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Kölner Dom in seiner Entstehung noch ohne Türme; Rechte: AKG
Ein Tor mit zwei Türmen: Die Severinstorburg in Köln; Rechte: WDR
Die Kirchen und Klöster in Köln und Umgebung sind seit dem Mittelalter Anlaufstelle für Pilger aus aller Welt und so hat sich im Rheinland schon früh eine Kultur der Pilgerreisen entwickelt. Glaubensreisende kamen von überall her aus dem christlichen Abendland. Früher waren sie leicht zu erkennen: ein Hut mit breiter Krempe, ein Stab und ein langer Umhang, oft waren ihre Füße blutig gelaufen von der langen Reise, fast immer waren sie hungrig und müde. Doch trotz der strapaziösen Pilgerfahrt konnten sie nicht sicher sein, überhaupt in die Stadt eingelassen zu werden, denn Gefahren lauerten im Mittelalter überall.
Die Städte damals waren vorsichtig, wen sie überhaupt hinter die Stadtmauern ließen. Doch Wallfahrern gewährten die Kölner Torwächter fast immer Einlass, denn sie kamen im Namen Gottes und wollten vor den sterblichen Überresten der Heiligen, auch Reliquien genannt, um die Vergebung ihrer Sünden bitten. Köln und seine Bürger waren zudem stolz auf die Scharen von Pilgern und auf die Bedeutung Kölns als Wallfahrtsort: Ein Bürger der Stadt am Rhein ließ es sich nicht nehmen zu Beginn des 14. Jahrhunderts mehrere Gebäude als komfortable Herberge für Pilgerreisende zu stiften.
Die Hauptattraktion der Stadt Köln waren seit 1164 zweifelsohne die Gebeine der berühmten Heiligen Drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar. Der damalige Erzbischof von Köln, Rainald von Dassel, brachte diese wertvollen Überreste der Männer von Mailand in die Stadt am Rhein.
Die Legende der Heiligen Drei Könige ist historisch nicht in allen Einzelheiten geklärt. Beispielsweise ist die Anzahl der Heiligen erst von Origenes (185-254) aus der Zahl der drei Gaben Weihrauch, Gold und Myrrhe erschlossen worden. Ähnlich ist es mit dem Titel der Könige: Bis in das 8. Jahrhundert galten die drei zuerst als Magier oder Priester, erst danach wurden sie als Könige bezeichnet. Man nimmt an, dass die drei Könige die damals bekannten Kontinente symbolisieren sollten, Europa, Asien und Afrika. Erst ab dem 3. Jahrhundert wurde Balthasar oder Caspar als dunkelhäutig dargestellt, während später Melchior als der farbige König galt. Da nicht sicher zu beweisen ist, wohin die Heiligen Drei Könige gingen, nachdem sie Jesus gehuldigt hatten, ist auch nicht klar, ob der Dreikönigenschrein im Kölner Dom tatsächlich die Gebeine der Weisen enthält. Die Heiligen Drei Könige wurden übrigens nie offiziell von der katholischen Kirche heilig gesprochen.
Aus Sicht der Wissenschaft ist auch der Name der heiligen Ursula schwer zu erklären, denn er lässt sich nicht vollständig zurückverfolgen. Fest steht nur, dass im 9. Jahrhundert zum ersten Mal der Name Ursula als Anführerin der elf Jungfrauen bekannt wurde. Andere Schätzungen gehen sogar von 11.000 Jungfrauen aus, die Ursula begleitetet haben sollen. Diese Zahl wird von vielen auf einen Lesefehler zurückgeführt.
Der wissenschaftliche Beweis der wahren Identität von Reliquien bleibt also aus, allerdings kann auch nicht bewiesen werden, dass sie es nicht sind.
Albertus Magnus vor der Universität in Köln; Rechte: WDR/Helmut Metzmacher
Die Kirche St. Heribert in Köln-Deutz; Rechte: WDR/ Herby Sachs
In Köln sind nicht nur die schöne Ursula und der tapfere Gereon zu finden, es gibt noch rund 33 weitere Heilige und viele Legenden über sie.
Albertus Magnus zum Beispiel hatte im Mittelalter mit großen Vorurteilen zu kämpfen, da er auf der einen Seite gläubiger Christ und auf der anderen Seiten Naturwissenschaftler war. Dies war zu jener Zeit ein großer Widerspruch. Doch Albertus setzte sich durch und wurde sowohl theologischer Lehrer als auch Forscher. Heute liegen seine Gebeine in der Sankt Andreas Kirche zu Köln. Er ist einer der Mitbegründer des Kölner Generalstudium des Dominikanerordens und seine Bronzestatue steht vor dem Eingang der Universität zu Köln.
Ein anderer Heiliger ist Heribert. Er hatte Visionen von der Jungfrau Maria und folgte ihnen, als er den Bau eines Klosters in Deutz in Auftrag gab. Zudem erwarb er sich den Ruf eines Heilers. Bei einer Predigt am Palmsonntag hörte er die Schreie eines Besessenen, betete für ihn und heilte damit den Kranken. Zum Dank wurde nach seinem Tod ein Goldschrein mit seinen Reliquien in der Heribert Kirche aufgestellt.
Dies sind nur zwei weitere Beispiele für Reliquienstätten in Köln. Eine Pilgerreise in die Stadt am Rhein lohnt sich auch heute: Zwischen Kirchen, Klöstern und Schreinen ist Köln eine pulsierende und lebendige Stadt.
© Texte: Katharina Appia
