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Das klassische Ehrenamt: Schöffe bei Gericht; Rechte: dpa
Ein ehrenamtlicher Schülerlotse bei der Arbeit; Rechte: dpa
Der Begriff des Ehrenamtes oder der ehrenamtlichen Tätigkeit hat in den vergangenen Jahrzehnten eine deutliche Ausweitung erfahren. Das klassische Ehrenamt bezog sich auf die Ausübung so genannter öffentlicher Ehrenämter. Dazu gehören auch heute noch insbesondere Positionen in der Justiz wie ehrenamtliche oder Laienrichter, Schöffen oder Schiedsleute. Auch Gemeinderäte oder Wahlhelfer gehören zu den öffentlichen Ehrenämtern. Diese Tätigkeiten sind zwar freiwillig – dies ist ein Kernaspekt der ehrenamtlichen Tätigkeit – gleichwohl in der Regel mit einer geringen Aufwandsentschädigung verbunden.
Landläufig versteht man unter ehrenamtlicher Tätigkeit die freiwillige und unentgeltliche Übernahme von Aufgaben zum Wohle des Gemeinwesens. Diese Definition umschließt teilweise sogar die Übernahme der häuslichen Pflege eines Familienangehörigen – sicherlich ist dies ein sehr weit gefasster Begriff von Ehrenamt.
In jüngerer Zeit hat sich der Begriff des "bürgerschaftlichen Engagements" durchgesetzt. In Kommunen, Gemeinden, Institutionen und Vereinen wird das bürgerschaftliche Engagement unterstützt oder sogar offen eingefordert. Um diese Aktivitäten in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken, werden allerorten engagierte Bürgerinnen und Bürger mit Preisen und Anerkennung ausgezeichnet, einmal im Jahr gibt es die Woche des bürgerschaftlichen Engagements unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten.
Aktuell sind schätzungsweise – das heißt, je nach Definition – ca. 23 Millionen Menschen in Deutschland ehrenamtlich tätig. Zumeist ist sind diese Tätigkeiten langfristig angelegt. Das European Volunteer Centre in Brüssel schätzt den Wert dieser Arbeit in Deutschland auf ca. 75 Milliarden Euro. Auch Bundespräsident Köhler betonte in seinem Grußwort zur Woche des bürgerschaftlichen Engagements 2007 die Bedeutung der Freiwilligkeit: "Bürgerschaftliches Engagement erbringt konkrete Dienstleistungen und verbessert so die Lebensqualität in unserem Land."
Quelle: www.bundespraesident.de
Die Bereiche, in denen man sich ehrenamtlich engagieren kann, sind vielfältig. Zu den beliebtesten gehören diese:
• Kindergärten, Schulen, Altenheime
• Tierschutz, Umweltschutz
• Freiwillige Feuerwehr, Bergwacht
• Deutsches Rotes Kreuz, Technisches Hilfswerk
• Sportvereine
• Kirchen und kirchliche Organisationen
• Sozial- und Beratungsdienste
• Kultur
Neben der langfristigen und kontinuierlichen freiwilligen Arbeit in Vereinen und Institutionen engagieren sich eine Fülle von Menschen auch für kurzfristige und zeitlich begrenzte Projekte. Vor allem internationale Großveranstaltungen sind ohne ehrenamtliche Helfer nicht mehr zu stemmen. So suchten die Organisatoren der FIFA Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland insgesamt 15.000 Menschen, die die Fußballfans aus aller Welt betreuten. Und sie haben sie gefunden.
Ursprünglich wurde das freiwillige soziale Jahr (FSJ) für junge Frauen als weibliches Gegengewicht zum Zivil- oder Wehrersatzdienst der wehrpflichtigen jungen Männer geschaffen. Anders als beim klassischen privaten bürgerschaftlichen Engagement, werden Einsatzstellen von anerkannten sozial-karitativen oder gemeinnützigen Trägerinstitutionen angeboten. Die Freiwilligen sind meistens den Auszubildenden gleichgestellt. Seit 2002 wird das FSJ unter bestimmten Bedingungen auch für Zivildienstleistende anerkannt. Als Pendant zum FSJ gilt das FÖJ – das Freiwillige Ökologische Jahr.
In der Regel dauert das FSJ zwischen 12 und 18 Monaten. Die Freiwilligen werden besonders ausgebildet und während ihres Einsatzes betreut. Die Einsatzstelle bleibt über den gesamten Zeitraum gleich. Arbeitszeit und Vergütung variieren je nach Träger der Einrichtungen.
Zunehmend werden von verschiedenen Institutionen Möglichkeiten angeboten, sich ehrenamtlich auch außerhalb Deutschlands zu engagieren. Die jüngste Initiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zu diesem Thema nennt sich "weltwärts". Das BMZ trägt damit dem Wunsch vieler Jugendlicher und junger Erwachsener Rechnung, sich neben der europäischen auch auf der Ebene der Entwicklungsländer zu engagieren. Gemeinsam mit internationalen Projektpartnern bereitet "weltwärts" Menschen im Alter von 18 bis 28 Jahren für den Einsatz in Entwicklungsländern vor, begleitet sie und betreut sie auch im Nachgang zu ihrem Auslandsaufenthalt. Die Dauer des Einsatzes kann von sechs bis zu 24 Monaten betragen.
Dieses Projekt bietet den Teilnehmerinnen und Teilnehmern wichtige Schlüsselqualifikationen für ihr künftiges Berufsleben. Neben der Mehrsprachigkeit werden zunehmend auch interkulturelle Erfahrungen von Arbeitgebern gewünscht. Auch das Verstehen komplexer Zusammenhänge von wirtschaftlichen, sozialen und bildungspolitischen Faktoren gilt als wichtiger Mehrwert.
Neben dem Engagement von Privatpersonen ist das Engagement ganzer Unternehmen inzwischen ein wachsender Faktor. Unter dem Titel "Corporate Citizenship" unterstützen Unternehmen in der Regel Projekte am Standort finanziell, beratend oder durch ihre Mitarbeiter.
Das Engagement kann vielfältige Formen haben:
Ernsthaftigkeit und Glaubwürdigkeit des Engagements von Unternehmen werden in der Öffentlichkeit sehr genau beobachtet. Stellt sich heraus, dass ein Unternehmen lediglich kurzfristig Punkte machen will, anstatt sich langfristig und nachhaltig am Gemeinwesen zu beteiligen, so gelten die entsprechenden Aktivitäten lediglich als so genanntes "Feigenblatt".
Gutes und Nützliches freiwillig und unentgeltlich zu leisten – das ist kurz gefasst der Kern des Ehrenamtes oder des bürgerschaftlichen Engagements. Kritiker weisen jedoch darauf hin, dass der Staat seine Fürsorgepflichten nicht auf dem Rücken der Freiwilligen mal so und mal so definieren darf. Die immer wiederkehrende Diskussion, ob die Sozial- und Pflegedienste ohne Freiwillige und Zivildienstleistende überhaupt noch funktionieren würden, soll als Beispiel dienen.
Grundsätzlich gilt: Das Verhalten des Staates wirkt sich auf die Motivation der Ehrenamtlichen oder des bürgerschaftlichen Engagements aus. Je höher die soziale und kulturelle Selbstverpflichtung des Staates, desto höher die Motivation für das Ehrenamt , und umgekehrt.
Der Staat fördert die ehrenamtliche Tätigkeit von Privatpersonen vor allem steuerlich. Aufwandsentschädigungen, die sie für ihre Einsätze erhalten, sind in bestimmtem Rahmen steuerfrei. Auch bieten verschiedene Bundesländer für zentrale ehrenamtliche Tätigkeiten etwa im Bereich der freiwilligen Feuerwehr oder in der Wohlfahrtspflege einen Versicherungsschutz an.
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