällen sogar 30 - 40 Prozent."
Menschen werden vor allem von Nymphen und erwachsenen Tieren zur Ader gelassen. Die Zecken krabbeln oft stundelang über die Haut, bis sie eine gut durchblutete Stelle zum Einstechen finden. Dabei gehen sie äußerst raffiniert vor.
Mit den seitlichen Fühlern, den Pedipalpen, tasten die Zecken die Haut ab. An der Unterseite der Pedipalpen befinden sich ganz vorne Sinneshärchen, mit denen das Tier Blutgefäße aufspürt. Ist eine Stelle gefunden, setzt die Zecke chirurgisches Besteck ein. Zwei pendelnde Messer, die Cheliceren, schneiden sich in die Haut. Damit das Opfer nichts spürt, verabreicht die Zecke mit ihrem Speichel ein Betäubungsmittel. Dann wird das mit Widerhaken besetzte Hypostom nachgeschoben, mit dem sich das Tier in der Wunde verankert. Zwischen Cheliceren und Hypostom wird das Blut wie durch eine Kanüle angesaugt.
Das Zeckenweibchen ist besonders blutgierig. Es saugt ein bis zwei Wochen. Dann ist der Hinterleib prall gefüllt. Jetzt ist das Weibchen viermal so groß wie vorher: Statt drei Millimeter über einen Zentimeter.
Zecken genießen einen denkbar schlechten Ruf. Eigentlich zu Unrecht, denn die Parasiten übernehmen die Krankheitserreger unfreiwillig von ihren Wirtstieren und geben sie beim nächsten Saugen weiter.
Es ist nicht ganz einfach, den Saugvorgang einer Zecke näher zu betrachten. Das geht nur mit Hilfe eines Mikroskops und viel Geduld. Professor Winkhard legt eine Zecke auf den Rücken und befestigt sie vorsichtig auf einem Klebeband. Er schiebt über die Mundwerkzeuge der Zecke ein feines Glasröhrchen, das mit verdünntem Blut gefüllt ist. Die Zecke saugt ein paar Mal. Dann drückt sie die wenig nahrhaften Bestandteile des Blutes in die Wunde zurück. Dabei werden die Krankheitserreger übertragen. Nicht das Saugen führt also zur Infektion, sondern das Ausstoßen des Überflüssigen macht den Zeckenbiss so gefährlich.
Forstbedienstete werden bei ihrer Arbeit sehr häufig durch Zecken infiziert. Meist bleibt das ohne schwerwiegende gesundheitliche Folgen. Doch eine Infektion ist im Blut noch lange nachweisbar. In Baden Württemberg wurden - über das gesamte Land verteilt - schon bei viertausend Waldarbeitern Blutproben genommen. Nach einer Infektion bildet das Immunsystem des Menschen spezielle Abwehrstoffe. Diese Antikörper im Blut zeigen an, womit sich ein Waldarbeiter infiziert hat. Der Nachweis erfolgt dann im Labor.
Peter Kimmig: "Wir machen diese Untersuchungen an Waldarbeitern aus zwei Gründen: Zum einen wollen wir wissen, wie stark die Waldarbeiter selbst gefährdet sind durch die Infektionserreger, die durch Zecken übertragen werden. Und zum zweiten wollen wir wissen, wo liegen die Endemiegebiete, das heisst die Gebiete, wo die Erreger besonders häufig vorkommen. Hier hat sich gezeigt, dass sich die FSME-Viren, die Zeckenenzephalitisviren, zwar im Südwesten von Baden-Württemberg besonders häufig sind, sie sind aber auch an Stellen vorhanden, wie etwa im Großraum Stuttgart, in denen nur relativ wenige klinische Fälle bekannt geworden sind, wohingegen die zweite, sehr viel häufiger Infektionskrankheit, die Borreliose, kann man sagen, kommt in ganz Baden-Württemberg flächendeckend vor."
Das FSME- Virus ist besonders gefürchtet, weil es, wenn auch in seltenen Fällen, schwere Lähmungen auslösen kann. Bernhard Wagner ist nach einem Zeckenbiss an den Rollstuhl gefesselt und völlig auf fremde Hilfe angewiesen. Das Virus hat eine Hirnhautentzündung hervorgerufen und das Leben von Bernhard Wagner völlig verändert. Seine Frau wird nie vergessen, wie es zu der schweren Erkrankung kam.
Frau Wagner: "Es war der 23. Mai 1993, und da am Nachmittag ist mein Mann mit unserem Sohn und seinen Freunden in den Wald gegangen und Hütten bauen. Ja und da kam er heim aus dem Wald und am Abend bei der Sportschau sagt er: 'Du, ich glaube, ich habe da eine Zecke am Bauch, mich juckt's da.' Ja okay, das war dann eine Zecke, die haben wir dann rausgepult, wir habe sie also problemlos rausgekriegt. Wir wohnen hier am Waldrand und haben eigentlich ständig Zecken, Zecken sind für uns etwas absolut normales. Und dann vierzehn Tage drauf, sagte er, er fühlt sich so, wie wenn er ein Grippe kriegt, vier Stunden später hatte der Mann neununddreißig Fieber. Es wurde halt immer schlimmer, er konnte dann im Laufe der Nacht den Kopf nicht mehr bewegen, er hatte das Gefühl, er kann nicht mehr schlucken. Und dann haben wir nachts um drei beschlossen, wir schicken ihn in die Uniklinik. Und an dem Sonntagnachmittag sagte mir der Arzt: 'Wahrscheinlich wird ihr Mann den Tag nicht überleben.' "
Mithilfe eines Computers, den er mit dem Mund bedient, kann sich Bernhard Wagner verständigen. Er hat sich mit seinem Schicksal abfinden müssen.
Bernhard Wagner: "Es hat sich mein Verhältnis zur Natur überhaupt nicht geändert. Der Zeckenbiss gehört zum Lebensrisiko, da kann niemand was dafür. Warum soll ich hadern, jeder muss sein Päckchen tragen. Etwas anderes wäre es, wenn ich selbst etwas Unvernünftiges oder Risikoreiches getan hätte."
Die Gefahr, von einer Zecke mit FSME, der Frühsommermeningoenzephalitis infiziert zu werden, ist relativ gering. Etwa 300 Fälle dieser Hirnhautentzündung werden jährlich in Deutschland registriert. Experten raten dennoch vorsorglich zu einer Impfung.
Peter Kimmich: "Die bisherigen Impfempfehlungen gegen FSME haben sich an den Gebieten orientiert, in denen klinische Fälle registriert worden sind. Aufgrund unserer Untersuchungen an Zecken und an Forstbediensteten andererseits muss man jetzt davon ausgehen, dass die FSME Viren in ganz Baden Württemberg vorhanden sind. Mit anderen Worten, es sollte sich jeder impfen lassen, der hier wohnt und sich häufiger in Feld Wald und Flur aufhält."
Weit mehr als durch die FSME, sind Menschen von der Borreliose betroffen. Förster Klaus Schulz leidet seit Jahren an chronischen Gelenkbeschwerden.
Klaus Schulz: "Ich war etwa bei sechs, sieben, vielleicht sogar acht Ärzten insgesamt mit den Beschwerden, bis dann mal eine Blutuntersuchung veranlasst wurde und dann Klarheit gekommen ist. Also nach meiner Erfahrung ist es so, dass die Ärzte die Krankheit sehr unterschätzen, also dass die Symptome einfach bei jedem verschieden sind, der eine hat's mit den Gelenken, der andere auch am Herzen, der andere mehr im Nervensystem. Und die Ärzte diagnostizieren Borreliose sehr wenig, erst sucht man mal nach anderen Ursachen. Und dadurch setzt sich die Krankheit fest und wird um so schwerer zu behandeln, je später sie erkannt wird."
Häufig weist eine Wanderröte auf eine Borrelien-Infektion hin. Auch noch nach Jahren kann es zu schweren Rückfällen kommen, die chronische Entzündungen auslösen.
Klaus Schulz: "Ich kenn sehr viele Kollegen, die Borreliose haben. Die meisten erkennen es gottseidank an den Anfangssymptomen, mit den Hautrötungen, mit dem Fieber, mit den grippeähnlichen Symptomen, und bei mir war so etwas nie feststellbar, ich hab eigentlich nie was gemerkt und deshalb hab ich es eigentlich selber solange nicht wahrhaben wollen. Und es gibt Kollegen, die dadurch schon in den vorzeitigen Ruhestand getreten sind, weil sie einfach nicht mehr arbeitsfähig sind."
Wer sich viel im Wald aufhält, muss immer damit rechnen, eine Zecke als Souvenir mitzubringen. Es gibt aber keinen Grund, in Panik auszubrechen, wenn man eine Zecke bei sich findet.
Peter Kimmig: "Wenn man eine festgesogene Zecke bemerkt, gilt als oberste Regel, die Zecke schnellstmöglich entfernen, um die Zahl möglicherweise eindringender Infektionserreger so gering als möglich zu halten. Bei der FSME gibt es derzeit nur die Möglichkeit der aktiven Impfung, bei der Borreliose haben wir diese Möglichkeit leider bisher noch nicht. Hier gibt es eine andere Möglichkeit. Man kann in diesem Fall die Zecke an bestimmte Institute, zum Beispiel auch zu uns einsenden und auf Borrelien untersuchen lassen. Und im positiven Falle empfehlen wir dann eine prophylaktische antibiotische Behandlung."
Nur mit einer feinen Pinzette lassen sich Zecken sachgerecht entfernen. Dabei sollte man das Hinterteil des Tieres nicht quetschen. Sonst besteht die Gefahr, dass über die Mundwerkzeuge zusätzlich Krankheitserreger in die Wunde gelangen.
In mehreren Universitätsstädten wie Heidelberg, Freiburg und Lausanne haben Forscher gemeinsam einen Impfstoff gegen die Borreliose entwickelt. Sie ist mittlerweile die zweithäufigste Infektionskrankheit in unseren Breiten. In den USA ist schon ein Impfstoff auf dem Markt. Doch für Europa musste ein eigener gefunden werden, weil man es hier gleich mit mehreren Borrelienstämmen zu tun hat. Tests an Mäusen sind positiv verlaufen.
Infizierte Zecken wurden auf geimpfte Mäuse gesetzt, die schon Antikörper gegen Borrelien gebildet haben. Beim Blutsaugen nimmt die Zecke die Antikörper auf. Sie heften sich an die Borrelien im Zeckendarm und verkleben diese. Dadurch werden die spiralförmigen Bakterien zurückgehalten und können nicht mehr in die Wunde des Opfers gelangen. Wenn sich die Impfung auch beim Menschen bewährt, könnte man der häufigsten Infektionskrankheit vorbeugen, die durch Zecken übertragen wird.
Zecken haben sich nicht nur in unseren Waldgebieten erfolgreich eingenistet: Sie sind überall zu Hause, wo sie Nahrung finden und wo ein feuchtwarmes Klima herrscht. Mit ihrem blutrünstigen Lebenswandel plagen sie so ziemlich jedes Tier, dass ihnen in die Quere kommt.
Mit 650 Arten stehen Zecken ganz oben auf der Hitliste der Parasiten. Keine Haut ist ihnen zu dick, um an Blut zu kommen. Nashörner gehören zu den zahlreichen Tierarten Afrikas, die ständig von Zecken geplagt werden. In den Hautfalten der Dickhäuter finden sie paradiesische Verhältnisse vor und können nach Herzenslust saugen. Immerhin sorgen die Schildkröten dafür, dass die kleinen Vampire nicht überhand nehmen.
In der Viehzucht verursachen Zecken extrem hohe Verluste. Durch die Vielzahl von Krankheiten, welche die Parasiten übertragen, entstehen allein in Amerika, Australien und Afrika Produktionsausfälle in Milliardenhöhe. Weltweit sind schätzungsweise achtzig Prozent der Rinder von Zecken befallen.
Den Siegeszug verdanken Zecken ihrer extremen Ausdauer und asketischen Lebensweise. Sie überleben monatelange Hungerphasen und kommen in ihrem Leben mit drei Blutmahlzeiten aus. Das macht sie in der Welt der Winzlinge einzigartig.
© Text: SWR
