zum Inhalt.
zur Hauptnavigation.

Inhalt

Filmskript der Sendung

Ein Wald. Er speichert Wasser, reinigt die Luft. Menschen suchen hier Erholung und sie nutzen das Holz. Der Wald ist Lebensraum für Tiere und Pflanzen.

Sträucher, Kräuter und Blumen haben es schwer. Die Bäume nehmen ihnen das Licht weg. Einige haben sich angepasst, sie blühen sehr zeitig, andere kommen nur auf Lichtungen vor oder am Waldrand. Die Troddelblume zum Beispiel.

Ein typischer Frühblüher ist das Buschwindröschen. Es braucht viel Licht. Deshalb blüht es schon im März, bevor die Bäume Blätter tragen. Andere Arten entwickeln sich auch gut im Schatten. Die Nestwurz zum Beispiel. Eine Orchideenart, die von Pilzen mit Nährstoffen versorgt wird.

Mehr Licht brauchen Waldakelei und Türkenbundlilie. Schmetterlinge bestäuben diese Blüten, wenn nicht Rehe sie vorher abfressen. Das Rote Waldvögelein. Diese seltene Orchidee braucht Wärme und nährstoffreichen, kalkhaltigen Boden. Der Rote Fingerhut wächst dagegen auf kalkarmen, sandigen Böden.

Jede Pflanze stellt andere Ansprüche an Licht, Wasser und Boden, braucht ganz bestimmte Voraussetzungen, um wachsen zu können.

Der Mensch, der den Wald nutzt, hat nur einen Anspruch: in kürzester Zeit möglichst viel Holz zu produzieren. Die Hälfte unserer Wälder sieht so aus. Stangenwälder - Fichte steht neben Fichte. Solche Wälder sind nicht nur anfällig für Schädlinge, auch Wind und Sturm setzen ihnen zu: Bäume werden entwurzelt, Stämme umgeknickt.

Damit ein Wirtschaftswald auf Dauer genutzt werden kann, schlägt man immer nur so viel Holz ein, wie auch nachwächst. So ein Windwurf bringt diese forstwirtschaftliche Regel gehörig durcheinander. Mehr Holz als geplant muss aus dem Wald herausgeschafft und verkauft werden.

Ob Stangenwald, oder Mischwald aus Laub- und Nadelbäumen - unsere Wälder werden bewirtschaftet. Nur ein verschwindend kleiner Teil der Waldfläche wird nicht genutzt.

Im Bannwald greift der Mensch nicht ein; die Natur bleibt sich selbst überlassen. Bäume, die vor Altersschwäche umfallen, bleiben liegen und werden zersetzt. Aus ihnen heraus wächst neues Leben, der Wald verjüngt sich auf natürliche Weise. Es stört nicht, wenn Bäume vom Sturm niedergerissen werden. Pflanzen erhalten jetzt Licht, die vorher im Schatten standen. Junge Bäume wachsen nach und mit der Zeit schließt sich die Lichtung wieder.

Im Bannwald wachsen Pflanzen, die im Wirtschaftswald im Weg wären - und in seine Abgeschiedenheit haben sich Tiere zurückgezogen, die nur noch hier leben können. Die Wildkatze zum Beispiel. Sie ist vom Aussterben bedroht, wird aber immer wieder geschossen. Vermutlich verwechselt man sie mit streunenden Hauskatzen. Das Unterscheidungsmerkmal: Wildkatzen haben einen buschigen Schwanz. Viele Wildkatzen werden auch überfahren. Immer mehr Straßen durchschneiden ihre Jagdreviere. Wildkatzen leben als Einzelgänger. Nur während der Paarungszeit kommen sie zusammen.

Ein naher Verwandter der Wildkatze ist der Luchs. Er reißt Rehe und sein Fell ist begehrt. Daher wurde er verfolgt und fast ausgerottet. In der Schweiz, in Österreich und in den Vogesen hat man ihn inzwischen wieder erfolgreich ausgesetzt. Luchse werfen ein bis vier Junge, die zehn Monate bei der Mutter bleiben. Der Kater kümmert sich nicht um den Nachwuchs. Frühestens mit zwei Jahren werden Luchse geschlechtsreif. Diese sind erst vier Monate alt. Es könnte gelingen, dass Luchse in unseren Wäldern wieder heimisch werden.

Dies wird beim Wolf nicht möglich sein. Er ist größer als der Luchs, er frisst mehr und braucht ein weitläufigeres Jagdrevier. Im Rudel der Wölfe herrscht eine strenge Ordnung. Nur das ranghöchste Männchen pflanzt sich mit dem ranghöchsten Weibchen fort. Auf dem Felsen liegt der Anführer des Rudels; die übrigen Wölfe belecken ihn unterwürfig.

In Deutschland leben Wölfe nur noch in Gehegen, zum Beispiel im Nationalpark Bayerischer Wald. Daran angrenzend der Bannwald - ein Lebensraum, der sich selbst überlassen bleibt. Hier funktioniert das Zusammenspiel zwischen Pflanzen, Tieren, Bakterien und Pilzen. Es gibt keinen Abfall; was auch entsteht, es wird gebraucht, im Kreislauf der Natur verwertet.

Pflanzen wandeln die Energie der Sonne um und wachsen. Tiere fressen Pflanzen oder andere Tiere. Und wenn Pflanzen und Tiere absterben, werden sie zersetzt. Dafür sind Millionen von Kleinlebewesen und Bakterien zuständig, und auch Pilze gehören zur "zersetzenden Gesellschaft".

Im toten Holz leben zahlreiche Insekten, Käfer zum Beispiel. Die Weibchen legen ihre Eier in das morsche Holz, die geschlüpften Käferlarven fressen es. In Wirtschaftswäldern gibt es kein totes Holz, das vermodert. Daher sind über die Hälfte der holzbewohnenden Käferarten gefährdet. Zum Beispiel der Alpenbockkäfer. Das sind seine Fraßgänge. Er entwickelt sich in faulem Rotbuchenholz. Ein frischgeschlüpfter Alpenbockkäfer. Er ist sehr selten und steht unter Naturschutz.

Unter einem Haufen aus Nadeln, Zweigen und Moos liegt das Nest der Roten Waldameise. Sie trägt zur Erhaltung des natürlichen Gleichgewichts bei, frisst täglich große Mengen Insekten, Insektenlarven und Raupen.

Insekten, die sich in totem Holz entwickeln, sind auch Nahrung für die Vögel. Selbst wenn sie unter der Rinde, oder im Holz leben, sind sie nicht sicher - vor dem Buntspecht zum Beispiel. Dieser hat seine Bruthöhle in eine Fichte gezimmert. Wenn Spechte ihre Bruthöhlen verlassen, sind andere die Nutznießer. Vögel, die mit ihrem Schnabel keine Höhle in einen Baum hacken können. Der Rauhfußkauz brütet häufig in verlassenen Spechthöhlen. Nur in naturbelassenen Wäldern gibt es hohle Bäume, Behausung für viele Tiere.

Mit Erde und seinem Speichel hat der Kleiber den Eingang der ehemaligen Spechthöhle verkleinert, so dass er gerade noch hindurchpasst. Seine Jungen füttert er mit Insekten und trägt, wie auch die anderen Waldbewohner, dazu bei, das natürliche Gleichgewicht im Lebensraum Bannwald zu erhalten.