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Ghana war das erste Land des Kontinents, das 1957 als "Schwarzer Stern Afrikas" die politische Unabhängigkeit erlangte. Vorangegangen waren 500 Jahre Geschichte, die bereits stark vom europäischen Einfluss geprägt waren. 1471 waren die Portugiesen an der Küste gelandet, um die reichen Goldvorräte auszubeuten und einen Handelsstützpunkt aufzubauen. Daher erklärt sich der koloniale Name "Goldküste". Den Portugiesen folgten andere europäische Mächte und im 18. Jahrhundert sollte Großbritannien seine Vormachtstellung durchsetzen. Wichtiger als der Handel mit Gold wurde mit der Entdeckung der Neuen Welt der Menschenhandel. Der Aufbau von Plantagensystemen in Amerika erforderte eine Vielzahl von Arbeitskräften, die dort nicht zu beschaffen war. So wurde die Goldküste zu einem Eckpunkt des sogenannten Dreieckshandels (Sklaven von Afrika nach Amerika; Plantagenprodukte von Amerika nach Europa, Waffen von Europa nach Afrika), denn hier fand man "willige" Arbeitskräfte. Zwischen 1600 und 1800 wurden jährlich etwa 10000 Sklaven an den Handelsstützpunkten verladen. Es herrschte eine Zeit des Grauens, in der Völkerwanderungen aus Gründen der Flucht vor Sklavenjägern stattfanden und die Bevölkerung um die kräftigsten Mitglieder dezimiert wurde. Gleichzeitig blühte die europäische Wirtschaft. Auf diese Zeit wird auch im Film hingewiesen wenn von den zerfallenen Festungsanlagen von Accra die Rede ist. Im 19. Jahrhundert führte Großbritannien blutige Kolonialkriege, um die Stämme der Goldküste zu unterwerfen. Mit dem Beginn der Unabhängigkeit erhoffte man sich in Ghana eine erfolgreiche soziale und wirtschaftliche Entwicklung. Tatsächlich begab sich der "Schwarze Stern" aber "auf Talfahrt". Viele Ursachen sind hierfür zu nennen, z.B. die Zwänge des kapitalistischen Systems, der Verfall der Kakaopreise, wirtschaftspolitische Fehl-Entscheidungen und Korruption. Heute hat der Staat mit den Problemen zu kämpfen, die für schwarzafrikanische Entwicklungsländer typisch sind. So führten z.B. die Regenwaldabholzungen und Bodenerosion zur großflächigen Landdegradation (Schmidt-Kallert 1995). Landflucht führt zu einer jährlichen Zuwachsrate der Städte von 3%. Damit verbunden sind Verstädterungsprobleme, wie z.B. Slumbildung und Arbeitslosigkeit.
Quelle: Fischer Weltalmanach 2010
© Text: Silke Harrer
