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Filmskript der Sendung

Ein harter Winter für Wildschweine. Im hohen Schnee kommen sie nur mühsam voran. Das europäisch-asiatische Wildschwein ist weit verbreitet: es kommt überall vor, wo es Deckung und genügend zu fressen findet. Das ist nicht immer einfach. Wildschweine magern im Winter ab. Sie zehren von der Speckschicht, die sie sich während des Jahres anfressen. Manche bedienen sich an den Futterstellen, die Jäger für sie eingerichtet haben. Die Jäger wollen damit verhindern, dass die Schweine die Felder durchwühlen und auf der Suche nach Nahrung Schaden anrichten. Meisen, Kolkraben und Eichelhäher sind Nutznießer der Fütterung.

Die Eckzähne sind nach oben gekrümmt und beim Keiler, dem erwachsenen männlichen Tier, besonders stark entwickelt. Wenn sie nicht gerade fressen, pflegen sie ihren Körper und bekämpfen den Juckreiz. Sie reiben sich am "Malbaum", wie der Jäger zu sagen pflegt.

Wildschweine sind gesellig. Einjährige und ihre Mütter ziehen gemeinsam durch den Wald; sie leben in Rotten.

Mehr Licht brauchen Waldakelei und Türkenbundlilie. Schmetterlinge bestäuben Ende Februar sondern sich die trächtigen weiblichen Tiere, die Bachen, von ihrer Rotte ab und bauen Nester aus Ästen, Reisig und Blättern. In diesem "Wurfkessel" bringen die Bachen ihre Jungen zur Welt. Bei Außentemperaturen unter dem Gefrierpunkt ist es im Kessel über zwanzig Grad warm. Die Nester sind überlebensnotwendig für den Wildschweinnachwuchs.

Gut eine Woche nach der Geburt verlassen die Tiere ihren Unterschlupf und rotten sich wieder zusammen.Die kleinen Wildschweine, die Frischlinge, leben in den ersten beiden Wochen ausschließlich von Muttermilch. Sie saugen nicht nur an den Zitzen, sondern stupsen und massieren den Bauch der Mutter, um den Milchfluss zu steigern.

Wildschweine sehen nicht gut; sie erkennen sich am Geruch. Kommt es zu Verwechslungen, so zeigt die Bache dem Frischling wo es langgeht. Mit der Zeit weiß jeder Frischling genau welches seine Mutter ist und an welcher Zitze er zu saugen hat. - Ist eine unsicher, überprüft er per Nasenkontakt. Alles okay!

Mit Grunzlauten verständigen sich die Wildschweine. Die Leitbache gibt den Ton an und alle anderen folgen. Nach dem Säugen - weiterziehen.

Zum Lebensraum der Wildschweine gehört eine Wasserstelle, die Suhle. Hier trinken sie und stochern mit ihrer Nase, dem Rüssel, wie der Jäger sagt, im Schlamm, auf der Suche nach Fressbarem. Suhlen im Schlammbad gehört zur täglichen Körperpflege der Alten. Die Jungen sind während dieser Zeit auf sich allein gestellt. Ihr längsgestreiftes Tarnkleid schützt sie wirksam vor Feinden. Doch das Fell ist dünn. Die Frischlinge frieren. Zum Schutz gegen die Kälte rotten sie sich zusammen. Besonders begehrt sind die warmen Plätze im Inneren des kleinen "Sauhaufens".

Für das geduldige Warten gibt es eine Belohnung. Sobald die Bachen zurück sind, legen sie sich auf die Seite und säugen die Frischlinge. Ihr Hunger ist größer als ihre Abneigung gegen Wasser und Schlamm. Die Frischlinge fressen noch nichts Festes. Sie sind auf die Milch der Mutter angewiesen und bleiben immer in ihrer Nähe. Selbst wenn die Bache deutlich zeigt, dass sie keine Lust zum Säugen hat, versuchen die Kleinen zu ihrem Recht zu kommen.

Viele Verhaltensweisen sind angeboren und werden im Spiel perfektioniert. Die beiden "Miniaturkeiler" keilen sich wie die "Großen". Das Aufreiten muss noch verbessert werden; das Scheuern am Malbaum klappt schon ganz gut. Wie die Alten, sucht jetzt auch der Nachwuchs nach fester Nahrung. Allerdings mit den Vorderläufen, der Rüssel ist noch zu empfindlich.

Eine Woche später - die Frischlinge sind jetzt einen Monat alt - graben die Kleinen schon kräftig und geschickt mit ihrem Rüssel; sie brechen den feuchten Waldboden auf und stöbern nach Würmern, Insekten und Engerlingen.

Wildschweine sind reinlich; nach dem Schlammbad scheuern sie sich an Bäumen, und sie putzen sich gegenseitig. Die Alte befreit eine Einjährige von Ungeziefer, während die Frischlinge ihren Mittagsschlaf halten. Die wilden Schweine suchen überall nach Leckerbissen, dabei setzen die Jungen schon kräftig ihre Milchzähne ein.

Die Tiere einer Rotte leben friedlich zusammen. Unruhe tritt meist erst dann ein, wenn erwachsene Keiler auftauchen. Wildschweine rotten sich nicht beliebig zusammen. Die Tiere einer Rotte sind meistens miteinander verwandt. Die älteren Bachen sind häufig Schwestern; der Nachwuchs, das sind Junge aus den letzten Würfen und auch schon Enkel. Im Familienverband sind die männlichen Tiere in der Minderheit; angehende Keiler werden spätestens nach eineinhalb Jahren aus der Rotte ausgestoßen.

Vier Monate nach der Geburt sind die für Frischlinge typischen Streifen verschwunden. Die Jungen fressen jetzt Gras und suchen in der Erde nach Nahrung. Milch von der Mutter bekommen sie keine mehr.

Wildschweine durchwühlen den Boden. Mit ihrem feinen Geruchsinn finden sie Insekten und Spezialitäten wie Trüffel. Nur Bachen spüren die schmackhaften Pilze auf. Trüffel enthalten nämlich Substanzen, die auch im Sexuallockstoff der Keiler stecken. Sie lieben zwar das Besondere, sind und bleiben jedoch Allesfresser, die sich um Aas, um einen halbverwesten Hasen, heftig streiten können.

Eicheln und Bucheckern - damit hat man früher auch die Hausschweine gemästet. Sie wurden in den Wald getrieben, durften sich frei bewegen und sich ein dickes Fettpolster anfressen, wie ihre wilden Vorfahren. Diese Zeiten sind vorbei.

Wildschweine hören sehr gut und sind jederzeit fluchtbereit. Sie sind schnell und dort, wo sie bejagt werden, sehr vorsichtig. Und obwohl Jäger Jahr für Jahr mehr Wildschweine zur Strecke bringen, steigt die Zahl der Tiere. Sie sind anpassungsfähig und vermehren sich stark.

Ab November geben die Keiler ihr Dasein als Einzelgänger auf und stoßen zu einer Rotte. Sie wetzen die Eckzähne aneinander, wollen die Konkurrenz damit beeindrucken. Die Keiler markieren mit Speichel ihr Revier, verbreiten ihre individuelle Duftnote.

Es ist Paarungszeit. Die Keiler treiben die Bachen, und die Jungkeiler kämpfen die Rangordnung aus. Ältere Tiere nehmen in der Schweineordnung einen höheren Rang ein als Junge. Bei Gleichaltrigen verhilft meistens die größere Körpermasse zu Rang und Ansehen.

Jäger nennen die Paarungszeit Rauschzeit. Und tatsächlich rennt der Keiler wie von Drogen benebelt hinter der rauschigen Bache her, treibt sie durch das eiskalte Wasser der Suhle, um sich mit ihr zu paaren. Normalerweise pflanzen sich nur die stärksten und gesündesten Keiler fort. Sie kommen kaum noch zum Fressen, denn sie müssen die Bachen begatten und sich gleichzeitig der lästigen Keilerkonkurrenz erwehren.

Die Rauschzeit dauert bis in den Winter hinein. Dann sondern sich die Keiler wieder von der Rotte ab. Die Bachen werden nach vier Monaten Tragzeit 5 bis 6 Frischlinge zur Welt bringen, die über 10 Jahre alt werden können. Der kalte Winter ist ihr einziger natürlicher Feind, seit Wolf und Luchs ausgerottet sind.