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Filmskript der Sendung

Der Favoritepark in Ludwigsburg: Ausflugsziel - und Heimat der Trommler des Waldes. Einer kennt sie besonders gut: Klaus Ruge -Spechtforscher seit über dreißig Jahren. Es ist April, die Spechte bauen ihre Höhlen. Klaus Ruge hält jede Aktion in seinem Tagebuch fest. Er erforscht das Leben der Baumeister des Waldes, damit er sie besser schützen kann. Denn die Spechte sind auch im Favorite-Park von unserer "Zivilisation" bedroht. Den Parkherren von einst mit Ihren prächtigen Schlössern macht das nichts mehr aus, denn sie sind längst verschwunden; aber was ist mit den heutigen Bewohnern? Um diese Frage zu klären hat sich Klaus Ruge Verstärkung mitgebracht. Für moderne Spechtforschung ist jede Menge Technik nötig, und die passt nur in einen LKW.

Spechtforschung ist nicht nur Forschung an Spechten. Denn der Höhlenbauer ist einer von vielen Mitarbeitern im Ökosystem Wald. Außerdem hat er jede Menge Nachmieter, etwa die Kohlmeise. Und: Specht ist nicht gleich Specht: 8 Arten der gefiederten Bauunternehmer leben hier. Auch der Schwarzspecht arbeitet an seiner guten Stube. Dass ihm dabei der Schädel nicht dröhnt, liegt an der guten Federung des Kopfes, außerdem ist sein Hals mit elastischen Bändern ausgerüstet.

Der Park ist ein ideales Revier für Spechtforscher wie Klaus Ruge und für Tierfilmer wie der Schweizer Markus Zeugin. Lagebesprechung im Favoritepark. Mit speziellem Dosenfutter werden die Vögel angelockt. Ein Buntspecht bei der Mahlzeit. Noch weiß er nicht: diese Köstlichkeit hat ihren Preis! Die Zweibeiner wollen die Tiere nämlich "genauer" untersuchen. Deshalb rückt Markus Zeugin im Tarnzelt an. Kaum ist das Objektiv der Kamera ausgerichtet, kommt auch schon Besuch. Der seltene Grauspecht. Er sucht das Weite, als hätte er geahnt, was folgen soll.

Nur Beobachten und Filmen ist den Forschern nämlich nicht genug. Um die Spechte des Parks wirklich zu erforschen, da braucht man andere Mittel. Oh! Oh! Das klingt aber nicht nach Specht! Spechte erforschen, heißt hier Spechte fangen. Trotzdem treibt Kollege Mittelspecht die Neugier. Die Falle am Baumstamm wird mit einem Seil verbunden, dann ist alles präpariert.

Klaus Ruge: "Markus, alles klar, Specht ist schon im Anflug."

Markus Zeugin: "Ich bin bereit."

Jetzt fehlt also nur noch einer!

Klaus Ruge: "Machst Du schnell bitte, ich sehe den Specht da schon."

Keine fünf Minuten dauert es, und dann...

Klaus Ruge: "Jetzt, zieh, zieh, zieh.... jetzt raus!"

Schnell müssen die beiden erfahrenen Vogelforscher sein, der Specht soll sich in der Falle nicht verletzen. Auch wenn sie ihm nichts böses wollen, bringt Herr Specht doch schimpfend sein Unbehagen zum Ausdruck. Kollege Grünspecht hat dagegen Glück gehabt, denn er zieht dem Dosenfutter Ameisen als Leibgericht vor.

Klaus Ruge: "Der riecht also kein bisschen nach Ameise, wenn man einen Grünspecht in der Hand hat, oder einen Grauspecht, die riechen sehr intensiv nach Ameisensäure und das hängt eben daran, dass die Ameisen fressen und denn natürlich die Ameisen in Abwehr die besprühen mit dieser Ameisensäure und das ganze Gefieder ist dann quasi durchdrängt und die Höhlen, die füttern auch ihre Jungen mit Ameisen, und der Kot, das riecht also alles "ameisich", also, man kann Spechte auch durch Geruch bestimmen."

Ein bisschen muss er sich noch gedulden, denn erst wird Herr Specht mit einem Mini-Sender ausgerüstet. Der schickt rund um die Uhr ein Signal. Das verrät den Forschern wo er sich gerade aufhält.

Klaus Ruge: "Und direkt in die alte Eiche und wieder in die Falle..."

Nein, nein, nach diesem Schock geht's erst mal nach Hause ins sichere Versteck. Aber es hilft nichts, dank Antenne wird er wohl kaum entwischen. Das Spechtteam nimmt die Spur auf...Hier wohnt er wohl nicht, aber dann! Nur wenige Bäume weiter liegt eine andere Adresse, die muss es wohl sein! Die Höhle wird von der Rückseite aufgebohrt. Eine spezielle Kamera soll fest installiert werden und das Geheimnis lüften: Wie lebt Familie Specht in der Höhle? Ein erster Blick durch das Flugloch: zu dunkel! Dann eben das gebohrte Loch! Der große Moment ... die Höhle ist: leer! Aber entkommen kann er ja nicht; der Sender verrät ihn.

Tatsächlich, sieben Eier! Ab sofort können die Forscher unbemerkt in die Höhle schauen, auch als Frau Specht nach Hause kommt. Seit Tagen wärmt sie mit Ihrem dichten Federkleid die Eier im Nest. Unterstützt wird sie dabei von Herrn Specht. Beide Eltern brüten abwechselnd, bis es schließlich so weit ist... Nach 9 Tagen befreien sich die Jungen aus den Eischalen. Ein einmaliges Erlebnis, nicht nur für die jungen Spechte. Mit den kleinen Kameras in der Spechthöhle kann Klaus Ruge zum ersten Mal das Leben im Nest studieren - rund um die Uhr.

Ein paar Tage später. Klaus Ruge hat zur Exkursion eingeladen. Für ihn gibt es nie schlechtes Wetter, höchstens unpassende Kleidung. Was er den Besuchern zeigen möchte, sind nicht die Schlösser des Parks, es sind die eher unscheinbaren Behausungen seiner Lieblinge. Ziel der Expedition ist das "Waldstudio"; dort erwartet die Besucher keine Filmvorführung, sondern Live-Bilder der 7 Tage alten Spechtjungen. Klaus Ruge will mit Ungewöhnlichem für die Natur begeistern.

Einen Specht am Baumstamm zu beobachten ist nicht schwer, den Blick in die Kinderstube haben aber normalerweise nur die Vogeleltern. Sie füttern unermüdlich, und es ist ihnen gelungen, dass 5 von 7 Spechtküken trotz Nässe und Kälte überlebt haben. Die toten Jungen befördern sie nach draußen.

Einmalige Einblicke in den Lauf der Natur, dank der winzigen Kameras und Mikrophone. Für Klaus Ruge ist das kein Selbstzweck, kein "Big Brother in der Baumhöhle". Er ist schließlich als Forscher unterwegs - seit drei Jahrzehnten - und will möglichst viel über die Spechte erfahren, um sie wirkungs-voll schützen zu können. Jeden Tag protokolliert er deshalb in seinem Spechttagebuch peinlich genau, das Verhalten im Inneren und außerhalb der Höhle.

Klaus Ruge: "Eintrag 12. Mai, Muttertag. Die Jungen sind schon sieben Tage alt. Zwei Besuchergruppen durch den Park geführt, mieses Wetter von a bis z, trotzdem viele Leute. Höhepunkt: unsere Spechte im Waldstudio. Alle fünf wohl auf, hocken dicht zusammen, vermutlich wegen der Kälte."

Bei Familie Mittelspecht herrscht mittlerweile reges Treiben. Die Küken wachsen im Rekordtempo. Innerhalb von Tagen entwickelt sich, was einmal Federn werden sollen, und nicht nur das: Auch die Stimmen aus dem Kinderzimmer ändern sich von Tag zu Tag.

Außenfütterung! Ein klares Zeichen, lange kann es bis zum Ausflug nicht mehr dauern. Die Kameras sind live dabei. Doch sie dienen nicht nur den Forschern oder Besuchern zur Beobachtung der Spechte - denn das Waldstudio ist "online". Über Kabel ist es verbunden mit der "Computerzentrale". Von dort gehen die Bilder direkt ins Internet.

Der Tierfilmer Markus Zeugin kontrolliert die Kameras: Eine für die Innenaufnahmen, und eine für außen.

Die Spechteltern versuchen seit Tagen, die Jungen mit Futter aus dem Nest zu locken. Höchste Zeit also für Klaus Ruge, die letzten Schritte seiner Forschungsarbeit anzugehen. Dafür muss er selbst Hand anlegen, bevor die Spechte für immer ausgeflogen sind. Für jemanden der nicht fliegen kann, ein waghalsiges Manöver. Normalerweise sind die Jungen in der Baumhöhle gut geschützt, aber für einen begeisterten Ornithologen ist sogar die Wohnung in sieben Meter Höhe kein echtes Hindernis.

Kommt da Mutter Specht? Nein, nicht ganz... Doch es besteht kein Grund zur Panik. Schließlich ist ja Klaus Ruge so etwas wie ihr Patenonkel. In der Stofftasche wird ein Küken nach dem anderen ins Waldstudio getragen. Hier beginnt (nun) die eigentliche Arbeit. Der Jungvogel wird vermessen. Dann erhält er als unverkennbares Zeichen einen Ring, der den Forschern später genau sagt, wann und wo der Specht markiert wurde. Und sein Gewicht? 60 Gramm, schon fast soviel wie die Eltern!

Klaus Ruge: "Eintrag 19. Mai, 15. Lebenstag. Ab jetzt klettern die Kleinen an der Höhlenwand hoch, ab jetzt füttern die Altvögel nicht mehr nur in der Höhle, sondern auch von außen."

Die Spannung steigt von Stunde zu Stunde. Und dann ist es endlich so weit: Drei Wochen und zwei Tage nach dem Schlüpfen blicken die 5 jungen Mittelspechte der Freiheit entgegen. Und aus Höhlenkindern werden Akrobaten der Lüfte.