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Ein heißes Thema: Raubtiere. Gefürchtet, verteufelt, verfolgt. Trotzdem geachtet, bewundert und geschützt. Zwiespältige Gefühle, wenn Wolf, Luchs und Bär in Landschaften zurückkehren, in denen sie einst ausgerottet wurden - wenn auch ihnen ein Recht eingeräumt werden soll auf Überleben. Natur- und Arten-Schutz als Sache ferner Länder der Dritten Welt. Unser Verhältnis zu einer intakten Natur ist schwer geschädigt. Die Anführer - meist das " Alpha-Paar" - regieren, entscheiden, führen, entwickeln die Jagdstrategien. Und - sie haben den Vortritt beim Festmahl. Bis die Bosse satt sind reagieren sich die Jüngeren und Schwächeren in sogenannten Übersprungshandlungen ab.
Wölfe, die heute vereinzelt über die Oder nach Deutschland einwandern, oder aus Tschechien in den Bayrischen Wald - stehen unter absolutem Schutz. Trotzdem gibt es immer wieder Leute, die das Jagdgesetz ignorieren und illegal zur Wolfshatz blasen.
Noch immer haben Wölfe ein schlechtes Image. Grimms Märchen gelten hierzulande mehr als alle Erkenntnisse von Verhaltens-Forschern und Biologen. Vorbei die Hochachtung und religiöse Verehrung der Schöpfung, der Tierwelt bei den frühen Kulturen. Das Verhältnis zu Raubtieren ist in Europa seit dem Mittelalter geprägt durch blanken Futterneid und die Wahnvorstellung, dass der Mensch Alleinherrscher sein muss über die Natur.
Die europäischen Großraubtiere leben vorwiegend vom Rotwild, von Gämsen, Rehen und Wildschweinen, von all denen es angeblich viel zu viele gibt. Manche Jäger beklagen ja, dass es ihnen kaum möglich ist, beim Schalenwild das Abschuss-Soll zu erfüllen. Durch intensive Jagd soll der Wald vor Wildverbiss und die Landwirtschaft vor Wildschäden geschützt werden. Große Raubtiere könnten hier regulierend eingreifen.Ein Teil der Waidmänner sieht das heute genauso.
Wenn wir nicht in den Kreislauf der Natur eingreifen, reguliert die Anzahl an Beutetieren den Bestand an Raubtieren - und nicht umgekehrt.
Auch im Berchtesgadener Land leben wieder Luchse - und im Harz. Ein zusätzliches Auswilderungsprogramm wird dort zur Zeit vorbereitet. Nur im Schwarzwald stoßen Pläne, Luchse auszuwildern auf hartnäckigen Widerstand. Aber auch dort sind schon einzelne Exemplare nachgewiesen, die vermutlich aus der Schweiz eingewandert sind. In fast allen unseren Nachbarstaaten leben Luchse - mit Ausnahme der Benelux-Staaten und Dänemark.
Hier im Bayrischen Wald leben Luchse in freier Wildbahn, und gelegentlich auch Wölfe, ohne dass es zu Zwischenfällen gekommen wäre. Lebensraum ist hier vorhanden wie in den meisten Mittelgebirgen und im Alpenraum, wenn genügend Beutetiere dort leben - wenn nicht die freie Natur nahezu wildleer geschossen wird.
Wälder, soweit das Auge reicht, unterbrochen durch Lichtungen und Felsregionen. Bannwälder, Schutzgebiete, große Nationalparks, die noch nicht zu Baumfabriken verkommen sind.
Trotz der hohen Bevölkerungsdichte - Lebensraum für große Raubtiere gibt es bei uns. Es muss nicht unbedingt eine menschenleere Wildnis sein. In Italien und Rumänien kommen Wölfe sogar bis in die Vorstädte, ohne dass die Bevölkerung in Panik gerät.
Beute trägt oder schleppt der Luchs immer an einen geschützten Futterplatz. Mit guter Aussicht - so kann er auf Konkurrenten schnell reagieren. Öfter als einmal die Woche geht er selten auf Jagd. Seine Beute - Rehe, Hasen, Gämsen und in manchen Gegenden auch viele Füchse - frisst er über Tage hinweg bis auf Haut und Knochen auf.
Füchse sind graziös. Und vor allem Jungfüchse wirken geradezu niedlich. Gefürchtet wird der Fuchs heute nicht mehr wegen der Tollwut, sondern wegen des Fuchsbandwurms.
Fuchs und Dachs hausen oft zusammen in einem Bau - den meist der Dachs gegraben hat. Manche Dachsbaue sind Jahrhunderte alt und viele 100 Quadratmeter groß. Dachse sind bei uns die einzigen marderartigen Raubtiere, die vorwiegend vegetarisch leben. Ihre wichtigste Fleischnahrung sind Regenwürmer, ergänzt durch Mäuse, Jungvögel und Frösche. Unbeliebt machen sich Dachse, weil sie Mais lieben und von den Feldern holen. Früher galt der Dachs, der Grimbart der Fabel, als grimmiger Einzelgänger. Heute weiß man, dass Dachse durchaus auch in enger sozialer Bindung leben können.
Der seltene Baummarder meidet die Nähe der Menschen. Perfekte Räuber im Kleinformat: Nicht halb so schwer wie eine Hauskatze werden sie - und sie passen locker durch ein Loch mit 6 cm Durchmesser.
Die alleinerziehende Mutter bildet ihren 3-5 Kindern die typische Marderfamilie. In diesem Verband lernen die Jungen das wirkliche Leben. Sie jagen, was sie fangen können - Vögel, Mäuse, Ratten und auch Eichhörnchen. Und was zu viel ist, deponiert die Mutter in einer Astgabel.
Zu den Raubtieren bei uns zählen Braunbären nur mit Einschränkung: Vermutlich gibt es in Deutschland jetzt noch keine Freilebenden, aber in Österreich zählt man bereits 20 bis 30, die über die Karavanken eingewandert sind. Wie viele es genau sind, weiß man nicht, weil Wildtiere sich nicht an politische Grenzen halten.
Bis auf knappe 20 km haben sie sich jedoch schon der bayrischen Grenze genähert. Ernste Probleme hat man in Österreich mit diesen größten heimischen Raubtieren nicht. Lediglich Bienenstöcke wurden geplündert - und der Schaden den Imkern ersetzt.
Nur zu 10 bis 20% ernähren sich Braunbären von Fleisch, oft von verendeten Tieren. Den Bärenhunger stillen vor allem Früchte, Beeren, Blätter und Gras. Noch gibt es eine Chance, dass mehr dieser faszinierenden Tiere in unsere Natur zurückkehren. Durch systematische Verfolgung wurden sie bei uns vor Jahrhunderten ausgerottet. Wir alle haben nun die Aufgabe, auch diesen Teil der Tierwelt tatkräftig zu schützen.
© Text: SWR
