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Filmskript der Sendung

Wölfe in Rumänien. Sie haben sich dorthin zurückgezogen, wo einst der gefürchtete Graf Dracula sein Unwesen trieb. Der nachtaktive Blutsauger war "Der Herr der Wölfe" - glaubt man englischen Gruselromanen. Schloss Bran soll Draculas Heimat gewesen sein - in Transsylvanien. Eine Gegend, in der es heute noch mehr Wölfe als irgendwo sonst in Europa gibt. Und es gibt einen, der sich mit Haut und Haaren diesen Tieren verschrieben hat. Die Karpaten umschließen Transsylvanien wie ein Hufeisen. Auf deutsch heißt dieser Teil Rumäniens "Siebenbürgen", nach den Siebenbürger Sachsen, deutschstämmigen Siedlern, die im 12. Jahrhundert hierher kamen. Auch im Dorf Zernescht leben noch einige Siebenbürger. Ganz in der Nähe, im Nationalpark Königstein, befindet sich eine deutsch-rumänische Forschungsstation, eingerichtet von der Wildbiologischen Gesellschaft München, die das Leben der 3.000 Karpatenwölfe erforscht.

Der "Vater" dieser beiden Wolfskinder heißt Christoph Promberger. Der Wildbiologe hat die Welpen aus einer Wolfsfarm gerettet, wo sie wegen ihres Pelzes gezüchtet werden. Er taufte sie Poiana und Crai. Die beiden sollen später nicht ausgewildert werden. Das geht auch gar nicht mit zahmen Wölfen, sie würden in der Wildnis verhungern.

Christoph Promberger: "Wir haben diese Wolfswelpen aus zwei Gründen: Zum einen für Öffentlichkeitsarbeit, wir arbeiten mit Tourismus, und da ist es einfach so, dass Touristen Wölfe zu zeigen im großen Wald, wo man dann irgendwo nur ein Piepsen hört, das ist nicht so spannend, wie wenn man die Wölfe direkt vorführen kann. Dann bringt man einfach die message besser rüber. Und zum zweiten halten wir sie aus Forschungszwecken. Wir werden versuchen, verschiedene wissenschaftliche Fragen mit den Wölfen zu beantworten, und dazu müssen wir sie halt so aufziehen, dass wir sie auch wirklich als handzahme Tiere halten können."

Christoph Prombergers Hauptinteresse aber gilt den wilden Karpaten-Wölfen. Sie sind äußerst scheu und machen einen weiten Bogen um alles, was nach Mensch riecht. Mit lautem Heulen kann man sie jedoch relativ leicht orten. Ist ein Wolfsrudel in der Nähe, dann macht es seinen Revieranspruch deutlich. Das Geheule stammt von einem kleinen Rudel. Nichts ungewöhnliches für die Karpaten, denn in Rumänien sind die Rudel nicht so groß wie im hohen Norden von Russland oder Kanada. Im Durchschnitt bestehen sie gerade mal aus vier bis fünf Tieren. Das liegt hauptsächlich an der intensiven Jagd auf die Wölfe hier in Rumänien.

In den Karpaten herrscht ein harter und langer Winter, mit Temperaturen bis minus 40 Grad. Wenn die Wölfe nichts anderes finden, nehmen sie auch mit Mäusen vorlieb. Ihr feines Gehör verrät ihnen, wo unter dem Schnee eine Maus krabbelt. Das Wolfsrevier umfasst das ganze Tal, bis zu den Bergen im Hintergrund - rund 120 Quadratkilometer.

Von klein auf üben die Wölfe Beißkämpfe. Damit wird die Rangfolge im Rudel bestimmt. Es geht ziemlich grob zu, aber ernsthaft verletzen sich die Wölfe dabei nicht.

Mit dem Schneemobil folgt Christoph Promberger den Wanderwegen der Wolfsrudel. Zu Fuß würde er hier nicht weit kommen, denn die Wölfe legen bei der Nahrungssuche in einer einzigen Nacht bis zu 30 Kilometer zurück. Diese beiden Wölfe sind noch jung und verspielt. Das dicke Winterfell lässt sie erwachsen aussehen. Aber sie sind höchstens ein Jahr alt und wissen noch nicht, wie sie sich auf dem zugefrorenen Bach bewegen sollen.

Im Winter sind die einzigen Menschen hier in den Bergen die Holzfäller. "Die Wölfe kommen jede Nacht." erzählt der Holzfäller. "Drei von unseren Hunden haben sie gefressen - jetzt haben wir nur noch einen."

Zwei Wölfe streiten sich um ihre Beute - eine Hirschkuh. Bei Rangkämpfen gilt: Zuerst frisst der Alpha-Wolf, das Leittier des Rudels, die untergeordneten Tiere müssen warten. Wenn die Rangfolge unklar ist, entscheidet die Kraftprobe.

Im Dorf Prejmer, zu deutsch Tartlau, haben die Biologen eine zweite Forschungsstation eingerichtet, in einem alten Siebenbürger Bauernhof. Im Schlafzimmer von Christoph Promberger sind die beiden Wolfskinder untergebracht, inzwischen schon drei Monate alt.

Christoph Promberger: "Viele Leute, wenn sie so jetzt die Welpen sehen, sind natürlich begeistert davon, sie sind süß, sie sind putzig, und kommen vielleicht auf die Idee, das auch zu tun. Das ist aber etwas, was wir nicht unbedingt raten wollen, weil wenn diese Wölfe größer sind, dann können sie durchaus auch eine Gefahr für Menschen darstellen. Wir müssen sie ganz intensiv jetzt erziehen, das ist ganz schwierig, das zu tun, so dass man sie später auch ein bisschen freier laufen lassen kann. Aber ohne Leine ist völlig unmöglich, dass wir die laufen lassen, wenn Menschen kommen."

Spritzen werden vorbereitet, damit sollen die Wölfe betäubt werden. Dann geht die Treibjagd los. Mit möglichst viel Lärm scheuchen die Treiber die Wölfe in Richtung Netz. Eine Wölfin wurde gefangen. Sie wird mit einer Spritze betäubt. Das muss schnell gehen, damit ihr Stress nicht unnötig verlängert wird.Über 40 Grad. Die Körpertemperatur hat sich durch die Betäubungsspritze gefährlich erhöht, deshalb muss der Bauch mit Wasser gekühlt werden. Die Biologen flüstern, wollen die Wölfin nicht erschrecken. Denn trotz Betäubung hört und sieht sie alles; sie ist nur gelähmt. Zweck der ganzen Aktion: Der Wölfin wird ein Halsband mit einem Sender angelegt, damit die Wissenschaftler ihre Wanderungen verfolgen zu können. Man muss mehr über das Leben der Wölfe herausfinden, damit ein sinnvolles Schutzkonzept erstellt werden kann. Die Wölfin, die von Kopf bis Fuß vermessen wird, erhält den Namen Timisch, nach dem Fluss Timisch, in dessen Tal ihr Rudel lebt.

Mit einer Antenne kann Christoph Promberger nun das Signal vom Senderhalsband orten. So entdeckt er den Wolfsbau in einem schwer zugänglichen Waldtal. Er will feststellen, ob Timisch bereits Welpen hat. Und tatsächlich: Die jungen Wölfe antworten.

Kameramann Markus Zeugin installiert eine Funkkamera am Wolfsbau. Filmen aus dem Tarnzelt wäre unmöglich, die Wölfin würde durch den Menschengeruch sofort vertrieben.

Es ist Mai. Timisch hat insgesamt zehn Welpen zur Welt gebracht. In dieses Tal führt kein Weg, die Wolfsfamilie ist hier ungestört. Einen Kilometer entfernt steuert Markus Zeugin die Kamera per Funk. Nur die Leitwölfin des Rudels darf Junge großziehen. Die verfügbare Nahrung würde für einen zweiten Wurf nicht ausreichen.50 Meter entfernt geht ein Bär in respektvollem Abstand am Wolfsbau vorbei. In den ersten Lebenswochen werden die Welpen gesäugt. In dieser Zeit entfernen sie sich kaum vom Bau. Diese Bilder sind einmalig, Markus Zeugin ist bisher der einzige, dem Aufnahmen von der Aufzucht wilder Wölfe in Europa gelangen. Wenige Tage später bringt Timisch ihre Welpen in ein neues Versteck, um Verfolger zu täuschen und Parasiten loszuwerden.

Gemeinsam mit seinem rumänischen Kollegen Ovidiu Ionescu sucht Christoph Promberger die verlassene Wolfshöhle auf. In diesem Felsspalt hat die Wölfin vor wenigen Wochen ihre Welpen geboren. Die beiden Wissenschaftler interessiert, was sie gefressen haben.

Christoph Promberger: "It's a big den, it gets a little bit bigger, it goes a long way down, about six meters down. Here are some bones."

Im Wolfsbau findet Christoph Promberger neben Fellresten auch einige Knochen.

Christoph Promberger: "Zwei Knochen, das ist einmal von einem Rotwild, und zum anderen ein Knochen von einem Schaf, vermutlich ein Lamm, ein junges Schaf, die Timisch ist ja öfters mal zu den Schäfern runtergegangen und hat sich ab und zu ein Schaf geholt, und hier sind die Überreste."

Keine zwei Kilometer vom Wolfsbau entfernt liegt die Stadt Brasov, zu deutsch Kronstadt, mit über 300.000 Einwohnern die größte Stadt Transsylvaniens. Wie einst der Vampir Dracula, führen heute die Biologen ein nächtliches Leben. Am Stadtrand orten sie das Signal des Senderhalsbandes von Timisch. Mit dem Nachtsichtgerät suchen sie nach der Wölfin.

Zuerst entdecken sie den Leitwolf, der von zwei Jungtieren begleitet wird. Im Licht der Straßenlaternen leuchten die Augen der Wölfe stärker als die Augen anderer Tiere. Das liegt an einer reflektierenden Schicht auf der Netzhaut des Auges, der sie ihre extrem gute Nachtsichtigkeit verdanken.

Die Stadt Brasov ist in den letzten Jahrzehnten stark gewachsen. Im traditionellen Jagdrevier des Wolfsrudels stehen heute große Wohnblocks. Dass die Biologen nach Wölfen in der Stadt suchen, ist den Bürgern von Brasov aus der Zeitung bekannt. Kein Grund zur Aufregung. Hier in Rumänien hat niemand Angst vor den Wölfen. In Deutschland würde Panik ausbrechen.

Die Rumänen sind weit gefährlichere Tiere in ihrer Nähe gewohnt, zum Beispiel Braunbären, die ihre Müllcontainer nach Fressbarem durchstöbern. Meist sind die Bären friedlich. Wer sich jedoch einer Bärin mit ihren Jungen nähert, spielt mit seinem Leben.

Eine Schafherde am Stadtrand. Hier ist das Jagdrevier von Timisch, hier kommt sie fast jede Nacht vorbei. Die Biologen auch. Mit ihrem Nachtsichtgerät suchen sie die Umgebung ab. Das Hundegebell verrät, dass die Wölfe nicht weit sind.

Da ist wieder der Alpha-Wolf, der Anführer des Rudels. Die Biologen nennen ihn Alpha Romeo. Zwar ist er den Hunden an Kraft und Ausdauer weit überlegen, genauso wie Timisch, die Leitwölfin, doch die Hunde sind meist in der Überzahl und so scheuen die Wölfe den direkten Kampf.

Die Biologen folgen dem Signal ihrer Leitwölfin in ein umzäuntes Gelände - den Zoo von Brasov. Es ist eher unwahrscheinlich, dass sich Timisch durch die Käfigwölfe angelockt fühlt. Viel mehr dürften sie die Fleischreste im Abfallcontainer interessieren.

Funkspruch: "Peter, wir sind jetzt gerade im Zoo herinnen, die Timisch ist hier herinnen, die Hunde bellen wie verrückt, ich vermute dass sie am Container unten ist und dort frisst, kommen." "Ja gut hab ich verstanden, Ende."

In der Morgendämmerung wandert Timisch zur Müllkippe am Stadtrand von Brasov. Der Müll brennt hier Tag und Nacht, und es stinkt bestialisch. Die Biologen orten die Funksignale der Wölfin. Hier jagt sie nach Katzen, Hunden und Ratten.

Funkspruch: "Hallo Christoph, kannst du mich hören ?" "Ja Peter, ich kann dich verstehen." "Ich bin hier am Südende von dem Müllhaufen der hier brennt und die Timisch scheint tatsächlich da oberhalb auf dem Müllhaufen zu sein."

Timisch macht sich auf den Heimweg, mitten durch ein Industriegebiet, entlang der Eisenbahn-Hauptstrecke nach Bukarest.

Funkspruch: "She is coming from the left side now." "Peter, she is continuing just along the building, over."

Es ist schon hell, als Timisch zurück zum Wolfsbau läuft. Das liegt an den kurzen Sommernächten, aber auch daran, dass Timisch für die Aufzucht ihrer Welpen sehr viel Fleisch braucht - täglich etwa 15 Kilogramm. Timisch selbst kann in ihrem Magen maximal zehn Kilo Fleisch transportieren; auch die anderen Wölfe des Rudels schaffen Futter herbei.

Funkspruch: "Hallo Peter kannst Du mich hören, kommen." "Ja, Christoph, ich kann Dich hören." "Wir sind in der Hauptstrasse in Dirste, die Timis ist dort gerade durchgelaufen, mitten an der Bushaltestelle vorbei, wo die ganzen Leute stehen, und geht jetzt weiter Richtung big shepherd runter, bitte kommen." "Ja, hab ich verstanden, muss ich mein Auto drehen und komm sofort zurück." "Okay, wir kommen auch dann gleich runter und sehen uns dann dort."

Es ist sechs Uhr morgens. Die ersten Arbeiter sind schon unterwegs im Berufsverkehr, aber Timisch scheint keine Angst vor ihnen zu haben. Im Wald macht die Wölfin einen weiten Bogen um alles, was nach Mensch riecht, aber hier läuft sie ohne Scheu über Brücken und Hauptverkehrsstraßen. Die Menschen beachten die Wölfin nicht. Sie können sie nicht von einem Hund unterscheiden. Ihr Senderhalsband sieht ähnlich aus wie ein Hundehalsband. Außerdem ist ihr Körperbau einem Schäferhund sehr ähnlich. Nur die Art zu gehen ist anders: Wölfe laufen sehr viel zielstrebiger in eine Richtung.

Mit ihrer Forschung konnten die Biologen beweisen, dass Wölfe nicht unbedingt eine ausgedehnte Wildnis als Lebensraum brauchen. Sie können sehr wohl in Nachbarschaft mit Menschen leben, wie das Beispiel Rumänien zeigt. Ihr Wissen setzen die Biologen in einer Aufklärungskampagne ein. Sie wollen auch die Deutschen davon überzeugen, dass Wölfe keine Gefahr für Menschen sind, denn neuerdings wandern immer wieder Wolfsrudel aus Polen nach Deutschland. Einzelne Tiere wurden schon am Stadtrand von Berlin gesichtet.

Nach einigen Monaten kennen die Biologen den Rückweg von Timisch ziemlich gut. Heute legen sie sich auf die Lauer und warten direkt auf dem Wolfspfad, im Vordergrund. Timisch ist zwar etwas irritiert und macht einen kleinen Umweg durchs Getreidefeld, doch Angst hat sie offenbar nicht.

Sieben Uhr morgens. Die Menschen in Transsylvanien sind längst auf den Beinen. Höchste Zeit also für die Wölfe, wieder zurückzukehren. Das Flussbett ist die Rennstrecke von Timisch - hier kommt sie ungestört unter den vielen Eisenbahn- und Straßenbrücken hindurch. Ein junger Wolf, ohne Senderhalsband, folgt Timisch in einigem Abstand.

Wie fast jede Nacht haben die Wölfe auch heute über zwanzig Kilometer zurückgelegt. Dabei müssen sie vielen Hindernissen ausweichen und sich mit Schäferhunden auseinandersetzen. Wirklich gefährlich können ihnen die Hunde allerdings nicht werden, denn die Wölfe sind deutlich schneller. Sie erreichen Geschwindigkeiten von 50 Stundenkilometern.

Erst gegen acht Uhr morgens erreicht Timisch den schützenden Wald und eilt zu ihren Welpen, um sie zu füttern. Das Fleisch, dass die Wölfin in ihrem Magen transportiert hat, würgt sie unverdaut wieder aus.

Biologe Peter Sürth untersucht das Opfer einer Wolfsattacke. Das Schaf wurde durch einen Biss in die Halsschlagader getötet. Doch die Hunde konnten die Wölfe vertreiben und ließen ihnen keine Zeit zum Fressen. Die Wölfe kommen fast jede Nacht hierher, erzählen die Schäfer. Allein im letzten Jahr haben sie 70 Schafe gerissen. Deshalb will Christoph Promberger, unterstützt vom WWF und dem rumänischen Waldforschungsinstitut, den Schäfern Elektrozäune zur Verfügung stellen. Bisher sind Hunde ihr einziger Schutz

Christoph Promberger: "Wenn die Hunde Angst haben vor den Wölfen oder wenn sie zu aggressiv sind, zu sehr attackieren und alle hinter den Wölfen herlaufen, dann ist es sehr leicht für den Rest der Wölfe, von hinten her an die Herde heranzukommen und sich dort was zu holen. Und dieses Jahr haben sie scheinbar gute Hunde, die nahe an der Herde bleiben, die Wölfe sehr rasch lokalisieren, aber nicht weglaufen von der Herde. Und damit sind sie wohl ganz gut gefahren bisher."

In den Karpaten leben Menschen und Wölfe nahe beieinander. Im Sommer weiden Millionen von Schafen auf den Almen, genau dort, wo auch Wölfe und Bären zuhause sind. Die Tradition der Herdenschutzhunde ist in Europa fast überall verschwunden. Vor allem in Rumänien gibt es noch die speziellen Hunderassen, die in der Lage sind, Schafherden gegen Wölfe zu verteidigen.

Jeden Sommer zieht die Familie von Virgil Stroe auf die Alm und produziert dort den traditionellen Schafskäse. Die rumänische Spezialität, Burduf genannt, schmeckt ziemlich scharf. Während er den Käse in eine Schweinsblase stopft, erzählt der Vater von der letzten Wolfsattacke. Erst letzte Woche rissen sie zwei Schafe. Dann konnte der Schäfer die Wölfe mit einem Stock vertreiben. Ein Gewehr braucht er dazu nicht, schließlich seien die Wölfe keine Gefahr für die Menschen. Das bestätigt auch seine Frau:

Frau Stroe: "Was die Eltern ihren Kindern von den Wölfen erzählen, ist mehr Legende als Wirklichkeit. Viele sagen, dass die Wölfe Menschen angreifen, aber das stimmt nicht, ich habe nie einen Wolf gesehen, der einen Menschen angreift."

Kind: "Ich habe auch Wölfe gesehen. Sie sind weggelaufen; sie haben Angst vor den Menschen."

Junger Mann: "Ein Rudel Wölfe kam zu unserer Herde. Einer der Wölfe lenkte die Hunde ab, und die anderen kamen von hinten und holten sich unbemerkt die Schafe, während die Hunde noch dem ersten Wolf hinterher rannten."

Die Forscher machen einen Kontrollflug, weil die Wölfe in einem abgelegenen Tal verschwunden sind und trotz Senderhalsband nicht mehr geortet werden können. Die Peilantenne steckt in den Tragflächen und wird von Christoph Promberger gesteuert. Der Pilot dreht eine große Runde, denn die vier besenderten Wölfe sind in vier verschiedenen Rudeln, die weit voneinander entfernt leben. Um sie in dem mehr als 2000 Meter hohen Gebirge wiederzufinden, braucht er genaue topographische Karten. Nebenbei hält der Biologe Ausschau nach Hirschkadavern, die die Wölfe im Wald liegen lassen.

Eine Hirschkuh. Normalerweise kann sich das Rotwild gegen die Wölfe wehren. Aber im Winter schafft es hin und wieder ein Rudel, eine schwache Hirschkuh in ein Waldtal hinunterzujagen, bis sie im tiefen Schnee versinkt und erbeutet werden kann. Dass es sich um einen Wolfsriss handelt, kann der Biologe unschwer an den Spuren im Schnee erkennen.

Christoph Promberger hat auf seinem Kontrollflug das Signal von einem seiner Wölfe geortet und folgt ihm jetzt zu Fuß. Er kommt ihm schnell näher, denn der Wolf scheint auf der Stelle zu stehen. Ein schlimmer Verdacht kommt auf. Und tatsächlich findet er das Senderhalsband - ohne Wolf.

Christoph Promberger: "Dieses Senderhalsband hat irgendjemand hier weggeworfen. Es stammt von einem unserer besenderten Wölfe. Dieser Wolf ist wahrscheinlich vor ein paar Tagen geschossen worden, und an der Munition kann ich erkennen, es ist Posten, das ist hier verboten, es handelt sich um einen Wilderer. Jetzt ist dieser Wolf auch geschossen worden, die beiden übriggebliebenen Wölfe werden es wahrscheinlich nicht überleben, sie sind beide zu unerfahren. Ich vermute, dass sie in den nächsten Wochen verhungern werden. Wir können das nicht mehr nachkontrollieren, weil wir natürlich keinen Zugang mehr zu diesen beiden Wölfen haben."

Die Zukunft der Karpatenwölfe hängt vor allem von der Bereitschaft der Menschen ab, diese Raubtiere neben sich zu dulden. Unterstützt von seinen beiden zahmen Welpen Poiana und Crai will Christoph Promberger deshalb eine Image-Kampagne für Wölfe starten. Rumänien soll Beispiel gebend sein: Trotz einiger Wilderer und skeptischer Jäger leben Mensch und Wolf hier friedlich nebeneinander, das zeigt das Beispiel von Timisch. Wenn die Aufklärung der Naturschützer Erfolg hat, dann stromert ihr Rudel auch weiterhin durch Wälder und Städte Transsylvaniens. Und vielleicht schafft es der "Herr der Wölfe" ja, dass seine Schützlinge eines Tages auch wieder in Deutschland Fuß fassen.