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Hintergrund Mali: Musik

Musik in Mali

Gemeinsam mit anderen westafrikanischen Ländern wie Gambia, Senegal oder Guinea verfügt Mali über ein uraltes, reiches musikalisches Erbe, das auch in der Zeit des Kolonialismus nicht verloren ging und im Gegenteil seit einigen Jahrzehnten in der westlichen Welt zunehmend Beachtung findet. Als Modibo Keita, nach Erlangung der Unabhängigkeit 1960, eines der ersten sozialistischen Regimes in Afrika errichtete, sah er sich noch veranlasst, von den Musikern eine Mandigue-Variante der importierten Rhythmen und Stile zu fordern. Inzwischen stellen westafrikanische Künstler sogar fest, dass die Globalisierung einen Schutzfaktor für den Erhalt der akustischen, authentischen Musik ihrer Heimat bildet. Gerade die europäische Nachfrage nach den jahrhundertealten Klängen, ohne elektrische Verstärkung, E-Gitarre oder andere moderne Instrumente (was in Afrika selbst unbefangen praktiziert wird), bietet den Traditionalisten unter ihnen Chancen.

Traditionelle Musikinstrumente Westafrikas

Trommel

Es werden verschiedene Typen von Trommeln verwendet: so z.B. die kleine „tama“, die mit einem gebogenen Holzstab geschlagen wird, oder die große „jembé“.

Kora

Die Kora ist eine mit beiden Händen gezupfte Stegharfe, auch Harfenlaute oder Doppelharfe genannt. Den Korpus bildet eine mit Kuhfell bezogene Kürbishälfte, über die 21 Saiten gespannt sind. Das Instrument ähnelt optisch zwar Saiteninstrumenten europäischer Herkunft, unterscheidet sich aber dadurch, dass der „Hals“ nur als Befestigung, nicht als Griffbrett dient. Außerdem sind die Saiten in zwei Ebenen senkrecht zum Korpus angebracht anstatt parallel zu diesem. Heute werden Saiten aus Nylon verwendet, ursprünglich wurden sie aus der Haut der weiblichen Antilope gefertigt. Das Tonspektrum der Kora umfasst zweieinhalb Oktaven, sie wird nach von Region zu Region verschiedenen heptatonischen Systemen (Siebentonreihe) gestimmt.

  • Trommel (Quelle: www.sxc.hu, Pawel Zawistowski)

    Trommel

  • Kora (Quelle: Tilman Büttner)

    Kora

N´goni

Auch die wesentlich kleinere N´goni, eine Bogenharfe, besitzt als Resonanzkörper einen mit einem Stück Fell bespannten Kürbis. An dem darüber angebrachten Holzstab, dem Bogen, sind bis zu 6 Saiten befestigt. Gerade in Mali ist bei den herumziehenden Griot-Musikern eine nur ein- bis viersaitige N´goni (Kamalé N´goni) gebräuchlich. In der Regel wird mit den beiden Daumen und den Zeigefingern gespielt, mit starker Betonung des Rhythmus und in normalerweise pentatonischer Stimmung (Fünftonreihe).

Balafon

Das Balafon ist ein Xylofon mit besonders warmem, vollem Klang. Auf einen Bambusrahmen sind 18 bis 21 Hölzer aus Rosenholz gespannt. Unter den Holzstäben befinden sich als Resonatoren hohle Kürbisse, deren Größe auf den jeweiligen Ton abgestimmt ist. Die Kalebassen haben zudem Bohrlöcher, die mit vibrierenden Materialien wie Fledermausflügeln oder heute auch Zigarettenpapier überklebt sind, was einen „singenden“ Ton ergibt. Das Balafon ist üblicherweise pentatonisch oder diatonisch gestimmt.

  • Balafon (Quelle: Tilman Büttner)

    Balafon

  • N'goni (Quelle: Tilman Büttner)

    N'goni

Charakteristika der Musik

Viele Bewunderer dieser Musik heben ihre Wärme und Zartheit, ihre Feinheit und auch das achtsame Aufeinanderhören der Musiker hervor. Der Stil ist eher ruhig und fließend. Im Vergleich mit der oftmals stärker zum Tanz anregenden Musik aus Gambia oder Guineawirkt traditionelle Musik aus Mali langsam und majestätisch. Eine Vielzahl melodisch-rhythmischer Elemente wird zu einer ein mehrstimmiges Ganzes bildenden Komposition verwoben. Oft werden zyklische Begleitmuster mit für den Savannenraum typischen, in Kaskaden verlaufenden Sololinien kombiniert (Quelle: http://www.bibiafrica.de/e/ballake_d.html). Das Melos ist vorwiegend engstufig und fallend, kleinere Intervalle herrschen vor. Typisch für die Musik auf dem gesamten afrikanischen Kontinent sind die von westlichen Hörern manchmal als eintönig empfundenen vielfachen Wiederholungen. Es gibt nicht unsere Vorstellung von Anfang und Ende, sondern eher die eines Kreises oder Flusses.

Die Tradition der Griots

  • Koraspieler im hellroten Hemd sitzt vor seiner Kora im dunklen Musikclub (Quelle: SWR) Koraspieler Modibo stammt aus einer Griot-Familie
  • Sänger mit blauem Tuareg-Turban, singt vor Mikrofon. (Quelle: SWR) Tuareg-Griot Abasse besingt seine Heimat

Für Musik waren in Westafrika die Griots zuständig, im Gegensatz zu anderen afrikanischen Völkern, bei denen es keine „ Berufsmusiker“ gab. Die Kunst der Griots (und, in geringerer Anzahl, der weiblichen Griottes), bestand in einer Einheit aus musikalischem und sprachlichem Vortrag. In ihren Stand hineingeboren, übten sie von frühester Kindheit an das Spiel auf der Kora, dem Balafon oder der N´goni und lernten die zahllosen langen Erzählungen - die Mythen der alten Sudanreiche – auswendig; ebenso die Herrscherlisten und die verschiedenen Gesänge, die auch die alltägliche Lebenswelt zum Inhalt haben konnten. Sie waren das Gedächtnis einer schriftlosen Gesellschaft. Ihre Wortgewalt und ihr sprachliches Geschick machten sie aber auch gefragt als Streitschlichter oder Heiratsvermittler.

Gesellschaftliche Stellung der Griots

Sie bildeten eine eigene Kaste, die untereinander heiratete und etwas außerhalb der Gesellschaft stand – mit zwiespältigem Ansehen. Einerseits wurden sie für ihre Kunstfertigkeit bewundert, und wichtige Ereignisse im Leben (wie z.B. Hochzeiten) oder überhaupt jegliche Feste waren ohne ihre Begleitung nicht denkbar. Sie waren als Lobredner und Poeten gefragt, als Autoritäten anerkannt oder sogar gefürchtet. Andererseits war ihr sozialer Status gering. Ihre Abhängigkeit von einem festen „Patron“, der ihnen materielle Sicherheit gab, oder von vielleicht sogar von Auftritt zu Auftritt wechselnden Geldgebern wurde unter Umständen als Schmarotzertum bewertet.

Griots heute

Noch heute leistet sich ein angesehener Geschäftsmann oder Politiker seinen persönlichen Griot. Aber viele Griots finden auch im modernen Musik- und Showbusiness ein Auskommen. Im Senegal z.B. stammen fast alle gegenwärtigen Musiker, Bühnenschauspieler, TV- und Radiomoderatoren aus Griot-Familien. Im ländlichen Raum stellen Hochzeiten die Haupteinnahmequelle dar. Und noch heute kann man einen Westafrikaner an seinem Familiennamen als den Griots zugehörig erkennen. In Mali sind dies Namen wie: Diabaté, Konté, Kanté, Koité, Koyaté oder Sissoko (die Schreibweisen variieren). Großen Erfolg mit ihrer Musik hatten oder haben z.B. Mory Kanté, der allerdings aus Guinea stammt („Yeké Yeké“), Toumani Diabaté (herausragender Koraspieler), Habib Koité, Bassekou Koyaté (BBC Award for World Music) oder Kandia Koyaté (eine der in Mali häufiger als den Nachbarländern anzutreffenden Griottes). Der ebenfalls sehr erfolgreiche Malier Salif Keita - man merkt es schon am Namen – stammt dagegen nicht aus einem Griot-Clan.