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Lothar raste mit bis zu 220 km/h über Süddeutschland und hinterließ ein Bild der Zerstörung. Durchschnittlich 10% der Baumbestände des Nordschwarzwaldes wurden entwurzelt, in manchen Revieren bis zu 60%. Hauptsächlich die artenarmen Fichtenmonokulturen mussten weichen, Mischwälder wurden weniger geschädigt. Lothar hinterließ aber nicht nur Chaos. Er schuf Flächen mit viel Licht, auf denen nach dem Sturm neue Arten Einzug halten konnten.
Neue Lebensräume entwickelten sich. Wo einst artenarme Fichtenwälder das Landschaftsbild bestimmten, befinden sich heute weite Felder von Fingerhut und Tollkirsche. Die krautigen Pflanzen halten den Boden schattig und feucht und schaffen eine Kinderstube für den nächsten Wald. Auch für Tiere entstanden reichstrukturierte Lebensräume. Die Gelbbauch-Unke z.B., eine ernsthaft bedrohte Art, macht sich breit.
Die meisten Wurfflächen werden sich selbst überlassen, denn man hofft, dass die Natur einen stabilen Mischwald hervorbringt. Die Vielzahl der neu eingezogenen Doldenblütler auf den offenen Flächen bietet Lebensraum für Insekten. Blattwanzen z.B. fühlen sich besonders wohl. Auch Bockkäfer, Bienen, Wespen und Spinnen finden einen reich gedeckten Tisch.
Gelbhalsmäuse finden auf den offenen Flächen reichlich Körner und Pflanzen, stehen aber selbst auch auf dem Speiseplan, beispielsweise des Fuchses. Auch Eulen haben großen Nutzen vom Chaos, denn die freien Flächen sind beste Jagdreviere. Gartenschläfer z.B. gehören zu ihrer Beute.
Im Schönbuch bei Tübingen kann die weitere Vegetationssukzession nach einem Orkan studiert werden. Hier haben die Orkane Wiebke und Vivian Anfang der 90er Jahre große Waldflächen entwurzelt. Heute wächst auf diesen Flächen neuer Wald mit Holunder, Lärche, Vogelbeere, Esche, Eiche und Buche.
© Text: SWR
