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Französisch in der Grundschule – ein Unterrichtsfach, das nicht nur bei Eltern umstritten ist, sondern auch bei Grundschullehrkräften. Wie soll man Kindern eine Sprache näher bringen, die man selbst nur unsicher beherrscht, die man nicht studiert hat? Wie soll man die Schülerinnen und Schüler in das sogenannte „Sprachbad“ tauchen?
Andrea Narr setzte in ihrer dritten Klasse die CD-ROM interaktiv „Le petit gnome“ sowie die Sendung „Le petit gnome et le couturier“ ein und berichtet über ihre Erfahrungen.
Ich selbst stand als Berufsanfängerin vor der Aufgabe, mit Französisch eine Sprache zu unterrichten, die ich in der eigenen Schulzeit zum letzten Mal gesprochen hatte. Nach dem Besuch von Sprachkursen und Fortbildungen fühle ich mich inzwischen dieser Aufgabe gewachsen und unterrichte das Fach sehr gerne. Vor allem die Fortbildung zu „Le petit gnome“ hat mich noch einen großen Schritt in diese Richtung weitergebracht. Das Multimedia-Paket eröffnet die Möglichkeit, die Kinder in ein „Sprachbad“ zu tauchen. Man kann damit Inhalte des Französischunterrichts multimedial, spielerisch und abwechslungsreich präsentieren.
Zurzeit unterrichte ich eine dritte Klasse in Französisch, die bereits seit dem ersten Schuljahr Französisch lernt. Ab der ersten Klasse steht den Kindern an unserer Schule ein Arbeitsheft eines etablierten Lehrwerks zur Verfügung. Die 26 Kinder dieser Klasse sind dem Fach Französisch gegenüber sehr aufgeschlossen. Sie haben zum größten Teil keine Hemmungen davor, die Sprache zu sprechen.
Da wir an unserer Schule im Fach Französisch parallel das Lehrwerk einsetzen, war es mir wichtig, „Le petit gnome“ thematisch passend in bestehende Unterrichtseinheiten einzubinden.
Zunächst haben die Schüler die Protagonisten von „Le petit gnome“, Jérôme und seine Freunde (ein Hund, eine Katze und ein Papagei), kennengelernt, die ich mit farbigen Bildtafeln eingeführt habe. Damit verbunden war die Einübung eines Dialogs mit bereits bekannten Phrasen wie „Je m’appelle … . Je suis … . Et toi? Comment ça va?“ und so weiter. Die Namen der Freunde und deren Tierarten wurden in einem Dialog wiederholt und gefestigt: zum Beispiel „Je m’appelle Arthur. Je suis un chien“. Dabei übernahmen die Kinder jeweils die Rolle einer der Figuren, indem sie sich das Bild eines Protagonisten umhängten.
Im weiteren Verlauf der Unterrichtseinheit werden nun das etablierte Lehrwerk und das Multimediapaket verbunden. Steht zum Beispiel laut Stoffverteilungsplan des Lehrwerks der Themenbereich „Les vêtements“ an, finden sich hierzu Anknüpfungspunkte in der Folge „Le petit gnome et le couturier“. Der Wortschatz wird anhand echter Kleidungsstücke eingeführt, die in einem Koffer liegen. Dazu wird das Lernspiel „Ich packe meinen Koffer“ im Kreis gespielt. Der Satz „Dans ma valise, il y a le pantalon“ wird vom Sitznachbarn jeweils um ein Kleidungsstück erweitert. Dabei dürfen sich die Kinder aus den Kleidungsstücken, die in der Mitte des Kreises liegen, eines aussuchen und in den Koffer legen. Anschließend wird die Kleidung Jérômes betrachtet und im Rollenspiel wird der Wortschatz nochmals gefestigt: „Je suis … . Je porte … .“ .
„Le petit gnome“ bietet nun viele verschiedene Möglichkeiten, das Thema „Kleidung“ multimedial aufzubereiten. Zunächst macht es den Kindern großen Spaß, die Figuren nun als Handelnde in einem kurzen Film kennenzulernen. Damit aber nicht nur der visuelle Aspekt im Vordergrund steht, erhalten die Kinder Beobachtungsaufgaben, die ihr Hörverständnis herausfordern: Welche Kleidungsstücke werden genannt? Wie oft fragt Catherine, die schwerhörige Katze, „Comment?“ und so weiter.Die Kinder sind von den Figuren und der Geschichte fasziniert. Trotzdem scheint es sinnvoll, die Sendung nach Sinnabschnitten immer wieder zu unterbrechen, um spontane Äußerungen und Meinungen der Kinder zu sammeln. Dabei zeigt sich meist, dass alle Kinder zumindest die Grundzüge der Filmhandlung verstehen. Dies motiviert die Schüler ungemein und spornt sie an zu zeigen, wie viele Wörter sie schon kennen. Teilweise sind hierbei auch Hilfestellungen wie wiederholtes Abspielen von kurzen Szenen oder Nachsprechen von Wörtern oder Sätzen möglich. Am Ende der Sendung dürfen die Kinder in einer angeleiteten Feedback-Runde ihre Meinung äußern, von wichtigen Beobachtungen und von den Ergebnissen ihrer Beobachtungsaufgaben berichten.
Zum Multimediapaket gehört auch eine CD-ROM mit interaktiven Übungen, die thematisch und inhaltlich zu den kurzen Filmen passen. Darunter sind Geschicklichkeitsspiele und zu jedem Film thematisch passende Wortschatz- und Artikulationsübungen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Spiele in den Unterricht zu integrieren. Die CD-ROM kann zum Beispiel als sinnvolle Differenzierungsaufgabe im Unterricht eingesetzt werden. Ebenso kann die CD-ROM beim Lernen an Stationen als eine Lernstation fungieren. Darüber hinaus ist es möglich, sich als Lehrkraft gezielt Übungen – unabhängig von den Filmen - aus den Lernspielen auf der CD-ROM auszusuchen, die einen bestimmten Wortschatz trainieren, der gerade im Unterricht durchgenommen wird.
Eigentlich ist die CD-ROM für den Einsatz im PC-Raum gedacht. Doch selbst wenn wie bei uns kein solcher vorhanden ist, gibt es Einsatzmöglichkeiten, bei denen alle Kinder beteiligt sind: Neben dem Einsatz der CD-ROM als Differenzierungsaufgabe können die Kinder in Form der Lernstationen sich in Partnerarbeit mit der CD-ROM zum Beispiel auf den vorhandenen Laptops beschäftigen. Schließlich ist es aber auch möglich, im gesamten Klassenverband das Paket zu nutzen, ohne einen PC-Raum zur Verfügung zu haben: Damit alle Kinder schnell Einblick in die Lernspiele bekamen und nicht so lange warten mussten, bis sie endlich an der Reihe waren, ging ich mit der gesamten Klasse in den Filmraum. Dort konnten wir gemeinsam im Klassenverband über Beamer und Laptop in die CD-ROM „schnuppern“ (siehe Foto). Damit die Kinder auch hier aktiv werden konnten, wurde eine Funkmaus eingesetzt und ein Mousepad-Tablett, das abwechselnd auf dem Schoß jedes Kindes lag und das jeweilige Kind zumindest eine Teilaufgabe durchführen konnte. Diese Methode ermöglichte wichtige kommunikative Situationen, die die Kinder zu zweit am PC nicht gehabt hätten.
Interessant war zu beobachten, dass einige Kinder den Umgang mit der Maus noch nicht gewohnt waren und auch wenig über die Struktur von interaktiven Computerspielen wussten; allerdings wurde auch deutlich, wie rasch sie dies aufholten. Als besonders gut für die Arbeit mit der ganzen Klasse erwies sich das Einstiegsbild vom Inneren des Camping-Cars des „petit gnome“. Hier gibt es reichlich zu entdecken und anzuklicken, zu sehen und zu hören, und damit viele Anlässe für kurze Dialoge und Wortschatztraining.
Die kurzen Filme und die CD-ROM bieten ein schier unerschöpfliches Lernangebot, das den Bedürfnissen der Kinder in der Grundschule gut entspricht. Aber auch die fachlichen Bedürfnisse von Lehrkräften werden zufriedengestellt: Das Multimediapaket, zu dem im Übrigen auch ein gut einsetzbares Materialheft mit zusätzlichen Aufgaben und Arbeitsblättern gehört, kann komplett so in den Unterricht übernommen werden, oder aber flexibel in Einzelteilen in ein eigenes Unterrichtskonzept integriert werden. Meine Klasse und ich freuen uns jedenfalls schon auf das nächste Treffen mit dem kleinen Gnom und seinen Freuden. Wir sind selbst Freunde von ihm geworden!
© Text: Anja Narr: Grundschullehrerin an der Schwarzenbergschule Waldkirch und freie Mitarbeiterin für Fortbildungen zu „Französisch in der Grundschule“
