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Methodisch-didaktische Unterrichtshinweise

Vorbemerkungen

Die Bildungspläne der verschiedenen Schularten benennen als wesentlichen Erziehungsauftrag des Faches Erdkunde, dass den Schülerinnen und Schülern ein Zugang zu Landschaften und den dort lebenden Menschen gegeben werden soll. Eine besondere Bedeutung soll dem Heimatraum zukommen. Was liegt unserem Heimatraum aber ferner als die "Dritte Welt", zu der ein großer Teil von Afrika gehört? Andererseits kann man feststellen, dass diese Welt schon Teil unserer eigenen Welt ist - über Informationen aus den Medien, durch bestimmte Waren und zunehmend auch Menschen, wie z.B. ausländische Studenten, Asylbewerber... (Schmidt-Wulffen 1998). Ein weiterer Gedanke unterstreicht die Wichtigkeit der Auseinandersetzung mit fremden Kulturen. Weltweit, auch in Europa, führt Nationalismus in seiner schlimmsten Form zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Ethnien. Die Angst vorm Fremden ist eine Triebfeder hierfür. Diese Angst kann gemindert werden, wenn wir ein Verständnis für fremde Kulturen entwickeln. Auch hierin liegt ein Auftrag für die Erziehung und Bildung der heranwachsenden Generation.

Untersuchungen von Schmidt-Wulffen (1998) zum Afrika-Bild deutscher Achtklässler aller Schularten zeigen, dass diese nur den armen, schwarzen Landmenschen sehen, der ein Opfer der klimatischen Verhältnisse des Lebensraumes ist. Andere nicht-geodeterministische Ursachen des Hungers, wie z.B. der Einfluss der "ersten Welt" durch Kolonialismus und fehlgelaufene Entwicklungshilfe scheinen nicht im Bewusstsein verankert zu sein. Die Fähigkeiten von Afrikanern und menschliche oder kulturelle Qualitäten werden genausowenig erwähnt wie die Tatsache, dass ein großer Teil der Afrikaner in Städten lebt und die Verstädterungsrate ständig zunimmt. Verantwortlich hierfür ist sicherlich das Bild, das durch öffentliche Medien und Kinderbücher vermittelt wird, genauso muss aber betont werden, dass sich der Erdkundeunterricht aller Schularten bis zur achten Klasse zumeist in der Behandlung der Klima- und Landschaftszonen erschöpft.

Die Filme der Serie "Kinder Afrikas" bieten die Möglichkeit eines anderen Zuganges zu den Themen "Tropischer Regenwald", "Wüsten", "Savannen" in den siebten und achten Klassen von Haupt- und Realschule sowie Gymnasium. Im Rahmen der LPE 5 der Gymnasialklasse 8 "Kulturkreise" können sie eingesetzt werden, um ein realistischeres Bild des schwarzafrikanischen Kulturkreises zu entwerfen bzw. eine afrikanisch-islamische Stadt ("Ägypten") darzustellen. Die Schülerinnen und Schüler erfahren die fremde Kultur durch die Augen eines Gleichaltrigen, einer Identifikationsfigur, die den inneren Zugang erleichtert. Auch aufgrund der Tatsache, dass die vorgestellten Kinder und Jugendlichen aus einer Vielfalt von Lebenssituationen stammen (Stadtkinder und Landkinder, verschiedene gesellschaftliche Schichten) kann ein realistischeres Bild vom Leben in Afrika vermittelt werden.

Denkbar ist der Einsatz der einzelnen Filme an entsprechender Stelle im Rahmen der Behandlung der verschiedenen tropischen Landschaftszonen. Grundsätzlich können die Filme dann zum Einstieg in die Lebensräume verwendet werden. Die im Zentrum stehende Identifikationsfigur stellt den "Türöffner" zum neuen Thema dar. Sie spricht bereits Themenbereiche an, die im späteren Unterrichtsverlauf vertiefend mit dem Lehrbuch behandelt werden können. Den Tuareg-Jungen Djibrilla begleiten wir bei seiner "Reise durch die Wüste" und lernen dabei den Lebensraum und den Nomadismus als angepasste Lebensform kennen. Felix führt uns in die Faszination des Regenwalds ein und erläutert seine Nutzung und Gefährdung. Der Massai-Junge Nkoidila lässt uns in "Mit den Löwen leben" am Leben in der Savanne teilhaben. Das Stadtkind Linda aus Accra führt uns aber durch das Stadtleben und in die afrikanische Kultur ein. Yasmine dagegen, das "Großstadtmädchen" aus Kairo zeigt uns den islamischen Kulturkreis.

Eine andere Möglichkeit des Filmeinsatzes ist die Durchführung einer Unterrichtssequenz zum Thema "Wie leben Kinder in Afrika?", in der alle Filme gezeigt werden. Als interessanter Einstieg kann der Arbeitsauftrag dienen: Zeichne oder beschreibe, wie du dir das Leben eines afrikanischen Gleichaltrigen vorstellst. Die Ergebnisse können auf einem Wandplakat gesammelt und durch Schüler-Erläuterungen im Unterrichtsgespräch ergänzt werden. Falls die Schule die entsprechende Infrastruktur aufweist (zwei oder mehr gleichzeitig verfügbare Videogeräte), kann die Klasse in fünf Gruppen aufgeteilt werden, die sich mit den Filmen in arbeitsteiliger Gruppenarbeit beschäftigen. Die Gruppenarbeit besteht aus zwei Teilen:

  • Makroebene/Länderinformation: Die Schüler informieren sich anhand des Atlas über ihr Land (z.B. Lage, Klima, Wirtschaft, Bodennutzung). Weitere Informationen können ihnen durch Aushändigung der entsprechenden Tabelle mit den Länder-Grunddaten (siehe Hintergrundinformationen bei den einzelnen Beiträgen zu den Filmen) ausgehändigt werden.
  • Mikroebene/das Leben eines Gleichaltrigen: Die Schüler sehen den Film an und beantworten Fragen zu ihrem Film: Was erfährst du über den Alltag und die Pflichten des Kindes? Wie verbringt das Kind seine Freizeit? Welche Gemeinsamkeiten/Unterschiede stellst du fest im Vergleich zu deinem Leben?

Die Gruppen stellen ihre Ergebnisse in einer weiteren Unterrichtsphase vor. Zur Ergebnissicherung werden zwei Arbeitsblätter ausgehändigt. Das eine enthält eine stumme Karte, auf der die behandelten Fallbeispiele eingetragen werden und Platz ist für die Fixierung von wichtigen Grunddaten des Landes. Das andere, unten erscheinende Tabelle ("Wie leben afrikanische Kinder meines Alters?"), enthält Platz für stichwortartige Auskünfte über das Leben der Kinder. Unter Zuhilfenahme einer Wandkarte stellen die Gruppen ihre Ergebnisse vor.

In einer letzten Phase der Unterrichtssequenz sollen die beiden Aufgaben des Arbeitsblattes gelöst werden. Dies kann sowohl in Gruppen- oder Stillarbeit während des Unterrichts als auch als Hausaufgabe erfolgen. Im abschließenden Unterrichtsgespräch werden die Ergebnisse erörtert. Die Schülerinnen und Schüler kommen vielleicht zum Ergebnis, dass ihr bisheriges Afrikabild wirklichkeitsfern ist. Eventuell kann eine Diskussion über die Ursachen der Diskrepanz zwischen unseren Vorstellungen und der Wirklichkeit erfolgen. Der Vergleich der Informationen aus Atlas- und Ländertabellenarbeit mit den Informationen eines Einheimischen schärft auch für künftige geographische Arbeiten das Bewusstsein für die verschiedenen Ebenen der Information. Darüber hinaus zeigen die Strukturdaten (zu Kindersterblichkeit, Lebenserwartung und Analphabetentum), dass die dargestellte Lebenssituation des Kindes von allgemeinen Tendenzen im Land abweichen kann.

Wie leben afrikanische Kinder meines Alters?

.......................... Alltag und Pflichten Freizeitgestaltung Vergleich mit meinem Leben