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Der Begriff "Bio-Lebensmittel" ist mit dem Erlass der Europäischen Öko-Verordnung von 1991 ein klar definierter Begriff. Um deutlich sichtbar zu machen, welche Lebensmittel dieser Verordnung genügen und welche nicht, führte Deutschland im Jahr 2001 das inzwischen bei den Verbrauchen gut bekannte Bio-Siegel ein. Produkte, die das Bio-Siegel tragen, sind von staatlicher Seite aus kontrolliert – es steht für die Einhaltung der Europäischen Öko-Verordnung. "Bio" ist damit gleichzeitig zu einem streng geschützten Zeichen geworden. Nicht jeder darf damit einfach so seine Produkte bewerben. Vielmehr muss nachgewiesen werden, dass die Grundprodukte tatsächlich nach der Verordnung hergestellt wurden.
Deshalb ist die ökologische Landwirtschaft eng mit dem Bio-Siegel verbunden. Folgende Bedingungen müssen erfüllt sein:
Bislang gibt es das Bio-Siegel in dieser Form nur in Deutschland. Es wird jedoch auch an Lebensmittel vergeben, die aus anderen Ländern importiert werden – freilich erst nach der Kontrolle auf Basis der EU-Verordnung. Ab 2009 soll sich auch dies ändern. Dann soll es innerhalb der Europäischen Union ein einheitliches Siegel geben.
Neben dem staatlichen Bio-Siegel gibt es weitere Kennzeichnungen, die auf biologisch hergestellte Produkte hinweisen. Zu den bekanntesten Siegeln gehören Bioland, Demeter oder etwa Naturland. Allesamt sind dies so genannte Anbauverbände, deren Mitglieder sich strengen Kontrollen unterziehen. Anders jedoch als beim staatlichen Bio-Siegel verpflichten sie sich dazu, die Vorgaben des Verbandes zu erfüllen. Meist sind diese – selbst gesteckten Vorgaben – strenger als die EU-Vorgaben.
Besonders Demeter sticht aus der Fülle von Anbietern heraus. Demeter ist der einzige Aubauverband der biologisch-dynamischen Landwirtschaft: Von Demeter zertifizierte Höfe betreiben jeweils eine ganzheitliche Landwirtschaft. Das schließt beispielsweise eine Spezialisierung etwa auf reine Milchwirtschaft aus. Auf jedem Hof wird Ackerbau und Tierhaltung betrieben.
Auch die Richtlinien von Bioland und Naturland sind in einigen Bereichen strenger als die EU-Öko-Verordnung. So dürfen Bioland-Betriebe etwa keine konventionelle Landwirtschaft parallel betreiben – selbst wenn sie von der ökologischen Kreislaufwirtschaft getrennt wäre. Neben den ökologischen Produktionsmethoden verpflichten sich die Naturland-Mitglieder seit 2005 zusätzlich zu gemeinsamen Sozialrichtlinien. Somit sind nicht nur die Produktion der Lebensmittel, sondern auch die sozialen Bedingungen, unter denen sie produziert werden, für die Zertifizierung entscheidend.
Es gibt einen wachsenden Markt für ökologisch erzeugte Lebensmittel – das steht außer Frage. Nicht zuletzt die Entstehung von Öko-Supermarktketten legen davon Zeugnis ab. Dennoch ist der Marktanteil von Bioprodukten insgesamt gering geblieben – im Jahr 2006 zwischen drei und vier Prozent. Landwirte, die ihre Höfe nach streng ökologischen Kriterien führen, haben in der Regel höhere Produktionskosten. Mithin stehen deren Produkte in direkter Konkurrenz zu konventionell erzeugten Produkten im Regal der Supermärkte.
Engagierte Kritiker fordern daher, dass Landwirte, die konventionell produzieren, für die verursachten Umweltkosten wie etwa Pflanzenschutzmittel und Dünger in Gewässern, aufkommen sollen. So fordert die Organisation Foodwatch dazu auf, die gesamten Kosten in die Verkaufspreise aufzunehmen, um den – wie sie es nennt – unfairen Wettbewerb zu beenden und dadurch langfristig die gesamte Landwirtschaft und die Lebensmittelindustrie zu ökologisieren.
Deshalb kritisiert Foodwatch auch die Neufassung der Europäischen Öko-Verordnung, die diesen Wettbewerbsnachteil der ökologischen Landwirtschaft nicht beseitige.
Im Zuge der Diskussion um ökologisch produzierte Lebensmittel schwingt auch das Thema "Grüne Gentechnik" immer mit. Damit bezeichnet man die gentechnische Veränderung von Nutzpflanzen, um sie widerstandsfähiger gegen Schädlinge, Krankheiten oder Pflanzenschutzmittel zu machen. Gentechniker sind davon überzeugt, dass diese Ziele mittels gentechnischer Verfahren schneller erreichbar sind.
Kritiker der Gentechnik betonen vor allem folgende Argumente:
Dass das Thema "Grüne Gentechnik" ein Glaubenskampf ist, bestätigen auch die Reaktionen auf die Novellierung des Gentechnikrechts und die Kennzeichnung von Lebensmitteln mit dem Siegel "Ohne Gentechnik". Bauern und die Ernährungsindustrie halten das Siegel für eine Mogelpackung – die Verbraucherverbände hingegen loben, dass durch diese Etikettierung eine größere Wahlfreiheit für die Konsumenten entstehen wird.
Eine Studie des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hat sich jüngst mit den Ernährungsgewohnheiten der Deutschen befasst. Als Hauptinformationsquellen über Lebensmittel gelten
1. Printmedien
2. Angaben auf den Lebensmittelverpackungen
3. persönliche Kontakte zu Freunde und Familienmitgliedern
4. Fernsehen.
Das Bio-Siegel, das Bioland-Siegel und das CMA-Gütezeichen sind bei zwei Dritteln der Befragten bekannt. Lebensmittel als Risikofaktor für die Gesundheit rangiert in der Wahrnehmung weit abgeschlagen. Dennoch ist die Sensibilität hinsichtlich bestrahlter Lebensmittel, gentechnischer Veränderungen oder des Einsatzes von Pestiziden in der Lebensmittelherstellung hoch.
Die Studie hat darüber hinaus festgestellt, dass sich das Einkaufsverhalten bei den höheren Einkommensschichten verändert. Je höher das Haushaltseinkommen, desto mehr wird in Lebensmittelfachgeschäften eingekauft und auf Bio-Lebensmittel geachtet. Interessanterweise ist dieses Verhalten bei Männern stärker ausgeprägt als bei Frauen. Frauen, so das Ergebnis, "kaufen generell in allen Einkommensschichten öfter Bioprodukte als Männer."
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