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Unterricht: Mit der Bibel zum Abitur

Der Schwerpunkt des Films liegt nicht auf der inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem Kreationismus; vielmehr steht der Umgang mit Vertretern des Kreationismus im Schulsystem im Vordergrund. Auf welche Probleme stoßen Kinder aus streng gläubigen evangelikalen Elternhäusern an öffentlichen Regelschulen, wenn ihr Glaube mit dem Unterrichtsstoff in Konflikt gerät? Zudem werden private Bekenntnisschulen in Nordrhein-Westfalen und ihr Umgang mit den verbindlichen Lehrplänen untersucht. Der Film passt deshalb vor allem in den Religions-, Deutsch- oder Politikunterricht oder in ein fächerverbindendes Projekt mit Biologie.

Zum besseren Verständnis des Konflikts sollten die Schüler zuerst grundlegende Fakten recherchieren, zum Beispiel was sich hinter dem Begriff "Kreationismus" verbirgt und welche Varianten es gibt. Dazu kommt das Arbeitsblatt 1 "Plakat Kreationismus" zum Einsatz. Die Hintergrundinformationen und Linktipps in diesem Wissenspool helfen bei der Recherche. Als Präsentationsform bieten sich Plakate an, weil sich die Gruppenergebnisse gut vergleichen lassen und während der Unterrichtseinheit immer sichtbar bleiben. Wenn Sie den Film "Adam, Eva und die Evolution" bereits in der Klasse gezeigt haben, kann dieser Schritt entfallen.

Politische und persönliche Aspekte

In der Bearbeitung des Films können eher politische und eher persönliche Aspekte eine Rolle spielen:

  • Eine politische Frage ist, inwieweit religiöse Auffassungen in der Schule Beachtung finden dürfen, wenn sie geltenden Lehrplänen und der vorgeschriebenen Wissenschaftsorientierung widersprechen. Sollen Schulen Orte der Integration sein oder wiegt das Recht schwerer, "ungestört" seine religiösen Überzeugungen leben zu können?
  • Weltanschauliche und religiöse Überzeugungen bringen Schüler im Alltag immer wieder in Konflikte. Wie gehen sie und ihr Umfeld damit um? Die Unterrichtsvorschläge greifen beide Aspekte auf.

Politische Aspekte

  • Porträtfoto von Eva Rollenske. Realschuldirektorin Eva Rollenske aus Hennef befürchtet Parallelgesellschaften; Rechte: WDR

Der Diskussion über die Frage, wie viel religiöse und weltanschauliche Freiheit eine Privatschule haben sollte und wo die Grenzen dieser Freiheit liegen, kann eine Recherche in der eigenen Region vorangehen: Wie viele Privatschulen gibt es in der Region und welche sind religiös geprägt? Auf der ersten Seite von Arbeitsblatt 2 "Privatschulen und konfessionelle Schulen" sind Leitfragen, Hinweise und Internetadressen für die Recherche angegeben. Die Schüler können sich in Gruppen näher mit jeweils einer ausgewählten Privatschule auseinandersetzen. Wenn die Schüler sehen, dass es private Bekenntnisschulen auch in ihrer Region gibt, bekommen sie einen anderen Bezug zur Fragestellung. Die Recherche-Ergebnisse werden in die anschließende Diskussion eingebracht. Auf der zweiten Seite des Arbeitsblatts sind Aspekte formuliert. Im Kern geht es um demokratische Grundfragen: Wie werden Vielfalt und Integration im Schulsystem am besten gesichert? Wie stark soll der Staat Privatschulen kontrollieren?

Die Diskussion kann um den Aspekt des Religionsunterrichts ergänzt werden. Ob Glaube und Wissenschaftlichkeit auch für andere Glaubensrichtungen ein Widerspruch ist, beleuchtet Arbeitsblatt 3 "Wissenschaftlichkeit und Glaube". Die Schülerinnen und Schüler lesen einen Auszug aus dem Lehrplan für evangelische Religion in Nordrhein-Westfalen (in unserem Beispiel für Gesamtschulen) und analysieren, was dort zum Verhältnis von Glaube und Naturwissenschaften gesagt wird. Zu diesem Thema können auch evangelische oder katholische Geistliche in den Unterricht eingeladen werden, um ihre Sicht der Dinge zu erläutern. Die Recherche lässt sich auch um den Islam und das Judentum erweitern - auch dort gibt es kreationistische Strömungen (siehe Hintergrundtext).

  • Arbeitsblatt 2: Privatschulen und konfessionelle Schulen
  • Arbeitsblatt 3: Wissenschaftlichkeit und Glaube

Persönliche Aspekte

  • Porträtfoto von Dieter Betz Baptistische Schüler verweigern im Sexualkunde-Unterricht die Mitarbeit, berichtet Lehrer Dieter Betz; Rechte: WDR

Jenseits der politischen Fragen zur Zulassung und Kontrolle von Bekenntnisschulen kommen Menschen aufgrund ihres Glaubens oder ihrer Weltanschauung in ihrem Alltag in Schule, Freizeit und Beruf immer wieder in Konflikte. Die Schüler versetzen sich zunächst in die Rolle zweier Protagonisten aus dem Film und verfassen einen Tagebucheintrag nach einem schwierigen Schultag: Tatjana war Gastschülerin an einer christlichen Privatschule und fühlte sich dort permanent diskriminiert. Die baptistischen Schüler der Realschule Hennef wurden nur anonymisiert gezeigt, deshalb haben wir einen fiktiven Schüler angegeben. Der Tagebucheintrag soll sich aber auf eine im Film angedeutete Situation beziehen: der Biologie-Unterricht über Evolution. Die Schüler betrachten Ausgrenzung und Isolation aus zwei unterschiedlichen Perspektiven (Arbeitsblatt 4 "Tagebuch").

Arbeitsblatt 5 "Religion und Schulalltag" greift die im Film angesprochenen Konflikte der baptistischen Schüler auf. Die Schüler sollen sich zunächst mit den Hintergründen der Konflikte beschäftigen: Auf welche Bibelstellen und Glaubensgrundsätze beziehen sich die Baptisten? Können die Schüler die wortgetreue Auslegung nachvollziehen? Das Thema lässt sich je nach Zusammensetzung der Schülerschaft auf andere Religionen erweitern.

Im zweiten Schritt wird besprochen, wie man in der Schule mit solchen Konflikten umgehen soll. Auf Arbeitsblatt 6 "Heißer Stuhl" haben wir drei Positionen aufgeführt, auf die sich die jeweiligen Gruppen vorbereiten. Jede Gruppe kommt für eine festgelegte Zeit auf den "Heißen Stuhl" und muss die Positionen gegenüber der Klasse verteidigen. Wenn jede Gruppe an der Reihe war, wird die Debatte ausgewertet. Diese Diskussionsform gewährleistet, dass jede Position intensiv besprochen wird und sich alle mit allen Positionen auseinandersetzen. Alternativ kann die Diskussion als "Fishbowl" angelegt werden: Vertreter der drei Gruppen diskutieren miteinander, wobei die Vertreter jederzeit ausgewechselt werden können, wenn ein anderes Gruppenmitglied einsteigen möchte.

Über eigene Erfahrungen von Ausgrenzungen und Isolation wegen religiöser und weltanschaulicher Überzeugungen zu reden, fällt den Schülern möglicherweise nicht leicht. Das "Stille Gespräch" kann eine Möglichkeit sein, sich zu äußern, ohne in unangenehme Situationen gebracht zu werden (Arbeitsblatt 6 "Stilles Gespräch"). Die Ergebnisse der Gruppen können in der Klasse aufgehängt oder in einer Mappe gesammelt werden, sie müssen nicht im Unterricht besprochen werden. Je nach Zusammensetzung und Arbeitsklima kann das "Stille Gespräch" auch vor der Behandlung der Arbeitsblätter 4 und 5 eingesetzt werden.

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  • Externer LinkDas Kopftuch – türkische Mädchen über das Kopftuchgebot

    Eines der sichtbarsten und umstrittensten religiösen Symbole ist das Kopftuch. Im 15-minütigen Film "Kopftuch" berichten türkische Mädchen und Frauen, die in Deutschland leben, über ihre Einstellung zum "Kopftuchgebot". Dabei kommen Mädchen zu Wort, die sich bewusst für das Kopftuch entschieden haben, sowie eine Familie mit drei Töchtern, welche diese religiöse Tradition ablehnt.

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